alt und neu
Langsam zerbröselt die Erdnuss ihr mühselig gebautes gelbes Legoflugzeug. Sie gibt mir schweigend die größeren Teile, damit ich sie in die aberwitzig winzigen Einzelteile weiter zerlege. Wir arbeiten stumm nebeneinander im schwindenden Licht des Herbstnachmittags und gehen unseren Gedanken nach.
"Es ist ein komisches Gefühl," die Erdnuss bricht leise das Schweigen, "irgendwie wie verkehrte Welt."
Ich weiß genau, was sie meint. Eine Woche zuvor haben wir zwei Stunden damit verbracht, das Flugzeug zu bauen. Jetzt soll ein Hubschrauber daraus werden. Der Weg ist das Ziel... Ich nicke und summe ein "Mmh-mmh"
Sie fährt fort: "Es hat so lange gedauert, das hier zu bauen. Und jetzt? Nehmen wir es auseinander."
Einig schweigend bröseln wir weiter.
Die Erdnuss schnaubt plötzlich in einer Mischung aus Überraschung und Belustigung. "Dabei ist es ganz natürlich." Sie zuckt mit den Schultern und führt eine dieser einstudierten altklugen Bewegungen aus, die so lange noch kindlich wirken werden, wie sie einstudiert sind. "Wenn man etwas Neues schaffen will..."
Sie reicht mir das Heck.
"...muss man eben manchmal etwas Altes kaputt machen."

Aber wahre worte!!!!
Ich hoffe, sie verinnerlicht diese Erkenntnis für immer. Denn so mancher Erwachsener tut sich verdammt schwer damit, genau dies einzusehen.