Kleine Erdnuss

25.01.2008 um 21:59 Uhr

Sehnsucht

Die Erdnuss ist heute bei der Oma. Und weil die Oma 100 km entfernt wohnt, bleibt sie da auch bis Sonntag. Die beiden lieben sich heiß und innig, und die Erdnuss lässt alle Griffel fallen, wenn sie nur das Wort Oma hört. Schön. Schön, das zu sehen. Manchmal kommt die Eifersucht, aber im Grunde finde ich es einfach nur wundervoll, dass sich so ein Vertrauen aufgebaut hat. Dass ich sicher sein kann, dass noch ein anderer Mensch so sehr von ihr geliebt wird wie wir und dass noch ein anderer Mensch unsere Tochter von Herzen liebt.

Familie. Ich tu mich unendlich schwer mit dem Thema.

Aber heute, da habe ich mal wieder gespürt, was es im Grunde, ja ganz im Grunde des Herzens, damit auf sich hat.

Sie brach auf, meine Kleine, und da stand sie im Flur: den kleinen niedlichen Marienkäfer-Rucksack auf ihrem kleinen Rücken, eine gestreifte Mütze auf dem Kopf, die mit solchen franseligen Bommeln an der Seite, die hingen da so runter wie zwei kleine Zöpfchen. Die Backen von einem kleinen Mittagsschlaf leicht gerötet, noch ein bisschen duselig, das Stofftier unter ihrem Arm, Flecki und Becki, ein Drache und ein Eichhörnchen. Sie stand da in Ausflugslaune, freute sich auf ein Wochenende mit ihrer Oma, scharrte ungeduldig mit den Füßen und streckte mir wie nebenbei ihr Schnütchen zu einem kleinen Kuss hin. "Ich wünsch dir viel Spaß bei der Oma. Du wirst mir fehlen. Weißt du eigentlich, wie langweilig es ohne dich ist?" "Mhja." Abwesend nickte sie mit dem Kopf, schlang nochmal ihre Ärmchen um mich und ging durch die Wohnungstür. "Fahrt vorsichtig." Kuss für den Ehemann. "Bis gleich." Wir freuen uns auf einen gemeinsamen Abend. Morgen gehts in die Sauna. Ach, was will ich denn in der Sauna? He? Entspannen? Wozu?

Im Hausflur haben wir einen großen Spiegel, in dem sich die Erdnuss nochmal zufrieden zugrinst und -nickt. Sie verschwindet, verschwindet einfach hinter dem Treppengeländer, die Bommeln wippen ein wenig mit ihren Schritten die Treppe hinunter. Als auch kein noch so klitzekleiner Mützenstreifen mehr zu sehen ist, steh ich da, wie festgenagelt, starre in das leere Treppenhaus und höre auf die kleinen tapsenden Treppenschrittchen, auf die freundliche Unterhaltung, auf ihr leiser werdendes Stimmchen. Und als sich sentimentalerweise meine Augen mit Tränen füllen, da wird das Stimmchen nochmal lauter, die Schritte tapsen die Treppe hoch, ein kleiner Kopf mit dicken Backen taucht nochmal zwischen den Geländerstangen auf: "Mama, hast du auch meine Schwimmbrille eingepackt?" "Ja hab ich." Und ich könnt sie jetzt auch wirklich gut gebrauchen, füg ich in Gedanken hinzu...

"Super!" Luftkuss und weg war sie.

Mannomann. Für einen Moment hat das körperlich wehgetan. Ein fieses Ziehen rund um mein Mutterherz. Jetzt sitz ich hier und höre tierisch laute Musik. Wir werden bis früh Morgens aufbleiben und ausschlafen und all den Mist von früher. Wenn es regnet, werden wir DVDs gucken und wenn die Sonne scheint, spazieren und Schneeglöckchen jagen. Und abends wieder ausgehen. Ins Kino oder so. Vielleicht 'I am Legend' gucken?

