jung und desillusioniert - reloaded

01.02.2012 um 09:48 Uhr

Ein Beat, der Welt "Schüssi" zu sagen

2012. Irgendwelche Hispanos prophezeien das Ende. Finanzkrise. Weltkrieg. Atomausstieg. Doomsday. Schlimm-Schlimm. Bu-hu.

In deutschen Kellern erfrieren den Müttern ihre 30-jährigen Söhne. Es drohen die ersten Gehirnamputationen durch den Genuss von Bubble Tea. Praktikanten drücken acht Stunden lang cmd-z. Und schwimmen nach der Arbeit mit Pinguinen. - Ich könnte stundenlang so weiter machen.

Wenn auch Sie, so wie ich, schon seit Wochen angestrengt überlegen, was Sie zum diesjährigen Weltende tragen sollen, sind Sie wohl, so wie ich, ebenfalls NICHT von einer Horde Designer auf der Fashion Week umlagert worden, die Ihnen zehn endzeitliche Grobstrickfummel auf den Luxuskörper schneidern wollten (im Gehen!).
Bevor Sie jetzt weiter eine Aufhängung für Ihr Selbstmordtool suchen, kann ich Ihnen aber sehr wohl noch sagen (d.h anordnen), was Sie zum jüngsten Gericht hören sollen. Denn wie es der Zufall so will, erscheint zur Endzeitstimmung auch jede Menge endzeitliche Musik. Ach kommen Sie - Sie haben doch beim Dubstep-Hören auch schon das ein oder andere Mal Ihren Schöpfer getroffen!
An den verheißungsvollen Bässen und stolpernden Rhythmen kommt man dieser Tage kaum vorbei. Im Billig-TV. In unseren Lieblingsserien. Auf Schnöselparties. Nicht unbedingt im Supermarkt. Aber sonst überall: Angedubbte Beats.

Bevor Sie sich also im stillen Kämmerlein den Rest geben, schauen Sie noch mal in meinem Special vorbei. Und vielleicht überlegen sich ja dann sogar die Mayas noch, ob sie da nicht was falsch gemacht haben, mit ihrem Kalender.

[An dieser Stelle wollte ich eigentlich Fotos von endzeitlichen Grobstrickpullovern einfließen lassen. Leider scheint dieser Trend im Modeuniversum unerklärlicherweise noch nicht angekommen zu sein. Stellen sie sich einfach vor, wie Keanu Reeves und Carrie Anne Moss außerhalb der Matrix rumgelaufen sind, bevor die auf BDSM gemacht haben.]

06.12.2011 um 15:03 Uhr

Mit Stumpenkerzen gegen die Dunkle Seite

Sie werden schon gemerkt haben, dass ich keine Freundin von saisonal motivierten Posts bin. Es sei denn, diese machen sich über saisonal motivierte Posts lustig – oder es geht um Musik:

Verehrte Leserschaft! Jahresendzeitstimmung macht sich allerorten breit, und damit meine ich nicht die Torschlusspanik, welche die Piratenpartei offensichtlich befallen hat, als die neulich „Bastel dir ein Wahlprogramm“ gespielt haben und alle guten Punkte schon weg waren, und auch nicht die Friedhofsstimmung, die sich im Bundestag breit macht, wenn Angela schon wieder mit der ollen Eurokrise nervt. Nö! Kann doch wirklich keiner mehr hören.

Was sie aber definitiv HÖREN sollten in dieser – ja, ich scheue nicht vor dem bösen Wort zurück – Weihnachtszeit, ist das schon länger auffällig um den Platz des besten Albums des Jahres buhlende Ceremonials von Florence und ihrer (Plätzchenback?-)Maschine. Vielleicht halten Sie die ja schon wieder für oll. Ick find'se toll. Und komme erst jetzt damit rum, weil ich grade wieder mal meine Plattensammlung für suizidale Wintertage quäle, während ich mit einer Stumpenkerze versuche, laserschwertähnlich die Dämonen der Finsternis zu vertreiben. Die richtige Festtagsmucke also, um mit zwei Katzen und einer Tasse Glühwein (wahlweise Kindercola) schnuffig zu tun (wenn man das will)...

