Wutausbrüche...
...sind an der Tagesordnung. Und ich diskutiere sie aus. Sage Dinge wie: Erklär's mir. Ich will dich verstehen. Vielleicht können wir uns einigen? Wenn du schreist, versteh ich dich nicht.
Falsch?
Bestimmt nicht. Und ganz gewiss auch nicht richtig. Es ist mein Ding. Und ich hab nicht nachgelesen, wie es richtig geht. Habe kein Konzept. Keine Lust, das mit anderen Müttern auszudiskutieren. Auch keine Lust mir sagen zu lassen, dass ich zu viel mit meinem Kind diskutiere. Noch weniger Lust, das hinter meinem Rücken zu erfahren.
Ich habe tatsächlich immer wahnsinnig viel geredet. Sie redet ja auch so viel. Und sie versteht so viel. Natürlich nicht immer. Ich erinner mich, wie sie einmal bei einer Freundin schlief, sie war ca. 2 einhalb und durfte dort (obwohl sie nie geschnullert hat) einen Schnulli der Freundin leihen. Am nächsten Morgen gab es ein Riesengeschrei, weil die Erdnuss den Schnulli mitnehmen wollte. Und mit Riesengeschrei meine ich RIESENGESCHREI. Ich redete wie wild auf sie ein. Dass es nicht ihr Schnulli ist, dass sie nie einen gebraucht hat und wir jetzt nicht damit anfangen, dass wir andere schöne Dinge zuhause haben und machen können. In der Zwischenzeit hatte meine Freundin, Mutter der stolzen Besitzerin von zwei Schnullis, den Schnulli der Begierde versteckt. Während ich weiter quatschte, sah sie mich bedeutungsvoll an und meinte: Tja, wir finden den Schnulli nicht - deshalb kannst du ihn nicht mitnehmen. Er ist einfach weg.
Das hätte auch geklappt, wenn ich nicht auf dem Tripp gewesen wäre, dass ich die Erdnuss unbedingt davon habe überzeugen wollen, dass es keinen SINN macht, den Schnulli mitzunehmen.
Ich fand mich da doof. Hat auch nicht geholfen. Hat auch nicht geklappt. Hätte es auch nicht können. Trotzdem: So verbissen das auch war. Ich wäre EINFACH nicht auf die IDEE gekommen, den Schnulli zu verstecken und zu schwindeln.
Es ist meine Art zu verhandeln, diplomatisches Geschick gehört zu meinen Stärken, vor allem schau ich der Erdnuss gern in die Augen, wenn sie was hat. "Schau mir in die Augen", gehört wohl zu meinen Lieblingssätzen bei Wutanfällen. Und wenn sie das tut, dann tut sich was. Irgendetwas tut sich da. Manchmal kann ich den Ball fangen, manchmal quatsch ich sie auch einfach mürbe, manchmal - so wie bei der Schnulli-Story - muss ich sie schreiend unter den Arm klemmen und den Kriegsschauplatz verlassen.
Trotzdem red ich mir immer wieder über alle Themen den Mund fusselig, so isse, die Sunny, und die wird man in ihrem Alter auch nicht mehr groß verändern.
