jung und desillusioniert - reloaded

28.12.2006 um 20:14 Uhr

Das war's: Die Kuhmilch hört für dieses Jahr auf zu rocken um im nächsten noch schaumiger Schaum zu schlagen

von: Kuhmilchrockt   Kategorie: In eigener Sache

Es ist wieder soweit: Die nächste kolumnistische Missionarsreise steht vor der Tür, nachdem diese erfreulicherweise den Kampf mit Weihnachten um den besten Platz vor selbiger gewann.

Wieder werde ich als Botschafterin des guten Geschmacks in die Hauptstadt reisen und mit jeder Menge mütterlicher Tipps im Gepäck zurückkehren. Z.B.: Auf Reisen nach Berlin immer heimisches Leitungswasser dabei haben. Ich weiß ja nicht, was die da oben mit ihrem Leitungswasser machen; wahrscheinlich ersäufen sie regelmäßig die Klone der Bundesminister darin, wenn diese im Rampenlicht etwas ausgeblichen sind und also durch neue ersetzt werden müssen; es schmeckt jedenfalls widerlich. Moment! Jetzt wird mir auch klar, warum ich regelmäßig so viele Haare aus dem Abfluss fischen muss! Familienministerin v.d.L. zottelt sich ja geradezu durch den Parlamentsalltag...

Genug der nachweihnachtlichen schlechten Witze. Bevor es politisch unkorrekt oder, was noch schlimmer wäre, politisch wird, beeile ich mich lieber, Ihnen einen geruhsamen Start ins Jahr 7 nach dem gefühlten Weltuntergang zu wünschen. Zelebrieren Sie die Liebe und die Musik: Beides wird Ihnen nämlich vorraussichtlich früher oder später abhanden kommen. Ob es 2007 musikalisch weniger oder mehr rumpelt als noch 2006, oder, man denke doch, 2005, vermag ich indes noch nicht zu prophezeien. Feststeht, dass es eine Menge ziemlich schlechter zweiter Alben geben wird, nachdem die Ringelpulligötter letztlich wie Pilze aus dem Boden geschossen sind.

Ich verabschiede mich mit einer Verbeugung bis zur Schuhspitze und entdecke dort noch ein wenig Dreck vom Heuboden, auf dem ich letztes Silvester in bitterer Kälte und Einsamkeit verbrachte, putze es weg, denke an Sie und gelobe, einmal von unterwegs wenigstens kurz mit dem Taschentuch zu winken.

24.12.2006 um 13:43 Uhr

Auch zum Fest wird fleißig gerümpft

Eigentlich hatte ich ja vorgehabt, den Tag, den der Einzelhandel Weihnachten nennt, dösend im Bett zu verbringen und all die zwischenmenschliche Fröhlichkeit vor der Türe stehen zu lassen.

Aber dann zupfte mich das schlechte Gewissen am Feiertagsblusenärmel: Ich hatte doch eine Aufgabe zu erfüllen. Schließlich habe ich mich freiwillig in die Berufung als Seelenklempnerin des Showbusiness gefügt, bin folglich nun also auch für die Meinungsbildung meiner Interessenten verantwortlich. Nie und nimmer kriegte ich den Stein vom Herzen, den ich mir durch Versäumen eines weihnachtlichen Grußes auf jenes geladen hätte. Also, brandschutverordnungsgemäß alle Kerzen ausgepustet und an die Arbeit gemacht.

Arbeit. Dieses scheußliche Wort. Zu nennen in einem Atemzug mit "Feiertagsbraten","Barttrimmer" und "Post-Hardcore-Metalband". Sollten Sie eines dieser Dinge heute Abend unter Ihrem Tannenbaum vorfinden, erwöge ich an Ihrer Stelle die sofortige Trennung von all meiner Verwandschaft und Umsiedelung richtung Bad Salzuflen. Und glauben Sie mir: So eine Metalband unterm Baum ist keine angenehme Sache. Schützen Sie ihre Dosenbiervorräte. Und kaufen Sie schonmal 250 Packungen Staubsaugerbeutel. Die verlieren jede Menge Haare, sage ich Ihnen!