Ich versuchs mir grade wirklich schön zu reden, aber ich finds grade wirklich ungeheuer grausam, übelerregend schmerzhaft und einfach nur doof, doof-doof-doof, dass sie nicht da ist...

 

 

Doof

 

 

25.01.2008 um 01:02 Uhr

FSK

Heute wurde im Kindergarten gefeiert. Nachgefeiert. Der Erdnuss Geburtstag. Weil kurz vor Weihnachten keine Zeit war. Die Erdnuss hat und hatte klare Vorstellungen, wie es laufen sollte. Vor allem: Sorge, wie alle zusammenpassen. Also jetzt die Jungs und die Mädchen. Am besten soll das ja mit Spielen gehen. Alle spielen Topfschlagen und bekommen Gummibärchen und Tattoos. Naja, also die Jungs Jungstattoos und die Mädchen Mädchentattoos. Marie mag Pferde, Karina findet Schmetterlinge toll, Marienkäfer ist was für Lana und eine Rose würde am besten zu Zoe passen. Naja und die Jungs: Kevin mag Piraten, Dustin und Eliot Dinosaurier, Leon Ritter, Kris findet Indianer cool und für Robin gibts einen Anker.

Integrativ ist auch der folgende Ansatz: 

"ich nehm dann einfach gute Musik mit. Dann machts allen Spaß!"

"Super. Was denn?"

"Das Hurra-Lied. Dann sind alle glücklich!"

Mir fallen all die anderen Ärztlieder ein, die so mit Ar-Piep und ona-Piep und Piep-x.

"Du, ähm, auf der CD sind noch andere Lieder, die vielleicht nicht so gut für den Kindergarten, öhm, geeignet sind..."

"Ok, dann hör ich jetzt mal alle Lieder, und immer, wenn das Wort Ar-Piep kommt, dann merk ich mir das Lied und dann sag ich das, dass die das nicht spielen dürfen..."

"Nee, das machst du besser nicht, ich mach jetzt aus und schau mal, ob ich dir das Lied schnell brennen kann."

Ich werf also meinen Computer an, fluche noch ein bisschen über die Uhrzeit (morgens vergeht die Zeit am schnellsten), suche die Rohlinge, suche und suche, bück mich gerade nach der unteren Schreibtischschublade, denk an nichts Böses, schon gar nicht daran, dass die Erdnuss den PlayKnopf sehr wohl kennt, die CD noch im Player ist und ich schon ewig nach Rohlingen suche, da ertönt ein Ruf:

"MAMA?"

"Ja, was denn?"

"Was halten die im Kindergarten wohl von 'Sex mit Möbelstücken'?" 

Ja. Was soll man darauf antworten? Mit Zensur hat sie es wohl doch nicht so, mit unausgesprochenen Verboten, naja eher Empfehlungen offensichtlich auch nicht, und was soll man auch von 'Sex mit Möbelstücke' halten?

Mit 'Hurra' haben wir zumindest nicht viel falsch gemacht - es kommt schließlich das schöne Wort 'Frieden' drin vor UND (ja liebe Tigerschnute) auch 'Eierkuchen'.

In diesem Sinne wünsch ich ein sonniges Wochenende. Lasst die Seele baumeln und haut mal so richtig auf die Ka-Piiiep...

 

22.01.2008 um 14:59 Uhr

DENN - WENN - DAT - TRÖMMELSCHE ...

Die Erdnuss im Karnevalsfieber. Alles mögliche wollte sie werden. Lange Zeit Spiderman. Dann Polizist (mein Favorit). Dann Pirat. Batman war im Gespräch. Ritter. Musketier. Pinguin.

