"Mama?"
"Ja?"
"Weißt du, was ist, wenn ich schreiben kann?"
"Mh, nee, was meinst du?"
"Dann freu ich mich."
"Ja?"
"Weißt du auch warum?"
"Mh, ich hab eine Ahnung, aber warum genau?"
"Wer schreiben kann..."
Sie macht eine ihrer berühmten Kunstpausen und beugt sich verschwörerisch nach vorne.
"... der kann auch lesen..."
"Ja." Ich nicke vehement mit dem Kopf. "Das stimmt. Aufs Lesen hab ich mich auch immer riesig gefreut als Kind."
"Ja und nochwas." Wieder eine Kunstpause.
"Was denn?"
"Wer schreiben kann, kann..." Schwebende Intonation. Kunstpause.
"Ja?"
"Ist doch ganz einfach: Schreiben."
"Ja. Das ist klar."
"Ich meine richtig schreiben."
"Richtig schreiben?"
"Wenn ich schreiben kann, dann schreibe ich Geschichten."
"Aha?"
"Lustige Geschichten. Zum Lachen."
"Oh. Das ist toll. Weißt du schon, was? Oder worüber."
"Klar! Ich schreibe über das Sams. Nur lustiger."
"Noch lustiger?"
"Ja. Also NUR lustig. Ohne das Ernste oder das Langweilige."
"Gibts was Langweiliges beim Sams?"
"Ja! Herr Taschenbier ist langweilig."
"Ja? Findest du?"
"Naja, er ist nicht lustig. Das Sams ist lustig, aber Herr Taschenbier nicht. Der ist nur nett."
"Ja. Aber ich glaube, das ist gut für die Geschichte. Das Sams kommt zu einem langweiligen Menschen und dann ist sein Leben plötzlich nicht mehr langweilig. Das ist eine gute Geschichte."
"Das stimmt. Aber auch eine gute Geschichte wäre, wenn das Sams zu jemanden kommt, der so ist wie das Sams"
Ich überlege kurz. "Ja..." Ich nicke nachdenklich mit dem Kopf. "Da könntest du Recht haben. Das hat eine ganz neue Richtung"
"GeNAU Mama!!!" Die Erdnuss fühlt sich verstanden. "Ich schreibe, wie das Sams zu mir kommt. Dann sind wir zuzweit. Ich reime gern, ich bin frech UND ich bin lustig. Sehr lustig! Und dann ist das nämlcih doppelt komisch, wenn zwei Leute, die lustig sind, lustige Sachen machen."
"Toll! Wann willst du anfangen?"
"Falsche Frage, Mama."
"Hö?"
"Wie. Frag lieber nach dem WIE."
Manchmal haut mich ihre Logik um.
"Also, wie willst du anfangen?"
"Das Sams neu malen. Und vielleicht bekommt es dann eine neue Nase und einen neuen Namen."
"Das ist ein guter Anfang."
"Ja-ha. Aber ich verrat noch nix. Du sollst staunen. Staunst du auch wirklich? Versprochen?"
Ja. Die Sache mit dem Staunen. Schon als zwei-Jährige hat sie mich bei allen Aktionen gefragt, ob ich gleich staune. Staunen, das mag die Erdnuss. Staunen ist etwas, das mir ständig passiert. Über das Staunen muss sie sich glaub ich keine Sorgen machen.
"Staunen kann ich nicht versprechen, Schatz. Aber ich bin mir sicher, dass ich noch viel staunen werde. Bestimmt auch über das neue Sams."
"Ist eine Überraschung. Zeig ich dir, wenn's fertig ist, ok?"
"Ok. Ich freu mich."
"Du WIRST dich freuen."
"Ja, ich freu mich schon jetzt."
"Warum?"
"Weil du so schöne Ideen hast."
"Aber es ist doch noch nicht fertig."
"Muss auch gar nicht. Erstmal ist es eine gute Idee. Die hat ja nicht jeder, die is ja von dir."
Erklär mal einer die Diskrepanz zwischen Kreativität und Disziplin. Ein Thema, was sich tragisch quer durch mein Leben zieht.
"Mama?"
"Ja."
"Am besten ist, wenn es dann Spaß macht, oder?"
"Ja..." Ich nicke. "Spaß ist das wichtigste."
"Genau. Warts nur ab."
Das mach ich. Das mach ich sogar gern...