Zauber entwickelt sich nicht auf Kommando. Das wäre für Weihnachten zwar eine durch und durch praktische Angelegenheit, aber Zauber ist eine Angelegenheit des Zufalls. Wenn es der Zufall will, passt alles zusammen, aber das ist eher unwahrscheinlich.
Was will ich sagen? Der weihnachtliche Zauber ist nicht planbar, vor allem nicht bei weihnachtlichen Laien, wie die Erdnusseltern es sind. Obwohl ich uns loben muss. Alle Geschenke waren wundervoll verpackt und der Weihnachtsbaum sah ganz großartig aus, so vierzig cm kleiner und mit dem glitzernden Stern auf der Spitze. Aber die Erdnuss, die hatte nicht so recht Bock.
Weihnachsbaumschmücken (ich hatte es mir wundervoll ausgemalt) war irgendwie nicht so nach ihrem Geschmack:
"Kannst du das nicht alleine machen?"
"Ich dachte, es macht Spaß, wenn wir die Kugeln zusammen aufhängen?"
Die Erdnuss räkelt sich im Sessel.
"Kuuugeln, Kaaaageln, Kiiiigeln. Hahaha. Popo-Kuuugeln. Hihihi."
"Ähm. Machst du jetzt mit? Du kannst auch das Lametta aufhängen.
"Haha! Lamotta, Lamussma, Lapopo! Pupsetta! Hihihihi!"
Habt ihr das Prinzip verstanden? Jooah, und so ging das weiter, unterbrochen von vereinzelten Fragen nach Fernsehen. Oje.
Dann (wir hatten Wunderkerzen in ihrem Zimmer angezündet) ertönte tatsächlich das Glöckchen - und das war auch ganz schön, aber dann dauerte es ca. 35 Sekunden, und alle Päckchen waren ausgepackt. Und dann bekam ich beinahe einen Herzklabaster, weil die Fernbedienung von der Lok nicht zu funktionieren schien.
Eine Stunde später bauten wir einen Lego-Tunnel und die Lok fuhr doch noch irgendwie, nachdem wir zusätzlich Batterien aus unseren Zahnbürsten rausgepfriemelt haben.
Und der Zauber begann ganz leise. Der - wie ich finde - klassische Erdnuss-Zauber. Erst baute sie ein Flugzeug, das ganz und gar seltsam aussah. SIe suchte wie wild Steinchen, auf denen etwas draufstand, weil "das Flugzeug dringend Werbung braucht". Sie hat eine Art Bommel hinten am Heck befestigt. Sie wollte ein Laser-Schwert vorne anbringen, was beinahe in Tränen endete, aber wir haben es hinbekommen.
Und als ich ebenso selbstvergessen ein Flugzeug baute und ein Extra-Teil nach dem anderen verbaute, damit das Ding möglichs ähnlich cool wie ihres wird, da wurde sie plötzlich böse:
"Jetzt hör aber auf mit Cola machen."
"Hä?"
"Du sollst aufhören. Das wird Cola. Das will ich nicht."
"Kannst du das vielleicht nochmal sagen? Ich glaub, ich versteh dich nicht."
"Hoooooah! Jetzt muss ich alles nochmal sagen! HÖR AUF DAMIT, DEN COLA ZU MACHEN!"
"Ähm. Was?" Es heißt doch 'die Cola', oder?
"Cola machen!!! DAS SOLLST DU NICHT!" Ihre Stimme ist kurz vorm Überschnappen.
"Aber ich mach doch keine Cola..." Ich bin sowas von ratlos.
Sie stutzt. Schaut mich an. Und fängt dann an zu kichern. So richtig aus dem Bauch heraus. Und dann japst sie zwischen vereinzelten Gicklern hervor: "Coooler! Ich meinte Cooler" Hahahaha! "Und du," Kicher "hast Cola verstanden!" Hahaha. "Dein Flieger soll doch nicht cooler sein als meiner." Haha, gickel, kicher, hihihi.
Ab da war das Eis gebrochen. Vielleicht ist dieser ganze friedliche und bedächtige und liebevolle und dankbare Zauber, mit dem man an Weihnachten rechnet, gar nicht der Kern.
Mal wieder sind es die kleinen Dinge, dieser herzerwärmende Lachanfall zum Beispiel, die so einen Abend zu etwas besonderem machen.
Und es war ein besonders gelungenes Opening für den heutigen Weihnachtstag, als die Erdnuss sich heute morgen, als wir noch schliefen, unter den Weihnachtsbaum quetschte und von dort aus rief: "Mama! Papa! Ihr habt ein Weihnachtsgeschenk noch nicht ausgepackt!"
Schön. Einfach schön. Keineswegs perfekt. Viele Tränen, viele Motzereien, viel Sand im Getriebe, auch heute, aber wir hatten es warm. Sogar draußen...