Prinzessin? Wo denkt ihr hin. Kätzchen? Quatsch! Hexe? Die hat ja einen Rock an. Brrr. Noch nicht mal Pipi Langstrumpf? Och nö, die ist zwar stark, hat aber Zöpfe

Und jetzt? Jetzt hat sie eine neue Idee. Erst hat sie ein Teufelskostüm gesehen. Naja, und weil der ja auch lieb sein soll, wär das ja schon mal was gewesen. Dann wollte sie aber echte Hörner. Dann hat sie Monster AG gesehen, und wollte eigentlich ja doch lieber Monster sein.

Naja, und ich quatsch ja so viel. Ich erzählte ihr, dass es zwar schwer ist, Hörner an den Kopf zu kleben, aber dass es spitze Ohren zum ankleben gibt. "Dann," so die Erdnuss jetzt ganz sicher, "will ich ein Kobold sein."

Aha.

Jetzt also recherchiert. Alles Anfang Januar. Es gibt Elfenohren für Kinder. Großartig. aber was zieht denn so ein Kobold an? Oh Mann. Versucht mal ein Koboldkostüm zu besorgen. Nein. Nicht Pumuckl. Auch nicht Peter Pan. ("Der sieht doof aus. Guck mal der doofe Hut.") Richtig ausgelacht wurde ich, als ich ein hellgrünes glitzerndes Waldkleid einer Elfe ins Spiel brachte. "Aber MAMA!"

Ja, was denk ich mir eigentlich dabei? Mädchensachen kann ich vergessen.

Jetzt muss ich wohl was selber machen. Scheiße. Jawohl. Das darf man sagen. Sag ich auch. Ich kann doch nix am Faden...

Und die Elfenohren kommen nicht.

Bibber...

 

21.01.2008 um 20:50 Uhr

Frieden

Sie will also "das eine Lied" hören. Das von gestern oder auch morgen oder heute, die Erdnuss hat es nicht so mit den Zeiten.

"Schnell oder langsam?" frag ich? "Beides." So die prompte Antwort

"Lustig oder traurig?" "Weiß nicht. Mittel."

"Deutscher Text oder englischer?" "Deutsch."

Aha, wir tasten uns vor.

"Kannst du dich an ein Wort darin erinnern?"

Ein Strahlen geht über ihr Gesicht: "Jaaa! FRIEDEN!"

Aha.

Ahnungslose Erdnusseltern stöbern im CD-Regal.

Stoppok und Worthy fallen uns ein. Lied Nummer drei.

"Nee! Das ist nichts für mich. Das ist ein Lied über Krieg. Krieg ist nicht Frieden."

Wo sie Recht hat, hat sie Recht.

Ratlose Erdnusseltern.

Ich schau mir die Ärzte-Platte von gestern an.

"Das mit 'Hurra'?"

Zögerliches Nicken.

Und tatsächlich. Das Wort 'Friede' kommt drei Mal vor.

Das Wort 'Liebe' nur zwei Mal.

Dafür 'Hurra' und Hip, Hip umso öfter...

 

  Weißt du noch wie's früher war?
Früher war alles schlecht
Der Himmel grau, die Menschen mies
Die Welt war furchtbar ungerecht
Doch dann - dann kam die Wende:
Unser Leid war zuende

Hip hip hurra!
Alles ist super, alles ist wunderbar
Hip hip hurra!
Alles ist besser, als es damals war

Früher waren wir alle traurig,
Wir weinten jeden Tag
Es nieselte, wir waren oft krank
Jetzt ist alles total stark
Jetzt lachen immer alle und reißen ständig Witze
Wir sind nur noch am baden geh'n
Wejen die Hitze

Und ich find es wirklich scharf
Daß ich das noch erleben darf

Hip hip hurra!
Alles ist super, alles ist wunderbar
Hip hip hurra!
Alles ist besser, als es gestern war
Alle sind happy, alle sind glücklich, alle sind froh
Und überall, wo man hinguckt: Liebe und Frieden und so

Gestern ging es allen dreckig
Heute geht es steil bergauf
Jeder hat 6 richtige
Alle sind total gut drauf
Europa, Asien, Afrika
Australien und Amerika
Friede, Freude, Eierkuchen, alle singen jajajaaaaa

Hip hip hurra!
Alles ist super, alles ist wunderbar
Hip hip hurra!
Alles ist besser, als es gestern war

Hip hip hurra!