Nun jedoch: Frohe Weihnachten, verehrte Interessenten. Und, um unseren andersdenkenden Freunden nicht auf den Schlips zu treten: Schöne Feiertage! Sie erlebten nun das erste Fest mit meiner Wenigkeit. Ich kann Ihnen aus diesem Anlass gar nicht genug für Ihre Treue und ergebene Nasenrümpferei danken.

Aber, getrocknet die Tränen, ab die Post:

Für heute ist Schluss mit schwerer Kost.

23.12.2006 um 17:40 Uhr

Kolumnistenego

Die Kolumnistin meldet sich zurück aus ihrem Kabuff an der Front des guten Geschmacks.

Tränenverklebt lag ich den gestrigen Abend lang meinem besten Freund Flo in den Armen. Das heißt, ich glaube, dass es ebenjener war. Wie gesagt, meine Augen waren tränenverklebt. Ich konnte es schlichtweg nicht fassen: Da hatten die doch glatt in der Musikzeitschrift meines Vertrauens (in einem Schuhkarton mit diesem Aufkleber war diese zumindest bisher im Speicher meines Unterbewusstseins abgelegt gewesen), nicht nur aufmerksame Leser werden ihren Namen enträtseln, da hatten die doch glatt, halten Sie sich, ohne Fettflecken auf den Armlehnen zu hinterlassen, gut an Ihrem Sessel fest, gleich hebt er ab: Da hatten die glatt eine Kuttnerkolumne ZWEIMAL gedruckt, die gleiche im Juni- und im Januar-Heft.

Ich natürlich gleich fleißig mich am beschweren bei den Kollegen (steht so auf dem Aufkleber, der im Speicher meines Unterbewusstseins den Schuhkarton der Redaktion dieser Musikzeitschrift betitelt) und eine Lesermail in die Tasten gehauen. Höflich fragte ich an, welche Blumen denn Sarah auf ihrer Beerdigung gewünscht habe, da sie ja offensichtlich nicht mehr unter uns Kolumnisten weilt (Ja. Dieses Wir-Gefühl. Alle Kolumnisten feiern in dem großen Schuhkarton mit dem Aufkleber "Wir" regelmäßig richtig nette Stehparties).

Man antwortete mir (Was heißt hier "man"?, der Herr Chefredaktöör persönlich hat sich meines Problems vaterhaftig angenommen) vorschriftsmäßig, es habe sich in dieser Angelegenheit um einen wörtlich: saudoofen, technischen Fehler gehandelt. Sie können sich vorstellen, wie mir der Kamm vor Stolz in luftige Höhen schwoll. Die schreiben nicht nur von mir ab, die entschuldigen sich auch noch persönlich bei mir wenn sie Fehler machen.

Leider nur musste ich feststellen, dass die Personenwaage, auch wenn ich nur mit dem kleinen Zeh drauftippe, den Geist aufgibt. Das muss eindeutig an dem zentnerschweren Ego liegen, dass ich nun mit mir herumtragen muss.

Drückt dich der Schuh beim Zeitschriftlesen,

beim Fegen mit dem Stoppelbesen,

beim Dösen, im Verwesen,

beim Essen beim Chinesen,

beim Studieren der Katechesen,

schreib einen Brief, du bist genesen.

