Kleine Erdnuss

31.08.2008 um 21:41 Uhr

Zweite Kurve

von: sunnysightup   Kategorie: Knack die Erdnuss

 
 
rätsel
 
 
 

31.08.2008 um 02:42 Uhr

Die erste Kurve...

von: sunnysightup   Kategorie: Knack die Erdnuss

 

 

 


 

30.08.2008 um 22:28 Uhr

Rätsel über Rätsel

von: sunnysightup   Kategorie: Knack die Erdnuss

Eines unserer Lieblingszeitvertreibe ist Rätselraten. Es gibt die Ja-Nein-Rätsel, die stets mit den Fragen Tier?, Mensch?, Gegenstand? beginnen, es gibt die Lies-es-mir-von-den-Lippen-ab-Rätsel, die Erkenn-die-Melodie-durch-die-Nase-Rätsel und deren Variation Erkenn-die-Melodie-unter-Wasser. Dann hätten wir inzwischen noch Galgenmännchen, was bei der freien Rechtschreibung der Erdnuss eine EXTREME Herausforderung für mich bedeutet, zumal sie noch nicht mal die richtige Reihenfolge der Buchstaben einhält (jaja, ich weiß, muss sie ja gar nicht, kann sie ja noch gar nicht müssen, aber versucht mal beim Galgenmännchen OMA zu raten, wenn es MAO geschrieben wird) und, was ich besonders mag, Steineraten, äh, aber das ist kompliziert und was zwischen uns...

Aber das nur nebenbei. Bilderrätsel sind ebenfalls eine unserer Spezialitäten. Komposita raten im Sinne von HAUS-TÜR oder FUSS-BALL, oder so was:

 

 

rätsel

 

 

Alles klar soweit? Der ist jetzt von mir, ab morgen gibts welche von der Erdnuss höchstpersönlich... Mannmannmann, hab ich gestaunt, wie einfach Kinder in Kurven um die Ecken denken...

 

 

27.08.2008 um 21:15 Uhr

Besitzverhältnisse

"Mama? Bist du mit deinem Fahrrad da?"

"Ja."

"Nee."

"Wie nee?"

"Das ist Papas Fahrrad."

Zugegeben, ich fahre häufig mit dem meinem Mann zugeteilten Fahrrad. Das fährt so gut. Und wenn ers doch nicht braucht... Höm.

"Naja," antworte ich ein bisschen verschnupft, "es ist schon irgendwie unser Fahrrad."

"Wer hat es denn bezahlt, Mama?"

"Äh, das ist doch bei uns egal."

"Nee, sag doch mal, hast du oder der Papa bezahlt. Ich meine beim Kaufen. Also dort. An dem Ort mit den Fahrrädern."

Ich überlege. AHA! Tatsächlich war es MEINE EC-Karte, die beim Fahrradkauf über die Kasse gereicht wurde...

"Naja, ich habs bezahlt." gebe ich mit einem verschmitzten Grinsen zu.

"Na, dann gehören die BEIDEN Fahrräder dir!"

"Nee," räum ich ein, "der Papa und ich haben alles gemeinsam. Das gehört uns allen. Auch dir."

"Ja?"

"Ja. Im Grunde wie du. Du gehörst zu mir UND zum Papa."

"Ja, DARÜBER wunder ich mich nicht."

"Nein."

"Ja," fährt die Erdnuss eifrig fort. "der Papa hat ja auch geholfen mich zu machen. Aber beim Fahrradkauf nicht. Da hat er nix dazu gegeben. Aber bei mir schon. Da hat er das mit dem Ei gemacht."

OH MANN! Geholfen! Das mit dem EI! Geholfen nennt sie das. Ich fass es nicht. Entrüstungsstürme regen sich in mir, VON WEGEN will ich rufen, aber ich reiß mich zusammen und sage: "Genau!"

"Siehst du Mama, ohne den Papa hättest du vielleicht zwei Fahrräder, aber mich, mich hättest du nicht."

BUMMS, der saß. Da sag noch einer, oberflächliche Menschen machen es sich einfach. Ganz tief unten bei den Wurzeln, DA ist alles logisch, einfach und übersichtlich. Die Oberfläche ist das kompliziertere System. Wie schön, dass ich sie ab und an verlassen kann...

 

 

27.08.2008 um 11:55 Uhr

Nachtgespräche

"Mama? Viele kleine Mahlzeiten sind besser, als wenige große."

"Hö?" Es ist 2.30. Ich bin orientierungslos. Die Erdnuss krabbelt in mein Bett. "Äh, woher weißt du das?" frag ich schlaftrunken.

"Aus'm Fernsehen."

"Aha."

"Ja, und da war ein Mann", sie kichert haltlos. "der hat seine eigenen Popel gegessen!"

"Was?" Ich kicher mit. "Im Fernsehen? Wer denn?"

"Weiß nicht, irgendein Mann, aber ein GROSSER!"

"Wow."

Stille.

Ich kicher nochmal. "Hihi, Popel essen..."

"Was?" fragt die Erdnuss. "Pupse essen?"

Ich muss lachen. "Das wär ja noch schöner. Hör mal, Pupse essen. Na das nenn ich eine kleine Mahlzeit."

Die Erdnuss lacht sich schief: "Ja genau! Dann würde es stinken, wenn wir rülpsen."

Gekicher.

"Mama? Weißt du was? Das beste am Pupse essen wäre, dass wir dann", sie kann vor Lachen nicht weitersprechen, "dass wir dann", weitere kichernde Unterbrechung, "hahaha, einen Luftballon aufpupsen könnten."