Alles ist super, alles ist wunderbar
Hip hip hurra!
Alles ist besser, als es damals war

Alle sind Freunde, alle sind happy, alle sind froh
Und überall, wo man hinguckt: Liebe und Frieden
Und überall, wo man hinguckt: Liebe und Frieden
Und überall, wo man hinguckt: Liebe und Frieden und so?
Jeder hat 6 Richtige
Alle sind total gut drauf
Europa , Asien , Afrika
Australien und Amerika:
Friede, Freude , Eierkuchen
Alle singen jajajaaaaa
Hip, Hip , Hurra!
Alles ist super , alles ist wunderbar
Hip,Hip, Hurra!
Alles ist besser als es damals war
Alle sind Freunde
Alle sind happy, alle sind froh
Und überall wo man hinguckt:
Liebe und Frieden und so

16.01.2008 um 20:21 Uhr

MAIN TAK

FATA KINT KINT FEAT


KIKA MIT DASTIN

DASTIN ONT KEWIN WAN RATN.

 DAS WA LUSTIK.

Tja, dann jetzt mal ganz authentisch, wa? Darüber hinausgehende Erkenntnisse der Erdnuss über das Schreiben:

- Löschen macht am meisten Spaß

- Viel T's sehen aus wie ein Gartenzaun

- Lange und viel schreiben ist anstrengend

In diesem Sinne einen schönen Abend.

Schlafanzug - Zähneputzen - Bett. Ich freu mich drauf...

 

11.01.2008 um 21:48 Uhr

Nussecke, äh -zicke...

Dieser Weg wird kein leichter sein, dachte ich mir schon zu Beginn der Fahrt zum Supermarkt, als ich die nörgelnde Stimme der Erdnuss sagen hörte: "Wann kommt der Kevin endlich? Ich will nicht zum Einkaufen. Ich will, dass der Kevin kommt."

"Kommt er doch auch"

"Er soll aber jetzt kommen!!!"

"Wir sind aber doch gar nicht zuhause."

"Ja, dann sollten wir jetzt aber dahin fahren!"

Jaja, der Weg wurde steinig und schwer. Gejammer beim Bordstein, Gejammer an der Wurstheke, Gejammer beim Bäcker. Fieses Geheule an der Ampel. Gejaule an der Bushaltestelle. Gekreisch im öffentlichen Verkehrsmittel.

Es fing ganz harmlos an. Ich frage, warum sie so viel jammert. Sie sagt, dass sie Hunger hätte. Ich biete Ihr den Kauf eines Rosinenbrötchens an. Sie aber will eine Wurstscheibe. Ich hingegen wollte an der Wursttheke nichts kaufen. Beim Bäcker hatten sie keine Rosinenbrötchen. Für Schokobrötchen hatte ich nicht genug Kleingeld. Normales Brötchen ist nicht genehm. Ich gebe kund, dass es mir reicht. Sie gibt kund, dass ich sie nie, nie, niiiiiiiiiiieee verstehe, ich gebe kund, dass ich das grade wirklich nicht tue und gehe aus dem Laden. Sie folgt mir laut heulend über die Ampel. Ich beschließe, zurück mit dem Bus zu fahren. Unter Anspannung treffe ich oft die falschen Entscheidungen. Der Bus hat Verspätung. Die Erdnuss eine Vermutung. Und zwar, dass der Kevin nun vor der Tür wartet und wieder geht. Gejaule. Der Bus kommt. Wir steigen ein. Die Erdnuss will nun ihr Rosinenbrötchen. Ich sage, dass wir keines haben. Sie will nun doch ein normales Brötchen. "Keine Chance", sage ich. "So, wie du dich benommen hast, gabs GAR nichts beim Bäcker." "Du willst, dass ich verhunger." Leises Schluchzen "So schnell verhungerst du nicht. Wir sind in fünf Minuten zuhause." "Immer bin ich schuld." Dieser Satz hat Passepartout-Funktion mittlerweile. DIesmal fall ich nicht drauf rein. Ich schweige. Die Erdnuss holt Luft. Sie presst ihre Lippen aufeinander. Verzieht das Gesicht in knautschige Falten, wie man sie bei einem so runden Kindergesicht kaum je gesehen hat. Die Stirn eine Runzellandschaft, die augen kaum noch zu sehen, das Kinn zittert. "Duuuuuuuuuuu verstehst mich NIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIICHT!!!!!"