 

 

22.12.2006 um 14:17 Uhr

Der Baum der Erkenntnis trägt wieder Früchte: Musikalische Missionierung, die Dritte

Musik: Blitzkrieg Bop - Gemischter Kinderchor Gelsenkirchen oder so ähnlich

Und noch einer hat sich das mit dem Missionieren mal genauer angeschaut. Plattenboss Greg Ross hat auch schon gemerkt, dass der heutigen Jugend durch musikalische Verschmutzung des Äthers eine schreckliche Zukunft droht, und will sie nun zurück auf den richtigen Weg bringen. Schwupps, war eine Band herangeschafft und wurden Kinder Prominenter in einen Chor gepfercht, die nun fröhlich die Gassenhauer der Ramones tributieren. Immerhin mit Unterstützung von Teilen von Pennywise und der Queens Of The Stone Age. És sollten mehr beherzte Bürgerrinnen und Bürger diesem nicht nur von mir iniziierten Ziel hinterherspurten. Der Anfang ist ja schon mal gemacht. Äußerst Löblich.

22.12.2006 um 14:08 Uhr

Ungeahnte Ehren

von: Kuhmilchrockt   Kategorie: In eigener Sache

Ha!! Jawohl, ich war schneller.

Jetzt rollen Sie verwundert die Kulleraugen. Was will uns die Tante da schon wieder verkaufen? Hat sie nicht für heute genug über Bands zu fachsimpeln versucht, von denen sie nichts versteht?

Schon Wieder Ha!! Ganz falsch. Mein Musikgeschmack schwingt sich in geradezu dogmatische Höhen. Was ich eigentlich sagen wollte: Verschlafen spazierte ich heute Morgen in den Zeitschriftenfachhandel (nach Verfassen des heutigen Eintrags wohlgemerkt!!) und knöpfte mir, ja, etwas verspätet den neuen Musikexpress vor. Was mussten meine geschwollenen Augen sehen, als sie gewohnheitsmäßig die Platte des Monats musterten: The Blood Arm!! Jahahaha! Ich weiß nicht, aber das mit dem Missionieren ging wesentlich schneller als ich dachte.

Verehrte Interessenten, hier bekommen Sie noch hellerseherische Qualität geboten! Niemand wird behaupten können, denn das ist meine heimliche Angst, ich würde mir einfach jeden Monat irgendwelche Plattenkritiken aus  Musikzeitschriften abschreiben. Denn in Wirklichkeit ist es umgekehrt! Die schreiben von mir ab, die Schweine! 

22.12.2006 um 11:31 Uhr

Musikkritik am Morgen vertreibt Kummer und... ach ja: Unwissen

Ein Stern mit Namen Sonne illuminiert die Bude der Kolumnistin. Drum setzt sie sich mit einem Becher wundervollsten Bohnenkaffees an den Pc, um in unerreichter Trendsprache einen netten kleinen "Morgenstund hat Blei im Arsch"-Eintrag zu verfassen.

Durch die Lauterzeuger schallt meine Neuentdeckung der Woche: Die vier Los Angelaner The Blood Arm. Sehr ruppig klingen die, sehr clashig. Sie erfinden den Punk vielleicht nicht neu, ziehen aber eine Spur im Sand des schlecht gestimmten Instrumentariums und der frechen Mikrofonverliebtheit. Von Franz Ferdinand in den Ritterstand erhoben, ist man seit einiger Zeit damit beschäftigt, die Welt, und die liegt musiktechnisch dieser Tage nunmal immer noch in Großbritannien, zu erobern. Die Insulaner haben natürlich längst gemerkt, welches Potential da noch verschämt im Kämmerlein Socken stopft und flugs die Erzähl-mir-doch-nichts-Miene aus dem Nähkästchen gezogen, aufgesetzt und dem unverständigen Kontinent nicht mal einen Tee angeboten. Im übertragenen Sinne natürlich, das gleich vorweg, um dem Teekritikerausmerz-Forum schon mal den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Dass die da oben so schön am Welt erobern waren, merkte man wie immer hier erst zwei Taktschläge später. Natürlich, Musikinteressierte in Grenzbereichen Deutschlands konnten über die Radiosender der Nachbarn sich schon einmal schnittig mit "Suspicious Character" beschallen lassen, dass aber meiner Meinung nach nicht verdient hat, derartig aus dem Schatten herauszuspringen. Die Kolumnistin findet es eher einschläfernd, irgendwelchen spaßverliebten Mitzwanzigern beim Ausleben ihres Hedonismustriebs zuzuhören und zu erfahren, wie toll die Mädels sie finden. Geschmackssache. Schweren Herzens isst man ja auch die Waffel vom Eis mit, um zu verhindern dass die fetten Tauben noch mehr Denkmalzersetzenden Unrat umsetzen.

