jung und desillusioniert - reloaded

17.10.2007 um 09:04 Uhr

Das hört der Herbst

Es scheint sich der Mittwoch zum Blog-Tag zu generieren. In dieser frühen Morgenstunde, da ich in freudiger Erwartung der Uni entgegenblicke, möchte ich Ihnen jedoch nur noch einmal ganz fix ans Herz legen, die Musik im Leben nicht zu vernachlässigen, schließlich ist es doch wohl genug, wenn ich das in meinem Blog tue...

Wir alle wissen um den Untergang der CD: Und feiern ihn! Schließlich gibt es nichts besseres, als sich die adligen Ohren von MP3s in mieser Qualität, doch dafür in völlig sinnloser Reihenfolge durchpusten zu lassen. Ich tue das dieser Tage beispielsweise mit dem schwarzweißen Album der schwedischen Neu-Mississippianer The Hives und natürlich mit dem vom vorzeitigen Drogentod auferstandenen schwarzen Peter (der in seiner Freizeit die Babyshambles aufmischt und sich - man möchte Trompeten schlagen lassen - endlich wieder der Musik gewidmet hat).

Bekennende Brigitte-Fanatiker wissen: Nie etwas Neues tragen, ohne etwas Altes dazu zu kombinieren. Daher rate ich Ihnen, sich geschickt die Shout Out Louds auf die Ohren zu stecken. Die passen nämlich klangfarblich perfekt zu Herbstsonne und Oktoberlaub. Beliebt sind natürlich auch immer wieder Hingucker aus längst vergangenen Jahren; ich würde Ihnen jedoch empfehlen, es damit nicht zu übertreiben. Ein bisschen Stones dort, ein wenig Kinks da, schwupp-di-wupp stecken Sie in einem neuen musikalischen Outfit.

Zum Schluss merken Sie sich bitte Folgendes: Was noch vor zwei Monaten Girlie-Elektropop ala CSS war, ist heuer Mädchen-Sing-Sang, wie er bei Kate Nash oder Feist produziert wird (immerhin wieder Mädchen). Bleiben Sie Trend!

 

10.10.2007 um 00:20 Uhr

Das muss der Himmel sein!

Meine Damen und Herren, was Sie hier gerade mit Ihren übernächtigten Augen konsumieren, ist das Ergebnis eines langen und krokodilstränenreichen Kampfes mit meinem persönlichen Schweinehund. Nicht gerade schön anzusehen ist es, wie sich meine des Bloggens entwöhnten Finger zwecks treffender Beschreibung des unserer unterzivilisierten Welt entspringenden Medienmistes ihren Weg durch den Buchstabenjungel suchen und dabei weder davor zurückschrecken, Politikern den Stempel der Dummheit (Siebenjahres-Ehe) noch Musikern den selbigen der Mindertalentiertheit aufzudrücken.

Doch davon soll an dieser Stelle wieder einmal nicht die Rede sein. Ich belasse es hiermit elegant bei den Speichelfluss anregenden Andeutungen und werfe meine Scheinwerfer der Wahrheitsfindung wie gewohnt auf belanglosere Ecken. Heute soll eine der dreckigsten, dunkelsten und mit Dünkel verseuchtesten unter ihnen für mich Thema spielen. Das Studententum.

Wie Ihnen vielleicht noch geläufig sein sollte, falls Sie mir trotz längerer Abwesenheit nicht die Ringe der Treue vor die Füße geworfen haben, gehört die Kolumnistin mittlerweile auch zu dieser sonderbaren Spezies der Drückeberger. Wir drücken uns vor dem wahren Leben. Ich spreche nicht einmal von den ungeheuren Mengen an illegalen Betäubungsmitteln, die so mancher Student noch Dienstag Mittag mit sich in seinen Blutbahnen über den Campus schleift, sondern beklage vielmehr, dass die Revolutions- und Veränderungsbereitschaft des Studentenkörpers seit 1848 kontinuierlich nachgelassen hat und einer Mentalität gewichen ist, die sich mit dem Disputieren über das beim späten Aufstehen zu benutzenden Beines zufrieden gibt.

Ist es denn ein Wunder? Viele Erstsemester hören das Denken als solches ja sofort wieder auf, nachdem sie sich einmal über die Bedeutung der heutzutage allgegenwärtigen Schlagwörter "Bachelor" und "Master" klar geworden sind. Flexibilität im Geiste wird hier also nicht mehr verlangt; erziehungstechnische Desaster und Gesellschaftsneurotiker hingegen züchtet dieses System in ungekannter Ratzfatzigkeit in die Welt hinein. Der Student wird zum Stupident und ist froh, wenn er noch alle Semesterwochenstunden im Plan hat. Denn, wer weniger Energie auf das ohnehin aussichtslose Ziel verwendet, Sinn und Zweck der totalen Verunsicherung zu hinterfragen, kann abends mehr Wodka-Lemon kippen.

