jung und desillusioniert - reloaded

24.05.2007 um 16:43 Uhr

Wo der Pfeffer wächst

von: Kuhmilchrockt   Kategorie: In eigener Sache

Mal wieder tummele ich mich in der Hauptstadt. Die Wohnungssuche gestaltet sich schwieriger als angenommen, auch wenn sich die Gemeinschaft der getreuen Zusammenzügler wacker im Kampf gegen bissige Vermieter, stickige Plattenbauten und unbequeme Unterlagenbeschaffungsaktionen hält.

Die Freizeit wird genutzt, um gutaussehend in irgendeiner Ecke rumzuliegen, in der man nicht gefahrläuft, mit dem Müll auf die Straße gekehrt zu werden. Ansonsten wartet man. 

Es werden Anstrengungen unternommen, diese stressverursachenden Faktoren aus der Rübe zu trinken, glegentlich gilt auch der gemeine Drogenkurztrip als akzeptabel. Die Zeit rennt und ich glaube, sie tut das mit purer Absicht.

Andererseits lassen sich fehlende Formulare immernoch bis auf weiteres entschuldigen. Sie mag Kolumnistinnen nicht, die Zeit, denn diesbezüglich lässt sie sich wieder viel zu viel von sich selbst. 

Pläne wollen geschmiedet, Unis besichtigt und Vermieter sorgfältig hinters Licht geführt werden, nicht zuletzt fordert der Körper auch mal Schlaf, den er auf Matratzen, die wohl eher mit einem Baumarkt als mit der Möbelindustrie verwandt sein dürften, leider  entbehren muss. 

Sie sehen also, bleiben Sie lieber, wo Sie sind. Wo der Pfeffer wächst warten nämlich so manche organisatorische Probleme wie Neugeborene auf Sie, die versorgt sein wollen. 

17.05.2007 um 13:24 Uhr

Der große Feierabend-Seufzer

von: Kuhmilchrockt   Kategorie: In eigener Sache

Ein ganz seltsames Geräusch hat es gemacht. Das Plumpsen meiner Person ins Sommerloch. Jetzt schon? denken Sie. Ja, in diesem Geschäft ist eben alles ein bisschen verquer. Schlaflosigkeit, Gewalt, Diebstahl oder Versicherungsbetrug - das ist bei uns an der Tagesordnung. Im Kollegium wird von Leuten aus der Branche berichtet, die plötzlich in die Politik einstiegen um nie wieder gesehen zu werden. Unwohlseinszustände können sich da schon mal mehrere Monate hinziehen.

Aber wozu gibt es schließlich die vielen kleinen Mädchen-Electropop-Bands. Derzeit kann ich mit New Young Pony Club, CSS und Konsorten angetroffen werden. Gestern lernte ich außerdem noch The Prototypes kennen und muss sagen: Mit Schmackes in den Sommer, das kann durchaus gutgehen und muss nicht zwangsläufig dort enden wo ich jetzt bin. Mmh.

In diesem Nimmerland irgendwo zwischen Versagensangst und Appetit auf Streuselkuchen suche ich nun beständig unter allen Möbelstücken, die man mir beim Umzug in die Kolumnistenklapse gelassen hat nach meiner verlustig gegangenen Kreativität. Ich mache einfach ganz fest die Augen zu und lausche in meinen Kopf hinein. Da ist nur so ein ganz leichtes Summen... und ansonsten liegt da auch ziemlich viel Staub rum... und überhaupt... wer hat wieder vergessen den Geschirrspüler auszuräumen?

Demnächst muss sich die Kolumnistin also wohl einen neuen Platz für ihr Oberstübchen suchen, im jetzigen Zustand wird sie kaum verweilen können. Memo: Gleich mal den Oberstübchenmakler anrufen.

Neben schicken Wohnungen für mein Selbstbewusstsein bin ich außerdem gerade noch auf der Suche nach etwas Passendem in der Hauptstadt, wo ich gegebenenfalls sogar meinen ganzen Körper für längere Zeit einlagern könnte. Vielleicht, ja, vielleicht kann ich Glück haben, wenn mir meine verbliebenen zweieinhalb Leser jetzt ruckartig die Daumen drücken.

Au! Doch nicht meine, ihr Deppen!!

