fliMMer BLoCK

11.07.2004 um 22:55 Uhr

MINDHUNTERS - Mindhuntende Weicheier

Stimmung: reif für's Bett
Musik: keine

So etwas wie einen nationalen Kinotag (Di in Deutschland) gibt es in den Niederlanden leider (noch) nicht. Dafür kosten die Eintrittskarten für Filme in den Kinos der Pathékette am Wochenende vor 12 Uhr mittags nur die Hälfte. Zwar gibt es dann auch nur die grossen Kinohits zu sehen, aber nicht alles was Bigbudget ist, ist schlecht, und falls doch, dann nimmt man das für den niedrigen Preis doch schon mal in Kauf. Einem (halb)geschenkten Gaul schaut man schliesslich nicht ins Maul. Oder etwa doch?

 

So haben mein Freund und ich heute mittag beschlossen, uns MINDHUNTERS (Renny Harlin, USA, 2004) zum halben Preis anzuschauen. Sowohl Synopsis als auch Besetzung versprachen Spannung und Unterhaltung (Christian Slater, Val Kilmer und nicht zu vergessen LL Cool J). Eine Gruppe FBI-Azubis werden auf eine verlassene Insel geschickt, wo sie das Profil eines Serienmörders erstellen müssen. Aus Simulation wird bald bitterer Ernst, und für Aspirant wie Zuschauer beginnt das grosse Raten, wer diesen makabren Härtetest überstehen wird. Und wer nicht.

 

Der Beginn des Films schlägt ein wie eine Bombe und reisst den Zuschauer aus seinem Sitz hinein in das Geschehen auf der Leinwand. Beim gewaltigen Beginn bleibt es dann leider auch. Was folgt ist ein schwacher Abklatsch von gewöhnlichen Actionthrillern, mit zahllosen ungenutzten Chancen, was jedoch überwiegend dem Dehbuch zuzuschreiben ist. So erweisen sich die zukünftigen FBI-Profilers in ihrer Freizeit zwar als äusserst smart im Erstellen von Profilen von Kneipenbesuchern, zeigen sich jedoch während ihres Auftrages als hysterische und unüberlegt handelnde Weicheier. Die Figuren wirken somit nicht im geringsten glaubwürdig als Mitglieder der crème de la crème des FBI. Die unüberlegten und bis zum Abwinken wiederholten gegenseitigen Beschuldigungen und Verdächtigungen unter den Teammitgliedern verhindern ein tieferes Eingehen auf das eigentliche “mindhunting”, das Ermitteln von (psychologischen) Profilen. Hätten die Drehbuchautoren sich mehr darauf gerichtet, dann hätte MINDHUNTERS ein wirklich guter Thriller werden können.

 

Einzigartig waren allein die Methoden, womit die Opfer abgeschlachtet wurden. Sehr originell, wenn auch nicht immer geeignet für schwache Nerven und Mägen. Lächerlich und billig dagegen wirken die zahlreichen Verweise nach Hitchcocks PSYCHO. Die gewählten Sequenzen, Bilder und Musikstückchen aus Hitchcocks Klassiker werden scheinbar wahllos in den Film hineingeworfen, als ob sie dem Film mehr Tiefgang verleihen und dem Filmliebhaber über den Groll hinweghelfen könnten, die der Film zunehmend in ihm verursacht.

 

 

Fazit: Das Eintrittsgeld von 4,50 € rechtfertigte zwar den eineinhalbstündigen Aufenthalt in einem superschicken Kinosaal, mit überaus bequemen Sitzen und mehr als genug Beinfreiheit für jeden. Was jedoch den Film selbst betrifft: diesen Gaul lasse ich mir nicht noch einmal schenken.


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