Göttliche Kristina
Kristina möchte unsere Wasserbahn kaufen. Sie will sie für ihre vierte winzig kleine zuckersüße Tochter, die sich mit ihren leicht abstehenden Ohren und dem offenen Lächeln in die anderen Töchter einreiht wie bei den sieben Zwergen.
Ich hole die Erdnuss bei Catrina ab und Kristina fragt, ob sie am Abend noch die Bahn abholen kann.
"Klar." sag ich und wink nochmal allen vier Töchtern zum Abschied, die glaubwürdig freundlich bis begeistert zurückwinken.
Am Abend kommt niemand mehr. Ich lass die Wasserbahn da stehen, wo sie ist, und denke an die Hektik mit vier Kindern und vor allem die Hitze. Sie wird sich schon melden, die göttliche Kristina.
Und so ist es. Am nächsten Abend klingelt unser Telefon. Ich hebe mit einem fröhlichen Hallo ab und höre:
"Mein Gott, bin ich dämlich!"
"Äh..."
"Ich wollte die Bahn gestern abholen, was?"
"Ja."
"Hab ich aber nicht, was?"
"Bestätige."
"Das ist doch dämlich, oder?"
"Findest du?" frag ich vorsichtig.
"Ja."
"Ich nicht." sag ich. Was soll ich auch sagen.
"Ja und jetzt?"
"Jetzt ist alles, wie es war. Die Bahn steht hier und du kannst sie abholen."
"Geht es morgen früh bei Euch?"
"Klar."
"Was willst du denn haben?"
"Och..." Eigentlich will ich nix haben. Der Neupreis lag so bei 60 Euro, aber genau deshalb bin ich froh, wenn die Bahn noch benutzt wird und nicht in ihren Einzelteilen bei uns im Garten rumfliegt. Das sag ich dann auch.
"Nee." sagt Kristina. "Das geht nicht!"
"Na gut." Ich seufze. "Wie wärs, wenn ihr sie mal aufbaut, schaut, ob sie noch funktioniert, und dann kannste ja sagen, was sie euch wert ist."
"Dabei KANN ich doch nur verlieren." sagt Kristina lachend.
"Na gut." Wie schon gesagt, Wiederholungen sind nicht redundant. "Dann sag ich jetzt..." ich hole tief Luft. "...zehn Euro!"
"Ich sag aber: ZWANZIG Euro!"
"Haha. Ich geb sie nicht über 12 Euro her."
"Achtzehn!" kichert Kristina ins Telefon.
"Vierzehn!" sag ich energisch.
"Sechzehn."
"Oh Mann! Jetzt aber! FÜNFZEHN! Letztes Angebot!"
"Deal!" Kristina schnaubt vor Freude.
"Du bist ein zäher Verhandlungspartner!""JA! Du AUCH" Kristina schüttet sich aus vor Lachen. "Jetzt stehen wir BEIDE sowas von gut da!!!"
"Hihihi." Mehr krieg ich nicht raus.
"Wir stehen BEIDE gut da, und können uns nimmer mehr bös sein." Kristina kriegt sich gar nicht mehr ein.
"Genau!" Ich freu mich. "Kein Streit in der Nachbarschaft. Das haben wir schön abgewendet."
"Ganz geschickt."
"Ich bin stolz auf uns."
Die reine Freude. Und die reine Freude war es auch, wie sie heut morgen um acht Uhr die Bahn abgeholt hat, wie ein Wirbelwind huschte sie durch den Garten, hier ein Spruch, da ein Witz, fünfzehn Euro schon parat. Ich habe relativ einsilbig gelächelt. Die Frau macht mich sprachlos.
Irgendwann gehen wir mal einen Kaffee trinken. Die reine Freude wär das. Kristina und ich. Bis dahin muss ich aber noch viel üben...

Da kann ich gut verstehen, daß sich Frauen häufiger zu Frauen hingezogen fühlen, als Männer zu Männern. ;-)
Ihr seid zaubertoll.
Du bist zaubertoll.
Nähe tut nicht weh.
Versprochen!
*vertrauensvollzuzwinker*
alles kopfsache, dieses ding mit der nähe... tsss...