Kleine Erdnuss

03.08.2009 um 20:49 Uhr

insektenliebe

Der ein oder andere wird wissen, wie tierlieb die Erdnuss ist. Vor allem zu allem, was kreucht, krabbelt und fleucht. Schnecken, Regenwürmer, Käfer, Spinnen, Wanzen, Fliegen, Ameisen, Bienen, Hummeln...

Immerzu sagt sie: "Guck mal, Mama, WIE SÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜSS!"

Jawohl. Auch Spinnen sind süß. Und schön. Und die Netze sind interessant. Und Ameisen darf man auf keinen Fall zerdrücken, und die Biene hat die Erdnuss auch nur unter der Achsel gestochen, weil die Erdnuss den Arm gesenkt hat.

Als neulich eine Wespe im Plantschbecken landete und sich Zoe und Kathrina hysterisch kreischend in den östlichen Teil unseres Gartens flüchteten, blieb die Erdnuss im Plantschbecken stehen und kreischte ihrerseits: "MAMAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA! DIE WESPÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ! DIE WESPÄ ERTRIIIIIIIINKT! RETTE DIE WESPÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH!"

Ich komme mit einem Wasserglas und schöpfe die Wespe ab. Im Glas schwimmt sie im Kreis und summt leise. "Mama! Du musst sie retten!" "Nee, kleine Erdnuss. Bei Wespen hört meine Tierliebe auf. Die sind echt nicht nützlich oder schön, die bringen nur Ärger." Der Erdnuss Augen füllen sich mit Tränen. Sie nickt tapfer. Dreht sich weg und wischt sich eine Träne von der Backe. Nichts, wirklich nichts rührt mich mehr, als diese Wischbewegung. Und dann noch nicht mal Widerworte. Ich betrachte die Wespe. Da summt sie unglücklich vor sich hin. Wenn ich sie raushole, wird sie mich ohne Rücksicht auf Verluste stechen. Ich überlege kurz, dann geh ich zur Gartentür. "komm mal mit, Süße" sag ich. Unschlüssig wackelt die Erdnuss hinter mir her. "Guck mal: Hier gießen wir das Glas aus." Ich zeige auf eine sonnige Stelle im Gras neben dem Baum, da wo niemand lang geht. "Aha?" Die Erdnuss ist immer noch unschlüssig. Ich schütte vorsichtig das Wasser neben den Stamm. "Jetzt liegt die Wespe in der Sonne. Und da trocknet sie die Flügel. Und dann kann sie auch wieder munter weiterfliegen." Die Erdnuss strahlt. "Super. Da ist die Wespe froh, nä, Mama?" "Ja, dann kann sie wieder Leute ärgern" brummel ich vor mich hin. Der guten Laune meiner Tochter tut das keinen Abbruch. Breit grinsend lässt sie sich wieder ins Plantschbecken fallen. Zoe udn Kathrina trauen sich auch wieder. Der Nachmittag ist gerettet.

Nächster Tag: Nach einem anstrengendem Einkaufsmarathon gönnen wir uns ein Abschlusseis am Springbrunnen. Die Erdnuss geht um das ziemlich gammelige Gewässer drumrum, um "Sachen zu suchen". Nicht lange später der Ruf: "MAAAAAAAAAAAAAAMAAAAAAAAAAAAAA! Da schwimmt was im WAAAAAAAAAASSER!"

"och nö! Nicht schon wieder eine Wespe!" schrei ich zurück.

"Neeeeeeee, ich weiß nich, was es ist, aber es ERTRIIIIIIIIIIINKT!" Anklagend richtet die Erdnuss ihren Finger auf das grau-grüne Wasser. 

Mh. Dass sie nicht weiß, was es ist, macht mich schon mal stutzig. Aber auch neugierig. Dann ein erneuter Ruf: "MAMA! ES IST RIESENGROSS!!!!!!"

Oh nööööö! Nö! Nö! Nö! Kein riesengroßes Krabbeltier. Ich will, ich will, ich will nicht. Widerwillig schlurf ich zum gegenüberliegenden Rand des Springbrunnens. Und ja! Es ist groß. Wirklich groß. Ca. fünf Zentimeter lang und anderthalb dick. Ein Riesengrashüpfer schwimmt da seitlich und zappelt nur noch sporadisch. "Der hat nicht mehr lange" denk ich und sage: "Wollen wir ihn retten?" "JAAAAAAAAAAA!" die Erdnuss klatscht in die Hände. Eine Sixpackverpackung schwimmt am anderen Ende, dort geh ich hin, reiß sie aus den schimmeligen Fluten, mit dem Mut der Verzweiflung zerreiß ich sie und schieb sie dem Grashüpfer hin, der sich aus dem Wasser ziehen lässt, dumm isser nicht, der kleine Hüpfer, ach, was red ich, er ist ja riesig. Auch ihn parken wir in der Sonne. Betrachten ihn. Stellen fest, wie schön er ist. Bis er mir in die Bluse hüpft und ich wild kreischend um den Brunnen tanze, was die Erdnuss zu einem Lachanfall animiert, woraufhin sie mit einem Hosenbein im Brunnen landet, was wiederum einen Weinkrampf zur Folge hat, weil ihre Ho-ho-hose jetzt ganz na-ha-hass ist. Der Grashüpfer sitzt derweil auf einem Löwenzahnblatt und putzt in aller Gemütsruhe seine Fühler, während ich beruhigend auf die schluchzende Erdnuss einrede. 

"Sie mögen mich gerettet haben und dafür danke ich ihnen von Herzen, aber sie haben definitiv ein Rad ab, das muss man einfach sagen." denkt er und hüpft davon...

Insektenliebe.

Liebe ist Liebe.