Wer die Ohren voll hat von französischer Chanson-Quote und nicht mehr verränkt und verkabelt in Fußgängerzonen nach dem am wenigsten rauschendem Empfang suchen will, hat sich kundig zu machen. Das hat die Kolumnistin wie immer im Auftrag des guten Geschmacks getan und missioniert nun die Welt im Pyjama. In der einen Hand die Kaffeetasse, in der anderen das gesamte Kontingent deutschsprachiger Musikzeitschriften mit ihrer geballten Informations- und Wortflut. Sie verstehen schon, Musikkritiker hören sich halt gerne reden.

Doch im Becher gähnt ein großes Loch,

zurück zieht's mich, zum Automaten, doch!

21.12.2006 um 18:05 Uhr

Viva la Schubladendenken!!

von: Kuhmilchrockt   Kategorie: In eigener Sache

Wenn Sie in den letzten Monaten brav waren, ja, dann könnte eventuell der große Dicke bärtige Greis um die Ecke schauen, aber, was viel wichtiger ist: dann wird Ihnen ganz bestimmt auffallen, dass es jetzt Kategorien gibt, die meine Beiträge in hübsche kleine Schubladen stecken.

Die Kolumnistin hat die unangenehme Angewohnheit, immer länger und länger werdene Kurzgeschichten in die Titelzeile zu tippen, die dafür eigentlich nicht vorgesehen und einer Verstopfung somit ziemlich nahe ist.

Zu Ihrer eigenen Sicherheit daher nun Kategorien. Ich hoffe Sie werden viel Freude damit haben und bei einer Tasse Schwarztee Ihren verwandten mit Tränen in den Augen davon berichten. Tun Sie's, bitte. Von irgendetwas muss ich schließlich mein Selbstwertgefühl ernähren.

20.12.2006 um 21:49 Uhr

Wenn das alte Jahr schon so famos dem Ende entgegenspurtet, kann das Neue ja nicht gut werden, oder?

Es geht ein großes Kopfnicken durch die Republik: Wir befinden uns in der Jahreszeit des Schenkens. Zu diesem Zweck bedenkt uns Oma Popkultur mit vielen neuen Alben, die überdies auch noch gut sind.

Gerade erfreut sich meine Festplatte über frisch eingegangenes Material von Incubus. Auf der Warteliste steht - Musikexperten schwingen schon verständnisvoll das Haupthaar - Yours to keep von Albert Hammond dem Jüngeren, oder, diese schlechte Angewohnheit hat sich in Übersee eingebürgert, Junior. Haben Sie jetzt bloß keine Angst vor Visionen von schirmbemützten zukünftigen Footballprofis mit dem Mund voller Erdnussbutter... so ist das eben, drüben.

An dieser Stelle wurden ebenfalls die Long Blondes schon einmal lobend erwähnt. Unter den Preisträgern der an meiner geschätzten Erwähnung teilhabenden Bands befinden sich diesen Monat  desweiteren: Urlaub in Polen, und, ach ja: die alten Zankäpfel von Oasis geruhten just ein Best-Of zu veröffentlichen.

Aber halt! Lieber sollte ich mich auf das besinnen, was eh schon in den Tiefen meines Pcs auf würdige Kritiker wartet. Ich erwähnte Incubus. Was für den erfahrenen Indieaner ein alter Hut ist, wird von Musikjournalisten all over the well known Deutschland als so schön dem Mainstream die Hand zum Bund verweigernd beschrieben. Oder mit anderen Worten: Jemand, der mit Musik viel am Hut hat, wird sich nicht weiter um die Veröffentlichung scheren.

