Kleine Erdnuss

16.02.2007 um 17:39 Uhr

Meerschweinchen

von: sunnysightup   Kategorie: Aktuelles

Die kleine Erdnuss hat eine quietschrote Plastikclownnase. Sie befestigt sie jetzt schon seit Stunden mit den Gummibändern überall auf ihrem Körper und lacht sich schief.

HAHA, MEIN POPO HAT EINE NAAAASE!

HAHA. MEINE BRUST KANN RIECHEN!

HAHA, ICH HABE EINE RIESENGROSSE ROTE BEULE AUF MEINEM KOPF!

HAHA, ICH BIN EIN CLOWN.

 Wahrlich das ist sie und vielleicht wären diese frohen Stunden gar nicht eines Eintrags wert gewesen, hätte sie sich nicht das Plüschmeerschweinchen geschnappt und ihm die Plastiknase wie ein Sauerstoffgerät vor die Nase gehalten.

"Komm, Meersau!" hat sie mit gutturaler Stimme gesagt. "Jetzt biste DRAN! Es ist KARneval! Und DU KRIEGST JETZT SPASS!"

Keine Drohung. Ein Versprechen.   

Das ist es u.a., warum ich mein Leben als Mutter so absolut so unvergrößerbar grandios groß finde.

07.02.2007 um 23:31 Uhr

Schule

von: sunnysightup   Kategorie: Aktuelles

Wenn man (frau!) Mutter ist, ist man (frau!) irgendwie erwachsen. Da kann man (hihi, frau!) sich nicht wehren, irgendwann ist der erste Elternabend in der Kindertagesstätte, da werden Leute wie ich zum (r!) Elternvertreter (in!) gewählt (Horror, ich werde berichten) und wenn man zu einem Elternabend geht, dann ist das definitiv was erwachsenes.

Noch erwachsener wird man, wenn der erste Schulinformationsabend ansteht. Als gut informierte Mutter, bzw. als eine, die es sein will, geht man (jaja...) da natürlich hin.

Ein extrem gut aussehender Schulleiter führt durch den Abend, da hatte ich Glück.

Wir (ca. 89 Mütter und 11 Väter) erfahren, dass Schule, Kinndergarten und Elternhaus Hand in Hand arbeiten müssen.

Soso.

Wir entnehmen einem Pyramidendiagramm, dass Kinder Liebe und Akzeptanz brauchen.

Ahja.

Ein Sprachförderungseignungssoundsosonstwietest wird ab März 2007 in den Kindergärten durchgeführt.

Aha.

Leider weiß noch keiner wie der aussieht.

Oho.

empörte Eltern klagen an, sie fragen wieder und wieder, wie denn dieser Test aufgebaut ist, wie denn ungefähr das Sprachvermögen ihrer lieben Kleinen abgefragt werden soll, siee sind verzweifelt, sie hassen den Staat für seine schnellen Entscheidungen, sie prangern an, sie wollen es wissen.

Es zieht sich.

Langsam fang ich an, die 'letztlich's und 'grundsätzlich's des nervösen Schulleiters zu zählen. Im Kopf komm ich nicht mehr mit, also mach ich eine Strichliste. Meine Lieblingsmami sitzt links neben mir und bekommt einen stummen Kicheranfall. Eine unbekannte Mama sitzt rechts neben mir und schaut mich strafend an.

Es dauert.

Ich bin bei 42 'letztlich's und 26 'grundsätzlich's angelangt und habe eine neue Kategorie mit 'ebent' begonnen, als es plötzlich hieß, dass die Schuleingangsphase bei Lernverzögerungen auf mögliche fünf Jahre verlängert wird.

Oho, again.

"Jaaa, da muss ich aber mal nachfragen..." Eine klimaktöse kostümträgerin hat bedenken... oha. "Was ist denn, wenn die Kinder diese gestattete Bummelei ausnutzen und - wie möchte ich es sagen - der Schlendrian einreißt?"

Der Schlendrian? DER SCHLENDRIAN? Ja hör mal, das hat meine alte Religionslehrerin immer gesagt und die war damals um die Vierzig, achja, obwohl, dann könnte das ja nun zwanzig Jahre später wohl hinhauen...

Eine andere Mutter ergreift die Panik: "Ist mein Kind, wenn es die fünf Jahre ausnutzt, stigmatisiert? Kommt dann evtl. allenfalls die Realschule in Frage?"

Andere Eltern sind empört über den Zeitverlust, man kündigt an, dass viele nun ihre Kinder VOR der Schulpflicht anmelden werden, das ist ja wohl auch hinterrücks vom Staat so geplant.

Wieder andere Eltern erheben nun die Stimme und fragen, wie denn nun der Sprachtest im Kindergarten aussieht. Man weiß es immer noch nicht.

Die Grundschulaula wird zum Hornissennest. Empörtes Summen allerortens.

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87 'ebent's und 43 'grundsätzlich's später:

Der Schulleiter dankt für die Aufmerksamkeit und wünscht einen schönen Abend.

