jung und desillusioniert - reloaded

31.01.2009 um 13:53 Uhr

Das Jahr von vorn

Tatütata, der erste Monat wäre dann also geschafft. Außerdem dürfen wir, die sehnsüchtig den ersten Tau unter den muffig gewordenen Zehen erwarten, uns glücklich schätzen, dass der, der jetzt kommt, nur schlappe 28 Tage hat. Das heißt aber für all jene, die sich sowieso die Einführung des 38-Stunden-Tages wünschen, weil sie dann endlich einmal all die wichtigen Dinge wie Ausschlafen, Sport treiben, Lernen und Feiern gehen unter einen Hut bekämen, leider auch, ab morgen noch doofer in der Gegend rumzugucken. Die Kolumnistin zählt sich zu beiden Risikogruppen, Zwiespalt erwache!

Man kennt das ja: Der 1.Februar wird gerne mal als zweiter erster Januar missbraucht, weil all die guten Vorsätze, die man doch eigentlich schon einen Monat früher verbraten wollte, leider unter das gnädige Aufschubkriterium "Ist ja erst Januar" gefallen sind. Jetzt geht der gesamte Schmus also wieder von vorne los, Abnehmen, Autoreparieren und Umziehen geht in Runde zwei.

Apropos Umziehen. Auch ich bleibe von dieser Umwälzungskrankheit nicht ganz unberührt. Zwei Umzüge stehen ins Haus: Einer davon betrifft sogar ein neues Mitglied in unserer Bude. Das ist toll; jetzt kommt das Leben endlich aus den Winterferien (noch etwas verdattert vom Après Ski) zurück. Schließlich war es noch lange nicht genug, im eigenen Kabuff über den seltsamen Auswüchsen der Wissenschaft darben zu müssen, während sich der gesamte Rest der Stadt das kompette Arsenal an unbürgerlicher Freiheit einverleibte; nein, jetzt wird der Fluss des kreativen Daheimbleibens wohl bald auch noch von Hämmern und Bohren und Gipsen gestört, wobei letzteres ja eigentlich gar kein Geräusch macht. Wo bleibt der März?

25.01.2009 um 13:00 Uhr

Ab ins Chaos.

Es ist ein Traum! Nach einem langen Wochenende des Zimmerhütens und auf-Büchern-Einschlafens ist nun endlich Sonntag Morgen. Und das bedeutet, dass es in unserer schönen Stadt immer noch mindestens eine Institution gibt (genauer gesagt fallen der Kolumnistin sogar drei ins komatöse Auge), die meinen Schreiberhintern aus dem Bett hieft und ihm in ihren heiligen Hallen bis ca morgen Mittag Asyl gewährt. Schnell die Glitzerschminke aufs Jochbein geschmiert und ab ins Chaos!

21.01.2009 um 21:26 Uhr

Nostalgisch am Abend

Stimmung: mit einem Schmunzeln

Lassen wir einmal die Tatsache beiseite, dass im Hintergrund und in so ziemlich jedem zweiten deutschen (Frauen-)Haushalt nun gerade großer Pro Sieben-Serienabend ist. Das hält die Kolumnistin selbstberständlich nicht davon ab, sich hier noch für ein paar Zeilen selbst zu beweihräuchern. Dies ist doch tatsächlich mein 141. Eintrag in - ich nenn es zärtlich so - meinem Baby. Schön zu wissen ist, abgesehen davon, zu wissen, dass ich es nach über zwei Jahren rockender Kuhmilch, vielleicht nicht mehr derartig themenbezogen wie anno dazumal, jedoch aber immer noch auf wissensfördernde Art und Weise, immer noch verdammt drauf habe, meine Leser mit "endlos verklausulierten" Schachtelsätzen um den Verstand zu bringen - was nicht schwer ist, denn ich habe, anders als Sie vielleicht, ja jede Menge Zeit, mir den Mumpitz x-Mal durchzulesen - (himmel, wo war ich stehengeblieben?), auch, dass mir meine Leserschaft von damals doch tatsächlich treu geblieben ist. Spitze! Ach ja und: Danke.