"Nein. In der Tat. Wirklich nicht."

"Buhuhuuuuuuuuuuuuuuuuhu-".

Kurze Pause.

"Was versteh ich denn nicht?"

"Was du nicht verstehst? WAS DU NICHT VERSTEHST? WAS - DU - NICHT - VERSTEEEEEEEEEEEEEHST?"

Ihre Stimme schnappt über. Wahrscheinlich würde der Bus auseinanderplatzen, wenn alle Mitfahrenden ihren Freitagabendfeierabendfrust ebenso gekonnt und lautstark in einen schrillen Ton umsetzen würden.

Tun sie aber nicht. Deswegen sind sie gezwungen, gespannt der Erdnuss' Ausführungen zu lauschen, welche Untiefen ihrer Tochter denn diese ungeheuer strukturierte und geduldige Frau wohl nicht verstanden hat.

"Ohne den Kevin kann ich nie, niiiiiiiiiiiiee, NIIIIIIEE wieder lachen! OHNE DEN KEVIN BIN ICH EINFACH NICHT GLÜCKLICH!!!!!!!!!!! DAS (!) VERSTEHST DU NICHT!!!!!!"

Eat this.

Bumms, da hat sie mir aber gehörig einen vor den Latz geknallt. Wie gut, dass der Kevin noch kam. Wie gut, dass er jetzt neben der Erdnuss auf eine Matratze geparkt ist, wie gut, dass die beiden immer noch nicht schlafen, wie gut, dass ich genau sehe, wie im Kinderzimmer das Licht an und ausgeht. Wie gut aber auch, dass ich erst nach diesem Eintrag ein Machtwort sprechen werde.

Wer weiß, was sie sich zusammen einfallen lassen. Hoffentlich versteh ich es.

 

08.01.2008 um 23:49 Uhr

Manieren...

"Gute-Nacht-Kuss?"

"Nee, ich popel grade."

"Ja, dann popel erstmal zuende."

Ich warte.

"Im Kindergarten popel ich nicht."

"Nee?"

"Nee, da ist das verboten."

"Verboten?"

"Ja."

"Ja stimmt", überleg ich, " wenn alle Kinder auf einmal popeln und überall liegen Popel rum, das ist wirklich nicht schön."

"Ich popel heimlich."

"Ich auch."

"Hihi"

"Hihi"

Gutenachtkuss.

"Mama? Weißt du was ich glaube?" Sie richtet sich nochmal auf, setzt sich hin, reißt die Augen weit auf. Verschwörerisches Flüstern: "Ich glauuubee, dass ALLE Menschen popeln!"

"Ja, das glaube ich auch."

"Ja, müssen die ja auch. Das ist ja auch wichtig."

"Mh-mmh?"

"Ja", prust, sprotz, "sonst wächset das alles aus der Nase raus, bis zum Kinn und noch weiter, nä?"

"Ja," ein Glucksen steigt meine Kehle hinauf, "das sähe komisch aus."

"Aber im Kindergarten dürfen wir nicht popeln. Komisch."