Gelächter. Großes Gelächter. "HAHAHAHA! Einen Luftballon aufpupsen."

"Und den dann fliegen lassen!"

"JA! Oder platzen!" 

HAHAHAHAHIHIHIHI. WIr platzen fast vor Lachen, aber nur fast. Es ist fast drei Uhr morgens. Langsam haben wir uns in den Schlaf gekichert. Bin ich froh, dass ich mir DAS gemerkt habe...

 

23.08.2008 um 21:48 Uhr

Unser Platz

Ich bin ein Naturmensch. Mein Mann auch. Und ebenso die Erdnuss.  Im Unterschied zu mir wissen die Beiden das nicht so genau wie ich. Mal wieder wollten'se nich so richtig. Die Erdnuss verweigerte sich schon bei der Unterhose, das Frühstück wurde extrem in die Länge gezogen, es wurde von einer Ecke in die andere geschlendert, gealbert, gezickt. Die Erdnuss und ich stritten uns, als hätten wir unser Lebtag nie etwas anderes getan, der Papa stand mit hängenden Armen dabei und wechselte unschlüssig die Zimmer. Die Samstagsplanung, mal wieder schien alles aus dem Ruder zu gleiten.

"Lasst uns mit dem Fahrrad zum Fluss runter. Und ab der Brücke können wir dann spazieren gehen."

"M-mhm." Der Papa brummt und versucht zu lächeln, wohingegen die Erdnuss rot anläuft.

"NEIN! Ich WILL nicht Fahrrad fahren!"

"Aber wandern gehen schon?" Zehn Uhr dreißig. Mein Lächeln hält. Dank Selbstbeherrschung.

"NEIN! AUCH NICHT! Wandern ist LANGWEILIG!"

"Was möchtest du denn?"

"Ich will ins Schwimmbad."

"Süße, es ist zu kalt für Schwimmbad." Zehn Uhr einundreißig. Mann-mann-mann, hab ich ne Selbstbeherrschung.

"Die Sonne scheint aber."

"Ja, aber immer nur für eine Minute."

"Mir reicht das für Schwimmen! Und wandern ist doof! Und Fahrrad fahren auch."

Tief einatmen.

"Schwimmbad kommt nicht in Frage! Es ist zu kalt!"

"NIE DARF ICH WAS MACHEN, WAS MIR SPASS MACHT!!!"

Tief ausatmen.

"Wandern MACHT Spaß. Fahrrad fahren auch."

"BUHUHUHUHUHUUUU!"

"Peter, sag doch auch mal was!"

"HUHU- ... Ja, genau, Papa, sag doch auch mal was."

"Äh."

"Nä Mama? Der Papa sagt ja gar nix."

"Och."

Meine Fassade bröckelt. Langsam. Aber sie bröckelt.

"Also, wenn wir uns nicht einig werden, dann bleiben wir eben alle hier."

"NEIN! DAS IST LANGWEILIG!"

"Äh."

Nachdem ich eine geschätzte Ewigkeit wütend durch die Wohnung gestapft bin, die Erdnuss ihre Socken und Unterhosen in den Flur geschmissen und mein Mann seelenruhig die Wäsche aufgehangen hat, wir uns auf ERST Einkaufen und DANN Wandern geeinigt haben und die Erdnuss im Supermarkt ca. einhundertundzweiunddreißig Mal gefragt hat, wann wir endlich losgehen, standen wir irgendwann in der Natur und unsere Seelen schier unter Schock wegen allzu plötzlicher Baumelei. Wir wanderten über die Felder, schmissen uns lachend ins hohe Gras, fütterten Raupen mit unseren Äpfeln, es wurde geknutscht und geherzt, gehüpft und gesprungen, Bäume wurden erklommen, Brombeeren gesammelt und vernascht, Nacktschnecken in den Schatten gelegt und Rosen beschnuppert.

Und dann fanden wir ihn. Vielmehr die Erdnuss fand ihn. Den Platz. Unseren Platz. Hinter hohen Brennesselbüschen versteckt verlief ein winziger Pfad, der direkt zum Fluss führte. Gras, weiches, saftig grünes Gras, gebogene Baumstämme, Weidenzweige, rosa Blümchen, Sonnenflecken, nach rechts und links nur glitzerndes Wasser und Wildwuchs. Als hätten wir mal eben - schwupps - das Land der Straßen, Fahrradwege und Motoren verlassen und wären auf einer einsamen Insel erwacht, auf der außer uns nur das Summen der Hummeln und das Zirpen der Grillen darauf hinweist, dass man nicht ganz allein auf der Welt ist.

Soclhe Plätze findet man natürlich nur dann, wenn man unter Zeitdruck steht. Termine, Termine, man ist ja (höret meinen aufrichtigen Seufzer des Bedauerns) nun mal nicht alleine auf der Welt.

Aber die Erdnuss ist sich sicher, dass sie ihn wieder findet, unseren Platz. Und ihr Papa auch.

Meine beiden Naturmenschen, achja, bald schon werden auch sie es eingesehen haben. Sie kamen mit roten Backen und leuchtenden Augen nach Hause. Wir alle haben geleuchtet. Nass zwar, weil uns der erwartete Schauer doch noch erwischt hat. Auch erschöpft, weil es ein echt langer Marsch war. Aber geleuchtet hammer.

Unser Platz.

So grün, so lauschig, so still...

 

 

 

 

 

20.08.2008 um 19:57 Uhr

In der City...