Sie ahnen es schon: Mir als schlauer und unabhängiger Beobachterin ist dieser Zustand natürlich absolut schnuppe. Ich freue mich immer wieder über Zombies, die sich in der UB das angesagteste Klopapier aussuchen oder sich unterm Mensatisch vor der Lerngruppe verstecken, in der Hoffnung, von der Realität möglichst lange verschont zu bleiben. Sehr beliebt sind auch außerfachliche Aktivitäten wie unauffälliges Burschenschaftsdasein oder beständiges in die Vorlesung-Hasten-ohne-jemals-anzukommen. Ich schaue von draußen zu und denke: Studieren ist der beste Weg, möglichst lange nicht erwachsen zu werden, und, Sie werden entschuldigen, ich muss zum nächsten Tutorium...

03.10.2007 um 00:32 Uhr

Einen Tag Proll

So sei er denn eröffnet, der neue Monat, der den schönen Namen Oktober trägt. Fragen Sie mich bitte nicht nach ethymologischen Einzelheiten. Es ist gleich zwölf und mein Gehirn schon von vielen anderen wichtigen Dienstleistungen eingenommen, welche mein körperliches Wohlbefinden sichern sollen.

Doch zurück zur deutschländischen Grundüberzeugtheit: Es ist Einheitstag, das Land besinnt sich auf die Ideen seiner Gründerväter zurück und nutzt, um der harten Wahrheit, mit der jeweils anderen Hälfte in eine gemeinsame Grenze gesperrt zu sein, in die Augen schauen zu können, die Zeit, sich ordentlich die Birne wegzufeiern. Vergleichen Sie es mit Himmelfahrt, Ostern oder anderen Feiertagen zwischen Neujahr und Weihnachten, die von schlauen Prolls in Ablehnung einer spaßbremsenden kirchlichen Dogmatik zum Fest des Alkohols erhoben worden sind. 

Reichlich lästerlich muss ich also diesen Herbst einläuten. Die Blätter der Gesellschaft fallen, da möchte ich Ihnen gar nichts vormachen. Die sogenannte Elite konsumiert sich fröhlich in einen bunten Abgrund, um bei Beendigung ihres Studiums in zwölf Jahren alle moralischen Vorbehalte verloren zu haben, ganz zu schweigen natürlich vom Inhalt des studierten Faches. Amerikanische Wissenschaftler werden herausfinden, dass Orangensaft nach dem Zähneputzen wie Spülwasser schmeckt und beweisen, dass die Witze der inzwischen als Stand-up-Comedian beschäftigten ehemals jungen Leute immer schlechter werden. Falls Sie zufällig vor kurzem Oliver Pocher im TV bewundern durften, werden Sie mir zustimmen, dass dieser Herr seiner Zeit zweifelsohne einen riesigen Schritt voraus ist.

Ohnehin prophezeie ich für die nächsten Monate einen abnehmenden Grad an Unterhaltung in unseren Leben. Nicht nur auf dem Lach-Sektor wird kräftig gespart (die CSU hat hier bekanntlich bereits reagiert und Vorzeigekomiker Stoiber rausrationalisiert), auch musikalisch tut sich höchstwahrscheinlich nicht mehr viel. Die Feuilletons dieser Welt bejammern den Untergang der Oper, ich bejammere den Untergang der Rockmusik. Elektronisch infiziert war sie ja schon seit längerem, was ganz natürlich ist, da sich am Pc schneller und wesentlich günstiger Tracks erzaubern lassen, und wenn sie einmal dort ist, warum soll sie dann noch den Umweg über physische Tonträger nehmen? Dies ist gar keiner meiner Kritikpunkte. Was wirklich fehlt, ist die Jugend, die kleinen neuen Bands. Das Jahr brachte uns viele etablierte Künstler zurück, mit teilweise guten Alben. Doch wie oben beklagt, hat sich der Großteil der jungen Leute heute schon längst für das schnelllebige, aber edle Prolltum entschieden. Und so greift die demographische Katastrophe wohl auch auf den Unterhaltungsmarkt zu. Das wollen Sie nicht zulassen, meinen Sie? Dann hören Sie besser sofort auf zu feiern! Die Situation ist ernst genug.