"Ja, aber ist schon verständlich. Das sieht halt blöd aus, wenn alle Kinder in der Nase bohren."

"Ja. Und ZIEMLICH peinlich wär es, wenn ich das EINZIGE Kind wär, das popelt, nä?"

"Ja." (Ich kann mich kaum noch halten) "So, jetzt aber Gute Nacht!"

"Gute Nacht."

Halber Weg zur Zimmertür. "Mama?"

"Ja."

"Es gibt eine Popelfrau."

"Was?"

"Ja. Im Kindergarten."

"Was?" Ich bin neugierig. Nein. Sensationsgierig. Ich will Namen. Will unbedingt wissen, welche von den Erzieherinnen ständig von der Erdnuss beim Popeln erwischt wird.

"Ja. Im Mal- und Werkraum."

"Die Sabine?"

"Nee."

"Die Maria?"

"Nee."

"Die Dorothee?"

"Nee, hihi, die kleine Popelfrau aus der Stiftekiste."

"Duuu Luder! Du foppst mich schon wieder."

"Hihi, ja, aber die Popelfrau, weißt du, die Popelfrau," *kicher*, die baut sich ein Popelnest, aus Popeln, nä, und deshalb muss die immer popeln. IMMER!"

"Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiih, jetzt ist aber Schluss, Gute Nacht, mein Schatz."

"Ja, aber die Popelfrau, die muss ja - "

"Gu-te Na-hacht!"

"Und die macht wirklich ALLES aus Popeln. ALLES!"

"Schlaf schön!"

"Und wenn die mal auf Klo muss,...

"Schlafen! Jetzt!

Es hätte mich ehrlich gesagt noch brennend interessiert, was die kleine Popelfrau aus der Stiftekiste macht, wenn sie aufs Klo muss, aber leider muss irgendwann auch mal Schluss sein.

Gute Nacht, allerseits.

 

07.01.2008 um 09:18 Uhr

Zeit des Erwachens

7.45 Uhr. Der Handywecker pupst und sprotzt und vibriert vor sich hin. Ich habe ihn weit weit weg vom Bett gelegt, damit ich auch WIRKLICH aufstehe.

Das tu ich nun: Ich stehe WIRKLICH auf und stell den Wecker auf 8.15 Uhr.

Die Erdnuss hat bei mir geschlafen, der Papa weilt im Ausland.

"Was war das?" fragt sie schlaftrunken.

"Der Wecker." sag ich schlaftrunken.

"Und was hast du gemacht?"

"Ihn so gestellt, dass wir nochmal die Augen zu machen können."

Ich rechne mit Protest. Aber nö. Tzzzzzzzzzzzzzzzzzzz.

8.15 Uhr. Der Wecker so: *pups rum, *klingel

Höchste Eisenbahn.

"Mama, es ist nicht schön, wenn der Wecker klingelt, wenn man grad soooooooo schön geschlafen hat."

"Nö. Aber wenn man verschläft..."

"...dann ist das auch nicht viel besser, ich weiß."

Kurze Runde kuscheln.

"Wollen wir einfach nochmal schlafen?"

(Und führe mich nicht in Versuchung.)

"Tja, wenn wir das machen, verpassen wir den Morgenkreis."

"Musst du heute in deine Uni?"

"Ja, aber noch nicht so früh."

"Dann schlafen wir nochmal."

schöner Vorschlag. Kuscheln. Augen zu.

"Mama?"

"Mmh."

"Ich glaub, ich will doch nicht mehr schlafen."

"Och Mnsch", nuschel ich. "Ich hatte mich grad so schön darauf eingestellt."

"Hihi!"

Klassisches Erdnusskichern.

"Dann stell dich doch einfach wieder aus."

Den Morgenkreis haben wir locker geschafft. Alles eine Frage der Ausstellung.

 

 

 

06.01.2008 um 23:34 Uhr

Betonung...

