in der morgendlichen dunkelheit taumelte ich durch die wohnung. ich hasse es, so früh aufzustehen. es ist nicht meine zeit - ich finde mich nicht. die düsterkeit eines traumes hielt mich noch umfangen, während ich ein pausenbrot zurechtzimmerte, die brotdose klemmte, der käse war alle und der kaffee irgendwie kalt.
ich schlich mich leise in das erdnusszimmer. ich hasse es früh aufzustehen, aber noch mehr hasse ich es, sie zu wecken. schrittchen für schrittchen näherte ich mich ihrem bett. ihre beinchen lugten aus der decke heraus, ein großer verträumter haufen schlaf türmte sich vor mir auf mit blonden verkringelten haaren und leisen schnaufenden geräuschen.Â
ich kann nicht widerstehen. ich kletter die leiter hoch und leg mich ein bisschen zu ihr. geb ihr einen kuss und schaue ihr beim erwachen zu. und sie erwacht. sieht mich. lächelt. und umschlingt mich mit ihren weichen armen. "mama?" flüstert sie in mein ohr.
"ja." flüster ich lächelnd zurück.
"was ist wichtiger? herz oder verstand?"
ich mache eine pause und sammel mich. mein impuls ist einfach 'herz' zu sagen. mein impuls ist auch, mich zu wundern, wie man aus dem schlaf heraus so tiefgehende fragen stellen kann. vielleicht aber kein wunder. vielleicht sollten wir gar nicht versuchen uns nach dem aufwachen zu finden. vielleicht sollte man sich dieser halbwelt überlassen und sie einfach annehmen. vielleicht gibt es dort wichtige fragen und antworten zu finden, die nichts mit den terminen und konzepten des alltags zu tun haben.
"ich denke, es ist beides wichtig. sie arbeiten zusammen."
"meinst du, der eine kann nicht ohne den anderen?"
"ja. das meine ich. man kann sie nicht voneinander trennen."
"ja. aber wer ist stärker?"
"das ist unterschiedlich."
"bei jedem anders? oder mal so mal so?"
"oh. das ist auch schwierig. ich kann nur sagen, dass es mir am besten geht, wenn ich auf mein herz höre."
"hört dann dein verstand dem herz zu und dann macht deine hand was?"
"äh... ja? ja. ja vielleicht. so könnte es zum beispiel sein."
"dann ist es vielleicht wie beim körper."
"beim körper?"
"das herz ist da auch wichtiger als das gehirn."
"ach."
"ja. das herz pumpt dem gehirn kraft zu, also blut, nä?, und dann erst kann das gehirn dem körper sagen, was er machen muss."
"ja." ich bin rat- und fassungslos.
"ohne blut kein denken."
"ja." die fassungslosigkeit weicht erschütterung.
"herzblut eben."
"ja. herzblut."
"kann ich haferflocken?"
"ja."Â
"mit banane?"
"klar."
ich taumel in die küche. schnippel banane, gieße milch in eine schüssel voller haferflocken und überlege, warum ich versuche mich zu finden, wenn doch alles da ist...