Kleine Erdnuss

30.05.2009 um 00:04 Uhr

Familie Erdnuss ist zurück...

... und was machen'se? Auspacken? Einschlafen? Duschen? Ausruhen? Putzen? Waschen?

Nö.

Jeder verschwindet in seinem Zimmer und begrüßt sein Zuhause.

Seit einer Stunde sitzt die Erdnuss selig in ihrem Zimmer und "sucht Kleinigkeiten zusammen", die sie vermisst "oder soGAR vergessen" hat. Den kleinen Glitzerelefanten. Die Pfeife. Die goldene Büroklammer. UND das Pauspapier. 

Ich sitze im Büro und checke Mails. Bin froh, dass keine Schreckensnachricht dabei ist.

Und der Papa? Sitzt auf der Terrasse und raucht sich eine... Genießt den Nachthimmel und die Ruhe.

Jeder für sich.

Alle miteinander.

Jetzt schläft sie aber gleich ein, unsere Erdnuss. Unter einem Regenschirm in ihrem Bettchen. 

Und ich? Geh jetzt auf die Terrasse. Gedenke der sonnigen Tage an der Nordsee. Und den lächelnden Holländern. Ein Hurra, was red ich, ein dreifaches Hipphipp-HURRAAA, den wunderbaren Holländern, mit den wunderbaren Grübchen und Zähnen und seltsam verknautschten Gesichteren....

 

21.05.2009 um 23:47 Uhr

Die Sonne....

"Mama?"

"Mh?"

"In die Sonne ist noch nie einer geflogen, oder?"

"Nee."

"Und wenn doch?"

"Dann wär er verglüht, schon lange bevor er die Sonne erreicht."

"Die Sonne ist groß, nä?"

"Ja. Riesig. Größer als die Erde."

"Und niemand überlebt die Sonne?"

"Naja, nicht in der Nähe."

"Oh Gott!" Die Erdnuss erbleicht mit vorgehaltener Hand und weit aufgerissenen Augen.

"Was ist?"

"Der liebe Gott!"

"Was ist mit dem lieben Gott?"

"Ja genau!"

"Hä?"

"Was ist mit dem lieben Gott!" Sie nickt energisch. "Das frag ich mich!"

"Wieso denn?"

"Der liebe Gott wohnt im HIM-MEL!" Die letzten beiden Silben werden ungeduldig gedehnt.

"Naja, er ist eigentlich überall."

"Überall ist genauso schlimm. Wenn er überall ist, ist er auch in der Sonne."

"Mh." Ich bin ratlos.

"Mama!" Sie schaut mich ernst an. "Was ist, wenn der liebe Gott in der Sonne gestorben ist?"

"Oh nein, mein Schatz. Der liebe Gott hat keinen Körper, er KANN gar nicht verglühen."

"Der liebe Gott ist ein Geist, nä, das hab ich mal gesagt, nä?"

"Ja, das hast du gesagt, und wie ein Echo, hast du auch mal gesagt."

"Mir fällt noch was ein."

"Was denn?"

"Der liebe Gott ist ein Gefühl."

"Ohhhh." Ich bin begeistert. "DAS ist schön!"

"Genau, und wenn ein Gefühl in die Sonne fliegt, dann bleibt es ein Gefühl."

"Richtig. Unsere Gefühle fliegen mit den Wolken und sammeln sich in der Sonne."

"Oh, mann, das klingt schön."

Morgen werden unsere Gefühle wie verrückt fliegen. Denn ab morgen sind wir eine Woche an der Nordsee. Wir werden fühlen und fliegen. 

URLAUB!!!!!!!

Nackte sandbepuderte Popos!!

Wellen!

Himmel!

Sonne!

Weiße Wölkchen.

Nachts Regen.

Holländer!

Ich freu mich!

16.05.2009 um 22:04 Uhr

Von Armenien bis Moldawien

Armenien: "Die sieht, äh..." Kunstpause. "...doof aus."

Tussland, äh, Russland (schöner Tippfehler): "Ich schlafe nicht. Ich habe nur die Augen ein bisschen zu."

Aserbaidschan: "Gefällt mir" murmelt es ganz tief aus den dicken Kissen, in die sie sich eingemümmelt hat. (Ganz ganz unterste Schublade, finden die Eltern, das wird noch heiter mit den Jahren)

Bosnien-Herzigovina:  ",,," (Tilt, würde ich sagen. Sie schnarcht leise zu den bosnischen Klängen, was sich sehr schön anhört) "Ich schlaf ehrlich nicht, Mama." Wir tragen sie später rüber, vielleicht wird sie nochmal bei Deutschland wach...)

Moldawien: Hat was, oder? Folklore is eh mein Ding.

Gute Nacht, kleine Erdnuss!

 

16.05.2009 um 21:29 Uhr

Von Kroatien bis Griechenland

Kroatien: "Der sieht aus wie Martin Stosch von Deutschland sucht den Superstar." Nachtrag: "Da ist ein Riesenfön an der Decke, guck mal, da ist ein Loch in der Decke." (Ich finds gar nicht so übel, der Erdnusspapa lästert übel ab.)

