Die Prinzessin und der Frosch
Heute hatten wir Mädchenbesuch. Selten. Normalerweise kommen hier Jungs, bauen die Legoeisenbahn auseinander und wieder zusammen und werden wieder abgeholt.
Mädchen sind - bis auf besagte beste Freundin der Erdnuss - eher selten da. Ich war richtig nervös.
Lego war natürlich da nicht angesagt. Playmobil schon. Noch ein nachträgliches Dankeschön an die Verwandtschaft! Aber während die Erdnuss die Landebahn fürs Flugzeug baute, pfriemelte Zoe an den kleinen Häschen des Streichelzoos rum. Stockend. Schleppend. Zäh. Irgendwie kam es nicht in Gang.
Tränen. "Die Zoe will nicht mit mir spielen." "Die Erdnuss will ja auch nicht die Hasen füttern." "Aber du kannst doch in den Flieger einsteigen." "Will ich aber nicht."
Buhuhuuuu.
Plötzlich, trotz Regen, hat Zoe eine Idee. "Lass uns in den Garten gehen!" "Auja!!!" Die Erdnuss reißt die Arme hoch. "Dann wär ich eine Wolkenprinzessin und du wärst ein Engel.", erläutert Zoe beim Schuhe anziehen. "Jooa." Die Erdnuss ist nicht überzeugt. Dann, weit aufgerissene Augen, ein Heureka-Blick. "Ich bin ein Frosch und du wölltest mich küssen." "Iiih, du willst doch kein Frosch sein." "Doch." Die Erdnuss nickt energisch.
Nun gut. Man ging in den Garten und spielte Wolkenprinzessin und Frosch. Die Wolkenprinzessin machte sich hübsch. Zoe behing sich mit dem Christbaumschmuck, der bei uns natürlich immer noch im Garten anstatt im Keller gelagert wird. Sie sieht aus, wie ein - äh -Christbaum. Ein blondgelockter natürlich. "Seh ich hübsch aus?" fragt die Wolkenprinzessin den Frosch. "Ja-ha. Küsst du mich jetzt?" "Nee, ich heirate heute einen Prinzen." "Aha." "Zum Heiraten muss ich hübsch aussehen." "Ja," sagt der Frosch listig, "beim ersten Mal Heiraten müsstest du wohl hübsch aussehen, aber beim zweiten mal müssten die Menschen richtig schön sein." "Warum?" "Zweimal ist mehr als einmal" kommt es wie aus der Pistole geschossen. Zoe ist platt. Zur Ablenkung wagt sie ein Tänzchen durch den Garten. "Als Frosch hab ichs gut, nä?" "Warum?" "Weil ich ja kein Frosch bleibe." "Warum?" "Weil die Prinzessin mich küsst und dann bin ich ein Prinz." "Ja?" die Prinzessin ist nicht wirklich überzeugt, der Frosch umso mehr. "Ja-ha." Begeisterung, die reine Begeisterung. "Wenn ich dann ein Prinz bin, dann freute ich mich, dass ich kein Frosch mehr wäre." Zoe tanzt entrückt durch den Garten. "Das ist gut." Die Erdnuss nickt sich selbst zu. "Das ist richtig gut, nä?"
Der Frosch wurde nicht mehr geküsst, dafür küsste die Erdnuss das Nacktschneckenbaby, wobei allerdings nichts aufregendes passiert.
Richtig lustig wurde es, als die beiden mit dem roten Sitzkissen auf dem Kopf "Nudeln mit Tomatensoße" spielten und ich das Nudelmonster spielte. Dass die Zoe-Mama unseren Nachnamen vergessen hatte und ausgerechnet in dem Moment an die Scheibe klopfte, als ich mich mit einem karierten Tuch um den Hals und einer rosa Gabel bewaffnet ins Kinderzimmer stürzte, empfand ich als etwas entlarvend, aber da muss ich durch...
Spaß hats gemacht, wer hätts gedacht, aber morgen darfs dann gern auch wieder Lego sein...
