Kleine Erdnuss

30.11.2009 um 00:45 Uhr

eine kleine geste

und da kam sie in die küche, die kleine maus, die ich kaum mehr noch als 'kleine maus' bezeichnen kann. sie sah mich an und wollte was sagen. und dann war da dieser halbüberraschte blick, den wir alle drauf haben, wenn wir niesen müssen. sie nieste. ganz doll.

"uiuiui!" sage ich mitfühlend.

und dann tut sie etwas herzzerreißendes. sie schaut gar nicht zu mir. beiläufig zieht sie ein zerknülltes taschentuch aus der seitentasche ihres geringelten kleides und wischt sich in zwei schwingenden, geistesabwesenden bewegungen über ihr kleines näschen, das so winzig lange nicht mehr ist. "ach", sagt sie schniefend und öffnet den kühlschrank. "das ist nicht so schlimm, wie es sich anhört..." 

und ich hatte wieder dieses bild von ihr. ein großes mädchen. bewusst und unabhängig in der welt stehend. eigenständig. für sich. eine starke persönlichkeit. die ihren weg machen wird. und das ging mir so schrecklich ans herz, so tief hat mich dieses bild getroffen. es hat mich glücklich gemacht und wehmütig und so stolz, so unglaublich stolz...

tja. und ich werde mich offensichtlich nie ändern. egal, wie alt ich werde. ich habe in bewegenden situationen nie taschentücher bei mir.

schnief...

27.11.2009 um 10:29 Uhr

muttersorgen

ich arbeite zu viel. viel zu viel grade. mit dienstreisen und leben aus dem koffer. passt nicht. passt ganz und gar nicht. aber das geld muss reinkommen. und ich fühle mich schlecht. schlecht so schlecht.

heut morgen sind wir auf dem schulweg in einen platzregen geraten. die erdnuss war ausser sich. wir haben uns untergestellt und sie weinte und weinte. so gut es geht, habe ich sie getröstet. den schirm über sie gehalten. mein hosenanzug bis auf die haut durchnässt.

gestern nacht kam ich erst von einer dienstreise nach hause und gleich steht wieder der fahrer vor meiner tür, um mich zum nächsten vortrag abzuholen.

klingt mondän?

klingt urban?

fühlt sich scheiße an.

zerrissen zwischen den rollen.

ich werd grade niemandem gerecht. 

bin traurig. 

und fühle mich schuldig.

und denke so viel an die, die ich liebe.

mehr kann ich grade nicht tun.

mehr  geht eben grade nicht...

06.11.2009 um 08:10 Uhr

uralte ungelöste fragen

in der morgendlichen dunkelheit taumelte ich durch die wohnung. ich hasse es, so früh aufzustehen. es ist nicht meine zeit - ich finde mich nicht. die düsterkeit eines traumes hielt mich noch umfangen, während ich ein pausenbrot zurechtzimmerte, die brotdose klemmte, der käse war alle und der kaffee irgendwie kalt.

ich schlich mich leise in das erdnusszimmer. ich hasse es früh aufzustehen, aber noch mehr hasse ich es, sie zu wecken. schrittchen für schrittchen näherte ich mich ihrem bett. ihre beinchen lugten aus der decke heraus, ein großer verträumter haufen schlaf türmte sich vor mir auf mit blonden verkringelten haaren und leisen schnaufenden geräuschen. 

ich kann nicht widerstehen. ich kletter die leiter hoch und leg mich ein bisschen zu ihr. geb ihr einen kuss und schaue ihr beim erwachen zu. und sie erwacht. sieht mich. lächelt. und umschlingt mich mit ihren weichen armen. "mama?" flüstert sie in mein ohr.

"ja." flüster ich lächelnd zurück.

"was ist wichtiger? herz oder verstand?"

ich mache eine pause und sammel mich. mein impuls ist einfach 'herz' zu sagen. mein impuls ist auch, mich zu wundern, wie man aus dem schlaf heraus so tiefgehende fragen stellen kann. vielleicht aber kein wunder. vielleicht sollten wir gar nicht versuchen uns nach dem aufwachen zu finden. vielleicht sollte man sich dieser halbwelt überlassen und sie einfach annehmen. vielleicht gibt es dort wichtige fragen und antworten zu finden, die nichts mit den terminen und konzepten des alltags zu tun haben.

"ich denke, es ist beides wichtig. sie arbeiten zusammen."

"meinst du, der eine kann nicht ohne den anderen?"

"ja. das meine ich. man kann sie nicht voneinander trennen."

"ja. aber wer ist stärker?"

"das ist unterschiedlich."

"bei jedem anders? oder mal so mal so?"

"oh. das ist auch schwierig. ich kann nur sagen, dass es mir am besten geht, wenn ich auf mein herz höre."

"hört dann dein verstand dem herz zu und dann macht deine hand was?"

"äh... ja? ja. ja vielleicht. so könnte es zum beispiel sein."

"dann ist es vielleicht wie beim körper."

"beim körper?"

"das herz ist da auch wichtiger als das gehirn."

"ach."

"ja. das herz pumpt dem gehirn kraft zu, also blut, nä?, und dann erst kann das gehirn dem körper sagen, was er machen muss."

"ja." ich bin rat- und fassungslos.

"ohne blut kein denken."

"ja." die fassungslosigkeit weicht erschütterung.

"herzblut eben."

"ja. herzblut."

"kann ich haferflocken?"

"ja." 

"mit banane?"

"klar."

ich taumel in die küche. schnippel banane, gieße milch in eine schüssel voller haferflocken und überlege, warum ich versuche mich zu finden, wenn doch alles da ist...