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16.06.2005 um 17:30 Uhr

GELIBOLU - GALLIPOLI (Tolga örnek, 2005)

Gallipoli, so heißt die langgestreckte Halbinsel im Nordwesten der Türkei. Im ersten Weltkrieg, um genauer zu sein 1915, kam es hier zu einer der blutigsten Schlachten, die dieser Krieg gekannt hat. Mit Mann und Macht gelang es den Türken erst nach vielen Monaten erbitterten Kampfes, den von Churchill veranlassten Eroberungsfeldzug der Briten und Franzosen niederzuschlagen.

 

Obwohl die Schlacht um Gallipoli nie den berüchtigten Ruf Stalingrads erlangt hat, haben die Gräuel sowie die unzumutbaren Umstände, unter denen gekämpft wurde, viele Beteiligten bis ins Innerste zermürbt. 120000, dieZahl der in Gallipoli Gefallenen, erscheint im Vergleich zu Opferzahlen aus dem zweiten Weltkrieg noch verschwindend klein. Wenn man sich jedoch vorstellt, dass oft an einem einzigen Tag mehrere tausend Soldaten gefallen sind, nimmt diese Zahl erschreckenswerte Dimensionen an.

 

 

Den Machern des gleichnamigen Dokumentarfilms ist es ausgezeichnet gelungen, die Ängste und die Verzweiflung der Soldaten bis ins Detail widerzugeben. Als Grundlage diente ein ungeheuer großes Arsenal an Archivmaterialien aus über zehn unterschiedlichen Ländern an beiden Seiten der Front. Unzählige Briefe und Tagebucheinträge englischer, australischer, französischer und natürlich türkischer Soldaten an ihre Familien und Freunde werden im Laufe des Films vorgetragen, und verleihen dem Schrecklichen so ein Gesicht. Und machen den Krieg darüberhinaus plötzlich so unmenschlich menschlich. Große und kleine Geschäfte wurden im Laufgraben erledigt, gegessen wurde, was auf den Blechteller kam (ein Stück Fleisch bedeckt mit 700 Fliegen) und geschlafen wurde, wenn’s sein musste, im Stehen. Dies, und die abertausenden Toten, mit denen man zusammen in einem Loch hauste (sie zu begraben bedeutete der sichere Tod durch’s feindliche Feuer), müssen neben den körperlichen Belastungen unmögliches von den Soldaten abverlangt haben. Sollte irgendjemand hiervon ohne schwere psychische Störungen weggekommen ist, grenzt das an Wunder.

 

Hut ab also, für das gelungene Zeitbild, welches Regisseur Tolga örnek und Crew von der Schlacht um Gallipoli vermitteln konnten. Mehr hat diese Doku leider jedoch nicht zu bieten. Es fehlt eindeutig der rote Faden, der den einzelnen Szenen und vorgelesenen Erlebnissen der Soldaten etwas mehr Zusammenhang verleiht. Ebenso beschlich mich ein leises Gefühl, dass man dem Wust an Archivmaterial (man hatte immerhin sechs Jahre gebraucht, um es zusammen zu tragen!) einfach nicht Herr werden konnte. So fielen beispielsweise Informationen zum objektiven Geschehen und zur Taktik der Beteiligten den hunderttausenden (ich übertreibe natürlich maßlos) Briefen und Tagebuchaufzeichnungen zum Opfer. Damit wird Gallipoli eher zum Porträt eines X-beliebigen Krieges, nicht aber zur Schilderung der Schlacht um Gallipoli. Wer auf Gallipoli nun warum gegen wen gekämpft hat, sollte man nach dem Film deshalb am besten noch einmal im Geschichtsbuch nachlesen.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. sirmaurice schreibt am 16.06.2005 um 20:33 Uhr:... Oder man soll sich den Peter Weir Film aus 1981 anschauen. Vielleicht kein Substitut fuer ein historisches Dokument, aber trotzdem sehr gut. Robert Capaesque...
  2. Kathleen schreibt am 16.06.2005 um 21:20 Uhr:Ich habe Peter Weirs Film nicht gesehen, kann mir aber vorstellen, dass er die Schlacht vor allem aus der Sicht der Australier erzählt hat.

    Das muss man Ornek übrigens zugute halten - er hat relativ unparteisch gefilmt, und das Leiden und die Barbereien auf beiden Seiten der Front zeigen lassen.

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