"...wir gehen in die Stadt."

"AUJA!"

Die Erdnuss fällt glaub ich genau wie ich immer wieder auf den Trick rein, dass es in der Stadt schön sein könnte. Wisst Ihr, etwas Geld im Portemonnaie, Schaufensterbummel, ein kleines Eis, Latte Macchiato, in Billigläden nach Bastelsachen stöbern, Bücherecken besuchen und schöne kleine Entdeckungen machen...

All das stell ich mir vor. Unter einem Stadtbummel. Bummeln gehen mit meiner kleinen großen Tochter.

Und komischerweise verwandeln wir uns in Monster, sobald wir die Fußgängerzone betreten haben. Die Erdnuss schaltet ab, ich werde reizbar, sie schlendert, äh schlenkert unkontrolliert von rechts nach links, im Bücherladen rollt sie über den Boden, weiß der Herrgott warum, sie sieht mich aus leeren Augen an und hört überhaupt nicht mehr, was ich sage.

Auf dem Weg in die Stadt habe ich noch gefroren, zwischen den Menschen beginne ich zu schwitzen (Stoffwechsel, Gottseidank), und ich fühle mich gehetzt und getrieben, will kaufen und weiß gar nicht mehr was, die Erdnuss will plötzlich alles anfassen, kaufen, mitnehmen, ebenso unkontrolliert wie sie schlenkert, alles scheint aus den Fugen zu geraten, da habe ich die rettende Idee, ein kleines Café entdeck ich, Kaffee, Kakao, Kuchen, JUCHHEISSASSA!

"Lust auf Kuchen?" "Mh." (Ein lustloses Brummen, mehr ist grad nicht drin bei der Erdnuss...) Es ist eigentlich kein richtiges Café, einer dieser Backfabriken mit Selbstbedienung. Ich erwurschtel uns ein Tablett. Auswahl, Auswahl, Auswahl. "Käsekuchen?" "Nö." "Streusel?" "Nö." "Was anderes?" "Weiß nich'." O-Oh. Reizbarkeit, auweiha. Ich steh im Weg, mitten zwischen Menschen, die im Grunde mir im Weg stehen, die Erdnuss fummelt inzwischen an den Schokomuffins rum und steckt sich einige Krümel in den Mund. "Ok, das nenn ich eine Entscheidung, dann wird es ein Schokomuffin." "NEIN! Den WOLLTE ich gar nicht." "Dann hättest du ihn eben nicht anfassen dürfen!" Ungerecht? Irgendwie schon. "Das wusste ich gar nicht." Die Erdnuss fängt an zu weinen. "Ich WUSSTE nicht, dass ich den nehmen muss, wenn ich ihn anfasse!!!" Ich sag ja, irgendwie ungerecht... Ich hiefe resolut noch Brot fürs Abendessen aufs Tablett. An der Kaffeemaschine eröffnet die weinende Erdnuss, dass sie mal muss. "Das auch noch." schnaube ich. Wir rennen zur Kasse, der Schweiß läuft mir in die Augen. Dann hetzen wir mit drei Tüten, Handtasche und Regenjacke unterm Arm zwei Treppen hinauf. Als wir vor dem Damenklo ankommen, hängt dort ein Zettel. "Ich muss so NÖTIG!" höre ich, während ich mir durchlese, dass ich als Kundin Verständnis haben soll, wenn für den Toilettenschlüssel, den man sich an der Kasse holen kann, ein Euro Pfand erhoben wird.

Aber klar! Na sicher! Null Problemo! Da hab ich ja SOWAS von Verständnis für. Die Tüten lass ich da. Hetze mit der Erdnuss, die nicht alleine warten möchte, die Treppe wieder runter. Da kommt mir eine Frau entgegen. Mit Kind und verschwitztem Gesicht. Ich erkenne mich wieder. Sie hat einen Schlüssel in der Hand. Ich möchte sie abknuddeln. Gemeinsam steigen wir die Treppen wieder hinauf. Wir Mütter atmen erleichtert auf, als wir sehen, dass es ZWEI Toiletten gibt. Die Kinder pinkeln. WIr stehen schwer atmend vor den Toiletten. "Ich schwitze wie ein Schwein." sagt sie plötzlich. "Ich auch," kicher ich. Sie kichert zurück. "Es geht nichts über einen gemütlichen Stadtbummel." sag ich lakonisch. Sie grinst. "MAMAAAAAH!" ertönt es gleichzeitig aus den Toiletten. Hosen hoch, abspülen, Hände waschen, Tüten fassen, Handtasche, Regenjacke unterm Arm. Es ist noch Zeit für einen Blick in die Augen. Verständnis blitzt auf. "Tschüss, kommt gut heim!" "Ja, ihr auch."

"Kanntest du die Frau?" fragte die Erdnuss später. "Nee." "Komisch, Ihr habt wie Freundinnen miteinander gesprochen." "Ja. Für einen Moment waren wir das auch..." "Mama?" "Ja." "Du hast der Frau leid getan." "Ja," kicher ich. "Sie mir auch." "Waru-hum?" "Ach weißt du, Schatz, das ist eine komplizierte Geschichte..." "Erzählst du sie mir?" "Ja. Aber nicht jetzt." "Ok."

Sie hat nicht mehr gefragt. Vielleicht jetzt gleich in der Badewanne, mal gucken, was wir uns einfallen lassen, ich tippe drauf, dass wir uns darauf einigen, dass Stadtbummel blöde sind..

