Kleine Erdnuss

29.09.2008 um 23:33 Uhr

Papiermütze

Sie hat eine Papiermütze gebastelt. In Rosé. Gehalten von einem weißen Gummiband, das unter ihrem Kinn klemmt. "Morgen geh ich so in den Kindergarten." "Aha?" "Ja-ha!" "Ist denn dann auch wieder Coolness angesagt?" frage ich skeptisch. Sie überlegt. Offensichtlich werden ihr gerade die Feinheiten des Modebewusstseins klar, denn sie antwortet zögerlich: "Nee, ich glaube nicht. Heute war ich cool und morgen bin ich süß."
Jawohl. Supersüß. Wenn sie dann auch noch ihr gepunktetes Nachthemd anlässt, dann bleibt kein Auge trocken.

"Was willst du denn dann morgen am süßen Tag anziehen?"

"Das kleine Schaf." antwortet sie verträumt.

"Das kleine Schaf? Du willst das kleine Schaf anziehen?" Ich grinse. Sie grinst zurück.

"Hihihi, nee, ich will es an meiner Hose festmachen." Das kleine Schaf hat einen Schlüsselring. Weiß der Himmel, wo es ist. "Wenn wir es nicht finden" liest sie meine Gedanken? "dann ist morgen nicht süßer Tag, sondern lustiger, dann mal ich Kreise auf den Hut."

Auch wenn ich es noch nicht ganz durchschaue, sie scheint einen Plan zu haben. Ich bin gespannt auf die nächsten Accessoires und die dazu gehörigen Mottos.

Motti? Motteen? Mottetten? Mottanten? Nicht immer so kompliziert denken, ein 's' ist manchmal völlig ausreichend...

s wie süß.

supersüß.

 

 

28.09.2008 um 22:09 Uhr

Coolness

Die Erdnuss hat jetzt einen Brustbeutel. Lassen wir uns diesen Satz auf der Zunge zergehen. Ei-nen Brust-beu-tel. Er ist schwarz, riesig groß und hat silberne Tribals vorne drauf. Kurz vorm Losgehen in die wundervolle Sonne lugt sie um die Ecke. "Ich bin cool, Mama." lässt sie mich wissen. Ich schau auf und muss mir das Lachen verbeißen. Sie hat eins ihrer alten T-Shirts gefunden, zugegebenermaßen ein cooles, aber es reicht ihr gerade mal über die obere Hälfte ihres kugelrunden Bauches. Darüber hinaus hat sie eine Hose an, auf der hinten quer unterm Hintern einen Riesenriss klafft. Auf dem Kopf ihr überdimensionierter silberner Fahrradhelm, abgerundet durch eine rotgeblümte schwarze Sonnenbrille. Und natürlich prangt gnädig auf ihrer unteren Bauchkugel der, na?, der BRUSTBEUTEL natürlich, den sie für den absoluten Obergipfel der Coolness hält.

"Soso," sag ich vorsichtig. "Du bist also cool. Und was von all diesen Sachen, die du anhast, ist die Coolste?" Ich hoffe inständig auf die Sonnenbrille, doch auch wenn die Hoffnung zuletzt stirbt, gibt diese spezielle recht schnell den Löffel ab. "Der Brustbeutel, natürlich." verkündet sie lautstark und schaut mich an, als hätte ich weißgott nun auch wirklich von GAR nichts auch nur den Hauch einer Ahnung. "Ähm, ok, und das zweitcoolste?" Schadensbegrenzung, ich betreibe gerade verzweifelt Schadensbegrenzung, ich muss gleich mit ihr raus, raus in die schnöde Welt, wo man mich seltsam beäugen wird ob des kleinen farbenfrohen Brustundbauchrausbeutelmonsters an meiner Hand. Die Erdnuss überlegt kurz und verdreht dabei gewohnheitsmäßig die Augen in die obere linke Ecke. "Ähm, die Sonnenbrille?" Ich atme erleichtert auf. "Und das T-shirt?" frag ich verschlagen. "OHJA!" Sie strahlt. "Das hab ich WIEDERgefunden! Das ist vielleicht cool!!!" "Cool schon", gebe ich vorsichtig zu bedenken, "aber ist es nicht ein klitzekleines bisschen zu klein?" "Joa," sie nickt abwesend, "aber ein klitzekleines bisschen macht nichts aus." Shit! Pupsunderstatements! "Aber dir wird kalt am Bauch." "Nö. Die Sonne scheint doch." "Erdnuss?" Ich hole tief Luft. "Das T-sirt ist..." Sie schaut mich erwartungsvoll an. "...zu klein.", entfährt es mir.

