Synapsensalat

16.02.2009 um 18:52 Uhr

Buddenbrooks, oder: "Wie beliebt?"

von: Kiddolu

Ui, dieses Blog hier liegt schon viel zu lange brach. So ist das mit der Schreibfaulheit. Eventuell ändert sich das nach meinem Aufenthalt in der Hauptstadt wieder; ich weiß es nicht.
Dennoch möchte ich über die vierte Buddenbrooks-Verfilmung schreiben, die ich direkt an deren Startwochenende geschaut habe. Um die Rezension zu verkürzen, liste ich alles, was mir jetzt noch einfällt, in Stichpunkten auf. Vorab soll aber schon einmal resümierend gesagt sein, dass ich natürlich weiß, dass man in einen knapp 150 Minuten dauernden Film keine 1000 Seiten Roman packen kann. Dennoch wunderte ich mich anschließend, dass ich mich streckenweise gelangweilt habe, denn meine Erwartung war, dass der Film im Schweinsgalopp alles wichtige ankratzt und abhandelt. Der Schweinsgalopp wurde durch die Erfindung der Langatmigkeit ausgetauscht, d.h. einige wenige Motive wurden wortwörtlich in epischer Breite dargestellt. Langweilig. Teilweise. Übrigens war meine Begleitung eine Nicht-Buch-Kennerin und fand es laut eigener Angabe "gar nicht wirklich übel". Was soll ich dazu sagen? Keine Erwartungen, keine Enttäuschung? Literaturverfilmung einfach nicht mehr ansehen? Letzteres mag wahr sein, wenn man sich hinterher nicht schwarz ärgern möchte. Schwarz geärgert habe ich mich schließlich nicht, maximal hellgrau. Aber, sei es drum, erstmal das Positive, denn so fängt man Kritik doch geschickterweise an, oder nicht?

+ Dass Hanno Buddenbrook aussah wie ein Mädchen, fand ich toll und sehr passend!
+ Thomas' Sterbeszene war bis auf ein winziges Detail perfekt! Ich war sehr gerührt und auch die Verabschiedungsszene an seinem aufgebahrten Körper war toll.
+ Gerda! Meine Güte, wo hat Dr. Breloer diese wunderschöne Frau aufgetan? Wegen ihres Äußeren steht sie unter den Positiv-Anmerkungen.
+ Christians Verfall! Sah man nicht nur äußerlich. August Diehl war schon ein guter Christian, aber teilweise zu harmlos.
+ Lübeck, die gesamte Kulisse und die Kostüme waren traumhaft. 

- Zuviele Personen haben gefehlt! Wo waren Sesemi Weichbrodt, Clara, die nervigen Nichten und der alte Konsul? Den alten Konsul hat man schon mal in dem 50er Jahre Film ausgespart und jetzt frage ich mich: Wieso? Der ist nicht nur witzig, sondern vor allem mal wichtig.
- Tony! Jessica Schwarz ist toll, aber sie war fehlbesetzt als naive Tony. Diese Film-Antonie war in allen Hinsichten zu scharf. Und viel zu emanzipiert. Von Naivität überhaupt keine Spur. Da man sonst leitmotivisch alles wie im Roman belassen hat, frage ich mich, warum ausgerechnet an ihrer Figur gekaspert wurde? Und viel nerviger: Die ganze Tony-Handlung hat Zweidrittel des Films ausgemacht. Dennoch wurde das Lustigste auch wieder ausgespart: Die bayrische Beleidigung sowie Tonys Tochter, der bekanntlich genau das gleiche passiert wie ihrer Mutter! Tony bekam also niemals ein Kind, war aber konstant in Morten veknallt (daran wird immer wieder erinnert...).
- Der Brüderstreit war viel zu harmlos. Sehr schade, das sind meine Lieblingsstellen im Buch.
- Warum schlägt Thomas seinen Sohn? War eine Übertreibung, die nicht sein musste.
- Gerda! Äußerlich top, schauspielerisch so nichtssagend wie ein Stück Fleischwurst.
- Iris Berben war in der Tat schrecklich. Eine kaltherzige Kuh in schicken Kleidern. Aber, ihre Rolle war klein und einmal hat sie mich zum Lachen gebracht: Als Tonys zweiter Ehemann nach Lübeck kommz und bei Tonys Mutter vorspricht, redet er in tiefstem Bayrisch mit ihr, worauf sie nur jedes Mal hilflos fragt: "Wie beliebt?" Sowas in der Art geht mir auch durch den Kopf, wenn ich Bayern reden höre.
- Andauernd gab es Rückblenden, damit man bloß daran erinnert wird, was vor einer Stunde passierte. Hielt Dr. Breloer den Zuschauer für so blöd, dass er ihm nur eine Gedächtnis von zehn Minuten Dauer zuschrieb?
- Thomas' Macken bzw. Ticks bzw. Neurosen sein äußeres Erscheinungsbild betreffend wurden auch nicht erwähnt/gezeigt, was doch sehr, sehr schade ist.

So, momentan fällt mir nicht mehr ein. Alles in allem überwiegen die negativen Eindrücke, aber das ist nicht so schlimm.
Neulich sah ich diese 80er Jahre Verfilmung von Der Zauberberg. Seltsamerweise war der kaum länger als Buddenbrooks, hatte aber dennoch mehr vom Roman umgesetzt. (Der Zauberberg ist länger als Buddenbrooks). Dafür war Hans Castorp unerträglich und mindestens so talentiert wie...ich, nämlich gar nicht. Er klang so, als würde er alles stur ablesen und hatte dabei eine Mimik wie Til Schweiger (=einen Gesichtsausdruck). Im Theater war ich auch noch und habe Der Zauberberg gesehen, aber das war von ganz anderem Kaliber...

Als nächstes gucke ich Effi Briest!

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenOrien schreibt am 19.02.2009 um 00:38 Uhr:Ahh..irgendwie hab ich Buddenbrooks immer noch nicht gesehen. Ich gucks mir mal auf DVD an.

    Aber Effie....die kommt. Ncähste Woche ;)

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