 

 

Nachtrag zwanzig Minuten später:

Sie hat im Badezimmer die Tampons entdeckt. Na?? Ist das was? Das ist nicht nur eine komplizierte Geschichte, das ist sogar eine Geschichte voller Missverständnisse.

Und ich weiß jetzt auch, warum. 

Gebt mir eine Fernbedienung. Ich brauch heute nur noch weiche Kissen und eine Fernbedienung...

 

 

17.08.2008 um 20:09 Uhr

Neuer Song

Auf längeren Autofahrten haben wir immer ein reichhaltiges Songrepertoire. Die Erdnuss hat mal wieder komponiert. Mein persönlicher Lieblingssong:

 

200 Torten

 

Zweihundert Torten

sind es für ihn geworden.

Zweihundert Torten

er ist nicht krank geworden.

Zweihundert Torten

musste er dann essen.

Zweihundert torten

hat er wirklich gegessen.

So viele Torten im Bauch,

die hätt ich gern auch.

Ist das nicht toll?

Ist das nicht wow?

Jetzt ist er voll

wie eine Sau.

 

Vielleicht ein abruptes Ende, aber ich mag es.

 

 Auch schön übrigens:

 

Kleine Kinder haut man nicht

 

Hau-haue ist nicht gut

Hau-haue, die weh-heh tut

und i-hi-hich

ich mach das nicht

wird mi-hi-hir

langwei-lich

ja das macht keinen Spaß

drum la-ha-hass ich das. 

 

 

17.08.2008 um 00:00 Uhr

Federn im Haar

Wir haben Federn gefunden. Massig Federn. Wir haben sie alle dreiundzwanzig oder so in unseren Haaren verteilt. "So!" sag ich zufrieden, "Jetzt bin ich nicht mehr die Sunny, sondern Häuptling Schwarzer Falke! Und du? Wer bist du?" "Ich?" Die Erdnuss denkt nach. "Mh. Ich, ich bin Unberuhigter Bär. Der Medizinmann."

Den Rest des Tages ist sie immer mal wieder hektisch rumgezappelt und gestrampelt. Das war ihr "unberuhigter Heilungszauber". Auf meine Laune, die nicht besonders gut war heute, hat es sich äußerst positiv ausgewirkt.

 

16.08.2008 um 19:38 Uhr

Von Ultraschall bis Gitarre

"Mama? Hast du Fotos von mir in deinem Bauch?"

(Wir waren heut beim Nierenultraschall wegen der vielen Blasenentzündungen, die die Erdnuss als Kleinkind hatte. Sie war beeindruckt.)

"Ja. Ein besonders schönes sogar. Soll ich es dir zeigen?"

"Ja-ha!"

(Ich krame das Foto raus. Echt ein tolles, von so einem superduperteurem Ultraschallgerät, im Grunde ein Portraitfoto von innen.)

"Ooooohar"

"Schön, ne?"

"Das bin ich?"

"Jipp."

"Und wo ist die Nabelschnur?"

"Da hinten irgendwo."

"Und wie hab ich getrunken?"

"Du hast Fruchtwasser getrunken und Pipi in meinem Bauch gemacht."

"Oh!" Die Erdnuss reißt erschrocken die Augen auf. "Mit dem ganzen Gift?"

"Nö." (Ich wunder mich heimlich, was sie schon alles weiß. "Im Fruchtwasser gibt es kein Gift."

"Mama? Was hab ich als erstes gemacht, als ich draußen war?"

"Geschrieen."

"Und als zweites?"

"Mir auf den Bauch gekackt." (Was wahr ist, muss wahr bleiben.)

"Hihihi. Ehrlich?"

"Ja."

"Hihihihihihihiihihi!" (Noch nicht ganz raus aus der fäkalen Phase, was?)

Und wie sie da lag, so kichernd und in ihrem blau gestreiften Schlafanzug und mit den verwuschelten blonden Haaren, da musste ich plötzlich an ihren ersten Strampler denken, der war auch hellblau, und in einem jubilierenden Anfall von Glückseligkeit fall ich plötzlich knutschend über die Erdnuss her und jauchze: "UND DU WARST SO KLEIIIIIIIIIIIIN UND SO SÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜSSS!!!" Sie lässt es grinsed über sich ergehen udn sagt lässig: "Naja, bin ich ja wohl heute auch noch." "Naja," geb ich zurück, "so richtig klein bist du ja nicht mehr." "Aber süß." grinst sie. "Ja. Wahrscheinlich finde ich dich auch noch süß, wenn du zwanzig bist und gar nicht mehr hier wohnst oder wenn du selber Kinder hast." "Oder wenn ich ein Praktikum mache." wirft die Erdnuss beiläufig ein. "Ein Praktikum?" "Ja-ha. Da kann ich mir aussuchen, was ich später mal arbeiten will." "Oha. Und wo willst du ein Praktikum machen?" "Egal. Hauptsache ich kann wieder gehen." "Wieso?" "Ach, weil dann alle traurig sind, dass ich wieder weggehe. Das finde ich schön. Alle sagten dann: Oh wie schade, dass du wieder weggehst." "Ja, das ist schön." "Und noch viel schöner wäre meine Abschiedsfeier." "Ja?" "Ja. Alle tanzten dann und hörten das Lied von Lu-Lu-Lukas Podolsky." "Das würdest du spielen?" "Nee. Der CD-Player natürlich." "Ja oder du selber. Auf der Gitarre." "Jaaaaaaaaaaaa. Auf der Gitarre. Wie der Thomas. Meine eigene Musik." "Ja, das wird was!"