Portugal: "Die da hinten können sich nicht entscheiden, in welche Richtung sie gehen. Die kommen gar nicht voran." (Ja, sie tanzen ja auch von einem Bein aufs andere...) Papa Erdnuss freut sich über die wohlgenährte Portugiesin, ich fands sehr schön!

Island: "Ooooooh, schön, das Kleid ist wie ein Wasserfall!" (Das Lied allerdings auch. Ein Knaller. Favorit bisher!) Nachtrag: "Hat die ihren Schuh verloren?" (Is it true klingt auch gern mal wie Is der Schuh, kicher)

Griechenland: "KOMM ZU MAMA!!!" Uppsi, das war ICH. "Der hat das Hemd kaputt." Das ist der etwas nüchterne Kommentar meiner Tochter zu diesem Bild von einem Mann.... Neuer Favorit!

 

 

 

16.05.2009 um 21:27 Uhr

Von Litauen bis Schweden

Litauen: "Ein bisschen langweilig, ehrlich gesagt."

Israel: "Warum wackeln die so komisch mit den Armen?" (Es ist aber auch schwer auf der Bühne beim Singen. Man weiß einfach nicht, wohin mit den Händen.) Aber ganz hübsch, das Lied, oder?

Frankreich: "Die Sprache ist schön. (Boah, ich hab voll die Gänsehaut...)

Schweden: "Ich finde leider nichts!" NAchtrag: "Wenn's dolle wackelt, dann gehts. Aber wenn es gar nicht wackelt, find ich nix."

 

16.05.2009 um 21:15 Uhr

Grand Prix de Erdnusse

Wir gucken den Grand Prix. Die Erdnuss darf mitgucken. Und ich bin JETZT schon aus dem Bett gefallen vor lAchen.

Kommenar zur ersten Nummer des Russensiegers des letzten Jahrs:

"Der hat gewonnen? So gut ist das Lied nicht. Es sieht nur gut aus."

Lakonisch wird hinzugefügt: "Außerdem muss der sich nachher gut kämmen."

Oh das wird schön. Solang sie wach bleibt, geb ich die Kommentare durch.

Grand Prix. Die Erdnuss gäb es gar nicht ohne ihn. Papa und Mama Erdnuss haben sich vor neun Jahren beim Frand Prix verliebt. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

 

11.05.2009 um 22:43 Uhr

Chaos

Sie ist unkonzentriert. Bei jeder klitzekleinsten Gelegenheit bricht sie in Tränen aus. Sie will nicht allein sein, und wenn sie mit jemanden zusammen ist, albert sie herum oder sucht Streit. Kein Event ist gut genug, kein Spiel lang genug, alle Erziehungsmaßnahmen sind UNFAIR und alle lieben Worte umsonst.

"Mama, ich weiß es doch auch nicht! Es ist so durcheinander. Ich hab EINFACH nur schlechte Laune. Ich muss immer weinen. Den ganzen Tag."

"Immerzu? Auch im Kindergarten?"

"Nein, es geht, wenn ich abgelenkt bin. Aber immer, wenn ich alleine bin, werde ich traurig."

"Oh, kleine Erdnuss... Das kenne ich." Ich seufze und sie schaut mich erwartungsvoll an.

"Weißt du was ich glaube?" Gespannt schaut sie mir in die Augen. "Ich glaube, wir haben ALLE schlechte Laune. Der Papa und ich und du."

"Na und?"

"Nun..." Ich wähle meine Worte mit Bedacht. "... es ist sehr schwer gut gelaunt zu sein, wenn alle um einen rum schlecht gelaunt sind."

"Wie?"

"Naja, wir sind uns alle sehr nahe. Da steckt es an, wenn alle schlechte Laune haben."

"Bist du auch traurig?"

Ich überlege intensiv, was ich antworten soll, und entscheide mich für die Wahrheit. "Ja."

"Und der Papa auch?"

"Ja, ich glaube schon."

Sie denkt kurz nach. Stützt ihren Kopf in ihre pummeligen Händchen. "Ja." Sie wackelt ein bisschen mit dem Kopf. "Das könnt's erklären."

Ein paar Sekunden schweigen wir beide.

"Mama?"

"Ja?"

"Manchmal kann man gar nicht erklären, wo die Traurigkeit herkommt, nä?"

"Ja. Aber das gute ist: Traurigkeit hört wieder auf."

"Ja. Ich geh heut früh ins Bett. Dann bin ich morgen fit und gut gelaunt."

"Ja, und das Beste ist: Gute Laune ist genauso ansteckend wie schlechte Laune."

"Ist eine Laune wie Windpocken?"

Ich grinse. Sie auch. ich muss plötzlich lachen.

"Morgen haben wir alle lila Gute-Laune-Punkte!"

"Hihi, und heute hatten wir grüne Schlechte-Laune-Pocken!"

