Kleine Erdnuss

26.06.2009 um 22:02 Uhr

Picknick

Wir sind mit den Fahrrädern zum Rhein gefahren. Haben dort ein schattiges Plätzchen mitten in Baumwollbüschelchen gefunden. Fein geschmierte Stullen hatten wir dabei und mit vollen Backen lauschten wir dem leisen weit entfernten Donnergrollen.

Später sind wir mit unseren Gummischuhen im Rhein spazieren gegangen, die Sonne schien uns prall ins Gesicht und wir strotzten vor Lebensfreude, vor Liebe zum Leben, kleine Flöckchen, irgendwelche Pollen flogen um uns herum, wir füllten die Wasserpistole und patschten kichernd unter dem Strahl durch. Blumen wurden gepflückt und Marienkäfer gestreichelt und fliegen gelassen.

"Irgendwie ist heut alles schöner als sonst..." 

"Das macht der Sommer." ich schaue blinzelnd über das glitzernde Wasser in Richtung Sonne. 

"Die Sonne ist stark, nä Mama?"

"Ja, das isse." Unwillkürlich wende ich mich den dunklen Wolken auf der anderen Seite zu. Wind kommt auf, das Gebüsch beginnt zu rauschen. Donner. Etwas lauter, aber immer noch weit entfernt.

"Ist das gefährlich Mama?"

"Nee. Gar nicht. Das Gewitter ist noch ganz weit weg." 

Und wirklich. Es ist kaum vorstellbar, dass diese sommerliche Hitze ein Ende finden kann. Unvorstellbar, dass die Schwüle durch echte Tropfen in Kühle umschlägt. ich tippe auf eine Stunde, denke noch, dass wir gehen, wenn die Sonne hinter Wolken verschwindet, aber dazu ist noch viel zu viel blaue Himmelfläche zu sehen. Doch plötzlich...

Auf dem Wasser sah man es zuerst. Viele dicke Löcher machen sich breit. Hier ein Loch, da ein Loch, und es geht so schnell, dass ich mich frage, wer denn da mit vielen kleinen Steinchen schmeißt, aber es sind Regentropfen, dicke fette Regentropfen, jetzt spüren wir sie auch auf dem Gesicht.

Aufgeregt rennt die Erdnuss rum, sammelt Sachen ein. "Die Sonne scheint noch so sehr" ruft sie mir durch den Wind zu. "Vielleicht sehen wir einen Regenbogen." Im rauschenden Wind sieht sie wieder mal wie ein kleiner Kobold aus. Die wirren blonden Haare flattern, das Blumenkleid wölbt sich und sie grinst mich mit ihrer süßen Zahnlücke an. "Mama? Hörst du mich?"

Ja. Ich höre sie. Aber ich kann nicht antworten. Wie erstarrt stehe ich im prasselnden Regen und kann die Augen nicht von dem sich mir dort bietenden Spektakel nehmen. Wie betäubt winke ich Papa Erdnuss und unseren Kobold und zeige stumm aufs Wasser. Quer über den Rhein spannt sich der größte, der farbenfrohste, der vollständigste Regenbogen, den ich je gesehen habe. 

Einen Moment stehen wir alle da. Familie Erdnuss im Regen. Familie Erdnuss im Regenbogen. Man sieht wie Wassermassen sich aufbauen und auf uns zuregnen. Und dann sind sie da. Eimerweise kübelt Wasser auf uns herab. Wir knüllen die Picknickdecke zusammen und rennen lachend durch das spritzende Wasser. Die Erdnuss schreit: "Ein Schauer! Ein echter Schauer! Wir sind in einem Schauer!" Und immer noch scheint die Sonne hell und klar auf uns herab, durch uns hindurch.

Wir schwingen uns auf die Räder. Die Straßen haben sich in wirbelnde, prasselnde Spiegel verwandelt. Fröhlich fahren wir durch die Pfützen und können es gar nicht glauben, wie warm es trotzdem ist. Leise Sorge überkommt mich wegen meines weißen Tops, aber ich wische sie weg und freu mich über den Fahrtwind, die nassen Rosenblüten hinter den weißen Gartenzäunen und ich jubel in die Sonne, wie schön das Leben sein kann.

Kurz vor unserer Haustür hat sich der Schauer in ein leichtes Nieseln verwandelt.

"Guck Mama, die Sonne hat gewonnen!"

Ja, so ist es. Sie strahlt unbeeindruckt mit abendlicher Sommerwärme zwischen den Ästen des Kirschbaums hindurch.

"Gott ist grad bei mir..." nuschelt die Erdnuss beim Gutenachtsagen in ihr Kissen. Bah, ist das dick aufgetragen, aber es ist so passiert und sie hat die Wahrheit gesagt, an manchen Tagen spürt man es einfach stärker als an anderen...

 

20.06.2009 um 03:45 Uhr

Omas Po, Kontrollgewinn, Verlust der Unschuld und andere traurige Dinge

Die Erdnuss saß gestern mit uns in trauter Runde auf der Terrasse. Wir frotzelten und flaxten ein bisschen, Leichtigkeit des etwas unsteten Sommers umschmeichelte uns, faul legten wir die Füße auf den Tisch oder andere Stühle, wir fläzten rum und ließen den guten Gott einen lieben Mann sein, oder auch andersrum, is ja auch egal.