Florence hat sogar einen Song über das Gefühl geschrieben, dass einen morgens um 7 in der U12 auf dem Weg in ein glattes Berlin-Dahlem beschleicht (zumindest möchte ich mir das einbilden):



Ich hätte ziemlich gern ein musikalisches Tattoo von der Frau. Also jetzt, wenn man sich Sound irgendwo – auf den Allerheiligsten vielleicht – hintätowieren lassen könnte, ich würd's tun mit diesen schaurig schönen Melodien. Und jedesmal, wenn ich eine öffentliche Toilette benutzen würde, erklänge: shake it out, shake it out!

In diesem Sinne -


28.11.2011 um 19:31 Uhr

Genießen Sie diese Musik in vollen Zügen

+++++++++++++++++++++++++++Dieser Post wird witterungsbedingt ca. 59 Tage später eintreffen. Vielen Dank für Ihr Verständnis++++++++++++++++++++++++++++++



Da überfalle ich Sie mal wieder hinterrücks mit der hässlichen Schwester der Wahrheit (der Binsenweisheit): Der Winter wird kalt, lang und vor allem kalt. Genauso vermutlich wie das Weinachtsfest vieler ExilberlinerInnen in ihren jeweiligen Heimstätten, die sich St. Peter Kuhkaff oder im schlimmsten Fall Karl-Marx-Stadt schimpfen. Sollten Sie sich wagemutig zu dieser Personengruppe bekennen, haben Sie sich wahrscheinlich auch schon die knifflige Frage gestellt, was zum Kuckuck Sie sich in den quälend langen Stunden, die Sie mit der deutschen Bahn in der ungeheizten (ICE ist schließlich nicht umsonst auch das englische Wort für Eis -aha!), aber zum Ausgleich kuschelig überfüllten Holzklasse eines wegen eingefrorener Weichen kurzzeitig in verändertem Betriebsablauf befindlichen Niedriggeschwindigkeitszuges auf die Ohren packen sollen? Die Kolumnistin weiß selbstverständlich Rat und nutzt die Gelegenheit, Ihnen eine junge Dame an Amboss und Steigbügel anzulehnen. Holy Sela¡na nennt sich die Spenderin dieser milden Musik: Back 2 Life by Holy Selaina

Wer sich da nicht die Bahncard 100 besorgt, ist ja wohl eindeutig selber Schuld!

30.08.2011 um 15:15 Uhr

Lektion für den Herbst: Fusiondisco

Vielleicht haben auch Sie im Schüttelschuppen ihres Vertrauens in letzter Zeit schon einmal die Feststellung gemacht, dass dort vollmundige Rythmen, erotisches Herumgeseufze von tiefen Frauen- oder hellen Männerstimmchen sowie der Einsatz von Klaviaturen, Glöckchen und Handclaps Hochkonjunktur haben. Ganz falsch, wer das nun für schnöde Housemusik gehalten hat. Der Kenner weiß: Hierbei handelt es sich selbstverständlich um die Funksouldiscohouse-Welle, im Genre-Katalog unter Bestellnummer #2.034 587 692 209 987 654 zu finden (noch nicht gewusst? Wenn Sie stolzer Schöpfer eines neuen Musikstückes sind und partout keine Ihnen angenehme Schublade zum reindrücken finden, schauen Sie einfach in den Genre-Katalog und suchen sich unter so ausgefallenen Stücken wie Witch House, Großmuttercore oder eben den anderen zwei Trillionen Labels (ja, die Nullen habe ich PERSÖNLICH gezählt!) eins raus. Schöne neue Welt.). Da die Kolumnistin wenig Lust auf eine Kiefersperre hat, tauft sie das ganze noch flux in eine schicke Eigenkreation um, in, mal überlegen: Fusodiho. Oder, weil das blöd klingt, in Fusiondisco. Fertig ist das 2.034 587 692 209 987 655. Genre!
Bevor ich sie jetzt jedoch noch länger auf die Folter spanne, möchte ich an dieser Stelle nun zwei schöne Alben vorstellen, die in meinem virtuellen Plattenschrank unter Fusiondisco laufen.
Zum einen sind da die wundervollen Azari & III, die uns  Jamie Jones mit diesem wohlbekannten  Remix nähergebracht und uns damit zuindest das musikalische Jahr 2011 in Sonne getaucht hat:

  Azari & III - Hungry For The Power (Jamie Jones Ridge Street Mix) byari.ilovehousemusic

Interessantes Fusiondisco-Album (wenn ich's ganz oft sage, vielleicht verwenden es dann bald alle...ha! Wieder ein Schlag ins Gesicht der Unkultur gelandet!) haben Azari & III mit "Azari & III" (weniger kreativ als ich, muss man schon sagen) rausgebracht:



Probieren Sie mal wieder ihre Gesäßmuskeln aus! Die sind nämlich, auch aus medizinischer Sicht, nicht nur zum Warmhalten Ihrer Couchkuhle da.

Zweiter Fusiondiscerich soll nun Ghostpoet sein. Nicht ganz so happy-clappig wie die Herrschaften hierüber, da eher eine tottraurige Mischung aus Faithless und James Blake, aber ganz passend zum Herbst, wie ich finde.


Ghostpoet Liiines from Nicholas Bentley on Vimeo.


Sein Album "Peanut Butter Blues & Melancholy Jam" (schön, nicht?) besorgen Sie sich nun umgehend. (Es kommt kein Bitte mehr.)

Anmerkung: Wenn Sie sich fragen, warum ich unter einem willkürlich gewählten Etikett wie dem total beknackten "Fusiondisco" zwei Musikstile poste, die zueinander passen wie das Präservativ zum Papst, beweist das nur, dass Sie den Quark doch tatsächlich glauben, den ich da schelmenhaft versuchte, Ihnen unters Toupet zu schmieren. Hihi. (Die Musiktipps, jedoch, waren mein voller Ernst.)

Anmerkung II: Wenn Sie sich außerdem gefragt haben, was denn zum Humbug Witch House ist, dann sehen Sie sich noch das hier an:



Großmuttercore habe ich übrigens erfunden.


25.08.2011 um 22:01 Uhr

Das Lifestyledings

von: Kuhmilchrockt   Kategorie: In eigener Sache

Alle, denen technische Neuerungen, Gadgets, Widgets, Gimmicks und andere ungezogene Kinder des WWW und Informationszeitalters so wichtig sind wie die Umweltbelastung durch den Abrieb von Großmutters Wanderschuhen im Elbsandsteingebirge, können nun wieder abschalten und World of Warcraft spielen (spielt man das heute noch? Oder haben die Browser-Games am Ende doch gewonnen?) Die Kolumnistin stellt ihnen nun, nach einigen Tagen Testzeit, ihr neues Spielzeug vor:


Was soll der Käse nun wieder?, fragen Sie zu Recht. Manövriert die Alte ihren Facebook-Frust jetzt in eine Nischen-Anwendung? (Ja.) Schieben wir es einfach auf eine Schaffenskrise, die ich vielleicht gerade streife und mit der Macht der unnötigen Neuerungen niederzuknüppeln versuche. So wie, äh, eigentlich immer. Was also sollte Ihnen das Lifestyledings bieten, was nicht auch mein Blog kann? Ihnen zunächst jede Menge unnötige Informationen, die Sie so vielleicht nie haben wollten. Mir vor allem die Möglichkeit, Dinge aus dem Zusammenhang zu reißen und ins Netz zu stellen, ohne mich weiter darüber auslassen zu müssen. Genauer gesagt, bekommen Sie mit dem Lifestyledings alles annen Kopp geknallt, woran ich mir tagtäglich den kolumnistischen Fuß im Internet stoße. Mit dabei: Denkwürdige Zitate aus Blogs, kuriose Statements in Tagesblättern, von mir selbst verunstaltete Bilder, Videos, die einen Blick lohnen und hauptsächlich: Noch mehr Musik! Und alles frei von Unkultur! Außerdem Filmtipps, Buchtipps, Verdauungstipps. Nein. 

Doch was red' ich eigentlich? Machen Sie sich doch einfach selbst ein Bild!