Gesichtszugentgleisung. Die Mundwinkel wandern in eine Zone, wo ich sie selten gesehen habe, dicke fette fette Kullertränen füllen die vor Sekunden noch strahlenden Augen, sie schaut an sich herunter, sie schaut mich an, sie schaut an sich herunter, wieder zu mir, ein Bild des Jammers, doch dann hellen sich ihre Gesichtszüge wieder auf: "Ich habe eine IDEE! Es gibt NOCH ein cooles T-Shirt!" "Ja!", strahl ich mit ihr um die Wette, "das ist ja super!!!!!!" Sie verschwindet in ihrem Zimmer und kehrt mit einem Fußballtrikot zurück. Ich habe nichts gegen Fußballtrikots. Die Erdnuss sieht in Fußballtrikots grandios aus. Doch dieses ist für einen 13-jährigen Jungen gedacht, weiß der Himmel, wie es zwischen ihre Kleider geraten ist, vielleicht hat irgendwann mal ein Hortkind aus dem Kindergarten das Fach verwechselt. Dieses Trikot reicht der Erdnuss bis über die Knie, die kurzen Ärmel sind bei ihr eher lange weite Flügel, die bis auf die Handgelenke runterflattern. Erwartungsvoll sieht sie mich an, mit dem Helm, den sie ab- und wieder aufgezogen haben muss, den Brustbeutel, den sie sich wieder schön um den Hals gehängt hat, und der Sonnenbrille, die ziemlich schief in ihrem Gesicht hängt.

"Und?" fragt sie erwartungsvoll.

"Jawoll!" sag ich und der Schwindel geht mir leicht über die Lippen. "Jetzt bist du RICHTIG cool."

Sie strahlt. Ich strahle. Ich denk, is doch egal, sollen'se gucken. Als die Erdnuss noch Gummistiefel anziehen will, die mit dem coolen Dinosaurier drauf, isses mir auch grad mal schnurzpieps, und als wir in diesem Aufzug zum Bus laufen, später in die Bahn umsteigen, uns bei McDonalds ein Milchshake holten und den Rest des Weges zur besten Freundin Sternchen zu Fuß absolvieren, da denk ich gar nicht mehr dran, dass sie eine zerrissene grüne Hose, rote Gummistiefel, ein quietschblaues Nachthemdtrikot und einen fürchterlich uncoolen Brustbeutel anhat. Wie selbstverständlich laufen wir durch die Stadt und erwidern zufrieden jedes Lächeln.

"Morgen", sagt die Erdnuss kurz vorm Schlafen gehen zu mir. "will ich wieder cool aussehen!"

"Okay." sag ich mit einem kleinen Seufzer.

"Ja, aber Mama?"

"Mh?"

"Dann kann ich mich auch normal anziehen. Dann reicht der Brustbeutel und die Sonnenbrille."

"Alles klar, ich leg dir schon mal deine Sachen raus."

"Ja, aber kein Kleid."

"Nee. Kein Kleid. Das grüne Kapuzenshirt, ok?"

"Ok."

"Gut Nacht!"

"Gut Nacht!"

Wie schön. Sie wird stilsicher. Muss ja nicht mein Stil sein. Musses wirklich nicht...