Ich will das Regeltum der sogenannten Gesellschaft jedoch durchbrechen und die Scheibe trotz meines wirklich umfassenden Musikgeschmacks an dieser Stelle positive Nennung finden lassen. Sicherlich: Wer gerne fünf bis siebzehn Mal die Woche in Clubs alkoholhaltigen Getränken fröhnt und auch im Winter modisch ungeschickte, nur kurz übers Knie reichende Hosen trägt, wird sich da schnell zurechtfinden, schließlich ist alles, was von Menschen kommt, die ihre Söhne nach den Vätern benennen, gut, wenn ein Aufkleber mit der Aufschrift "garantiert schon ein bisschen alternativ" obendrauf pappt.

Nicht so voreilig. Sie eignet sich stilistisch auch bestens für Anhänger britisch akzentuierter Musikanten mit Latzhosen aus roten Backsteinvierteln. Nun gut, sie möchte sich nicht so richtig entscheiden, ist sie nun Fisch oder Fleisch; Dem Vegetarier ist's einerlei, er will nur sein Gewissen auf ein seidenes Kopfkissen betten. Die Jungs dreschen auf jeden Fall nicht so vor sich hin, dass ihren Zuhörern die Wattestäbchen ausgehen, sie verzichten im Gegenzug aber auch auf ölige zweiminütige Soli mit Hall und drei Liter ordentlich Tiefgang, die auf den beiden Vorgängern noch zum Standardrepertoire gehörten. Das macht Spaß: Und fühlt sich nach einer längeren Durststrecke in Sachen rollende Felsen auch wieder mal richtig gut an.

Nun allerdings glühen mir die Ohren, einerseits der Kopfhörer, die sich da so ganz unverschämt auf zugehörigem Körperteil breitmachen, andererseits meiner völlig überheizten Kolumnistenbude wegen; und dem Winterwetter fröhlich die Zunge rausstreckend zum Trotz.

Drückt dich kreativ der Schuh,

mach schnell einmal die Augen zu,

leg dich kurz und gut zur Ruh,

und, ich sag, es muss so sein,

- ja, mir fehlt der Abschlussreim -

denke dran, was rockt, das bleibt die Milch der Kuh.

16.12.2006 um 14:39 Uhr

Assoziativer Rundumschlag: Trösten Sie auch Ihre Todfeinde: Zum Beispiel mit einer neuen Platte (Sie erfahren gleich, warum).

Du bist doch erst 19! Um Himmels Willen, du brauchst keinen Freund.

Liebe Grüße an alle Liebeskummernden.Vielleicht sollten Sie sich den Rat der Long Blondes hinter die Löffel schreiben und mal zwei, drei Jahre angestrengt drüber nachdenken. Helfen wird das vielleicht nicht, außer, dass Sie vor lauter Gram und Überzeugtsein, es besser zu wissen als die Band, schon mal ihre anderthalb Meter Schiffstau vom Speicher zusammenklauben, eine freundliche Schlinge daraus formen und sie am Kirschbaum im Garten aufhängen. Schließlich sollten Sie auf alles vorbereitet sein. Und egal, was man an Bäume hängt, die zufällig im eigenen Vorgarten herumstehen und auf irgendetwas zu warten scheinen (den Bus?), es wird eh alles als Weihnachtsschmuck durchgehen. Versehen Sie dazu Ihren Vorgarten einfach mit dem Prädikat: "Der neueste heißeste Scheiß aus den Staaten" und die Leute werden es lieben. Oder verstört die Polizei anrufen. Dem vorzubeugen ist allerdings keine sonderliche Herausforderung. Einfach mit der Schrotflinte den lieben langen Winter am Fenster warten und Passanten, die aufgeregt Mobiltelefone zum Ohr führen, eliminieren. Die elegante Art der Unannehmlichkeits-Prophylaxe.