Hab ich erzählt, dass die Erdnuss bald ihre erste Gitarrenstunde hat? Nächsten Freitag ist es so weit. Ach-ach-ach. Noch so viele Geschichten....

15.08.2008 um 21:06 Uhr

Bude bauen

Das höchste Glück auf Erden war für mich in der Kindheit, mit meiner besten Freundin Kerstin in der Wallachei Buden zu bauen. Wirklich. Das war das Allergrößte. Der Hit. Der Hammer. Im Osten lag ja auch alles rum (Klischee-Alarm) und so hatten wir immer reichlich Kisten, Kästchen, Matratzen, alte Kaffeekannen und Blechtöpfe zur Verfügung. Das war natürlich alles außerordentlich ranzig und staubig und kaputt, aber uns wars egal. Ein Paradies. In einer der von uns gebauten Buden haben wir mal die von uns geklauten Äpfel gelagert und am nächsten Tag, als wir da wieder hinkamen, da hatte man unseren Vorrat angenagt. Mäuse? Hamster? Hasen? Herrlich.

Naja, und heute hab ich das meine Tochter machen sehen. Zusammen mit Kevin. Bester Freund, das ist wohl was Festes. Erste gemeinsame Bude und so. Ranzige Matratze, Plastikflaschen, Wimpel und Schnüre (sag noch einer, im Westen liegt nix rum), sogar ein Klo hatten sie und statt wie wir eine Schnur zum dran ziehen hatten sie einen Stein als Spülknopf. Glückliche erhitzte Kinder mit Brombeerflecken auf den T-Shirts, verschmierten Schnuten und geschwärzten Ärmchen.

Wir Mamas sind nur als Phantome ab und zu aufgetaucht, haben nach blonden Haaren mit hellblau gestreift und schwarzen Haaren und Grün-Weiß geschaut. Zufrieden geseufzt ham'se dann, die Phantome, noch'n Kaffee in sich reingeschüttet und Frauengespräche geführt.

Die Krönung war der Hase. Der blieb zwei Meter vor der Bude sitzen und mummelte zufrieden vor sich hin. Ich konnte mich gut mit ihm identifizieren.

Feines Leben, das, feines Leben...

 

14.08.2008 um 18:11 Uhr

Wein einfach.

"Ich zeig dir, wie man das faltet!" Stolz zeigt mir die Erdnuss die gebastelte Blume aus dem Kindergarten. Papierchen geholt. Zunge in den Mundwinkel. Volle Konzentration. Einmal über die Ecken. Die anderen Ecken. Ähm. Stocken. Tränen steigen hoch. Wollen raus. Und dann ein verzweifeltes, tief von innen kommendes Weinen. Ein Weinen, dem man anhört, dass es nichts mit der Papierblume zu tun hat. Schluchzer von ganz tief innen bahnen sich ihren Weg nach oben. Zehn min später sitzen wir immer noch beinahe bewegungslos in unsere Sofaecke geknuddelt. "Ich wa-wa-weiß gar ni-hicht wa-warum ich so wa-heine!" "Is doch egal" sag ich. "Wein einfach."

Und da ist mir eingefallen, dass ich sonst immer rumfrag und ausquetsch und wissen will. Dass ich frag, ob sie sich mit wem gestritten hat, ob was doofes im Kindergarten war, ob sie sich weh getan hat, usw. Wie selten halte ich meine Klappe... Einfach mal weinen lassen, die Klappe halten. Es war plötzlich völlig ok, dass sie weint, es musste nichts dagegen getan werden, einfach die Arme um sie geschlungen, streicheln, schweigen, warten, bis es aufhört.

"I-hich ka-hann ga-har nicht mehr a-aufhören." Streicheln. "Irgendwann hörts schon auf." red ich behutsam auf sie ein. "Nix sagen, Mama, bi-hitte nix sagen, dann mu-huss ich a-aufhören, und das tut im Ha-hals weh." Ja. Das hatte ich mir gedacht. Wir lenken uns viel zu sehr von unseren Gefühlen ab, fragen nach Berechtigung, vergleichen, beschuldigen, rechtfertigen, und unsere Gefühle bleiben im Hals stecken. Rauslassen. Einfach rauslassen.

"Du sollst nicht traurig sein," sagte ein Freund mal zu mir.

Bin ich aber. Bumms. Fertig. Ich wagte das damals nicht entgegenzusetzen und lächelte tapfer. Was'n Quatsch.

Mann-mann-mann.

Wieder was gelernt...

13.08.2008 um 17:09 Uhr

Musik

Die Erdnuss hat einen exquisiten Musikgeschmack. Johnny Cash, Die Ärzte, Poems for Laila, Fanta4, Grönemeyer, Silverchair, Ukrainians, um nur einige zu nennen. Des Weiteren zählt sie Moskau, Er gehört zu mir, Gildo hat Euch lieb und die FC-Hymne zu ihren Lieblingsliedern. Wahrscheinlich habe ich jetzt die Hälfte vergessen. Macht aber nix. Letzte Woche hat sie die Neue Deutsche Welle für sich entdeckt. Auch schön...

Naja, und heute kam sie mit Folgendem aus dem Kindergarten. (Man darf ja nie die Einflüsse von außen vergessen, nä?)

"Mama, hör mal: M-MM-mm-m-mmmmm, m-MM-mm-m--mmmmm. Kennst du das?"

"Es kommt mir bekannt vor."

"Ich will das jetzt hören!"

"Tja..."

