Kleine Erdnuss

31.10.2009 um 14:20 Uhr

email an die maus

libemaus  warom  waksen  di  mandarinen  so  in stöken  geteilt?  bei  einem  apfel istdas  nicht  so.  untbei  der  manderine  doch 
di  apfelsine  est  eine  enleche  opst  sote  wal  si  auch so enstöken geteiltsent unt wist ir auch warom ich das gefrakt habe wal ich di manderinen sogerne mak unt wir haben auch in unsa küche gans file manderinen unt wir haben sofile mnderinen in der küche das esfast eine überswemun gipt
unt üpregens mak ichdimaus ser gerne wal si ser lu sdich ist unt noch filesfiles mer sum bei spil ist si ser slau unt darum hofe ich das si meine frage beantwoten kan unt noch file grüsedeine erdnuss

 

Ich bin fassungslos. Wenn man einmal nicht hinguckt...

30.10.2009 um 10:18 Uhr

alt und neu

Langsam zerbröselt die Erdnuss ihr mühselig gebautes gelbes Legoflugzeug. Sie gibt mir schweigend die größeren Teile, damit ich sie in die aberwitzig winzigen Einzelteile weiter zerlege. Wir arbeiten stumm nebeneinander im schwindenden Licht des Herbstnachmittags und gehen unseren Gedanken nach.

"Es ist ein komisches Gefühl," die Erdnuss bricht leise das Schweigen, "irgendwie wie verkehrte Welt."

Ich weiß genau, was sie meint. Eine Woche zuvor haben wir zwei Stunden damit verbracht, das Flugzeug zu bauen. Jetzt soll ein Hubschrauber daraus werden. Der Weg ist das Ziel... Ich nicke und summe ein "Mmh-mmh"

Sie fährt fort: "Es hat so lange gedauert, das hier zu bauen. Und jetzt? Nehmen wir es auseinander."

Einig schweigend bröseln wir weiter.

Die Erdnuss schnaubt plötzlich in einer Mischung aus Überraschung und Belustigung. "Dabei ist es ganz natürlich." Sie zuckt mit den Schultern und führt eine dieser einstudierten altklugen Bewegungen aus, die so lange noch kindlich wirken werden, wie sie einstudiert sind. "Wenn man etwas Neues schaffen will..."

Sie reicht mir das Heck.

"...muss man eben manchmal etwas Altes kaputt machen."

11.10.2009 um 10:29 Uhr

Man hört nur mit dem Herzen gut.

"Mama?"

...

"Maaaaaamaa!"

...

"Mama-ha?"

...

"MAAAAAMAAAAAAAAAAAA!"

"JA-HA!" brülle ich laut aus dem Badezimmer, die Waschmaschine läuft, ich flitze zwischen kleinen Klamottenhäufchen durch die Wohnung, die ganz kurz aufblitzende Sonne zeigt mir, dass die Fenster dringend mal wieder geputzt werden müssten bzw. dass die letzte Putzaktion richtig peinliche Streifen hinterlassen hat, in der Küche steht der Putzeimer in einer Pfütze, die sich aus dem kleinen Riss langsam und stetig ausbreitet, der Esstisch ist übersät von Quittungen, Zeitschriften und kleinen Papierchen, von der halbgepackten Riesentüte mit der Sommerkleidung mal ganz abgesehen, und der Ruf "Mamaaa!" übertönt die Fußballberichterstattung aus dem Radio.Kurz: Stress. Genauer: Haushaltsstress, und ich weiß nicht, ob ich schon erwähnte, dass ich in der Haushaltbewältigung ungefähr zwischen 3- und 4+ angesiedelt bin. Inzwischen ist es noch nicht mal mehr Bocklosigkeit. Ich habe viel Lust auf eine sauber Wohnung. Ich bin nur einfach völlig unbegabt.

"KOMMST DU MAAAAAAAAL?"

"WAS DENN?" Meiner Stimme ist anzumerken, dass jetzt aber auch wirklich etwas sein muss. Was wichtiges. Was richtig wichtiges.

"ICH WILL DIR WAS ZEIJJJJ - GEN!"

"Ich komme!" Genervt stapfe ich quer durch den ungemachten Haushalt in ein bunt zusammen gewürfeltes Kinderzimmer, wo mir die Erdnuss etwas schüchtern (sie kennt meine Stimmung) ein paar zusammengetackerte Blätter überreicht. 

"Ich habe etwas geschrieben." brüllt die Erdnuss. Sie brüllt, weil sie meinen alten MP3-Player geschenkt bekommen hat, den sie aber nur mit diesen überdimensionalen gepolsterten Kopfhörern hört. Sie sieht so süß aus mit den schwarzen Riesenohren und dem kleinen runden Gesichtchen darunter. "Magst du es lesen?"

Bumms. Die Stimmung schlägt um. Gerührt nehme ich die Blätterchen entgegen und richte mich auf einen kleinen Satz ein. Es waren aber mehrere Sätze, ich brauche meine Zeit, um sie zu entziffern und sie treffen mich mitten ins Herz. Ich schau sie an. Tränchen steigen mir in die Augen. "Das ist wunderschön." sag ich. "Ja." sagt, äh brüllt die Erdnuss, "das habe ich gedacht und aufgeschrieben. Und jetzt möchte ich dir NOCH was zeigen!"