Aber halt, noch fünf Wörter weiter geredet und die Kolumnistin hätte schon wieder viel zu viel aus ihrem Privatleben preisgegeben. Da es jedoch meine gesegnete Pflicht ist, Sie vor Spukgespenstern wie Tannenbäumen, Familienessen oder auf der Straße musizierenden Behinderten mit ihnen entgegengestreckten offenen Händen zu retten, wechsele ich quasi im Schweinsgalopp das Thema.

Respektive komme ich auf eines zurück, dass schon zu Beginn dieses in den Augen brennenden Textes Ihr Kleinhirn gestreift haben müsste. Die langen Blonden sind nämlich weder besonders lang noch, besonders blond. Vielleicht klingt die Musik ein wenig nach jodelnden Zweimeterfünfunddreißig-Pams. Optisch jedoch machen die Damen und Herren dieser Gruppierung jeder Schaufensterauslage der Vorweihnachtszeit alle Ehre. Gut gekleidet stöckeln sie ins neue Jahr und verkünden: Einmal und nie wieder!! Will sagen: Halten Sie ihre guten Vorsätze auch ruhig mal einen Tag ein, aber danach dürfen Sie auf keinen Fall rückfällig werden und etwa wieder mit dem Nichtrauchen anfangen.

Ich darf Ihnen also eisgekühlt das Blaue vom Himmel herabempfehlen: Someone to drive you home. Ich könnte mir gut vorstellen, dass diese Platte ihren Player verzückt mit den Augen rollen lassen wird. Vorausgesetzt natürlich, sie haben einen, der mit echten menschlichen Körperfunktionen ausgestattet ist. Die Pippipuppe unter den Plattenspielern sozusagen.

Es schönen die Statistik und hängen sich auf

Liebeskummernde nach dem Plattenkauf.

11.12.2006 um 19:00 Uhr

Blinde Kuh unterm Tannenbaum

Heuer meinen viele wichtige, weniger wichtige und gar nicht wichtige Bands, möglichst viele gute, weniger gute oder gar nicht gute DVDs zu veröffentlichen. Kürzlich tat dies auch eine Band, die genauso alt ist wie ich oder besser gesagt, die gewartet hat, bis ich alt und empfänglich genug für ihre Musik war, um sich schließlich zu reunieren (genau lesen: nicht ruinieren!), die Pixies. Reden wir mal nicht über die eine, gar nicht gute DVD. Sollten sich in Ihrem Hause Tische oder andere Möbel befinden, die die unangenehme Angewohnheit haben, ständig die Auflagefläche zu wechseln, nur zu, holen Sie sich die Scheibe, ab damit unters Tischbein und einen zitterfreien Rindfleischgenuss wünsch ich.

Die andere, akustische, Live in Newport-DVD kann ich Ihnen dagegen wärmstens ans Herz schmieren. Abstriche müssen vielleicht in punkto Optik gemacht werden; aber sie meckern ja auch nicht, wenn Sie Münzgeld auf der Straße finden, dass der Kopf von Jeanne d'Arc oder Beatrix oder das Brandenburger Tor sich schon leicht im Altroststadium befinden.

In Selbigem sind auch die vier Pixaner vor ein paar Jahren aufgewacht und haben festgestellt: "Als wir noch Geld hatten und uns Drogen kaufen konnten, war das Leben irgendwie spannender. Lasst uns wieder touren". Ich gebe zu, ich kann dieses Zitat nicht weiter verifizieren. Aber wenn sie mal zwei, drei Minuten genauer drüber nachdenken, findens Sie's auch bald realistisch.

Beste Methode also, gepflegt den Klängen der Vergangenheit zu lauschen: Mit geschlossenen Augen zuhören. Blinde Kuh im Wohnzimmer. Dann entgeht Ihnen eine verquollene Kim Deal, ein kugelrunder Black Francis und ein Strand voller in Liegestühlen lümmelnder Mitdreißiger und drüber.

