Die Erdnuss sucht das Supertalent
Am Samstag abend haben wir es uns vorm Fernseher gemütlich gemacht. Bis zur ersten Werbepause Supertalent gucken war die große Ausnahme. Der Herr Papa geht auf eine Party, die Damen liegen im Bett und schauen Bohlen und Co. Naja. Dieser Boxkampf wird erstmal weggezappt, der war dämlich. Überhaupt ist die Sendung dämlich, aber mit der Erdnuss macht es Spaß. Als die ersten Talente anfangen, grinsen wir uns an und heben unsere Daumen. Nach oben heißt super, zur Seite solala, nach unten scheiße. (Jawohl. Scheiße.)
Wir sind uns einig, dass die ersten paar einfach nur solala sind. Richtig Scheiße ist keiner, aber die Erdnuss will auch für keinen anrufen. Ich auch nicht. Die Rockband mit Flashdance-Cover kriegt von der Erdnuss zwei Daumen. Daumen hoch für Coolness, solala für Gesang. Bislang die besten. Dann kommt das magersüchtige Emogirl mit dem verstorbenen Papa, was die Erdnuss unglaublich traurig findet. Gespannt lauschen wir den Klängen von hijo de la luna...
Wir schauen uns an.
Irgendwie wollen wir dem dünnen Mädchen beide nicht dem Daumenurteil aussetzen. Wir finden die Musik aber auch nicht wirklich gut.
"Mama?"
"Ja."
"Findest du das gut?"
"Nee. Leider nicht."
"Ja. Leider, nä?"
"Mh. ISt doof."
"Ja. Die Arme."
"Aber wenn wirs nicht mögen, dann ist es eben so."
"Die singt so komisch."
"Stimmt. Irgendwie so..." Ich will beschreiben, was mich an dem Gesang stört. Aber es geht nicht. So richtig falsch singt sie ja nicht. Und klassischer Gesang an sich stört mich auch nicht... Wie kann man ausdrücken, was daran blöd ist?
Ich setze an: "Die singt so..." und breche hilflos wieder ab.
"Mama?"
Das magersüchtige Mädchen trällert in den höchsten Tönen weiter.
"Ja?"
"Es klingt, als würde man zwei Magneten mit den falschen Seiten zusammenhalten."
Ich schweige verdattert.
Genauso klingt es. Genauso. Ich wäre nie darauf gekommen. Und natürlich machen Magneten, die man mit den falschen Seiten zusammenhält, gar kein Geräusch. Aber diese Stimme klingt trotzdem so.
Manchmal frage ich mich wirklich, was auf dem Weg zum Erwachsensein alles verloren geht. Diese Freiheit der Bilder zum Beispiel. Wenn ich Gedichte schreibe, dann spüre ich, wie ich in Klischees rühre und zu keiner annähernd freien Gefühlsbeschreibung fähig bin. Wie kann man zu dieser Freiheit zurückfinden, frage ich mich.
Magneten...
Wow.

Danke für diese Geschichte am Morgen
(Unser Liebling war dann der Feuermann... weil er so strahlt und diesen Unsinn, den er da macht, so sehr liebt...;) )
Siehst du, Sunny, durch Nüsschens Magnetenerkenntnis bekommt sogar 'ne Sendung wie Supertalent eine Daseinsberechtigung. ;o)