Alles. Alles kann sie mir zeigen. Ich hab Zeit. Ich hab alle Zeit der Welt. Gemütlich lasse ich mich auf ihrem Hochbett nieder, während die Erdnuss in hektischen aber zielsicheren Bewegungen zu tanzen anfängt. Sie bewegt ihre Arme wie ein Rapper, lässt ihre Füßchen wirbeln und  hüpft in einem Rhythmus, den ich nicht hören kann, auf und ab. Irgendwann zeiht sie umständlich den Kopfhörer ab und stellt fest: "Du kannst die Musik gar nicht hören, oder?" Ich lächel. "Doch." sag ich. "Ein bisschen schon." Sie nickt fachmännisch. "Ein bisschen ist nicht genug." Ihr CD-Recorder wird angeworfen, eine Plastikpalme zum Mikro umfunktioniert und dann geht es los.

Sie tanzt, tanzt und singt laut in die gelbgrüne Plastikpalme, sie wackelt mit dem Po, schmeißt die Arme in die Luft und zeigt mit dem ausgestreckten Zeigefinger in alle vier Ecken ihres Zimmers. Sie rennt zur Leiter des Hochbetts, lässt sich schwingen, klettert ganz hoch, schmeißt mir Kusshändchen zu und springt und swingt weiter. Es ist das schönste Musikvideo, was ich je gesehen habe.

Was stand in dem kleinen gebastelten Büchlein? Die folgende Wahrheit:

DAS IST EINE GESChIHCDE ÜBA LIDA MEISTENZ IST MAN SER GLÜKLIH WEN MAN MUSIK HÖRT ÖGENTWI HAT MAN EIN GUTES GEFÜL UNT MAN HT ÜBAHAUPT KEINE ANST DAROM IST MAN SER GÜKLEHC WEN MAN MUSIK HÖERT MEISTEN WEN MAN SUSAMEN IST.

Und das lass ich jetzt unkommentiert hier stehen...

 

 

04.10.2009 um 21:12 Uhr

Grenzen...

Es begab sich vor ungefähr sechseinhalb Jahren, als die Erdnuss noch ein winzig kleines Würmchen von vier Monaten war, da gingen wir spazieren. Vater Mutter Kind im beginnenden Frühling. Sie war ducrh nichts dazu zu bewegen grade in ihrem Kinderwagen zu liegen, also waren wir dazu übergegangen, sie entgegen der Hinweise in Broschüren udn Ratgebern ein bisschen erhöht zu setzen.

Sie schaute uns an. Ernst. Mit wissender Abschätzigkeit. Sie hielt unseren Blicken stand. Minute um Minute. Ihr fester Blick wanderte von ihrem Vater zu ihrer Mutter. Sie registrierte. Verarbeitete. Ordnete ein. 

Dem Vater dieses zauberhaften Kindes ist damals ein Seufzer entschlüpft. "Sie ist uns haushoch überlegen." hat er gesagt und mich bedeutsam angesehen. Ich wusste genau, was er meinte. Und bei dem heutigen Dialog beim Abendessen musste ich wieder daran zurückdenken.

"Essen Schweine wirklich alles, Mama?"

"Ja. Schweine sind Allesfresser."

Die Erdnuss zuckt mit den Schultern. "Das glaub ich aber nicht Mama."

"Es ist aber so."

"Essen die denn auch Eisen?"

"Naja. Die essen eben alles, was man essen KANN. Nahrungsmittel eben."

"Und Holz?"

"Holz ist kein Nahrungsmittel."

"Und was ist mit Holzwürmern."

"Naja," jetzt hilft nur noch Rausreden, "die essen ja auch nicht wirklich Holz, die essen dieNährstoffe aus dem Holz, so wie ein Regenwurm, der ja auch nicht die Erde frisst, sondern Schädlinge darin. Äh..."

Besonders mein 'Äh' fand ich sehr überzeugend. Die Erdnussschaut mich völlig indigniert an.

"Regenwürmer? HÄ?"

"Naja. Der Regenwurm scheidet die Erde ja wieder aus. Behält nur die Nährstoffe in sich."

"Wie der Holzwurm?"

"Äh, ja." (Glaube ich. Glaube ich zumindest.)

"Dann," die Erdnuss grinst und stößt zufrieden ihre Gabel in ein Stück Fischstäbchen. "essen wir auch keine Fischstäbchen." Triumphierend lässt sie das Stück Fisch in ihrem Mund verschwinden.

Sprachlos schaue ich sie an. Sie zwinkert mich an. Sie wagt es mich anzuzwinkern, nachdem sie mich nach allen Regeln der Kunst verbal ausgeknockt hat.

Ich stammel noch irgendwas von Verdauung, aber es ist nicht besonders klug.

Haushoch überlegen. Wir werden weiter sehen...