Kleine Erdnuss

29.03.2007 um 13:55 Uhr

zu viele dinge

mama?

ja?

(sie wischt sich den badeschaum aus der stirn und runzelt sie)

zu viele dinge sind auch nicht schön, nä?

was?

hooohh (ungeduld, augen verdrehen) ach mama, zu viele dinge eben. zu VIELE! (energisches kofnicken)

wie meinst du das?

guck mal mama:

(die hände machen eine erklärende geste vom körper weg, nackig in der badewanne hat das einen besonderen charme...)

wenn eine badewanne da ist UND einen wassereimer UND quietscheentchen UND ein plantschbecken, dann sind das zu viele dinge.

wieso? (ich steh manchmal völlig auf dem schlauch bei ihr - erklär mir einer dieses kind...)

naja, stell dir vor, hier sind noch mehr kinder, und dann sagst du: wir gehen in die badewanne. und ein kind sagt: ich will aber ins plantschbecken und eins sagt, ich will wassereimer matschen und eins sagt, ich will quietscheentchen spielen.

ja?

dann hast du ein problem.

ja?

ja. und wenn nur eine badewanne da ist, dann hast du keins.

warum?

hooooooh, (augen verdrehen) ist doch klar, dann müssen sich alle kinder über den badeschaum freuen.

(mein gott bin ich froh, dass wir dann abwechselnd unser ohr ins wasser gehalten haben und unter wasser alle meine entchen zum besten gegeben haben. sie ist nicht immer philosophisch, sie ist ganz ehrlich unglaublich oft unglaublich albern, UND: pupsblasen haben wir auch gemacht!!!)

 

28.03.2007 um 20:43 Uhr

höchstform

ich sollte wohl besser verschweigen, dass das wiedersehen eine mittlere katastrophe war, meine autorität durch abwesenheit völlig untergraben, die erdnuss eine motzkuh, die nur noch  befehle austeilte und es mir wohl unendlich übel genommen hat, dass ich so lange weg war. nee. das sollte ich nicht schreiben, nicht ausführlich zumindest, das will keiner wissen, das will ich gar nicht breit treten.

heute jedoch ist sie wieder zur höchstform aufgelaufen. als ich beim unkraut jäten den po in die luft reckte und angestrengt vor mich hinstöhnte, da schubste sie mich an und sagte: mach mal ne pause. ich kann das nicht sehen.

und dann sah ich sie an und sie hatte beide hände locker in den hüften und schaute sinnierend in den himmel. ohne mich anzusehen sprach sie in den himmel: 

gell mama, du wärst gerne nochmal ein kind. nä? den ganzen tag spielen und keine sorgen und keine arbeit, das wär schön nä? und dann wärst du nicht angestrengt und genießest das leben.

'genießest' - das hat sie wirklich gesagt - der sprachwissenschaftlerin in mir lachte das herz, der philosophin schmolz, der lebenskünstlerin blutete es...

wär ich wirklich gern nochmal kind? bestimmt nicht. die kindliche sicht allerdings, die hätt ich gern wieder. die dinge nicht so schwer nehmen, unangenehmes schnell vergessen, nicht darüber nachdenken, was heute hätte passieren können, als der rechtsabbieger trotz grünphase beinahe in die erdnuss gerast wäre, schon 10 minuten später an blümchen riechen und in die sonne blinzeln. nicht so weit im voraus denken, den augenblick an sich heranlassen, weinen, wenn sichs grade so anfühlt, schallend lachen, so richtig aus dem bauch heraus, mal meinen mann so richtig anbrüllen, kakamann sagen und ihn im nächsten moment wieder ohne groll umarmen, und spielen - einfach mal wieder spielen, was sinnloses machen, stundenlang, mich selbst vergessen und die welt um mich herum...

 

16.03.2007 um 01:16 Uhr

7 tage

morgen in die ferne reisen

mich um die karriere kümmern 

sieben tag ohne die erdnuss

sieben tage stress

sieben tage unter vielen verschiedenen menschen 

sieben tage allein

grad weiß ich gar nicht, wie ich das finden soll 

am meisten werde ich ihren geruch vermissen 

13.03.2007 um 01:14 Uhr

dreiundvierzig

sie hat mich dreiundvierzig lieb. das ist ne menge. so wie sie es gesagt hat, ist es die welt.

ich habe sie auch dreiundvierzig lieb.

wir sind uns einig: dreiundvierzig mal um die welt, um den mond, um jeden stern und dreiundvierzig mal zum kindergarten.

und das schöne ist, bevor es zu sehr an das weißt-du-eigentlich-wie-lieb-ich-dich-habe-buch erinnerte, fing die erdnuss an rockergleich mit den armen in die luft zu stechen und stimmte mal wieder ein lied an:

drei-und-vier-zig-und-tausend-und-vierzig-tausend-sechs ja da stimmen wir alle ein - drei-und-vierzig-tausend-und-sechs- werde ich WELTMEISTER sein.

Wodrin nochmal?

In der Welt natürlich.

 

11.03.2007 um 23:45 Uhr

Ich hab den Popo schön...