Ich fang an zu grübeln. M-MM-mm-m-mmmmm, m-MM-mm-m--mmmmm? Äh. "Durch den Monsun?" frag ich. Enttäuschtes Kopfschütteln. Und wieder: "M-MM-mm-m-mmmmm, m-MM-mm-m--mmmmm" "Ich kann mir nicht helfen, aber das hört sich wie Tokio Hotel an." Ein Strahlen geht über ihr Gesicht. "JAAAA-HA!" "Und das hört Ihr im Kindergarten?" grinse ich. "Ja-ha. Der Marcel hat das mitgebracht." "Und du findest das schön?" "Ja." Sie strahlt schon wieder."Sehr."

Ok, eine Seite namens youtube ist sehr hilfreich. Und da konnte die Erdnuss 'Durch den Monsun' nicht nur hören, sondern auch sehen. Sie kuschelte sich andächtig an mich... "Der Junge ist schön." flüstert sie ehrfürchtig. "Ja, das stimmt. Der ist schön." Und mal ehrlich. Dieser Bill ist nun wahrhaftig aus meinem Beuteschema raus, aber wäre ich 12 Jahre alt, würde ich mein Herz verlieren. Schön wie die Sünde ist der. Mensch-mensch.

"Mama? Weißt du, wer die Musik nicht schön findet?"

Ich muss grinsen. "Der Thomas vielleicht?" Thomas ist der über und über tätowierte Erzieher mit den langen Haaren. Die Erdnuss guckt erstaunt. "Woher weißt du das?" Ich zucke lakonisch mit den Schultern. "Hab ich mir gedacht.""Weißt du, warum der die Musik doof findet?" "Naja, vielleicht, weil die noch so jung sind und Musik für ganz junge Leute machen." Die Erdnuss überlegt. "Das versteh ich nicht. Musik für junge Leute ist doch nicht schlechter? Und der Thomas ist selber jung." "Naja, aber nicht soo jung." Jetzt ereifert sie sich: "Ja, aber das ist doch doof, der Thomas macht ja auch Musik UND er ist jung. Aber seine eigene Musik findet er gut, aber die hier nicht. Das versteh ich nicht! Das ist ungerecht." "Weißt du, Erdnuss, Musik ist für alle da, und jeder kann sich was rauspicken, was ihm gut gefällt, und was einem nicht gefällt, das muss man ja auch nicht hören. Du findest auch manche Musik von mir und dem Papa doof." "Ja-ha. Stimmt. Aber ich sag nicht, dass die Scheiße ist." "Hat DAS der Thomas gesagt?" "Ja-ha. Tokio Hotel ist scheiße." "Aber nicht zu Euch, oder?" "Nee," muss die Erdnuss zugeben. "zum Jörg." "Und das hast du gehört." "Ja-ha." Stolzes Grinsen. "Hab ich." Jetzt muss ich auch grinsen: "Süße, weißt du was? Wir kaufen die CD und dann kannst du die schön mit in den Kindergarten nehmen und dann kannst du die mit dem Marcel und der Zoe und der Katharina hören und dann ist das Eure Sache und dann macht ihr schön Party." Die Erdnuss grinst zurück. "Das wird dem Thomas aber nicht gefallen." "Nee." Wir kichern.

Wer hätts gedacht? Jetzt kauf ich Teenie-Musik für meine fünfjährige Tochter. Aber dieser Bill... Mensch, ist der schön...

M-MM-mm-m-mmmmm, m-MM-mm-m--mmmmm.

Auweiha.

Ohrwurm.

 

12.08.2008 um 19:21 Uhr

Training des positiven Denkens...

15.30 Ich hole Marcel und die Erdnuss vom Kindergarten ab. Marcel springt an mir hoch. Dei Erdnuss umklammert mich von hinten. Ich schleppe die beiden die 50 Meter zum Tor und bin, als ich dort anlange, klatschnass geschwitzt.

Positiv daran: Marcel mag mich. Ein guter Stoffwechsel ist auch was wert.

15.45 Endlich kommen wir zur letzten Ampel. Die Erdnuss hat eine lange Bambusstange gefunden. Marcel befestigt die Stange an der Gürtelschlaufe. Die Erdnuss tut es ihm nach. Drei Meter Kind versuchen auf 1,50 Gehweg Platz zu finden. Über die Ampel müssen die Linksabbieger lange warten. Die Erdnuss und Marcel haben mitten auf der Straße einen Lachkrampf und sind durch nichts zum Weitergehen zu bewegen. Auf der anderen Straßenseite bin ich wieder klatschnass geschwitzt.

Positiv: Die Bambusstange kann ich für den Garten gut gebrauchen. Lachen ist gesund. Und ein guter Stoffwechsel nicht zu verachten.

16.00 Die Erdnuss und der Marcel geraten in Streit. Die Erdnuss will Fischotter spielen, Marcel Lego. Ich schlage vor, Fischotter aus Lego zu bauen. Die Erdnuss schreit, ich hätte keine AHNUNG und Marcel zuckt mit den Schultern. Ich schwitze wie ein Schwein.

Positiv: Auseinandersetzungen zu lernen ist ja so wichtig für die Kinder. Gut, dass ich Stoffwechsel betreibe. Ohne geht es ja gar nicht.

16.15 Ich blase das Plantschbecken auf. Die Erdnuss dreht den darin liegenden Schlauch auf. Ich werde klatschnass gespritzt.

Positiv: Mein Kind kann mit dem Wasserhahn umgehen. Endlich schwitze ich nicht mehr.