"So. Du machst direkt nach Lars der Eisbär den Fernseher aus und dann ziehst du dich von alleine an und dann machen wir einen Spaziergang, ok?"

Die Erdnuss ist so gut wie unansprechbar, wenn der Fernseher flimmert. Sie nickt dem Fernseher zu.

"Hey! Erdnuss! schau mich an."

Ungeduldig dreht sie den Kopf zu mir und nickt schnell.

Ich warte eine Viertelstunde. Und tatsächlich. Die Erdnuss macht den Fernseher aus. Was sie nicht tut, ist sich anziehen. Stattdessen setzt sie sich in einen Karton und rudert durchs WOhnzimmer.

"Erdnuss!? Was hatte ich gesagt? Du solltest dich anziehen."

"Ja", betont lässiger Tonfall, "aber du musst mir helfen."

"Nee. Von alleine. Ohne, dass ich es nochmal sagen muss. Und ohne, dass ich helfe."

"Ja," völlig unbeeindruckt, "Mama, da musst du einfach aufpassen, was du sagst."

"Mmh?"

"Zwischen 'von AHH-leine' und 'von alLEINE' ist ein Unterschied."

"Wos?"

"Ja. AAAH-leine. Das ist was anderes."

"Was soll denn von AAAH-leine sein?"

"Das ist, OHNE dass die Eltern was sagen, aber MIT helfen."

"Und alLEINE?"

Sie nickt ungerührt. "Das ist das, was du meintest. Aber das musst du besser sagen. Sonst versteht dich das Kind nämlich nicht."

"Du willst mich foppen?"

"Ja."

Sprachs und ruderte in den Sonnenuntergang.

Na Bravo. Absurde Intonationsdiskussionen. Als hätte ich davon in der Wissenschaft nicht genug...

 

05.01.2008 um 17:35 Uhr

tiefer, weiter, schneller

neben der papprolle haben wir ein zweites highlight zu weihnachten verschenkt: eine schwimmbrille (natürlich in schwarz, antifog und antinochwas für 8,99 €).

macht sich gut in der badewanne. und sonst auch immer und überall. als pilot kann man brummgeräusche nachahmend mit dicken backen durch die wohnung rennen. man kann sie auf dem fahrrad anziehen. weil man ohne sonnenbrille nicht cool ist. das hat nämlich der liebe gott gesagt. ich schweife ab. aber gerade sitzt die erdnuss als schiffbrüchige auf dem sofa. natürlich mit brille. die hat der schiffbrüchige nämlich schnell noch angezogen, bevor das schiff untergegangen ist.

vor einigen stunden wurde die brille erstmalig ihrer bestimmung zugeführt.

und wisst ihr was?

sie taucht.

tief.

und weit.

und jetzt kommts:

wenn man merkt, dass man sich mit gesicht unter wasser über wasser halten kann, dann kommt man auch gern mal auf den gedanken, das gesicht über wasser zu tun und tief luft zu holen.

und dann schwimmt man.

einige meter nur.

aber man schwimmt.

sie schwimmt.

die erdnuss schwimmt.

und die sunny-mami platzt.

vor stolz.

und vor freude.

und vor glück.

tiefer, schneller, weiter.

etappe für etappe.

wow.

 

03.01.2008 um 01:58 Uhr

Bude voll, Licht aus, rocken...

Blöd, wenn man kurz vor Weihnachten Geburtstag hat. Da kann keiner. Da will keiner. Geschenke sind sowieso normal. Adventskalender, Nikolaus, Geburtstag - gähn...

Man kann nachfeiern. Man kann es auf diese oder jene Art tun.

Vor allem aber sollte man es mit großartigen Kindern tun, denn wenn großartige Kinder aufeinandertreffen, wird es eine feine Party. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Und siehe, wir wurden nicht enttäuscht.

Erst kamen heute Lisa und Kastor. Geschwister. Großartige Kinder (s.o.).