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, wenn eine pummelige Vierjährige beim abendlichen kleinen Geschäft kichernd auf dem Klo sitzend in DSDS-Trulla-Manier "Ich hab die Haare schön, ich hab die Haare schön" zum besten gibt...

Es ist jedoch zum aus der Haut fahren komisch, wenn sie sich den Waschlappen in den Popo klemmt und lautstark "Ich hab den Popo schön" grölt.

Wenn das Ganze dann noch mit allen anderen Körperteilen durchgespielt wird, dann bekommt man zwar kaum noch Luft und ist völlig durchgeschüttelt vor Lachkrämpfen, man fragt sich aber auch ernsthaft, ob man sein Kind nicht doch zu viel Mist im Fernsehen anschauen lässt.

Sei's drum. Den Auftritt heut abend wars wert...

 

10.03.2007 um 22:50 Uhr

ein segen

sie bringen segen. eine bekannte hat mal gesagt, wer keine kinder hat, hätte den sinn des lebens nicht gefunden. so weit würde ich nicht gehen. es ist nur etwas unvergleichliches, etwas so außergewöhnliches, so unsagbar unbeschreiblich tief gehendes, und wer kinder hat, wird wissen, was ich meine.

ich schau sie an die erdnuss, sehe ihre weichen wimpern, die runden bäckchen darunter, der kleine mund, alles an ihr ist weich und rund und klein und sie gibt mir ihre hand und sie schaut mir in die augen und dann gibt es immer wieder diese momente, in denen ich und sie einfach mal eben so das haargenau gleiche empfinden. es kann sein, dass wir dann grinsen, weil wir gerade so zufrieden sind, oder dass wir einfach losprusten, weil wir etwas komisch finden oder dass wir so richtig innig lächeln.

und später am  abend geh ich an ihr bett und da liegt sie und atmet leise und ihre fäuste liegen neben dem gesicht und die weichen haare liegen auf ihrer nase und werden sachte weggepustet. und sie ist so klein, so verletzlich und ich denke, dass ihr niemals etwas zustoßen darf.

und ich denke auch an all die dinge, die ich nicht von ihr weghalten kann. der erste liebeskummer z.b. oder  streit mit ihrer freundin oder angst vor der schule und alle möglichen fiesen enttäuschungen des lebens und ich krieg schon jetzt einen hass auf jeden und jede, die ihr je weh tun werden, und ich wünsche ihr so sehr, dass sie diese fähigkeit behält, einfach in die luft zu springen vor freude und die sonne zu feiern wie ihren besten freund und die nase in den wind zu halten und den regenbogen für das normalste der welt zu halten. 

heute ist sie mit der sonne um die wette gelaufen, hat ihren besten freund hochgehoben, blumen gepflanzt, türme und höhlen gebaut und über ihre pupse gekichert. sie hat großartige sachen gesagt, die ich allesamt vergessen habe und jetzt schläft sie und träumt und ich sitze hier und schicke bunte farben in ihre träume und hoffe, dass sie ankommen...

 

03.03.2007 um 12:24 Uhr

Die Erdnuss schmiert ein Brot...

KE bekommt die Brotscheibe, 

"Man hat den Verdacht,"

sie schmiert Margarine drauf,

"dass Madarine"

das Messer taucht in den Honigtopf

"und Honig"

das Messer wirbelt auf dem Brot in und her 

"die gleiche gelbe Farbe haben."

Blick ins Leere

"Deshalb achte gut darauf, was du machst."

Sinniert

"DE-HENN:

Kunstpause

"Das Kleberige davon ist der Honig!"

Erneute Kunstpause.

Fröhlich: "Stimmt. Nä?"

01.03.2007 um 22:36 Uhr

Handwerker

von: sunnysightup   Kategorie: Sprüche

Unter dem Waschbecken tropfte es.

Aus den Kacheln.

Heraus.

Der Handwerker wurde gerufen.

Ich bin eine schlechte Hausfrau.

Vorher noch putzen fand ich blödsinnig.

Der Handwerker kam.

Er bricht Kacheln raus, tut neue rein.

Er fegt.

Die zweijährige Erdnuss fragt:

"Was machst du da?"

Der Handwerker:

"Ich mach sauber."

Die Erdnuss:

"Aha?"

Der Handwerker freundlich:

"Du hilfst doch deiner Mama manchmal beim Saubermachen..."

Die kleine Erdnuss läuft rot an.

Ich weiß, was das heißt.

Die kleine Erdnuss stemmt die Hände in ihre Hüften.

Ich weiß was das heißt.

Die kleine Erdnuss zieht das Gesicht in Falten.

Ich weiß, was das heißt. 

Sie schreit ihn voller Empörung an, den Handwerker.

Sie schreit:

"MEINE MAMA MACHT NICHT SAUBER!!!!!!!"

Sie wollte mich verteidigen. Ich fands knallerlustig. Aber immer wenn ich diese Geschichte weiter erzähle, habe ich den Eindruck, etwas schrecklich Unanständiges gesagt zu haben. 

Dabei mach ich manchmal wirklich sauber...