Kleine Erdnuss

27.02.2009 um 23:36 Uhr

Verliebt...

Heute in eigener Sache. Ganz eigene Sache. Ich bin verliebt. In eine Mutti. In eine Mutti aus dem Kindergarten. Nein. Eben keine Mutti. Eine MuttER. Sie ist wunderbar. Sie hat vier Kinder, von denen das zweitjüngste sechs Jahre alt ist und Catrina heißt. Catrina hat diese wunderbare Mischung aus frech, süß und verstrubbelt, sie ist eines der wenigen Mädchen, das noch nie im Hause Erdnuss rumgezickt hat, und dann, dann freu ich mich immer, wenn es klingelt und ihre Mama kommt.

Ich will so sehr, dass sie mich mag, dass ich jedes Mal völlig eingeschüchtert verstumme, wenn ich die Tür öffne. Kristina ist cool. Sie ist schön. Und das ebenso auf eine verstrubbelt freche Weise wie ihre Tochter. Darüber hinaus ist sie klug. Sehr klug. Sie hat nämlich ihre Promotion hingeschmissen. Auch wenn sie mir sagte, das sei ihr größter Fehler gewesen, finde ich sie deswegen nur um so toller. Und Humor. Sie hat einen unerschöpflichen Vorrat an Humor. Das merke ich daran, dass sie über meine Witze lacht. Das heißt, wenn ich einen rausbringe in ihrer Gegenwart. 

Den ganzen Sommer 2008 haben wir uns nahezu täglich im Schwimmbad zugelächelt. Sie sagt dann so Sachen wie: "Ich muss mal pinkeln, kannst du mit auf Catrina aufpassen?" Ist das geil? Sie muss mal "pinkeln". Sie geht nicht mal "kurz raus" oder nach "den anderen gucken". Kristina geht "Pinkeln". Ich liebe sie. Ich liebe sie echt. 

Ich liebe sie so sehr, dass ich rot werde, wenn ich sie im Kindergarten sehe, und möglichst unauffällig an ihr vorbeihuschen möchte. Ich stotter, wenn ich mit ihr rede. Sie ist so souverän, so witzig, so ausgeglichen. Vier Kinder. Hört mal! Vier! Und ein Haus. Und einen Garten. Und einen tollen Mann.

Und heute schläft die Erdnuss da. Bei der Catrina. Und da die Erdnuss schon vom Kindergarten aus zu Catrina gegangen ist, hab ich sie natürlich fast gar nicht gesehen. Also musste ich nochmal nach ihr schauen und Catrina wohnt um die Ecke, und da hab ich mir Fridolin geschnappt und einfach behauptet, der hätte noch zur Erdnuss gewollt. Beim Klingeln hatte ich weiche Knie. Und als Kristina aufmachte und lächelte, da hab ich nur gestammelt: "Äh, ich wollte noch einen Gutenachtkuss." Sie hat laut gelacht und mich reingelassen. "Warum bist du gekommen?" hat mich die Erdnuss gefragt. "Äh. Wegen Fridolin." lüge ich tapfer. "Der wollte zu dir." "Schön." die Erdnuss strahlt. Ich bin knallrot. "Mein Alibi-Plüschtier." flüster ich Kristina verschwörerisch zu. Sie grinst breit. Sie hat vier Kinder, erwähnte ich das schon? Sie ist wahrscheinlich die abgeklärteste unter den Müttern. Und alle ihre Kinder sind sympathisch. Richtig sympathisch.

Ich bin verliebt. Verknallt wie auf'm Schulhof. Ich möchte Kristina als beste Freundin haben. Weil sie so anders ist. So unglaublich positiv. So dermaßen freundlich. Und so ungeheuer natürlich. Oh Mann. O Meter. 

Catrina und die Erdnuss werden einen Schwimmkurs zusammen machen. Ist das nicht toll? Ich suche Anschluss. Oh mein Gott. Wo soll das noch hinführen...

Ach Kristina...

