Die ultimative Schneckenfalle
Riesenschnecken. Wir haben 23 Riesenschnecken eingesammelt. Die Erdnuss, die mit ihrer Baseballkappe ab und zu unter ihrem Riesenregenschirm hervorlugte, hat den Heimweg im Entengang angetreten. Alle zehn cm eine Riesenschnecke. Und wer musste sie tragen? Sunny Erdnussmama, geprüfte Schneckentransporteurin. Jetzt haben wir einen Berg Schnecken im Schuhkarton. Die Erdnuss bastelt gerade fleißig Brücken und ein Schneckenklo und schmeißt Überraschungseispielzeug in den Karton, damit es auch an Unterhaltung nicht mangelt.
"Gleich lassen wir die aber wieder frei, ok, Erdnuss?"
"Oooooooch."
"Hey, das ist Tierquälerei, die Schnecken wollen nach draußen."
"Aber guck!" Die Erdnuss weist auf das Spielzeug, die Löcher im Kartondeckel und das viele Grünzeug.
"Ja, aber trotzdem. Im Freien an der frischen Luft gehts denen besser."
"Mama?" Wieder dieser listige Blick. Mannometer, was kommt jetzt? "Weißt du was ich glaube?"
"Nein."
"Ich glaube, meinen Schnecken geht es hier viel besser als draußen."
"Nein. Das hab ich dir doch..."
Die Erdnuss winkt ab. "Und weißt du auch, warum ich das glaube?"
Ich seufze. "Warum?"
Ihre Augen verengen sich zu Schlitzen, der Zeigefinger weist mahnend nach oben, mit Nachdruck flüstert sie: "Die Schneckenfallen!" Oje, der ganze Garten ist voll davon. Wie recht sie hat. Ich hole Luft, mir fällt nix ein. Zu lange Pause... Triumphierend schaut sie mich an, die kleine Erdnuss, mein kleiner pudelnasser Blondschopf mit Spongebob-Kappe, grinst sich einen, zuckt griemelnd die Schultern und verschwindet mit ihrem Karton im Kinderzimmer.
So. Soll sie noch ein paar Sessel basteln und einen Fernseher hat sie auch noch angekündigt. Ich werd ihr gleich erklären, dass es Gebiete ohne Schneckenfallen gibt, und dann müssen wir wohl nochmal raus in den strömenden Regen mit Riesenregenbogenschirm und Gummistiefeln. Ehrlich: Ich freu mich!
Mir fallen Unternehmungen zu den unmöglichsten Zeiten ein. Natürlich weiß ich dann nichts von einer unmöglichen Zeit. Ich weiß gar nichts von Zeit. Manchmal vergess ich sogar den Raum. Das sind dann die schönsten Momente.
Jedenfalls fällt mir schonmal abends um sechs ein, dass es eine gute Idee wäre, die Sonnenstrahlen im Wald zu beobachten. Wie gesagt, Achtzehn Uhr, Abendessen und Zubettgehzeiten sind mir dann nicht bewusst, profanes Zeugs, so Alltagsstrukturen, geht mir doch weg...
Naja, dann ab mit der ganzen Familie in den Wald. Die Erdnuss rennt und rennt und staunt und kniet und hockt, beschnuppert den Boden, sammelt Pflanzen, Stöcke und sucht Sachen.
"Guckmal Mama, Muuuus!!!!" Ach wie schön. Die Babysprache ist noch nicht ganz weg. Saurige Gurken sind immer noch saurige Gurken, ein Auto hupt nicht, sondern 'mupt' und Moos ist eben 'Mus', das werde ich ganz schön vermissen, wenn es erstmal weg ist.
Wir machen eine kurze Projektplanung. Natürlich muss ich vorher noch erklären, was ein Projekt ist. Das kann dauern. Zwischenfragen, Rückfragen, Nachfragen, alles so Zeug, und dem Papa knurrt der Magen, auch wenn er sich eines breiten Grinsen nicht erwehren kann. Wir sammeln also Waldpflanzen, Farne, Mus, blühenden Herzchenklee, Veilchen und auch ein Buschwindröschen (auch wenn die - pssst - unter Naturschutz stehen). Öhöm.