21.01.2009 um 10:50 Uhr

Lässiger Erfolg

von: Kuhmilchrockt   Kategorie: In eigener Sache

Es ist wieder soweit: Das Gehirn wird in die unangenehme Lage gezwungen, etwas tun zu müssen, sprich - und jetzt kommts: zu denken; quasi also seinem Selbstzweck zu dienen. Das ist nicht schön und sorgt bei vielen Ihrer und meiner Zeitgenossen für Verdruss, ja. Aber was tun, wenn doch unangenehme Klausuren ins Haus stehen? Weiter daran festhalten, dass man als von allen Bätschelern gehasster Noch-Diplomer ruhig noch ein, zwei Jahre die Beine baumeln lassen kann? An dieser Stelle sollte vielleicht noch einmal mit Nachdruck klargestellt werden, dass Studenten, sollten es keine Geisteswissenschaftler sein, keinesfalls ihre Nachmittage damit verbringen, Marmelade einzukochen. Wir stehen das halbe Jahr über um sechs Uhr morgens auf, pflegen Nachmittags alte Ärsche und kämpfen mit Matetee gegen Magengeschwüre. Meiner Meinung nach befolgen die meisten Studenten schlichtweg eine falsche Strategie. Die prügeln sich einfach das gesamte Semester hindurch spaßlos Formeln in den Kopf, haben keine Freunde mehr, sondern "Lerngruppen", schlafen allerhöchstens auf dem Weg zum nächsten Seminar und gönnen sich nicht den kleinsten Schnupfen. Nein, nein. Nicht mit mir, meine Damen und Herren! Verbesserungsvorschlag: Sich zu allen wichtigen Vorlesungen quälen, mitschreiben ohne zu Verstehen, dafür abends mal länger Party machen. Kurz vor den Klausuren dann drei Wochen einsperren und wie besessen alles aufarbeiten. Und sich dann für den lässigen Erfolg von den Spaßlosen bewundern lassen. Klappt super!

12.01.2009 um 23:10 Uhr

Eins, zwo, Berlin

Stimmung: müde
Musik: Gundel - Berlin-Lied

Bist ma viel zu dolle ans Herz jewachsen - ein kleiner spröder Nachtgedanke vor dem Federfest der geschlossenen Augen. Dass der ein oder andere so genannte Musiker schon mal seinen Senf zur Hauptstadt dieses Landes beigetragen hat, ist ja nicht unbekannt, und schon gar nicht verwunderlich, ist Berlin doch praktisch das Fliegenpapier der Entrechteten und freiheitsuchenden Kreativschaffenden. Dass dabei der ein oder andere Mist herausgekommen sein mag, ist freilich nicht zu leugnen. Aber ich möchte an dieser Stelle trotzdem ein klitzekleines Länzchen für das gemeine Berlin-Chanson brechen. Es gibt gefühlte Hundertzweiundachtzigtrillionen Gesangsstücke über die Stadt, ihre sie bewohnenden Gestalten und Kaputten, das Milljöh... Eine sehr schöne Liste schaue man sich hierzu im Onlinelexikon seines Vertrauens an. Sehr viele Künstler, die den Namen auch verdient haben, tummeln sich da. Neben Urzeitmonstern wie Dietrich und Sinatra natürlich auch die Neuzeitalternativen. Dabei sind Britta, Kante, TempEau oder Einstürzende Neubauten. Klar, ein kleiner chauvinistischer Zug, der dieser Stadt seit jeher zu Recht anlastet, lässt sich auch hier nicht verbergen, schließlich sind es zumeist die Berliner selbst, die da mit geschwollener Brust den Himmel über der Spree in jenen hineinloben. Aber die könnens halt, sich freuen dass es weh tut. Und herrlich unsympathisch sein!

07.01.2009 um 12:31 Uhr

Kontaktfreude

Ja, ich bin ganz entschieden für mehr Nachbarschaftskontakt. Wie oft konnten all jene, die sich in einen dieser übriggebliebenen menschlichen Ameisenhaufen aus Beton verschanzen, nicht schon beobachten, dass Frau B. dem Hausmeister beherzt in die geöffneten Arbeiterhände sprang und Form und Umfang seines beträchtlichen Bierbauches und/oder Schnurbarts pries? Und wie oft haben diese die Augen vor so viel alltäglicher Obszönität verschlossen? Einfach die Tür ins Schloss fallen lassen, mit der Begründung: Geht mich nichts an, wenn fremde Hausmeister vergewaltigt im Fahrstuhl zurückgelassen werden?