Ich hätte sie jetzt lieber hier, die Erdnuss, ich mag das ja gar nicht, wenn ihr Bettchen leer ist. Aber sie wird Spaß haben bei der lieben Catrina und ich freu mich aufs Abholen morgen früh....

Verknallt in eine Mutter. Wer hätte gedacht, dass mir sowas mal passiert...

 

23.02.2009 um 22:04 Uhr

Stilblumen

Die Erdnuss hat sich heute ganz doll aufs Fernsehen gefreut. Da wollt nämlich der Typ von PUR+ sich einen Tag ins Gefängnis sperren lassen, um mal zu gucken, wie das so ist... Das fand die Erdnuss spannend. Ich hab versprochen mitzugucken, weil ich das auch spannend finde, und dann hat sie sich noch mehr gefreut.

Während wir das besprachen, haben wir einen Traumfänger gebastelt (ganz tolle Idee, schön für Schwiegermama, guckst du hier), gemütlich ein Gemüsenetz zerschnippelt, Perlchen, Federn dran, bald fertig.

"Dann fang ich mal an", seufzte Papa Erdnuss inzwischen versonnen, und bückte sich nach dem Staubsauger.

Warum ich das erzähle? Alltagsimpressionen aus dem Hause Erdnuss? Och ja, das vielleicht auch.

Aber eigentlich bemerkens- und bloggenswert war das plötzliche Blitzen in den Augen unserer Tochter:

"Mama! Mir ist gerade ein kleiner Zufall entgegengeschwommen."

Huch? Das hat sie nicht gesagt, oder? "Mir ist ein kleiner Zufall entgegengeschwommen." Ist das nicht wunderhübsch? Aber welcher Zufall denn?

"Naja." Die Erdnuss runzelt angestrengt die Stirn. "Erst reden wir über das GeFÄNGnis. Außerdem basteln wir einen TraumFÄNGer. Und DANN hat der Papa auch noch anFANGen gesagt. Das ist doch ein Zufall, oder?"

Ja. Was für ein Zufall. Aber dass sie das Prinzip der semantischen Felder verstanden hat, DAS ist kein Zufall, DAS liegt daran, dass sie die Tochter einer Linguistin ist. Und dabei noch so wundervoll poetisch.

Ich platze vor Stolz.

 

19.02.2009 um 18:35 Uhr

Tröt!

Fasching.

Mh. 

Letztes Jahr habe ich gesagt, ich mach das nicht mehr. Und ich habe heute tausende von Gründen gefunden, es nächstes Jahr wieder nicht machen zu wollen.

Allerdings... Die Erdnuss, die hat Spass. Und sie hat die Wohnung geschmückt. "Mama?" "Ja." "Kannst du mir die aufblasen?"

Upps. Eine sechsjährige Handvoll Luftballons ist eine Menge Holz, äh Gummi, aber tapfer blase ich einen nach den anderen auf. Es will gar kein Ende nehmen. Sie verschwindet mit einem Luftballon nach dem anderen in den Zimmern, sogar im Hausflur. Mit Tesafilm bewaffnet. Justus' Tür kriegt auch einen und der Hausflurspiegel, wie sie mir nachher zeigt und erläutert.

Als ich allerdings eben den Kühlschrank öffnete und mir weitere drei Luftballons entgegen geschwebt kamen, da musste ich laut und von ganz tief innen heraus lachen.

Mein Freund, der Kühlschrank...

Alaaaf!

 

18.02.2009 um 23:26 Uhr

Bilderbrücken, die zweite

von: sunnysightup   Kategorie: Knack die Erdnuss

Und was ist das?

 

 


 

18.02.2009 um 22:59 Uhr

Bilderbrücken

von: sunnysightup   Kategorie: Knack die Erdnuss

Ich brauch noch ein bisschen, um wieder reinzukommen, ein bisschen Entspannung, mal ein bisschen länger als sonst. Diesen Scheißkreislauf durchbrechen. Anspannung, kurz Luft holen, wieder Anspannung. Freiräume, Freiräume, Freiräume. Ganz wichtig. Ich arbeite dran...