47 Mütter und 7 Väter stürmen nach vorne, und sie alle wollen doch nur das Beste.

Ich weiß nur nicht, wie viel das mit unseren Kindern zu tun hatte, die alle selig schlummernd in ihren Betten lagen, noch mindestens zwei Jahre im Kindergarten bummeln dürfen und (aufgemerkt!) Liebe und Akzeptanz brauchen.

Ich hab's mir aufgeschrieben.

 

06.02.2007 um 00:53 Uhr

Rock and Roll

von: sunnysightup   Kategorie: Aktuelles

Gestern noch fast vor Stolz geplatzt, heute müde und abgekämpft. Einen langen Arbeitstag hinter mich gebracht, zum Kindergarten gehetzt, winziges, aber schweres Fahrrad hingetragen, ein kurzer Moment der Freude über das selbstverständliche Strampeln und Schlenkern, und dann eine Holperfahrt durch die Kälte zum Spielplatz. Mehr Rock als Roll.

An jeder Ecke Tränen über die kleinsten Kleinigkeiten. Die kleine Erdnuss war - genau wie ich - gar nicht gut gelaunt. Einmal hatte ich sie wirklich schon fast wieder aufgeheitert, da fuhr sie bis zur nächsten Straßenecke, um dort nochmal so richtig aufzudrehen. Man hätte meinen können, sie hätte sich so richtig das Knie aufgeschlagen oder den Arm verstaucht, doch sie hatte einfach nur ihre kleinen Beinchen auf den Boden gestemmt, angehalten und losgekreischt, ich übertreibe nicht: Gekreischt!

Das hatte sie schon als Baby drauf, ihre Umwelt glauben zu lassen, dass jetzt gerade die Welt untergeht. Manch andere Mutter mit Säugling mied mich bzw. uns damals wie der Teufel das Weihwasser, weil ein ruhiger Spaziergang einfach nicht möglich war und die Erdnuss, so klein sie auch war, Babies in meilenweiter Entfernung aufwecken konnte, so laut schrie sie und das mit zwei Wochen, als die anderen noch dieses niedliche Quäken ausprobierten. "Schreien lassen", so sagten sie damals immer zu mir, jedoch sagten sie das nie, wenn sie in unmittelbarer Nähe waren, gerne erhielt ich solche Ratschläge aus sicherer Entfernung am Telefon.

Jedenfalls bin ich es gewohnt, dass die gesamte Umgebung mit rumphilosophiert, was das Kind nur haben kannn, das Kreischen KANN nichts banales sein, irgendwas muss ganz entscheidend schief gelaufen sein. Im Supermarkt stand ich einmal mit Kinderwagen und schlafenden 55-cm-Bündel in der Schlange, in einer langen Schlange wohlgemerkt, als die Erdnuss loslegte, und die nächste Viertelstunde, in der ich schwitzend den Kinderwagen durchrüttelte, schwatzte die halbe Welt auf mich ein, sogar die Kassiererin mischte sich ein, von ihr kam die kluge Bemerkung, das Kind habe zu viel Licht, na danke. 

Auch heute staubt die Erdnuss, wenn auch wesentlich seltener, über solche Kreischattacken sehr viel Aufmerksamkeit ab.

Dieses Mal stand sie da und kreischte, und bis ich an der Straßenecke ankam, hatten ihr schon zwei Omas Gummibärchen geschenkt. "Ochjö, hast du dir wöhgetan?"

Nö. Hatte sie nicht. Wisst Ihr, was sie mir gesagt hat? Sie weint, weil ich vergessen habe, ihr die Tränen abzuwischen... 

Das Gute: Sie hat nicht nur meinen Hang zur Melodramatik geerbt, auch von Humor ist sie reichlich gesegnet.

Wir schauen uns stumm an. Ihr Gesicht ist ganz nass. Mensch wie konsequent. Ein Taschentuch auszupacken, lohnt sich jetzt auf jeden Fall...

Vielleicht hat sie das selbe gedacht. Vielleicht war es einfach Zeit für einen Lachanfall. 

Jedenfalls sind wir immer noch lachend zwei MInuten später zuhause angekommen.

Auf Weinkrämpfe folgen Lachanfälle. Wenigstens auf eines ist Verlass...

Vielleicht war die Hormonkur Schwangerschaft eine wunderbare Vorbereitung auf das Leben mit einem Kind.

Vielleicht ist das Leben aber auch einfach so...

Alles fifty-fifty.

Rock and Roll... 

05.02.2007 um 00:34 Uhr

Rolling, rolling, rolling...

von: sunnysightup   Kategorie: Aktuelles

SIE ROLLT! Sie tritt in die Pedalen, auf diesem grotesk winzigen Fahrrad. Ganz schnell arbeiten ihre Beinchen, der Lenker schlenkert, die Haare unter dem Riesenhelm flattern im Wind, ein kleiner Mensch hat heute Fahrrad fahren gelernt, wie vielleicht Millionen anderer kleinen Menschen auch, und doch kommt es mir einzigartig vor, zum Heulen, als sei es nie einem Menschen vor mir, vor ihr passiert.

Manchmal möchte ich einfach die Zeit anhalten...