 

23.09.2008 um 22:44 Uhr

Glücksrad mit der Erdnuss

 

Ein doppeltes Vergnügen. Erst muss man die von ihr ausgesuchten Buchstaben finden, dann noch ihre persönliche Rechtschreibung entschlüsseln.

 

P          O         S          L         T          A         L

__        __        __        __        __        __        __ 

Wer kauft den ersten Buchstaben?

 

P.S.: Heute war Engeltag!

22.09.2008 um 23:23 Uhr

Zuckerzerstreuung

Es gibt so Tage, da halte ich die Erdnuss für ein kleines Monster. Ein Ich-will-Monster. Ein Ich-bin-unzufrieden-Monster. Ein Gib-mir-mehr-Monster. Ein Schmoll-Monster. Ein Heul-Monster. Ein Wut-Monster. Was wirft mir das Monster nicht alles an den Kopf. Wie dreht es mir die Worte im Mund herum. Alles ist unfair und doof und gemein. Macht man das eine, will es das andere. Schlägt es eine Sache vor, ändert es verschlagen kurz vor ihrer Durchführung seine Meinung. Morgens will es keine Socken anziehen udn Abends keine Zähne putzen. Was es dazwischen alles nicht will, lasse ich weg, ich fände kein Ende. Das Monster zappelt und rappelt und summt und brummt um mich herum. Und es weiß eines haargenau: Ich liebe es von Herzen! Und noch eines weiß es: wenn ich mal an einer Grenze bin, so richtig heftig, so mit Schimpfen und Konsequenzen und Schluss-jetzt und ich zähl bis drei und so, dann ist das ein sehr passender Zeitpunkt, um einen richtig guten Witz zu machen.

Heute waren wir einen Kakao trinken. In der Sonne. Im Biergarten. Hätte richtig harmonisch sein können, wenn nicht die Erdnuss die meiste Zeit unter dem Tisch gesessen hätte, Mamamamamamamamama gerufen und "Ich will Pommes!", "Was kaufst du mir noch?", "wo gehen wir gleich hin?", "Hier ist langweilig!" von sich gegeben hätte. Sie befüllte das leere Kekstütchen durch einen Strohhalm mit Kakao, stopfte Käfer in die Zuckerdose und warf kleine Steinchen über den Tisch. Irgendwann nach sanften Ermahnungen platzte mir der Kragen. "Schluss jetzt! Es reicht! Wenn du so weitermachst, hast du Fernsehverbot!" So, oder so ähnlich, aber sie wusste, mir ist ernst damit.

Apropos Ernst. Wie soll man Ernst bleiben, wenn so ein kleines Monster plötzlich sein Spiegelbild in der Zuckerdose entdeckt und Fratzen zu schneiden beginnt? So richtig gute?

"Mamaaaa! Hahahahahaha! Guck mal, ich hab gaaaanz lange Zähne!"

Und: "Hihihihihi, meine Zunge. Hahahaha! Meine Zuuuungeeee!"

Oder: "Mach mal so!" Ihr Mund kräuselt sich bis zum Äußersten. In der Zuckerdose sieht das aus, als säßen ihre Augen schielend direkt auf ihren Lippen. Ich muss grinsen.

Irgendwann entdeckten wir die Stelle auf der Zuckerdose, die unsere Nasen wachsen ließ, und da war es auch um meine Fassung geschehen.  Kichernd zogen wir unsere Münder auseinander, schoben die Nase wahlweise nach unten, oben, rechts und links. rollten die Zunge ein und aus und drückten auf unsere aufgeblasenen Backen.

Ob es nachher besser lief? Mitnichten. Wenn sich die Erdnuss für einen Tag in ein Monster verwandelt, dann ist sie im Gegensatz zu mir wahnsinnig konsequent. Allerdings ließ es sich nach dem Fratzen schneiden wesentlich besser ertragen. Nicht nur weil es so lustig war, sondern weil ich für kurze Zeit auch ein Monster sein durfte.  