Das Projekt ist eine Waldschale anzufertigen. Die muss natürlich heut noch fertig werden. Also müssen wir beladen mit dem ganzen Waldzeugs noch in den Baumarkt, eine Topfschale, äh Schalentopf, also so ein Keramikding eben, kaufen. Der Magen meines Mannes wird lauter und das Grinsen ein w, enig verhaltener. "Ähähä", schämte ich mich kichernd, als ich die Uhrzeit im Auto sah, worauf diese Chaos-Ordnung-Unterhaltung folgte, schließlich war es schon 19.55 und mal abgesehen davon, dass wir nur ganz knapp noch so ein Keramikding bekamen, musste das Zeug ja auch noch gepflanzt werden. Die Erdnuss trug feierlich die Schale, ich die Blumenerde und der Papa die holländischen Gummigeleedinger, ein Triumphzug in den Garten, die Schale wurde unter großem Hallo bepflanzt und die Erdnuss sah sogar ein, dass es keine gute Idee ist, um 21 Uhr noch fernzusehen.
"Gute Nacht, Mama," sagte sie später in ihrem Bettchen. "Am allerschönsten in unserem Projektding ist die Windrose." "Ja", sag ich, "hoffentlich blüht die morgen noch." "Ja-ha, das glaube ich schon, weil wir so viel Liebe in die Erde getan haben." "Genau. Das haben wir. Das muss reichen." "Nee." "Nee?" "Nee", die Erdnuss kichert in sich hinein "Ich hab noch ein Gummibärchen mit reingegeben." "Ach." "Ja-ha", noch mehr Kichern, "und wenn wir sehr viel Glück haben, dann wächset ein Gummibusch mitten in der Waldschale."
Fein. Es würde mich ehrlich nicht überraschen. Ein Gummibusch. Wir dürfen gespannt sein...
Die Windrose steht jedenfalls tapfer ihren Mann.
Wenn die kleine Erdnuss Wasser um sich hat, ist sie glücklich. Je nach Wärme, Laune und Tagesform, wirft sie sich in die Fluten, matscht rum oder hält kichernd ihre Füßchen rein.
Schwimmbad, Fluss, See, alles nach ihrem Geschmack. Sie liebt es rumzustromern. Ich liebe es auch. Gestern sind wir um den See gewandert. Man kann das auf gefährlichen Trampelpfaden oder auf einem bequemen gepflasterten Weg tun. Es war klar, wofür wir uns entschieden. Die Erdnuss hatte sich einen Holzhammer gebastelt, mit dem sie gegen alle Büsche und Bäume schlug, um wilde Tiere zu vertreiben. Sie ging voran und war stolz wie Oskar.
"Mama, ich bin der Häuptling und du der Chef, nä?"
"Super, sehr gut"
Der Papa fragt: "Was ist der Unterschied zwischen Chef und Häuptling?"
"Der Häuptling weiß, wo es langgeht und der Chef trifft die Entscheidungen."
"Oha, und was bin ich?" "Du hilfst uns bei allem."
"Jaja," der Papa grinst. "Ich bin der Wasserträger."
"Nee, der Rucksackträger. Du trägst den Rucksack, Papa."
So stromerte sie also vor sich hin, mit ihrem Hämmerchen und dem Mickeymouse-Kapuzen-T-shirt und bahnte uns den Weg, matschte mal hier mit dem Wasser mal da, hielt ihren großen Zeh hinein, bis es partout nicht mehr weiterging.
"Tja, jetzt müssen wir doch auf den graden Weg."
"Nein! Das will ich nicht."
"Aber schau doch mal da oben ist eine wunderschöne Wiese mit Löwenzahn."
"Pupswiese." Die Erdnuss erklimmt wutschnaubend den Weg nach oben. Sie hält sich an einem Baum fest und lässt uns weiterhin wissen, was sie von der Wiese hält. "Kakawiese!" ruft sie zu uns herunter, klettert noch ein Stück und schimpft weiter. "Scheißwiese. Pipipwiese. Pupskakawiese."
Oben angekommen schmeißt sie sich in den Löwenzahn, pflückt, als gäbs kein Morgen mehr, verschwindet im hohen Gras und fordert uns kichernd auf, nicht zu wissen, wo sie ist.
"Haha, ihr wüsstet nicht, wo ich bin, und dann müsstet ihr mich suchen und dann erschrecktet ihr euch. Haha."
"Herrje, das Gras spricht. Aber wo ist denn nur die Erdnuss?"
Wir haben im Laufe der nächsten Stunden festgestellt, dass niemand einen Tyrannosaurus Rex besser nachahmen kann als die Erdnuss, dass auch ein Gänseblümchenkranz nichts daran ändert, dass sie immer wie ein kleiner Kobold aussieht und schlussendlich hat sie uns ihren Wackelzahn gezeigt, der mit der Zunge schon weit nach vorne zu schieben ist, was mich (und da bin ich jetzt ganz ehrlich) beinahe zum Weinen gebracht hat.
