Kleine Erdnuss

30.09.2009 um 00:11 Uhr

Ich zähl bis drei.

Von "Ich zähl bis drei." kann man halten, was man will. Bei der Erdnuss hat es immer geklappt. Mal spielerisch, mal ernst, mit eins, zwei und ..., kam ich immer weiter, wobei ich nie drei sagen musste, vielleicht weil ich einmal konsequent bei drei den Spielplatz verlassen oder tatsächlich nix mehr vorgelesen habe, ich weiß es nicht mehr.

Letztens kletterte sie auf mir herum. Das war lustig, das war toll, aber irgendwann wurde es mir zu viel - ich sagte: "Erdnuss, geh mal kurz runter von mir." "Nee-hee." war die kichernde Antwort. "Ich mein es Ernst," lache ich. "Na-hein. Meinst du nicht." "Bitte, Erdnuss, geh runter. Das ist jetzt echt zu viel." "Zu vie-hiel, po-pie-hil." (Habe ich den positiven Einfluss der Schule eigentlich schon erwähnt?) Jedenfalls denk ich genug jetzt und spreche die Zauberformel: "Ok. Ich zähl bis drei. Eins, zwei und..." Sie verharrt. Man spürt ihre Anspannung, aber sie bewegt sich keinen Millimeter. "Drei." sage ich, selber etwas verblüfft.

Wir schweigen eine Weile andächtig. Sie auf meinem Schoß mit dem Rücken zu mir. Irgendwann dreht sie sich vorsichtig zu mir rum und griemelt: "Mama?" "Ja-ha?" "Das war das erste Mal, dass ich bis drei abgewartet habe."

"Ja." Ich muss lächeln. Aber ich fühl mich auch ganz seltsam.

Wir schweigen wieder.

Plötzlich kicher ich: "Und? was ist passiert?"

"Nichts!" quiekt sie vergnügt.

Jetzt muss ich richtig lachen. "Genau. Was soll denn auch passieren?"

Wir lachen so sehr, dass wir umfallen. "Es könnte BUMM machen!" japst sie. "Ja oder die Welt könnte untergehen." "Hahahaha, die WELT könnte untergehen." Die Erdnuss ist außer sich und hält sich den Bauch, genau wie ich. "Bei Drei," -kicher- "geht die We-he-helt"-prust-"unter"

Wir kugeln uns gackernd auf dem Boden, zählen dramatisch bis drei und machen bedeutsame Pausen, beobachten das harmlose Nichts und freuen uns, dass wir vor nichts in der Welt Angst haben müssen, was man nicht sehen, hören, anfassen, schmecken oder riechen kann.

Eins, zwei und...

drei.

[...]

*kicher

 

20.09.2009 um 19:37 Uhr

Vergleiche hinken...

Es hat so schrecklich lang gedauert, bis wir uns aufraffen konnten heute. Geplant war eine Fahrradtour. Nur ich und die Erdnuss. Die Trödelei schien kein Ende zu nehmen. DIe Erdnuss lümmelte auf dem Sofa , ich wischte lustlos in der Küche rum, packte mal hier und da ein Teil fürs Picknick ein und die Zeit zog scih in die Länge. Keiner von uns wollte so richtig los. Warum verzögert man nur schöne Dinge? Aus Angst vor Enttäuschung? Weil es Kraft kostet zu starten? Aus mangelndem Vertrauen? Mangelnde Energie? Isch weeses nit, irgendwann sprach ich ein Machtwort, stemmte mich gegen den inneren Schweinehund und gegen den der Erdnuss und irgendwann riss sie diese waberige Hülle aus Faul- und Unentschlossenheit. Schon auf der kleinen Straße vor unserem Haus streichelte uns der kühle Wind, die Sonne ließ den blauen Himmel strahlen, die Bäume rauschten in unseren Ohren und wir grinsten uns fröhlich an. "Macht Spaß, nä, Mama?" "Ja!" strahl ich zurück. Und wir treten in die Pedalen, immerzu gradeaus, genießen den Fahrtwind, Schatten, Sonnenflecken, Kastanien auf dem Boden, glitzerndes Wasser neben uns, und wir fahren vorbei an den vertrauten Plätzen, wo wir sonst Rast machen, in unbekannte Gefilde, an schicken Restaurants vorbei, die ich allesamt noch nicht kannte, Wiesen, Hügel, bunte Schirme, irgendwann wird der Weg schmaler, die Büsche dichter, die Bäume höher, die Gegend wilder und plötzlich öffnet sich das Dickicht und wir sehen ihn, bestaunen den Riesensandstrand, der sich vor unseren Augen breit macht.

