Kleine Erdnuss

18.08.2009 um 00:16 Uhr

Die rosarote Taucherbrille

Es ist so weit. Die Erdnuss kommt in die Schule. Morgen. Morgen wird sie ihren Schulranzen schultern, die Schultüte in die Arme nehmen und wenn dann in der Aula ihr Name vorgelesen wird, wird sie nach vorne tapsen und vielleicht wird sie sich nochmal grinsend zu uns umschauen, aber dann ist sie in ihrer Klasse, in der 1a nämlich und dann muss ich erstmal intravenös einen Kaffee zu mir nehmen und viele viele Zigaretten im Gebüsch vor der Schule rauchen.

Nach einer halben Stunde wird die Sache dann vorbei sein (hat gar nicht weh getan, er hat gar nicht gebohrt), dann muss ich für die Familie Spaghetti Bolognese kochen (Memo an mich: Badezimmerspiegel noch putzen) und ganz und gar hoffentlich sind wieder alle in Zeitnot und verschwinden nach ein bis zwei Stündchen, dann fahren wir nämlich bei 35 Grad im Schatten zu diesem Schwimmbad mit der Riesenrutsche und die rutschen wir dann zehn bis zweihundersiebenunddreißig Mal herunter und das wird ein Spaß, aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen.

Das eigentlich denkwürdige, das nämlich an diesem denkwürdigen Vorabend zur Einschulung passiert ist, ist nämlich das Folgende: Die Erdnuss hat geduscht.

Nein. Neinneinnein. Das macht sie schon öfter... Mal baden, mal duschen. Wir sind eine sehr reinliche Familie, öhöm. 

Was ich aber hinwiederum niemals mehr vergessen werde, ist - mal abgesehen vom Enthusiasmus, den sie bei der Säuberung mal wieder an den Tag legte - wie sie mich fragte, ob sie beim Haare waschen eine Taucherbrille anziehen kann. Ich grinse mitten in ihr grinsendes Gesicht und nicke. Wir sind beide gleichermaßen begeistert von dieser Weltidee, ne WELTIDEE, die Erdnuss, der TITAN! Ich bring ihr also die Taucherbrille, sie zieht sie sich umständlich über ihre schon feuchten Haare, ruckelt noch ein bisschen hin und her über den Augen, dreht sich um und verschwindet kopfüber im Duschstrahl.

Und das ist das denkwürdige Bild, das ich zum denkwürdigen Vorabend des ersten Schultags meiner wunderbaren Tochter immer im Herzen tragen werde:

Die nassen blonden feinen Haare, die glänzend am Kopf kleben, die rosa Ohrmuscheln, die durch die Riemen der Taucherbrille in einen absurden Winkel gedrängt werden, über die sich tropfende Haarbüschel schmiegen, der sonnengebräunte Rücken mit den gekreuzten weißen Streifen vom Badeanzug, der kleine Popo, die hängenden Arme und das vor Vergnügen strahlende Gesicht mit der Riesentaucherbrille um Nase und Augen, was sich nach einer kleinen Weile zu mir umdreht.

Ein Meer von Liebe überschwemmt mein Herz, wenn ich an dieses merkwürdige kleine Wesen mit der Riesentaucherbrille unter der Dusche denke, ein warmes, ein weiches, ein so unglaublich süßes Gewässer. 

Ähm.

Meer? Süßes Gewässer? was red ich?

Egal.

Rosarote Taucherbrille.

Bei Muttis muss das Meer nicht salzig sein...