16.30 Marcel und die Erdnuss finden eine tote Maus. Sie lassen es sich nicht nehmen, daran rumzutatschen. "Scheiße!" entfährt es mir, als ich über die tote Maus informiert werde. "SOFORT Hände waschen!!" "Scheiße sagt man nicht!" informiert mich Marcel und will die verweste Maus am Schwanz hochheben. "SCHLUSS JETZT!" Ich verschwinde nass geschwitzt mit den beiden im Badezimmer, nicht ohne meinen Mann anzuranzen, er solle SOFORT die verweste Maus entfernen.

Positiv: Gut, dass die Maus vor dem nächsten Rasenmähtermin entdeckt wurde. (Iiiiiiik) Schön, dass Marcel weiß, dass man nicht Scheiße sagt. Man soll ja viel mehr zicken so als Frau, lassen Sie es heraus, man liest es immer wieder. Ohne Stoffwechsel würde ich überhitzen.

16.31 Die Kinder verweigern die Seife. Dafür fliegt die Deoflasche auf den Boden und zerschellt. Ölige Flüssigkeit macht sich zwischen kleinen Splittern breit.

Positiv: Schön, wenn die Kinder einen eigenen Kopf haben. Ein angenehmer Geruch macht sich im Badezimmer breit.

17.00 Marcel gießt sich einen Eimer Wasser übern Kopp. DIe Erdnuss tut es ihm nach. Es gibt noch bessere Ideen mit Eimern Wasser. Wieder werde ich klatschnass. Die Kinder kichern haltlos.

Positiv: Ich lerne langsam bis zehn zu zählen, bis ich mich äußere. Das soll ja gut für eine ausgeglichene Atmosphäre sein. Schön, wenn die Kinder Spaß haben.

17.30 Die Erdnuss kreischt. Der Marcel ist nicht mehr ihr Freund. Marcel findet Playmais spielen langweilig. Die Erdnuss mag nicht mit Autos spielen. Marcel fährt unbeeindruckt rülpsend den Bagger durch das Erdnusszimmer. Die Erdnuss kreischt weiter. Ich trenne die beiden. Playmaisstation im Wohnzimmer. Autogarage im Kinderzimmer. "DAS IST UNGERECHT!" kreischt die Erdnuss. Im Kinderzimmer rülpst es vor sich hin.

Positiv: Ich werde langsam hysterisch.

17.45 Es klingelt. Die Marcel-Mama ist da. Im Schlepptau einen schrägen, jugendlichen Mann, der kein Wort heraus bringt.

Positiv: Schön, den auch mal kennen zu lernen.

18.05 Marcel ist nicht dazu zu bewegen unsere Wohnung zu verlassen. Man hofft auf Einsicht. Ich hoffe auf ein Wunder.

Positiv: Marcel hat es offensichtlich bei uns gefallen. Eine gute Sache, wenn man noch an Wunder glaubt.

18.15 Ich gehe eine Zigarette rauchen. Das könnte ein Fehler gewesen sein. Alle kommen auf die Terrasse und stecken sich eine an. Die Kinder legen Neue Deutsche Welle auf und beginnen zu tanzen.

Positiv: Es kann ja gar nicht genug Raucher geben. Körperliche Betätigung ist sehr wichtig.

18.25 Und tanz den Mussolini. tanz den Adolf Hitler. Beweg deinen Hintern. Und tanz den Jesus Christus schallt es aus den Boxen. Im Rhythmus der Musik trägt die Marcel-Mama ihren Sprössling aus unserer Wohnung. "TSCHÜ-HÜS!!!" versucht sie die Musik zu übertönen. Der jugendliche Held winkt schweigsam.

Positiv: Ich liebe absurde Situationen.

18.26 Ein dem Wahnsinn entronnenes Kichern entfährt mir. "Darf ich Fernsehen kucken?" fragt die Erdnuss unbeeindruckt. Darf sie.

Positiv: Ich kann alleine sein. Darf Kaffee trinken. Rauchen. Stille hüllt mich ein. Die Ruhe nach dem Sturm. Ich hab mindestens dreißig Minuten. Fernsehen bildet auch ein bisschen.

18.40 Ich denke nach. Rauche. Denke nach. Lasse Revue passieren.

"Tanz den Jesus Christus..." ...

18.41 Ich pruste.

18.42 Ich beginne diesen Text zu schreiben. Ich schmeiße mich beim Schreiben weg.

 

Lachen soll ja genau so gesund sein wie ein guter Stoffwechsel... Behaupte ich einfach mal.

 

11.08.2008 um 12:49 Uhr

Mal was anderes...

Ich kann auch andere Kinder gut leiden... Ich liebe Kinder, um genau zu sein. Ich fühl mich wohl bei ihnen, weil ich nichts zu befürchten habe. Komischerweise geht das besonders Erwachsenen, die keine Kinder haben, oft genau andersrum. Kinder fragen schließlich auch mal: Warum lachst du so komisch? Oder stellen fest: Du riechst nach Rauch. Das mag ich nicht. Oder sie fragen dich nach der dicken Warze über deinem Auge oder den Flecken auf deiner Hand. Kinder werten selten. Sie stellen fest. Sie sind unberechenbar in ihrem Lachen, Weinen, in ihrer Bewegung, in ihren Äußerungen. Unmittelbar. Unverfälscht. Einfach so. Einfach. Das macht sie - finde ich - so angenehm...