Am liebsten wäre ich eins geblieben, aber dann läge sie jetzt ungewaschen und mit drohender Karies mitten zwischen Legosteinchen. Playmobil-Piraten und Gummidinosauriern nackt ohne Bettdecke in ihrem Bettchen - und da kam dann doch die Mama wieder durch.

Und als sie einschlief, da verwandelte sie sich in einen Engel. Mit gepunktetem Nachthemd, blondem Wuschelkopf und bezauberndem Gesichtchen. Mal sehen, als was sie morgen wieder aufwacht. Man weiß nie.

 

17.09.2008 um 22:18 Uhr

Eltern-Po-Peltern, Schule-Po-Pule

Einführungsveranstaltung in der Schule. Was hab ich mich gefreut. Wir uns alle. Auf diesen absurd kleinen Stühlchen hammer gesessen. Über das Kindergemurmel, -gelächter und geschrei hinweg ertönt eine feurige Rede über Kinderseelen und -gehirne. Der rechte Flügel wird von der Schulleiterin getadelt wegen Lautstärkeüberschreitung. Ich stelle sie mir mit einer Triangel vor, wie sie uns allen ein Ruhezeichen gibt und muss kichern, Gottseidank sitzen wir im linken Flügel...

"Noch Fragen?" Die Schulleiterin ist am Ende der Rede angelangt und schaut nahzu hilflos in den überfüllten Raum. Mal wieder betreibe ich Stoffwechsel. Hab ich Fragen? Nö. Ist doch noch ewig hin... Näääächstes Jahr erst. Die Erdnuss dreht sich zu mir rum und grinst. Ich grinse zurück.

"Sie haben etwas von integrativem Ansatz gesagt, wegen der Sonderbetreuung, ähm..."

"Falls sie ein Kind haben, dass spezielle Betreuung braucht, haben wir ohnehin noch ein EInzelgespräch."

"Nein, haben wir nicht. Aber es interessiert uns trotzdem, wie es in solchen Klassen abläuft. Das ist ja dann auch alles irgendwie anders, oder?"

Oje. Seit einer halben Stunde sitzen fünfzig Kinder samt Eltern in einem Raum und schwitzen. Jetzt wird erstmal die integrative Frage geklärt. Daraufhin die Kann-Kind-Frage. Dann die Zuzugsraum-Frage. Dann die Hausaufgabenfrage. Irgendwann blockt die Leiterin ab. Teilt uns in Gruppen ein. Azyklisch sollen vier Gruppen durch bebilderte Gänge geführt werden. Leider hat niemand verstanden, was azyklisch heißt. Alle stürmen auf die erste Lehrerin zu. Ruhig Blut, denk ich. Jeder bekommt eine Gruppe. In Zweierreihen lassen wir uns viereckige Räume zeigen. Manche mit Tischen, manche ohne. Warum nicht?

Zurück zur Aula. Jeder bekommt wieder sein Stühlchen. Der Drang, sich auf das Stühlchen zu setzen, auf dem man vorher gesessen hat, scheint übergroß zu sein. Fast kann man von einer unsichtbaren Ordnung sprechen. Unsere Kinder werden es noch lernen. Leider-leider...

Vernünftigerweise wird die beginnende Diskussion im Keim erstickt. Es gibt eine Kann-Kind-Gruppe, eine Zuzugs-Gruppe, und eine OGS-Gruppe. Ich stelle mich Interesse halber zu der OGS-Gruppe. Dort stehen auch die meisten. Von fünfzehn Müttern redet eine auf die zuständige Lehrerin ein.

"Was ist, wenn ich mein Kind früher abholen will?"

"Das geht um 14.00, 15.00 und 16.30. So sind die angenehmsten Zyklen."

"Und wenn ich es mal um eins abholen will?"

"Wir machen auch gern mal Ausnahmen, aber regelmäßig sehen wir das nicht so gern, der OGS-Platz soll ja genutzt werden."

"Aha. Und wenn ich den OGS-Platz nur an drei von fünf Tagen brauche?"