Spielen ist die Lösung. Viel spielen. 

Also: Was ist das?

 

 


 

 

 

14.02.2009 um 02:03 Uhr

Verkehrserziehung

Heut war der Dieter da. Eigentlich 'Herr' Dieter. Herr Manfred Dieter, lustig, nich? Der hieß nämlich Dieter mit Nachnamen, aber die Kinder durften einfach Dieter sagen. Herr Dieter ist Verkehrspolizist. Er hat, wie es sich meiner Meinung nach für einen Verkehrspolizist gehört, einen Schnurrbart und eine Glatze. Die sieht man aber nicht, wenn der Herr Dieter seine Polizeimütze trägt. Herr Dieter hat ein freundliches Lächeln und eine wirklich coole grüne Jacke, da steht hinten Po-li-zei drauf. Morgens macht er Verkehrserziehung für die Kinder. Nachmittags sind die Eltern dran.

Ich habe das große Privileg, mit Herrn Dieter zusammen das Außengelände zu betreten. Natürlich ist das Zufall, aber ein sehr schöner, denn die Erdnuss rennt aufgeregt auf uns beide zu, und kann sich nicht entscheiden, wen sie zuerst oder mehr anstrahlen soll. "Hallo Dieter!!!!" kreischt sie vergnügt. "Hallo Kinder!" gibt Herr Dieter in sonorem Bass zurück. "Das, Mama, ist der Dieter!" "Aha." Ich schau Herrn Dieter, von dem ich denk, dass er der Dieter ist, an und sage: "Hallo!" "Der ist PO-LI-ZIST!" verkündet Zoe, die ebenfalls angelaufen gekommen ist und Herrn DIeter anstaunt, als sei er der Nikolaus, ach was, ein Superheld, was red ich, ein Engel, von Gott geschickt, um die Welt zu retten, und vielleicht, nun vielleicht stimmt das ja auch.

"Mama, der Dieter ist nämlich beim Verkehr!!!" Die Erdnussstimme überschlägt sich nahezu. Ich grinse, immerzu muss ich grinsen, wenn ich irgendwas anzüglich interpretieren kann, man muss sich fragen, ob ich je der Pubertät entwachsen bin. "Verkehr!" Prust, kicher, hihihihi. Ich guck den Dieter, äh, den Herrn Dieter an und sage: "Ja-ha! Der Dieter, der erzählt mir gleich was darüber." Der Herr Dieter hustet lautstark und erhöht seine Schrittgeschwindigkeit. "Schrittgeschwindigkeit!!!!" Prust, kicher, hihihihihihi!!!! Erfolgreich habe ich den Polizisten in die Flucht geschlagen. Respekt, Sunny, Respekt!

Die Veranstaltung beginnt. Wieder sitzen wir alle auf winzigen Kindergartenstühlchen und schauen den uniformierten Mann an. Ich geb ja zu: Ich steh auf Uniformen, aber Herr Dieter mit seinem Schnurrbart und seiner Peter-Lustig-Ausstrahlung macht es mir schwer. Sehr schwer.

Aber sein Vortrag ist interessant. Er versucht es lebendig zu gestalten. Bezieht uns mit ein. Er stellt die Frage: "Was, glauben Sie, können SIE, was Ihre Kinder NICHT können?" Man wird eifrig. Eine Mutter schnippst sogar beim Melden mit den Fingern. Die eine sagt: "Ablenkung" Die andere direkt hinterher: "AUFMERKSAMKEIT!" Herr Dieter schreibt ans Clip-Chart: "Ablenkung" Er schaut erwartungsvoll in die Runde. Aufgeregte Gesichter. Gerunzelte Augenbrauen. "Geschwindigkeit" ruft ein vorwitziger Vater. "Aha?" Herr Dieter hebt eine Augenbraue. "Und was IST mit der Geschwindigkeit?" ""Können Kinder schwer einschätzen." "Boah sind Sie gut!" Ja-ha-ha, da soll sich mal einer was von abschneiden. Wir sind eine pfiffige Truppe, das muss man schon sagen. "Aber was ist mit der Aufmerksamkeit? Ich hab das mit der Aufmerksamkeit gesagt!" "Naja, das läuft unter Ablenkung" "Achso." Umpf, Frau Müller ist jetzt beleidigt. Wir arbeiten weiter. "Entfernung" landet auf dem Clip-chart. "Größe" "Egozentrismus" "Rechts/Links" und dergleichen mehr.