Gefühlsexplosionen, die wenigsten davon passen in Worte...
Kennt ihr diese Bügelperlen? Das ist ganz übler Fisselskram. Millimeterperlchen, mit winzigem Löchlein, die man auf Steckplatten, äh, steckt, und dann so Muster legen kann, die man dann mit Backpapier (iiiiiiik) überbügelt (iiiiiiik), damit die zusammenkleben und lustige Fensterbildchen zum Aufhängen entstehen (iiiiiiiiik).
Die Erdnuss kennt und liebt diese Dinger. Es ist nur eine Phase, beruhige ich mich zurzeit, aber augenblicklich muss ich mit ran, da hilft alles nix.
Naja, es hat aber auch was Meditatives. Gelbe Perlchen aus dem Winz-Schüsselchen zu klauben ("Alle Gelben, nä Mama?") und der Erdnuss mund-, nein potztausend, fingerchengerecht auf dem Tisch aufzureihen.
"Mama? Weißt du was das wird?" Geschäftig legt die Erdnuss die dunkelgrüne Reihe. Perlchen für Perlchen wird auf die winzigen Hubbelchen gesteckt, man könnte wahnsinnig werden. "Nee." (Natürlich nicht.) "Das wird eine Überraschung für dich." "Aha." "Ja-ha. Und deshalb kann ich das auch erst morgen fertig machen." Sie schaut kurz hoch, zuckt die Schultern. "Denn: Morgen hast du wieder vergessen, was du heute gesehen hast." "Soso." "Jaha", sie schaut mich streng an: "Also Mama: NICHT MERKEN! NICHT AUFSCHREIBEN! UND AUCH NICHT:", kurze Pause, Flüstern: "daran erinnern, nä?"
"Ich tu mein Bestes", antworte ich lächelnd.
"Nein!" Die Erdnuss schüttelt wild den Kopf. "Nichts tun." Verschwörerisch beugt sie sich zu mir. "Das ist nämlich der Trick!"
Was waren nochmal Bügelperlen? Rot, Grün, Gelb? Wieso denk ich denn an Farben? Äh, Farben? Wollt ich nicht einen Kuchen backen? Hemden? Was war noch mal mit Hemden? In die Wäsche? Aus der Wäsche? Was für eine Wäsche? Was mach ich hier eigentlich? Wozu ist dieser Button "Veröffentlichen"? Ich drück da jetzt einfach mal drauf...
Da hab ich doch glatt den bösen Zwerg aus 'Schneeweißchen und Rosenrot" vergessen. Der Bär, der Prinz, der Bruder, das war noch alles da, aber der doofe Zwerg? Völlig neu. Umso mehr hab ich mich gewundert, als ich ihn heute rumschimpfen hörte, da auf der Märchenkassette. "Ihr Schafsköpfe", hat er Schneeweißchen und Rosenrot beschimpft, dabei hatten sie ihn grade erst aus dem Baumstumpf gerettet, und dann hat er sie "dumme Gänse" genannt, als sie ihn aus dem Wasser gezogen hatten, und zu guter Letzt zieht er auch noch das böse Wort "Missgeburten" aus seiner zerfetzten Zipfelmütze, nachdem die Mädels ihn unter Mühen vor dem Adler gerettet hatten.
"Weißt du, was ich glaube, Mama?" fragt mich die Erdnuss versonnen. "Ich glaube, der Zwerg ist ein ziemliches Arschloch!"
Ich habe ihr zugestimmt.
Die Erdnuss und ihr Papa sitzen in der Badewanne.
Sie haben Schwimmbrillen auf.
Sie reden.
Sie reden die ganze Zeit.
Und sie tun es schnell.
Das gehört nämlich zum Spiel.
Das Spiel heißt: Den Redefluss durch Wasserfluss zu unterbrechen.
Man redet und redet und versucht weiterzureden, während der andere einen kleinen bunten Ikeaplastikbecher kalten Wassers über dem Kopf entleert.
Dann lacht man sich kaputt, weil man nur noch blubbern kann.
Immer abwechselnd.
Sie sind verrückt.
Sie sind meine Familie.
Ich liebe sie.
Seit Tagen plagt mich eine üble Harnwegsinfektion. Ja. Damit bin ich anfänglich noch durchs Unterholz gepilgert und hab Kellerasseln gesammelt, aber das hat es nicht grad besser gemacht.