Zugegeben, mit dem ein oder anderen "Uh!" haperts mal bei Caribuuuh! oder Where is my mind (uuh!). Aber ansonsten kann man für Technik und Zusammenspiel ruhig mal fünf Hühneraugen abdrücken. Die muss man dann jedoch beim Punkt "Bühnenpräsenz" wieder zu-drücken, da sowohl Leadgitarrero als auch Schlagzeugmann es nicht übers Herz bringen, ihrem Publikum mal eine Probe ihres Wortschatzes zu verabreichen.

Sei's drum, verehrte Interessenten. Ob Sie das nun interessiert hat oder nicht: Ich bin meinem Ziel, Autorin einer halbwegs vernünftigen Musikkolumne zu sein, wieder einen Schritt näher gekommen. Kritiken sind schließlich das Salz in der Suppe jedes guten, weniger guten oder gar nicht guten sog. Musikredakteurs. Und weil Advent ist, will ich auch diesen Eintrag mit einem kleinen Reim beenden:

Das Hirn ist leer 

drum ist dem Redaktör

das Leben ziemlich schwör

(das ist es sogar sehr). 

 

08.12.2006 um 17:31 Uhr

Kommentar

Mein Pelz ist dick wie ein russisches Bärenfell zur sibirischsten Winterzeit! Darum macht es mir rein gar nichts aus, wenn beste Freunde mein Gästebuch dazu missbrauchen, ihrem Unmut über nicht existente Einträge Luft zu machen. Wachen Sie endlich auf! Wir befinden uns mit den wasserabweisenden Wildlederstiefletten schon einen Schritt zu weit im Big Business. Leser Nr. 2 mag das verstehen.

Aber falls es Ihnen aufgefallen sein sollte: Ich habe noch mehr Leser. Neben enttäuschten besten Freunden, erfolgssuchenden Musikern und meinem größten Fan (MIR!), habe ich die Ehre, ab und an den ein oder anderen wirklichen Interessenten unter meine Fittiche zu nehmen. Daher muss ich dieses Privatgespräch dringend zu den verdächtigen grauen Akten auf dem Kiefernholzregal hinten links legen.

Nikolaus, sprach Klaus:

Ich glaube, es ist aus.

08.12.2006 um 17:19 Uhr

Aktuelle Zeit verschwenden

von: Kuhmilchrockt   Kategorie: In eigener Sache

Leider, verehrte Interessenten, hat mein Blog nicht die Angewohnheit, wie der gemeine Adventskalender, jeden Tag ein Türchen mit einer neuen kleinen schnieken Überraschung zu öffnen. Mit Überraschungen bin ich zur Zeit erstmal etwas überbedient.

Ungefähr einen Tag, nachdem ich meinen letzten Eintrag verfasst hatte, musste ich nach Hause kommen und entsetzt feststellen, dass mein Pc durch Fremdnutzung nutzungsuntauglich gemacht worden war. Die nächsten drei Wochen saß ich verheult vor meinem Bildschirm und überlegte, welchen Gott ich nach Allah, Manitu, dem Weihnachtsmann und dem Konsumgott jetzt noch anbeten könnte. Es half nichts. Der gute Alte musste zum Spezialisten.

Jetzt erfreut er sich jedoch wieder allerbester Gesundheit und es wird Zeit, zur Tageordnung überzugehen. Ich hoffe, lieber Pc, das nimmst du mir nicht übel. Ich weiß ja dass du immer noch seelische Schmerzen hast.

Leider fehlt auch mir mitunter die nötige Kreativität für Blogs. Die wird nämlich vollends von saftigem Nachdenken über Weihnachtsgeschenke in Beschlag genommen. Demnach bin ich noch nicht mit mir selbst übereingekommen, welches Thema denn nun möglichst festlich angschnitten werden sollte. Ich hab auch schon in meiner Brockhaus-Sonderausgabe "Welche Themen man denn nun möchglichst festlich in seinem Weblog anschneidet" geblättert, aber da fanden sich nur richtig doofe Sachen wie Probleme mit Computern, Adventskalender oder wie man Themen für Weblogs findet.