Kurzzeitig schlafe ich mit offenen Augen ein. Ich wache wieder auf bei der folgenden Frage von immer noch der gleichen Mutter.

"Wann ist Hausaufgabenzeit?"

Hallo? Sie redet von NÄCHSTEM Sommer? Und da will die wissen, wann Hausaufgabenzeit ist? Hallo? Das wird schon irgendwann sein in so'ner Ganztagsbetreuung, menschenskinder, was ändert es denn, wann die Scheißhausaufgabenzeit ist?

"13-14.00" (Ich bewundere die Geduld, mannometer bewundere ich die Geduld)

"Und wie lange machen die Kinder Hausaufgaben?"

"Die Erst- udn Zweitklässler eine halbe Stunde. Die Dritt- und Viertklässler eine Stunde"

Allgemeine Zustimmung. "Ja! Länger können die sich ja auch nicht konzentrieren." "Genau." "Jawohl" "Mmh-mmh" "jaja" "Sehr richtig!"

"Müssen wir die Hausaufgaben zuhause nochmal nachkontrollieren?"

Die Lehrerin lächelt gequält. "Natürlich würden wir uns darüber freuen, wenn Sie nochmal über die Hausaufgaben schauen."

"Was machen wir mit Fehlern?"

Gehts noch? Aus Protest schlaf ich wieder ein. Ein paar Minuten später meldet mein Kleinhirn eine Unverschämtheit, und ich blinzel in die Runde. Hab ich grade richtig gehört? Wurde diese nette Frau, die gerade ihr Bestes gibt und eigentlich längst hätte in die Luft gehen müssen, gerade gefragt, was sie denn eigentlich für "Kompetenzen vorzuweisen" habe? Ich fass es nicht. Aber sie steht duldsam Rede und Antwort. Sie hat Grundschul- und Sozialpädagogik studiert. man entblödet sich nicht, ihr zu sagen, dass es da ja auch genug unqualifiziertes Personal an den OGS's gibt. Alle nicken schon wieder. Zufriedene Gesichter. Eines ist fassungslos, soweit ich meine Gesichtsmuskeln richtig einschätze...

Schnell weg. Schnell so'n ollen Anmeldezettel ausfüllen im Oktober. Schnell nicht mehr drüber nachdenken. Über die ganzen Elternabende. Elternvertretung. Elternstammtische. Eltern-Po-Peltern. Ich habe ein klein wenig Angst.

Zuhause? Da hatten wir den Kevin mit, der schläft hier. Die Erdnuss fragt ihn: "Wie hats dir gefallen in der Schule?" "Gut," sagt der Kevin. "in die geh ich." "Ich auch", sagt die Erdnuss, "Super!" sagt der Kevin. "Dann gehen wir zusammen!", und schon war die Diskussion beendet.

Es könnt' alles so einfach sein...

 

14.09.2008 um 17:22 Uhr

Und wieder einatmen...

Schockierend so ein Urlaub. Ich bin ja Urlaub nicht gewöhnt. Selten selten selten, so mal einfach Urlaub machen. Hatten wir jetzt ungefähr zwei Jahre nicht mehr. Und dann sowas! Meer. Sand. Himmel. Von allen Seiten. Rechts, links, vorne, hinten, über und unter uns. Nichts als Meer, Sand und Himmel. Und natürlich Sonne. Sonne satt. Da konnte keiner mit rechnen, im September an der Nordsee, aber ich schwöre, so war es. Sommer am Meer. Mit baden und allem pipapo. Naaktrecreatie war leider verboten. Aber am liebsten hätte ich das gemacht. Und die Erdnuss sowieso. Die stand sowieso immer mit Nacktpopo im Meer und tat, wonach ihr grade der Sinn stand. Wir alle taten, wonach uns grade der Sinn stand.

