Es ist erstaunlich, wieviele Menschen auf Goethe(s Werke) regelrecht abgehen. Ein unbekanntes Phänomen ist das natürlich nicht, aber ein durchaus analysierenswertes.
In meinem Weimarer Klassik Seminar geht's- wie der Name schon sagt- nur um die beiden literarischen Klassizisten/Klassiker, Goethe und Schiller. In den ersten fünf Sitzungen ging es lediglich um Goethes Iphigenie und die Römischen Elegien. Ab nächster Woche ist der Fritz dann mal dran. Jedenfalls ist mir aufgefallen, dass sich, besonders wenn's ums Biographische geht, sehr viele Menschen zu Goethe äußern können und wollen. Klar, wichtigere Eckdaten kenne ich auch, sowie seine wichtigsten Werke, zumindest vom Titel her, aber ein Goetherianer bin ich noch lange nicht. Kurz gesagt: Viele Menschen finden Goethe super! Das ist keine schlechte Einstellung; um Gottes Willen, ich werd den Teufel tun und nun Anti-Goethe schreiben. Dennoch erstaunt es mich, aber ich kann noch nicht klar definieren wieso. Zum Beispiel hat mir mal ein Kommilitone während eines unwichtigen Gesprächs gesagt, dass Goethes Gedichte für ihn das allergrößte seien. In dem Moment fragte ich mich, warum er mir das sagen wollte, denn das eigentliche Thema war Kaffee und außerdem dachte ich: Öhm...okay.....wieso auch immer.
So, nun glaube ich weiß ich, worauf ich hier eigentlich hinaus will, höhö: Ich habe auch einen Lieblingsautor, den auch viele Menschen außer mir toll finden etc., daher kann ich mich in die Goethe-Fans reinversetzen. Dennoch habe ich das Gefühl, dass es bei Goethe unendlich viele sind und sich außerdem kaum jemand traut zu sagen, dass seine Werke stinken. Er war, ist und bleibt solch eine literarische Größe- selbst andere sehr gute Autoren strebten während ihres Schaffens permanent danach so toll zu werden wie Goethe. Er ist halt der unerreichbare EINE der Schriftsteller, zumindest in den Augen vieler großen (toten) Autoren sowie Germanisten sowie normale Leser. Gäbe es eine Hitliste mit den Top 10 der besten deutschen Literaten, würde der Johann sicher auf Platz 1 der vermeintlichen Experten stehen, natürlich dicht gefolgt von Schiller. Die Frage ist: Wieso ist das so und woher kommt das? War er wirklich besser als andere Autoren? (Okay, diese Antwort ist sowas von subjektiv und daher irgendwie banane...)
Nun andersrum: Wo wäre Deutschland ohne Goethe? Wäre Schiller ohne Goethe so groß geworden? Was wäre die Literaturgeschichte ohne Goethe?
Die wichtigste aller Fragen: Braucht Deutschland Goethe? JA! Schon allein um jedes Mal den stolzen Satz im Sinne des Landes äußern zu können "Das Land, aus dem Goethe und Schiller stammen", was international betrachtet viel toller klingt als "Das Land, in dem unter Hitler [man setze hier was beliebiges die NS-Zeit betreffendes ein; bleibt sowieso alles negativ]"
Brauchen Germanisten Goethe? Auch ja, aber nicht in der überhöhten Form. Gleiches Recht für alle, selbst für Herrn B., den ollen Kommunisten. (Obacht, ich denke nicht, dass ich den Werken Bertolt Brechts jemals wieder ein Existenzrecht zuschreibe!
) Daher erübrigt sich eigentlich die Frage, ob Johann Wolfgang von Goethe überschätzt wird, denn Fakt ist, dass er auf jeden Fall mehr als bedeutsam für die Literaturwissenschaft ist.
Ich denke ja, dass Schiller auch ohne Goethe groß geworden wäre, aber egal. Auf meiner Hitliste würde Goethe auch niemals vor Schiller stehen... Sowieso habe ich in letzter Zeit wieder vermehrt das Gefühl, dass Friedrich Schiller bei mir dem Gott-Status überaus nah ist, womit ich endlich beim Persönlichen angekommen bin.
Also, nun bin ich völlig erkältet, was bedeutet, dass ich mich (Sorry, Feingeister!) wie ein großer Schleimpfropfen fühle! Richtig widerlich, denn mein Kopf bzw. meine Stirnhöhlen geben mir bei ruckartigen Bewegungen das Gefühl zu zerplatzen, weil alles noch absolut fest ist. Mehr beschreibe ich jetzt nicht, denn ich gehe davon aus, dass jeder Leser hier schon einmal eine Erkältung hatte.
Schlecht gelaunt bin ich deswegen zum Glück nicht, denn noch kann ich mich schließlich wunderbar bewegen. Hoffentlich bleibt das auch so, denn Morgen habe ich erstmal ein nettes kleines Seminar und anschließend wollte ich mich wieder stundenlang in der Bibliothek aufhalten. Okay, wollen ist gelogen, aber es müsste sein. Also hoffe ich, dass meine Drogen wirken.
Mit meiner tollen Tee-Apparatur gammele ich jetzt im Bett rum. Was haben wir heute gelernt? Genau, hier ist jede zweite Person krank, Schiller rockt und Dagmar sowie Reto hatten bekloppte Eltern, denn wer Kindern, die nun in meinem Alter sind, solche Namen gibt, kennt echt keine Grenzen.
P.S.: Aus aktuellem Anlass nochwas zum Amoklauf von gestern: Dieselbe Debatte wie vor vier Jahren nach Erfurt wird nun los getreten, also "Blame Ego Shooter Games" oder sowas. Ist doch dämlich und führt zu nichts, denn damals hat's schon zu nichts geführt. Außerdem ist das Argument doch nonsens, denn nicht jeder, der sowas wie Counter Strike spielt ist ein potentieller Amokläufer. Oder auch: Nicht jeder, der sich für Waffen interessiert wird zum Amokläufer. Soll man zur Prävention nun diese Spiele verbieten oder das Waffenrecht nochmal verschärfen?
Wenn nun erwiesen wird, dass 90% der Vergewaltiger leidenschaftliche Brot-Esser sind, wird dann das Brot verboten?
Okay, der Vergleich hinkt natürlich, aber was ich beweisen wollte ist die Schwachsinnigkeit von Pauschalisierungen in diesem Fall und das damit einhergehende, mögliche Spiele-Verbot.
Nuja, ich glaube eher, dass das nun noch drei bis vier Tage Thema sein wird und das war's dann. Wie ich schon sagte: Alles wie vor vier Jahren....