02.05.2007 um 19:53 Uhr

Dinner-Fakten

Return of the ausgestreckte Mittelfinger: Der Mai verspricht neuen heißen Stoff für die zappelige Leserschafft der rockenden Kuhmilch (was man sich nicht alles so vorstellt). Zwei Dinge gilt es auf die Tagesordung zu rufen:

TOP 1: Ja, das neue Arctic Monkeys Album IST gut. Führt ja schließlich auch kein Weg an den Jungspunden vorbei: Schlägt man derzeit die Fachpresse auf, springen sie Ihnen entgegen und kratzen Ihnen - haste nicht gesehn' - die Augen aus. Das heißt, wenn man sich von all dem NME-Gepose beinflussen lassen will. Die Kolumnistin ist da ganz der Meinung, dass unrebellisch sein vielleicht altmodisch aber desto bequemer ist und lässt sich einfach berieseln, sich den Medienbrei vorkauen und in den Schlaf wiegen mit Musikmayonaise (jetzt war aber schon ein Blick in den Konrad erforderlich - ein hübscher Name übrigens, dies nur einmal nebenbei an alle Konräder dieser Welt). Himmel! Derart sprachphysikalische Anleihen bei Würzmitteln und Kleinkindernahrung machen Appetit auf mehr.

Demnach hier die wie immer unausgereifte aber herrlich aufrichtige Kritik des AM-Albums (diesen Abkürzungskinkerlitz hat sich die Kolumnistin ebenfalls bei den Kollegen-Schreiberlingen abgeguckt)in, sagen wir, kulinarischer Ausführung:

Favourite Worst Nightmare ist ein bunter Salat der rumpeligen Sanges- und Klimperkunst. Mit etwas reiferen Tomaten als noch beim Vorgänger, dafür aber leider stellenweise die Pepperoni vermissend, die das junge Gemüse 2006 noch permanent zwang, den Text missachtend penetrant fröhlich ein Tanzflächen-BBQ zu veranstalten. Etwas schicker das Ganze, auch subtiler: Statt Gurken gibts jetzt Artischocken und statt Heilbutt Kugelfisch. Lassen Sie sich mal nur nicht den Magen verderben!

TOP 2: Ich erwähnte den NME. Ich gebe es ja seufzend zu: Es fühlt sich nicht schlecht an, zu seinen deutschen elitären Lesern zu gehören. Als mir klar wurde, dass ich nicht würde wieder sicher in meinem Körper sein, bevor ich das dieswöchentliche Exemplar mein Eigen nennen konnte, unternahm ich alles, auch Beschaffungskriminalität zog ich tunlichst in Betracht. Vor meinem dritten Kolumnistenauge sah ich wilde Abenteuer: Ratten auf verseuchten Schiffen, Wächter mit Säbeln zwischen den Zähnen, Aligatoren, die nicht zögerlich aussahen, mir ein oder mehrere kolumnistische Haare zu krümmen. Na ja, der ganze Rest eben, den man normalerweise auch überwinden muss, um eine Behördenauskunft zu erhalten oder - nehmen wir ein aktuelles Beispiel - beim Abitrur zu betrügen: Schlangengruben, Kugelhagel, Giftgasangriffe, Treibhauseffekt und zu guter Letzt muss der Herausgeforderte noch versuchen, mit Regina Halmich eine sinnvolle Konversation zu führen - Das eine mehr, das andere weniger angenehm. Was muss ich feststellen? Der NME hütet in jedem popligen Kleinstadtbahnhofskiosk die Regale. Oder, damit ich mich besser fühle, vielleicht in jedem zweiten.

Gelohnt hat es sich schon. Der Britische ist im Vergleich zum heimischen Musikexpress eindeutig spritziger und weniger münchnerisch. Bei letzterem entpuppt sich jeden Monat aufs Neue die Leserbriefseite als selbstdarstellerische Meckerecke von studierten Mittdreißigern. Die NME Letters Page gleicht eher einem großen kollektiven Tagebucheintrag der globalen Indiejüngerschaft.

Dafür sind die kühlen Briten dafür bekannt, jedem ins Styling-Konzept passenden, streichholzbeinigen Hinterhofmusikantenstadl einen Hype zurechtzuschneidern (dies nur, um kritische Stimmen ebenfalls auftauchen zu lassen... die Sponsoren, die Sponsoren!)

Oh Gott. Ich verlasse Sie, da klopft gerade ein Majorlabel an.