Wir pieksen uns, wo wir Schlechte-Laune-Pocken entdecken. Und lachen wieder.

Es gibt Dinge, mit denen sollte man Kinder nicht belasten. Aber den Erdnuss-Eltern gehts grad beschissen. Jeder von uns hat sein Katastrophengebiet. Absolutes mindestens-ab-18-Katastrophengebiet.

Und es tut weh zu sehen, dass man die Gefühle nicht vom eigenen Kind fernhalten kann.

Sie weiß nicht, wohin mit sich.

Genau wie ich.

Ganz wichtig, einen Weg hinaus zu finden.

Ganz wichtig.

 

 

07.05.2009 um 12:30 Uhr

Wenn ich schreiben kann...

"Mama?"

"Ja?"

"Weißt du, was ist, wenn ich schreiben kann?"

"Mh, nee, was meinst du?"

"Dann freu ich mich."

"Ja?"

"Weißt du auch warum?"

"Mh, ich hab eine Ahnung, aber warum genau?"

"Wer schreiben kann..."

Sie macht eine ihrer berühmten Kunstpausen und beugt sich verschwörerisch nach vorne.

"... der kann auch lesen..."

"Ja." Ich nicke vehement mit dem Kopf. "Das stimmt. Aufs Lesen hab ich mich auch immer riesig gefreut als Kind."

"Ja und nochwas." Wieder eine Kunstpause.

"Was denn?"

"Wer schreiben kann, kann..." Schwebende Intonation. Kunstpause.

"Ja?"

"Ist doch ganz einfach: Schreiben."

"Ja. Das ist klar."

"Ich meine richtig schreiben."

"Richtig schreiben?"

"Wenn ich schreiben kann, dann schreibe ich Geschichten."

"Aha?"

"Lustige Geschichten. Zum Lachen."

"Oh. Das ist toll. Weißt du schon, was? Oder worüber."

"Klar! Ich schreibe über das Sams. Nur lustiger."

"Noch lustiger?"

"Ja. Also NUR lustig. Ohne das Ernste oder das Langweilige."

"Gibts was Langweiliges beim Sams?"

"Ja! Herr Taschenbier ist langweilig."

"Ja? Findest du?"

"Naja, er ist nicht lustig. Das Sams ist lustig, aber Herr Taschenbier nicht. Der ist nur nett."

"Ja. Aber ich glaube, das ist gut für die Geschichte. Das Sams kommt zu einem langweiligen Menschen und dann ist sein Leben plötzlich nicht mehr langweilig. Das ist eine gute Geschichte."

"Das stimmt. Aber auch eine gute Geschichte wäre, wenn das Sams zu jemanden kommt, der so ist wie das Sams"

Ich überlege kurz. "Ja..." Ich nicke nachdenklich mit dem Kopf. "Da könntest du Recht haben. Das hat eine ganz neue Richtung"

"GeNAU Mama!!!" Die Erdnuss fühlt sich verstanden. "Ich schreibe, wie das Sams zu mir kommt. Dann sind wir zuzweit. Ich reime gern, ich bin frech UND ich bin lustig. Sehr lustig! Und dann ist das nämlcih doppelt komisch, wenn zwei Leute, die lustig sind, lustige Sachen machen."

"Toll! Wann willst du anfangen?"

"Falsche Frage, Mama."

"Hö?"

"Wie. Frag lieber nach dem WIE."

Manchmal haut mich ihre Logik um.

"Also, wie willst du anfangen?"

"Das Sams neu malen. Und vielleicht bekommt es dann eine neue Nase und einen neuen Namen."

"Das ist ein guter Anfang."

"Ja-ha. Aber ich verrat noch nix. Du sollst staunen. Staunst du auch wirklich? Versprochen?"

Ja. Die Sache mit dem Staunen. Schon als zwei-Jährige hat sie mich bei allen Aktionen gefragt, ob ich gleich staune. Staunen, das mag die Erdnuss. Staunen ist etwas, das mir ständig passiert. Über das Staunen muss sie sich glaub ich keine Sorgen machen.

"Staunen kann ich nicht versprechen, Schatz. Aber ich bin mir sicher, dass ich noch viel staunen werde. Bestimmt auch über das neue Sams."

"Ist eine Überraschung. Zeig ich dir, wenn's fertig ist, ok?"

"Ok. Ich freu mich."

"Du WIRST dich freuen."

"Ja, ich freu mich schon jetzt."

"Warum?"

"Weil du so schöne Ideen hast."

"Aber es ist doch noch nicht fertig."

"Muss auch gar nicht. Erstmal ist es eine gute Idee. Die hat ja nicht jeder, die is ja von dir."

Erklär mal einer die Diskrepanz zwischen Kreativität und Disziplin. Ein Thema, was sich tragisch quer durch mein Leben zieht.

"Mama?" 

"Ja."

"Am besten ist, wenn es dann Spaß macht, oder?"

"Ja..." Ich nicke. "Spaß ist das wichtigste."

"Genau. Warts nur ab."

Das mach ich. Das mach ich sogar gern...