Freunde waren auch noch dabei. Jawohl. Das auch noch. Ein wunderbares Appartement. Des Guten zuviel? Mitnichten. Schließlich gabs doch noch die Strandbuden und Frikandel und Pommes und Eis und Sandspielzeug und die geblümten Gummistiefel und den Souvenirladen und die weißen Zähne der Holländer, die man so oft zu Gesicht bekam, weil sie so viel lächeln, und äh, Wolken, jawohl, Wolken, in allen erdenklichen Farben und einen Cola-Automaten gabs, wo es Cola für 70 Cent gab und öffentliche Toiletten, die sauber waren und nix kosten, gut ok, das mit dem Strafzettel für 50 €, das vergessen wir einfach mal, und dann noch dieser Regenbogen an Tag Eins, der uns bei unserem ersten Besuch am Strand ein Willkommen zublinkte, nee, des Guten zuviel gibts nicht, das kam Schlag auf Schlag und wir haben es gut verkraftet.

Und was ich gemerkt habe: Wenn man lang genug ausatmet, kann man ganz tief zu seinem Wesenskern vordringen, man streift den Mantel der Pflichten und Sorgen ab, das Alltagsbrummen verstummt, Stille, nein, die Stille ist kein Geräusch, nicht dort, ganz tief in uns drinnen, und dann kommen gelassene Menschen zum Vorschein, die einfach tun, was ihnen gefällt, unabhängig, frei, sorglos.

Und nun? Bumms! Sind wir wieder zuhause. Es brummt wieder. Es brummt ganz ordentlich. Aus allen Ecken brummts und summts und fiepts, und es macht uns ganz alle. Und ich habe mir fest vorgenommen, all meinen Mut zusammen zu nehmen: Ich nehm das nicht ernst. Ich werde, verdammt nochmal, weder die Gerüchte aus dem Kindergarten ernst nehmen, noch die beruflichen Stolpersteine und schon gar nicht die Küche oder die Krümel auf dem Boden oder das mit jedem Telefonklingeln abnehmende Stimmungsbarometer. Nein. Ich nehm das nicht ernst. Ich atme ein. Und, verdammt nochmal, auch wieder aus.

Ausatmen. Geht auch hier...

 

 


 

05.09.2008 um 01:11 Uhr

Na gut, na gut, vierte Kurve

 
Weil das Kaltgetränk so schnell geraten wurde, kommt hier mein absolutes Oberhammer-Lieblingsrätsel.
 
 
rätsel
 
 
Und nochmal tschüss, ich packe noch ne Weile.
 
hmpf.
 

04.09.2008 um 23:54 Uhr

Dritte Kurve

 
versprochen ist versprochen.
 
 
 
is was verwackelt, aber dafür kann ich auch nicht helfen.
 
wir sind dann mal muscheln sammeln...
 
(nein, das ist kein hinweis.)
 
tschüss, ihr lieben, macht euch ne schöne zeit, wo auch immer ihr seid...
 

04.09.2008 um 15:10 Uhr

Familie Erdnuss verreist...

Was ist, wenn die Wohnung nicht geputzt ist, die Küche nicht aufgeräumt, man gerade den Kleiderschrank ausmistet und sich Berge von Wäsche und Altkleiderhaufen türmen?

DANN, ja dann ist eine wundervolle Zeit, um in den Urlaub zu fahren. Ich hab nur noch nicht so richtig raus, ob ich den ganzen Pröll hinter mir lassen soll, oder ob es ein besseres Gefühl ist, wenn ich den ganzen restlichen Tag schrubbe, räume und sauge... Ich muss Zähne knirschend zugeben, dass ich zu letzterem tendiere. Aber erst nach dem Kuchen, den ich gleich noch mit der Erdnuss backe, und den Interviews, die ich noch führen muss, und dem Besuch, den wir gleich noch kriegen, und nach der Verpackung der Geburtstagsgschenke für den werten Papa Erdnuss, der just am Abreisetag meint, älter werden zu müssen. Die Erdnuss hat ein Geburtstagsprojekt in die Wege geleitet und dann sehr schlau an mich deligiert. Weise, weise - die kreative Arbeit erledigen, sozusagen aus dem Ärmel schütteln und Mama tippen, kleben und kopieren lassen. Ich werde berichten, aber noch isses ein Geheimnis.