Und seit Montag gings abwärts, das Antibiotikum hat nicht geholfen, sondern geschwächt, der Arzt nur Blödsinn geredet, und die Arbeit, die viele viele Arbeit blieb liegen und staute sich in meinen Gehirngängen.
Die Mama war defekt. Lief nur noch in kleinen Trippelschrittchen zwischen einzelnen Toilettenstationen hin und her und musste sich ganz oft setzen. Was soll ich erzählen? Es gibt keinen guten Spruch, keine Philosophie, keine Clownerie zu präsentieren. Muss ja auch nicht. Ich bin sprachlos über so viel Rücksichtnahme, so viel stiller Liebe und Hingabe, so viel Verständnis und Zärtlichkeit.
Ich habe nun seit 4 Tagen nicht einmal den Satz "Mir ist langweilig" gehört, kein Knatschen, kein "Nä, kein Bock." oder "Das ist unfair." Obst hat sie mir gebracht, Bananenstückchen und Apfelschnitze, Gummibärchen durfte ich haben, ein Kuscheltier wurde abgegeben und tausende von Küsschen landeten in meinem Gesicht, kleine Patschhändchen drückten die meinen. Viel Kuscheln, sehr viel Kuscheln.
Heute hat sie mir ein Bild gemalt. So ein klassisches mit Sonne, Regenbogen, Blumen und Häuschen.
"Ein WUNDERschönes Bild." lob ich. "Besonders das Häuschen gefällt mir."
"Ja-ha. Das ist ein Zwergenhaus."
"Oha. Und das sind die Zipfelmützen?" Ich zeige auf die spitzen grünen Zacken unten im Bild.
"Nee!" Empörter Blick. "Das sind doch die Berge!"
"Aha. Und wo sind die Zwerge?"
"Mpf." Sie zuckt die Schultern. "Das sind Zwergeberge. Die leben dadrin."
"Und das Haus?"
"Pff." Pure Verachtung. "Das ist nur für Mädchen."
"Zwergenmädchen?"
"Nee. Schneewittchen und so, ist doch klar. Aber Mama, weißt du denn, was DAS ist?"
Sie weist auf etwas kleines, krumpeliges Grünes in der Mitte.
"Nee."
"Das ist fliegender Salat."
...
"Mama?"
...
"Mama?"
...
"Du lachst ja wieder!"
...
"Mama? Ich glaub, du wirst wieder gesund!"
Ich glaub auch, zumindest bin ich auf dem besten Wege. Wie ginge es auch anders. Drückt mal die Daumen, dass dieses Breitspektrumdingenskirchen jetzt wirkt.
Ich muss mich nämlich dringend revanchieren.
Mannmannmann, diese Tiere. Wer, bitte WER hatte denn die Idee mit der Becherlupe gehabt. Achso. Das war ja ich. Mh. Ich musste heute mithelfen Tiere zu finden, durchs Efeu simmer gepilgert, ich hab die Efeudecke hochgehoben und drunter wurde gegraben. Die Erdnuss und das Sternchen, ihre beste Freundin. Die erste Schnecke, die wir fanden, sorgte für den ersten Disput. "ich hab sie zuerst gesehen." "Ja, aber ICH hab sie rausgeholt." "Wieso darf das Sternchen jetzt die Schnecke haben" "Mensch, Leute, immer abwechseln mit der Schnecke." "Nö, Abwechseln ist doof, jeder soll seine eigene Schnecke haben."
"Herrgott, lass mich eine Schnecke finden." bete ich voller Inbrunst, als mir eine Kellerassel über die Hand läuft und ich mit der anderen noch einen Regenwurm am Schwanz (oder am Kopf?) zu packen bekomme. Strahlend präsentiere ich meinen Schatz: "SCHAUT MAL!!! Eine Kellerassel UND ein Regenwurm." Man wusste es zu würdigen. Noch mehr Kellerasseln wurden gesucht und gefunden. Wie sie genannt wurden? Ihr schmeißt Euch weg: "Familie Kelli!" Na? Ist das was?
Jedenfalls denk ich jetzt an all den Schleim und das Gekrabbel und strahle nicht mehr. Schade eigentlich, meine Vernunft ist wieder da. Aber das geht wieder weg, da bin ich mir sicher.
Das Sternchen schläft hier. Und ich habe lange darum gekämpft, dass die Tiere draußen im Garten schlafen. Gewonnen. Puh.