Mit mehr Fürsorge für den Ihnen Nächsten können solche tragischen Fälle leicht verhindert werden. Mag sein, dass ich hier einer Aufschreiwelle auf die Flügel springe, die Kindermorde und Asi-Mütter im Mittagsprogramm anprangert. Niemand jedoch wird ernstlich schlagende Argumente gegen Eiertausch und Waschmaschinen-Mitbenutzung vorbringen können. Schnuppern Sie unauffällig unter obskuren Vorwänden in die heiligen Hallen der anderen Mieter: Wo vergammelt vielleicht ein Kleintier in der Ecke, ist in der Tiefkühltruhe auch alles in Ordnung, sind alle Peitschen im hauseigenen Domina-Studio säuberlich aufgehängt?

Schwupp-di-wupp wird sich eine Gemeinschaft bilden, von der Indien-Reisegruppen nur träumen können: Grillparties zwischen dem achten und neunten Stock sowie lustiges Minderheiten-Dissen werden nun täglich ihr Leben aufmöbeln und es nicht zuletzt sicherer gestalten. Denn, haben Sie sich schon einmal gefragt, was Ihre lieben Nachbarn für Sie tun könnten? Was ist mit den Fotos von der letzten Dessous-Party, die ein wenig zu sehr in Körperlichkeiten ausartete... die nun aus ihrer Schreibtischschublade verschwunden sind? Gleich eben ans schwarze Brett geschaut und richtig: Da werden Sie auch schon aufs Köstlichste vor allen Ihren Bekannten bloßgestellt. Wie schön! Nichts kann Sie so effektiv vor sich selbst schützen wie ein gesunder Mob.

05.01.2009 um 12:07 Uhr

Das ist doch hier kein Spaß!

von: Kuhmilchrockt   Kategorie: In eigener Sache

Allen soeben in der Realität Gelandeten wünsche ich nun Kraft zum Durchhalten. In fünf Tagen (Berliner: 4 Tage) ist ja auch schon wieder Wochenende.

Schön war es, mal wieder zwei Wochen lang gepflegt die Birne auf Durchzug zu schalten. Doch irgendwann ist der Spaß eben vorbei, sagen die.  Ist das so? Wo ist er denn hin, der Spaß? Hört er auf zu existieren, sobald wir die Tore einer Schule/Uni/Arbeitsstelle durchschritten haben? Arbeitet er, wenn wir Ferien haben und macht er Ferien, wenn wir arbeiten? Hat er Familie? Ist ihm auch so kalt?

Alles Quatsch. Der Spaß ist wie Luft. Niemals ist er verschwunden, immer gegenwärtig. Ein Spaß-Vakuum baut sich nur in den Köpfen derer auf, die sich oder ihr Leben selbst zu ernst nehmen und in der Winterzeit peinlich genau ihre Schnürsenkel zum Trocknen aufhängen (solls geben!).

Ich für meinen Teil begegne solchen Zeitgenossen leider zur Genüge an meinem Bildungsinstitut. Brillenträgerinnen mit Schulmädchenfrisuren und ausladendem Mathematik-Fachwissen oder Hochwasserhosenfanatiker mit weichendem Haaransatz sind hier öfter anzutreffen. Studieren sich in 5 Semestern um Kopf und Kragen und fragen sich dann, wo diese komische Unzufriedenheit im Herzen herkommt.

An alle, die sich hier wiedergefunden haben:

Schmeißt sämtliche Textilien mit Pferdemotiven fort;

Packt euch Kopfhörer auf die Lauscher und schaltet den Straßenverkehr aus;

macht Feuer mit euren wichtigsten Unterlagen;

gebt alle eure über Silvester liegengebliebenen Pfandflaschen zurück und kauft euch davon ne Pulle Sekt;

setzt euch in die Sonne und lacht mal wieder!