Wir kamen auf das schöne Thema Popos und alberten ein bisschen rum, bis wir nach einiger Diskussion einhellig feststellten, dass alle Menschen in der Familie Erdnuss einen verDAMMT schönen Popo haben. "Ja-ha." sagt die Erdnuss versonnen. "Die Mama hat einen schönen Popo. Der Papa auch. Ich finde meinen Popo auch sehr schön, auch wenn ich ihn nicht so gut sehen kann."

"Na wunderbar." Ich klopfe begeistert auf den Tisch. "Dann sind wir uns ja ab-so-lut ei-nig!" WIeder klopfe ich im Rhythmus der Silben.

"Nee." Die Erdnuss griemelt vor sich hin. "Den Po von der O-ma" hier ahmt sie mich klopfend nach. "...den hab ich noch nicht gesehen."

Papa Erdnuss, um dessen werte Mutter es geht, zieht in einer Mischung aus Irritation und Abscheu die Augenbrauen hoch. Ich grinse breit: "Ach, wenn du die Oma mal fragst, dann zeigt sie dir ganz bestimmt ihren Po."

Andächtig und erschrocken zugleich schweigen wir eine Weile. Jeder weilt auf seine eigene Weise bei Omas Po, bis ein Geräusch ertönt, das so erwachsen klingt, das ich es meinem Mann zuordne, der aber, wie ich nach einem kurzen fachmännischen Blick feststelle, seine Gesichtsmuskeln abgeschaltet hat. Das Geräusch war absolut verwirrend. Es war dieses Schnauben, dieses wissende Insichhineinlachen, wie ich es noch nie von der Erdnuss vernommen hatte.

"Ich weiß, was die Oma mir zeigt." Ein sardonisches Grinsen macht sich auf dem kleinen pummeligen Gesicht meiner Tochter breit.  "Einen Vogel zeigt sie mir Mama, einfach 'nen Vogel!" Wissend, was red ich, ALLwissend kichernd tippt sich die Erdnuss mit ihrem winzig kleinen Zeigfinger, der längst nicht mehr winzig klein ist, an die Stirn. 

So saß sie da in der herabsinkenden Sonne. Die kleinen Füße, die so klein nicht mehr sind, ruhen lässig auf unserem Gartentisch (hab ich je erwähnt, dass mir Tischmanieren völlig egal sind?), sie schwelgt genüsslich in der Vorstellung der soeben kreierten Szenerie und so sehr ich lachen musste, sah ich plötzlich die Zukunft, eine Teenager-Erdnuss, eine so eigenwillige Persönlichkeit, mit eigenen Vorstellungen, eigenen Ideen in ihrer eigenen Welt.

Wo bleiben die traurigen Dinge? Es ist witzig, oder nicht?

Diesmal hatte ich keine Schwierigkeiten, es festzuhalten. Keine Probleme, es mir zu merken. Dies war ein Witz aus der Erwachsenenwelt. Mir kommt es vor, als verließe sie nach und nach, in einem unaufhaltsamen Prozess ihre Zauberwelt.

Irgendwann las ich mal, ich glaube es war in Friedhof der Kuscheltiere, sinngemäß, dass das Großwerden nicht eine Zeit des Lernens, sondern eine Zeit des VERlernens ist. 

Es ist beides. Und es ist wohl ganz natürlich. Es ist großartig, weil es ein Gewinn ist. Und es ist traurig, weil es ein Verlust ist. 

Weiß irgendwer hier, was ich meine? Weiß ich es überhaupt selbst? Es ist ein Gefühl, kein Gedanke, wahrscheinlich passt es deswegen nur zwischen die Zeilen...

 

07.06.2009 um 22:16 Uhr

Herr Erdbeere

 
 
Wir hatten ehrlich Skrupel, ihm die Nase abzubeißen.
 
Aber wir haben es trotzdem gemacht.
 
*kicher
 

05.06.2009 um 21:09 Uhr

Vorschulkindergartenübernachtungswanderung

Hejjjjjjjjjjjjjjjj, diese Nacht isses so weit. Die Erdnuss übernachtet mit allen anderen Kindern im Kindergarten. Grillen, Nachtwanderung, Taschenlampe, Pyjamaparty, gleich alles auf einmal.

Ihre erste Party außer Haus. Unglaublich. Unglaublich schön.

Dass sie lieber vom Papa als von mir hingebracht werden wollte, passt ins Bild.

Loslassen. Mal wieder ein Stückchen loslassen. Vielleicht erkennt sie die Wehmut hinter meinem begeisterten Gesicht, vielleicht ist es aber auch einfach cooler vom Papi gebracht zu werden. 

Sie haben im Bauraum ein Nachtlager errichtet. Zoe, Kathrin, Fatma und Larissa...

Und das gepunktete Nachthemd musste mit.

Und eine Knabberkiste.

Und Würstchen und all der Kram für eine zünftige Nacht.

Sie hat schon oft woanders geschlafen.

Aber dieses Mal isses anders. 

Diese Aufregung, rote Bäckchen, leuchtende Augen, Dauergrinsen.

Und wir Alten sind zu müde zum Ausgehen.

Freitag bleib ich gern zuhaus,

denn Freitag geht der Pöbel aus...

(Joint Venture, ich brauch personal)

(Vielleicht sind damit die jungen Leute gemeint...)

*kicher