"Liebe Erdnuss! Ich wünsche mir einfach, dass das morgens ein bisschen schneller geht mit dem Anziehen. Du trödelst einfach so viel."
"Autsch!" Die Erdnuss reibt sich die Backe und steht seufzend auf. Setzt sich auf den Boden und holt geschäftig und routiniert die Lasche aus ihren knallroten Schuhen.
"Autsch? Hast du dir wehgetan?"
"Naja, der Wunschpunkt ist von meiner Backe verschwunden. Das kribbelt so."
Achja, das Sams.
Herzlichen Dank fürs Wunschpunktausleihen.
Heute schlaf ich im Erdnusszimmer. Also eigentlich müsste ich da jetzt liegen. Hab mich heimlich rausgeschlichen, nachdem wir eine kleine Pyjamaparty veranstaltet haben. Mit allem Drum und Dran. Geschichten vorlesen, Kassette hören, Geschichten aus dem Leben erzählen, kuscheln kuscheln kuscheln.
"Du machst mich froh, immer machst du mich froh, Mama!" Erdnussglucksen, Erdnussstrahlen.
"Naja, nicht immer, ich kann schon auch manchmal eine Schimpfemama sein."
"Ja," verständnisloser Blick. "Aber jetzt, jetzt machst du mich froh."
Jetzt. Immer der Moment. Das, was zählt. Die Sekunde. Die hier. Und die nächste. Da! Wieder eine...
Ich schleich mich mal zurück.
Pst...
Als Kind waren die ersten Erdbeeren im Jahr immer ein kleines Wunder für mich. Nunja, im Osten, und in den 70ern, als man Erdbeeren auch nur genau 4-6 Wochen lang im Jahr bekam, da war das WIRKLICH ein Ding, die Sache mit den Erdbeeren. Etwas wahrhaftig Magisches empfand ich bei Walderdbeeren, wenn besagte zwischen saftig grünen Blättern hervorlugten, Wichtel- oder Elfenfutter, von dem ich mir einfach die ein oder andere Beere stibitzte, ach quatsch, alle, die ich finden konnte, habe ich vertilgt im unerschütterlichen Glauben daran, dass sich nur so viele der Wunderbeeren finden lassen, wie die Märchenwelt sie auch hergeben mag.
Komischerweise haben Erdbeeren, obwohl man sie inzwischen für entsprechend Kohle auch im Januar bekommt, ihren Zauber für mich nicht verloren.
Und obwohl ich mir geschworen habe, sie nur zwischen Mai und Juli zu kaufen, deutsche Erdbeeren versteht sich (mit extra gerolltem R *g*), konnte ich heute an dem kleinen Schälchen mit den darin enthaltenen elf komma fünf Erdbeeren für zwei komma neunundneunzig Euro nicht vorbeigehen.
Dazu gabs: VANILLEPUDDING! Und Sprühsahne!! Der Erdnuss Augen glitzerten im Erdbeerfieber. Ein hellgrünes Schüsselchen mit gelben Pudding, erdbeerroten, äh, Erdbeeren und ein winziger blumiger Klecks Sahne am Rand. Wunderschön hats ausgesehen. Rote Bäckchen, Strahlen über alle selbige, in die Händchen klatschen! "ERDBEEREN! Die hab ich ja LANGE nicht mehr gesehen!"
Und dazu wiederum eine Runde 'Wissen macht Ah!" Heute haben Shary und Ralph unter anderem erklärt, warum man mit Schnupfen nix schmecken kann.
"Mama! Das musst du WIRKLICH mal ausprobieren!"
Auf Anraten der Stimme aus dem Off hielt sich die Erdnuss die Nase zu und stopfte sich einen großen Löffel Pudding in den Mund.
"Üch schmöck würklöch nöchts!"
Da wollt ich in nix nachstehen. Stopfen, kichern, durch die Nase sprechen. Jedes Mal Lachanfälle, wenn die Luft ausblieb. Kleine Erdbeerstückchen in der Nase. Staunen über die "Geschmacksbombe" ("MAMA! Eine GESCHMACKSBOMBE! Eine TURBOERDBEERBOMBE!!"), wenn man die Nase plötzlich wieder frei machte.
Die üblichen Tränen (Wasserfall.) beim Ausschalten des Fernsehers. Zähneputzen. Schlafanzug an. Bett. Vorlesen. Licht aus.
Die Pointe? Gibts keine. Schön wars!
Mensch!
Erdbeeren mit Vanillepudding.
Mmmh.