Kleine Erdnuss

27.02.2007 um 23:43 Uhr

Babytalk und andere Faxen...

Ein Thema von allerhöchster Brisanz. Die Mütter unter uns werden es verstehen. Darf man Utzi-Dutzi sagen? Steht für: Darf man sich dem Sprachniveau des Kindes anpassen? Ich sag: Ja, warum denn nich?

Vor der Geburt meiner Tochter hatte ich noch nie ein Baby auf dem Arm, keinerlei Kontakt zu Kindern, das einzige Kleinkind, was ich kannte, war mir unsympathisch (und ja! Das geb ich zu!).

Ansonsten war meine Sicht auf Umgang mit Babies und Kindern die eines Klischees des Kllischees, denn ich sah schließlich immer nur Ausschnitte. Eine Freundin voon mir erlebte ich öfter ungeduldig mit ihrem Sohn, wenn sie mit mir telefonierte, sie schrie auch manchmal - das nahm ich kritisch zur Kenntnis und mir vor, es später "besser" zu machen. Eine andere ließ einmal ihr Kind eine Stunde vor dem Fernseher sitzen. Eine Stunde - das fand ich zu viel. Wieder eine andere beugte sich einmal in den Kinderwagen und machte blblblgulligulli - und das fand ich mega-albern.

Ich betone - es waren keine regelmäßigen Beobachtungen, immer eine kleine Szene, ansonsten schaute ich nicht hin und machte mir keine Gedanken.

Die Gedanken beginnen, wenn dann doch das strampelnde hilflose Wesen in deinem Arm liegt. Jeder noch so kleine Apothekenfetzen, den ich über Babies fand, wurde zur Kenntnis genommen. Ich suchte nach einem Konzept und vor allem suchte ich nach mir. Keinesfalls wollte ich eine Utzi-Dutzi-Mama sein. Neinneinnein. Ich wollte eine resolute Mama sein, eine, die was verträgt, die konsequent und ernsthaft bei der Sache ist, die liebevoll und souverän erzieht und v.a. eine, die ihr Kind ernst nimmt und nicht so einen albernen BLLLLGULLIBLABLIBLU-Quatsch absondert.

Sicherlich entsteht ein solches Bild aus eigenen Erfahrungen vermengt mit einer guten Portion von gesellschaftlichen Trends - die Zeitschrift ELTERN hat bei mir ihr Übriges dazu beigetragen.

Mein Denkfehler: Ich dachte ja, dass genau diese Mutter einfach so in mir steckt und sozusagen mit dem Zeitpunkt der Geburt ein Hormoncocktail ausgeschüttet wird, der dieses Modus aktiviert und damit ist gut. Dann mach ich automatisch alles richtig. Es ist ja alles in mir drin...

Als ich dann einerseits Aggressionsschübe hatte, weil das Schreien nicht mehr aufhörte und andererseits stundenlang vor ihrer Wiege stand um mit meinem Finger auf meinem Mund Xylophon zu spielen, als ich merkte, wie groß meine Augen wurden, wenn ich mit ihr sprach und wie hoch meine Stimme, als ich mich Pieps und Wuff sagen hörte, als ich zur gleichen Zeit in den Konflikt trat weg zu wollen aber nicht zu können, als ich ihr tatsächlich eine Milchflasche mit ins Bett gab, weil nichts anderes mehr half, und genug vom Stillen hatte und es nie schaffte, mich an die Essenszeiten zu halten, und bei dem kleinsten Anzeichen von Verstopfung oder Schnupfen in Panik geriet, undundund, da merkte ich: Es steckt eine Mutter in mir - nur die muss mir ja nicht unbedingt gefallen. Bzw.: Die macht, was ihr gefällt. Und mein voriges Ich kann nichts dagegen tun. Mein voriges Ich verschmilzt mit dieser Mutter und bremst sie ab und zu oder treibt sie an. Aber der Muttermodus regiert und die Mutter hat Muster und Reflexe...

Und naja: Die sagt halt heute noch Mupe zur Hupe und Zwingili zu Zwillingen und 'saurige' Gurken und Hast du Aua? und Mumu statt Vagina oder Scheide.

Und sonst hat diese Mutter auch immer alles imitiert, was KE so von sich gab. Blulu war die Blume und Mäh das Schaf und Muh die Kuh und die Puppe hieß Puppa, da war nichts zu machen.

Keine Ahnung, was für Konsequenzen das hatte, keine Ahnung, ob das richtig oder falsch ist. Es war einfach so, und es wäre nur mit viel Disziplin und dauerhafter Verleugnung meiner Instinkte zu vermeiden gewesen.

Ich will damit nicht sagen, dass man nicht an sich arbeiten kann oder soll - ich denke nur, dass unsere Intuitionen evtl. noch viel reibungsloser funktionierten, würden wir uns nicht so streng beobachten.

Gottseidank hörte dieser Identitätskonflikt irgendwann auf und das Eltern-Abo wurde zum Jahresende gekündigt...

Blabliblablu...

Ist doch lustig, oder nicht?