jung und desillusioniert - reloaded

30.09.2007 um 00:28 Uhr

Wieder säumig

von: Kuhmilchrockt   Kategorie: In eigener Sache

Ich war eine säumige Sau, ich weiß. Doch lassen Sie mir und Ihnen die Illusion, dass es mit dem neuen Monat besser wird. Vielleicht habe ich dann nette Stuierdesastergeschichten für Sie.

12.09.2007 um 15:42 Uhr

Plan B

Musik: The Rakes - Strasbourg

Es scheint sich dieser Tage zuzuspitzen: Der Demokratie liebstes Kind, die von uns herbeiilusionierte Meinungsfreiheit, packt ihre Koffer und verdrückt sich mit dem Billigflieger richtung Nimmerland.

Ein Rundfunkgebührengezerre entspinnt sich da über das Land und regt den Zuschauer an, doch einmal genauer über den Verbleib seiner Moderatorenprämie nachzudenken, von Preiserhöhungen an dieser Stelle einmal zu schweigen. Wir finanzieren brutalen Fußball und schmissige Volksmusik, lustige Kochshows und, wie sich im Falle E. Hermann zum wiederholten Male gezeigt hat, unbekümmerte Dummheit. Unabhängige Berichterstattung, Kultur oder gar geistreiches Sich-Auseinandersetzen mit öffentlichen Phänomenen war gestern. Stattdessen rennen uns zugedröhnte Radrennfahrer und rechte Supermuttis die Bude ein.

Ich bekomme ganz ernsthaft das schauderhafte Gefühl, dass nur noch in Ulktheatern und unterschätzten Weblogs das Sagen des Gedachten betrieben wird. Das ist selbstverständlich kein Verlust. Denken Sie nur an die Vorteile, die ein nicht gelebter Meinungsexhibitonismus für den Menschen hat: Dann abonnieren Sie nicht mehr die Süddeutsche, sondern bekommen frisches Toilettenpapier frei Haus geliefert. Mithilfe des TV-Programms können Sie ohne schlechtes Gewissen über die Anschaffung des neuesten Manga-Strip-Games nachdenken, statt den verkoksten Visagen übernächtigter Tagesthemen-Kommentatoren Aufmerksamkeit zu spenden. Unbequem gestaltete sich auch lange Zeit die Beschaffung von Plastiksprengstoff zur leisen Kritik am System; dabei lässt sich das Internet doch so viel besser als kommunikationsfreie Alternative zu realen Gesellschaftsspielen nutzen!

Dank medialer Tranquilizer werden wir also in Zukunft immer weniger in Versuchung geraten, Themen anzuschneiden, die bei bevorstehenden Online-Durchsuchungen in welcher Form auch immer anstößig anmuten könnten. Auch ein Weg, dem Schäuble den Wind aus den Segeln zu nehmen (obwohl so ein Rollstuhl mit Windkraftantrieb den Mann sicherlich entlastet hätte... Und auch noch so schön für alternative Energien wirbt!). Ein ziemlich schlauer Plan, den Sie da haben!

06.09.2007 um 13:30 Uhr

Alles in Butter aufem Kutter

von: Kuhmilchrockt   Kategorie: In eigener Sache

Liebe Freunde der unvorteilhaften Ausdrucksweise! Soeben warf mich der Strudel der Lustlosigkeit aus der Kurve. Ich dachte, es sei ganz an der Zeit, einen neuen Monat freudvollen Bloggens einzuläuten.

Gerne würde ich ihnen jetzt all die Geschichten wilder Nächte um die Ohren pfeffern, den neuesten hauptstädlichen Klatsch breittreten oder Ihnen das Herz mit abenteuerlichen Wohngemeinschaftserfahrungen wärmen; stattdessen mache ich jedoch lieber nebenher meine Tastatur mit einem Pinselchen sauber und befreie sie somit von der Asche nicht gelebter Träume.

Bevor Sie jetzt zum schnippischen Rundumschlag ausholen und Bemerkungen über die zu hoch geschraubte Vorstellung eines subtilen Freiheitsgefühls, die deutschen Jugendfilmproduktionen (mit der immergleichen Schauspielerburschenschaft) mit Zeigefinger auf das schwierige Thema "Erwachsenwerden" entsprungen sein könnte, fallenlassen, will ich Sie belehren: Das Leben hier könnte nicht besser sein. Seine Inhalte gehen Sie nur schlichtweg nichts an. Die Unsitte eines Tages der offenen Tür gibt's vielleicht beim Kanzleramt; die Kolumnistin hingegen lässt sich ihre Taschenspielertricks nicht abvoyeurieren.

Die Tage werden genutzt, die nach holländisch-amerikanischem Format hergestellte Quarksuppe, die sich Fernsehprogramm nennt, einem ausgiebigen Verbrauchertest zu unterziehen (Wetten, dass Ihnen "vor der Glotze rumhängen" noch nie so elegant verkauft wurde?). Wir konsumieren so vor uns hin und verraten ein bisschen die Vorzeige-Ideale der jungen linken Jugend. Mit dieser versöhnen wir uns jedoch dann gleich wieder, indem wir den anderen beim Arbeiten zuschauen.

Natürlich winkt auch mir von weit hinterm Horizont schon der Alltag und versucht sich mit Jobsuche und Studienbemühungen anzubiedern. Ich ignoriere ihn, so gut ich kann. Und sodann läutet auch schon wieder meine innere Feier-Glocke: al-KO-hol summt sie in gleichmäßigen, mantrösen Schallwellen. So ein Auszug ist ein Gewinn - darauf einen Gin.