Anderthalb Stunden später. Die Luft ist raus, mein Arsch platt, aber sie heben die Hände, als hinge ihr Leben davon ab.

"Wenn ich mit der Lorelia mit dem Tandem fahre, redet sie immer auf mich ein. Dann sage ich: 'Du musst jetzt ruhig sein, weil Mama sich auf die STRASSE konzentrieren muss." Frau Müller mal wieder. Sie macht eine Kunstpause und schaut Herrn Dieter erwartungsvoll an. Er nickt. "Sehr schön." "Ja, aber wo sie doch gesagt haben, dass Kinder eine ganz eigene Sprache noch haben, da wollt ich mal fragen, ob sie das überhaupt versteht." "Das kann ich Ihnen nicht sagen." "Bitte?" "Das kann ich Ihnen nicht sagen. Sie selbst kennen Ihr Kind am besten." "Achso." Herr Dieter hats geschafft. Er hat Frau Müller zum zweiten Mal beleidigt. Aber schließlich gibt es ja auch noch Frau Meier. "Ähm, worüber ich mich immer ärgere, sind die rücksichtslosen Radfahrer auf dem Radweg, die nicht akzeptieren, dass der Thorben noch nicht so gut fahren kann." "Äh." Herr Dieter räuspert sich. "Naja, ich sag immer: Kinder gehen vor. Allerdings müssen Sie sich gut überlegen, wann Sie Ihr Kind am Fahrradverkehr teilnehmen lassen." Frau Meier sagt schnippisch: "Das hilft mir jetzt AUCH nicht weiter" Herr Dieter hört sich aber auch noch Frau Schulze an, deren Sohn ewig wartet, wenn sie ihm erlaubt, auf eigene Verantwortung über die Straße zu gehen. "Geben Sie ihm Zeit." sagt Herr Dieter ganz richtig. "Irgendwann wird er das Gefühl haben, die Lage richtig einzuschätzen." "Soll ich ihn dann nicht unterstützen?" "Äh."

Und so weiter und so weiter und so weiter.

Konspirativ versuche ich die Entfernung zur Tür richtig einzuschätzen. Ich erhebe mich. Alle sehen mich an. Ich flüchte. Mit erhöhter Schrittgeschwindigkeit (hihihi) erreiche ich den Ausgang, mein Fuß stößt gegen das Tischbein des Kaffeetischs. Er klappert beunruhigend. Aber das Klappern wird von Frau Müller übertönt, deren Lorelia noch die ein oder andere interessante Verhaltensweise an den Tag legt.

Nach mir die Sintflut. Es ist viertel vor sechs. Die Erdnuss wartet. Wir schreiten den Nachhauseweg mit etwas anderen Augen ab. Aber ehrlich gesagt: Bei der Vorstellung, dass sie die Linksabbieger und die Zebrastreifen und die Kreuzungen alleine bewältigen muss, wird mir schlecht.

Dennoch: Herzlichen Dank, Herr Dieter. Er hat das fein gemacht. Und vor allem hat sich die Erdnuss herzlich kaputt gelacht, als ich im Watschelgang über die Kreuzung gewackelt bin, wie der Herr Dieter es empfohlen hat, um mal den Blickwinkel unserer Kinder einzunehmen. 

Nur dieses Sitzfleisch. Das beeindruckt mich immer wieder. Das KANN eigentlich in der Schule nicht besser werden... Da sag noch einer, dass Egozentrismus eine typische Eigenschaft der KINDER sei...