Ein betulicher küchenphilosophischer Beginn für eine einfache witzige Geschichte. Im Grunde geht es nur um die Taufe eines Babies, wo eine Vielzahl von Kindern eingeladen war. Der Geräuschpegel war entsprechend, aber es gab eine Viertelstunde, wo sich alle nach oben ins Kinderzimmer verzogen hatten, und genau in diese murmelige Erwachsenensstille hinein, kam der zweijährige Jonas nackig bis auf ein Hemdchen die Treppe hinunter und trötete lautstark und triumphierend ein Spielzeug hochhaltend:

 

MAMA! ICH HAB 'N FEUERWEHRAUTO UND 'N PENIS!!!!!

 

Und ich könnt mich da heute noch drüber beeiern und wahrscheinlich auch noch morgen und nächstes Jahr. Da bin ich ganz einfach gestrickt!

09.08.2008 um 13:55 Uhr

Oma foppen

Die Erdnuss und ihre Oma spielen Fußball. Der Kipplaster und ein Blumenkübel bilden das Tor der Erdnuss, ein anderer Blumenkübel und ein Eimer das Tor der Oma. Ausgemacht sind folgende Regeln: Abwechselndes Schießen aus der Mitte des Tores ins gegnerische Tor. Bei 15 Toren ist Halbzeit. Dann gibts Rückrunde.

Die Erdnuss gibt alles, sie täuscht an, sie läuft, sie spielt rückwärts, sie lässt sich fallen, schreit, jubelt. Irgendwann rollt sie den Ball direkt vor Omas Tor, stellt sich dazu und will Anlauf nehmen. Die Oma: "Nee, du! Roll mal deinen Ball schön zum Kipplaster!" Die Erdnuss grinst breit und tritt gemütlich summend den Ball vor sich her. Der Ball kommt direkt am Kipplaster zum Stehen. "So! Und jetzt?" sagt sie scheinbar beleidigt. "Und jetz, Oma? Wie soll ich JETZT den Ball schießen?" "Naja," sagt die Oma. "Ich mein doch auf die Höhe vom Laster. "So vielleicht?" Griemelnd hebt die Erdnuss den Ball hoch, so hoch, wie der Laster ist. Mir entfährt ein Kichern, der Oma ein Seufzen. "Ich mein doch in die Mitte." Die Erdnuss schaut zu mir und kniept, wie sie es erst kürzlich gelernt hat, ein Auge zu. Bleibt stehen, klemmt sich den Ball unter den Arm und legt den Finger der anderen Hand an den Mund. "Wollen wir weiter spielen?" fragt die Oma. "Ja-ha." Die Erdnuss schaut in die Luft. "Schießt du jetzt?" fragt wieder die Oma. Fachmännisch begutachtet die Erdnuss den Laster. "Erdnuss. Weiterspielen!" Die Erdnuss zuckt mit den Schultern und lacht laut: "Ja, gerne, aber ich muss erstmal rausfinden, wo die Mitte vom Laster ist..."

Herrlisch.

Einfach herrlisch... 

 

09.08.2008 um 11:35 Uhr

Hochzeit...

Heute war Hochzeit. Im Übrigen meine erste (außer meiner eigenen). Und siehe da, die Erdnuss freute sich riesig darauf. Sie verkündete: "HEUTE will ich ein KLEID tragen!" "Okay?" Ich wühle wie verrückt in der Schublade. So viele Kleider, die sie bisher ALLE nicht anziehen wollte. Das blau gepunktete? Mh. Vielleicht das rote? Nö. Das dunkelblaue? Zu schnieke. Das mit den gelben und orangenen Blumen wurde es. Und der Gipfel? Ich bot ein rosa T-Shirt zum drunterziehen an. Das geht eigentlich zu weit, dachte ich, aber nööö, das Mädchen, das zu einer Hochzeit geht, klatschte in die Hände. Zog sich an, strich sich mit beiden Händen am Bauch herum und zuppelte sich eitel am Saum. "Einen Hut! Auf einer Hochzeit braucht man einen Hut." WIe wahr, wie wahr. Der orangene Basthut, der ebenfalls verschmäht in der Schublade vor sich hin gammelte, wurde aufgezogen. Und als ich sie dann sah, wie sie vorm Spiegel stand, ihr Kleid und die Krempe des Hutes zurecht zog und gar nicht mehr damit aufhören konnte, da stiegen mir Tränchen in die Augen.

Na, und da konnt ich dann auch gar nicht mehr mit aufhören. Onkel Johannes ganz fein mit Blumengesteck am Anzug, die Braut so wunder wunderschön, noch schöner vielleicht, weil man wusste, dass ein Baby unterwegs war, und zum Schluss hat die Erdnuss den Johannes gedrückt. Einfach, weil sie ihn so lieb hat.

"Mama?"

"Ja?"

"Der Johannes ist mein Patenonkel, nä?"

"Ja."

"Oh. Ich wünschte, er wäre mein richtiger Onkel. Dann bekäm ich jetzt eine Tante dazu!"

"Ja, und eine Cousine."

"Hä?"

"Die Carolin bekommt ein Baby."

"WAS?"

"ja."

"Oh Mann!" Die Erdnuss ist enttäuscht. "Ich hab den Babybauch gar nicht gesehen."

"Ja, der war auch gut versteckt."

War er. Heut nachmittag wird gefeiert. Mein Gott, bin ich rührselig geworden. Ich hoffe, es gibt ein wenig Rock'n Roll. Sonst bin ich überfordert...

"Heute will ich ein Kleid tragen..."

Tss. Ich fass es nicht.