Er ist wirklich riesig. Flach geht es ins Wasser. Tausende von Muscheln liegen herum. Einige Weiden sorgen für Schattenplätze und ich kann unser Glück kaum fassen.

"Oooooh" entfährt es mir. "Das ist wie im Paradies."

Die Erdnuss seufzt. "Das IST das Paradies."

"Ja. Das stimmt."

Wir rennen ausgelassen durch den Sand zum Wasser. Weich umspült es unsere Füße, die Sonne glitzert auf den Wellen, ein Krebs wird angespült und wir retten ihn, indem wir ihn wieder zurück ins Wasser bringen. Dann Picknick, dann Sandburg, dann Klettern auf den Felsen. "Wie im Urlaub." stelle ich fest, als wir wieder zurück zum Wasser laufen. "Wir haben Urlaub!" lächelt die Erdnuss. "Stimmt. Es fühlt sich an, als wären wir am Strand." Jetzt schaut mich die Erdnuss fassungslos an. "Mama!" Ihre Stimme klingt entrüstet. "Das IST ein Strand."

Wie Recht sie hatte. Und wie bescheuert, dass wir Großen immerzu Schubladen brauchen, um festzumachen, wo wir gerade stehen...

Wir hatten Urlaub heute, wir waren am Strand. Wir waren im Paradies.

Einfach mal eben so.

16.09.2009 um 18:00 Uhr

nicht genug

ich kann immer noch nicht genug bekommen von diesen kleinen menschen, wie sie mit ihren riesenranzen die treppe hocheiern. ich kann mich noch dran erinnern an diese ersten schultage, an das gewusel, den geräuschpegel in dem großräumigen treppenhaus, alles war riesig und unübersichtlich und mit jedem tag wuchs der stolz darüber, dass ich mir eine kleine ecke mehr erearbeitet habe, mich sicherer fühle, die toiletten finde und die turnhalle..

es war auch eine zeit der unsicherheit, eine unsicherheit, die ich einfach so hinnahm, die ich nicht in frage stellte, weil ich sie nicht in frage stellen konnte. 

die erdnuss liebt die schule, sie liebt den unterricht, liebt ihre lehrerin. auf dem bild in der lokalpresse strahlt sie in die kamera, selbstbewusst und stolz.

und ich kann nicht genug kriegen von dem bild, wie sie mit ihren riesenranzen die treppe hocheiern, selten, ganz selten dreht die erdnuss sich um und grinst mich noch mal an..

in die wehmut mischt sich stolz, stolz über den wippenden zopf, die unabhängigkeit, den mut und die begeisterung.

das ist, das spür ich ganz genau, der anfang von ihrem ganz eigenen weg. und das ist wunderschön. ich lerne zwei dinge, die mir stets extrem schwer gefallen sind: geduld und vertrauen.

mensch...

 

16.09.2009 um 08:25 Uhr

nicht genug

ich kann immer noch nicht genug bekommen von diesen kleinen menschen, wie sie mit ihren riesenranzen die treppe hocheiern. ich kann mich noch dran erinnern an diese ersten schultage, an das gewusel, den geräuschpegel in dem großräumigen treppenhaus, alles war riesig und unübersichtlich und mit jedem tag wuchs der stolz darüber, dass ich mir eine kleine ecke mehr erearbeitet habe, mich sicherer fühle, die toiletten finde und die turnhalle..

es war auch eine zeit der unsicherheit, eine unsicherheit, die ich einfach so hinnahm, die ich nicht in frage stellte, weil ich sie nicht in frage stellen konnte. 

die erdnuss liebt die schule, sie liebt den unterricht, liebt ihre lehrerin. auf dem bild in der lokalpresse strahlt sie in die kamera, selbstbewusst und stolz.

und ich kann nicht genug kriegen von dem bild, wie sie mit ihren riesenranzen die treppe hocheiern, selten, ganz selten dreht die erdnuss sich um und grinst mich noch mal an..

in die wehmut mischt sich stolz, stolz über den wippenden zopf, die unabhängigkeit, den mut und die begeisterung.

das ist, das spür ich ganz genau, der anfang von ihrem ganz eigenen weg. und das ist wunderschön. ich lerne zwei dinge, die mir stets extrem schwer gefallen sind: geduld und vertrauen.

mensch...