Joaah, wer noch auf Rätsel wartet, der wird morgen früh bedient, und dann, ja dann ist eine kleine Pause, eine wohl verdiente Pause, ein absolut notwendiges Durchatmen angesagt...

Muscheln, Sandburgen, Meeresrauschen, Arschbombe... Meer, äh mehr Brainstorming ist grad nicht drin.

Tief einatmen, Kuchen backen, Küche putzen, Geschenke fertig, Besuch empfangen, Interview führen, Koffer packen, Geburtstagslied einstudieren, Blogeintrag machen, morgen Kerzen an, singen, knuddeln, hektisch im Kreis rennen, losfahren

 

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AUSATMEN...

 

01.09.2008 um 21:57 Uhr

Harte Nuss

Es ist nicht nur so, dass es langsam schwierig wird, beim Rätselraten mitzuhalten, nein, auch die alltäglichen Gespräche fordern meine ganze Gehirnmasse. Und überhaupt diese ganze Durchsetzungs- und Konsequenzkacke. Im Alltag sehr hilfreich, allerdings ein definitives Manko bei mir. Defizite über Defizite und dann noch ein Mädchen, das raffiniert diskutieren kann. Von wem sie das hat? Ts-ts...

"Zähne putzen und ab ins Bett mit dir, du kleines Monster." (Man beachte das fehlende Ausrufezeichen...)

"Nur noch die Rampe aufbauen und zwei Autos fahren lassen?!" (Man beachte das zusätzliche Ausrufezeichen...)

"NEIN." (Großbuchstaben. Kein Ausrufezeichen.)

"Dann eins!" (Ausrufezeichen...)

"NEIN." (Immer noch kein Ausrufezeichen.)

"Buhuhuu-"

"Nee-nee-nee, meine Liebe, mit Weinen kriegste mich heut nicht."

Schmollend wackelt die Erdnuss ins Badezimmer. Mit der Zahnbürste im Mund beginnt sie kichernd einer dort herumsurrenden Fliege hinterherzujagen. Ein Riesenspaß. Klatschend und Zahnpasta versprühend rennt die Erdnuss durchs Badezimmer. "Hiiiiihiiiiiiiiiihiiiiiiiiiiii, ich krieg sie, ich krieg sie!" Ganz ehrlich? Ich finde das saukomisch. Und ein Teil von mir weiß ganz genau, dass das um 20.30 nicht mehr geht und dass man jetzt konsequent sein muss.

"Erdnuss?" Bedrohlicher Tonfall. "Ich zähle jetzt bis drei." (Ob ich weiß, was ich bei drei mache? Natürlich weiß ich das. Vorlesen gestrichen. Komisch, wenn man weiß, was man bei drei macht, klappt der Trick immer.)

"Eins."

"Hiiihiiiiihiii."

"Zwei."

"Hiiiihiiihiii, gleich hab ich sie!"

"Und die letzte Zahl ist...

Eine vorbildliche Erdnuss putzt und schrubbt die Zähne, spuckt Zahnpasta ins Waschbecken. Ich muss mich erstmal auf den Klodeckel setzen. Ist wirklich nicht die erste Diskussion heute gewesen.

"Unglaublich!" stöhne ich vor mich hin.

Die Erdnuss, die auf ihrem blauen Höckerchen von Ikea steht, beugt sich tief zu mir herunter und schaut mir aufmerksam ins zerknautschte Gesicht. "Soso, Mama..." Der mit Zahnpasta verschmierte Mund grinst spitzbübisch. "Die letzte Zahl ist also 'unglaublich'?"

Sekundenlang bin ich sprachlos.

Dann fällt mir was ein: Lachen ist tausend Mal gesünder als Konsequenz....