Lisa ist herrlich. Sie ist entzückend, sie ist klug, sie ist witzig und voll von Selbstvertrauen.

So voll von Selbstvertrauen, Klugheit, Charme und goldenem Humor, dass sie am Kaffee- und Kuchentisch im Beisein meiner Schwiegermutter ihre Scheide zeigt und sich kaputt lacht. Kastor, ein gutmütiger Rabauke mit frechem Grinsen und unübertrefflichen Mundwerk, steht ihr da in nix nach und will seinen 'Pääänis' zeigen. "Ich zeige meinen Päänis! Ich zeige meinen Päääänis!" "Hahahaha. Darf ich nochmal meine Scheide zeigen!" Das Gesicht meiner Schwiegermutter ist bewegungslos, das meines Mannes scheint vorsichtig zu grinsen. Jessika, die Mutter der beiden, hebt resigniert lächelnd die Augenbrauen. Der Erdnuss fallen Unmengen von Schokokrümeln aus dem damit gefüllten Mund, der Kopf so rot wie eine Tomate. Ich bin der festen Überzeugung, dass sie vor Lachen platzt und uns beide damit das gleiche Schicksal ereilt, wobei ich das zusätzliche Problem einer guten Erziehung habe, die mich davon abhält, die Kuchenkrümel aus dem Mund purzeln zu lassen, was einige von ihnen ermutigt, den Weg in meine Nase anzutreten. Atemnot. Gottseidank klingelts. "Hallo Justus!" bring ich zwischen zwei sehr hohen Gicklern heraus.

Justus ist der Nachbarsjunge. Derjenige, der in der Silvesternacht meiner Tochter Hand nahm und sagte: "Du musst keine Angst haben. Ich bin bei dir."

Justus ist ein Rocker. Ja, ich meine wirklich, das jetzt schon sagen zu können. Gut. Er ist ein junger Rocker. Aber sowas zeigt sich m.E. schon früh. Er hat lange Haare, ohne mädchenhaft auszusehen. Das ist doch schon mal ein erstes verdächtiges Zeichen, oder? Naja, und er hört Rockmusik. Aber auch Ritter Rost. Und Nena findet er gut. Er denkt, das ist auch Rockmusik. Ich denke, die Zeit wird genaueres zeigen. Jedenfalls löst Justus die Kaffeetafel damit auf, dass er sich wortlos ein Stück Schokoladenkuchen vom Tisch krallt und im Zimmer der Erdnuss verschwindet. Alle hinterher. Justus ist sowas von lässig, als ich ihn gestern spontan einlud und einräumte, dass noch zwei weitere Kinder kommen, die er nicht kennt, winkte er mir einer großzügigen Geste ab und rief: "Ist doch völlig egal."

Wars ihm auch. Das nächste Mal, an dem ich ins Erdnusszimmer schau, lehnt er bequem in ihrer Zimmerecke auf dem Sitzkissen, Kastor baut einen Flieger und Justus steuert den Zug. Die Erdnuss legt Musik auf. Die neue Grönemeyer. Lisa will auch eine Taschenlampe. Die Rollläden werden runtergelassen. 'Kopf Hoch, Tanzen' ertönt. Laut. Richtig laut. Kastor lässt den Zug tuten. Justus grinst lässig. Lisa und die Erdnuss schwingen auf dem Hochbett jubelnd im Takt ihre Taschenlampen. "Wir sind Vampire!" kreischen sie. "Vampire, Vampire, Vampire!!!" Warum auch immer.

Streit gabs heute keinen. Der Lego-Güterzug ist nun in seinen Einzelteilen im Erdnusszimmer verteilt. Nun fängt auch das Lego an, mich nervös zu machen.

Aber egal. Ich bin alle, genau wie die Batterien der Fernbedienung, aber hochzufrieden mit der Entwicklung.

Großartige Kinder - großartige Party. Ich hoffe, sie verlernen es nicht...