jung und desillusioniert - reloaded

31.01.2011 um 22:38 Uhr

Alle lieben Lena, nur ich mag Pommes

Ich finde nicht, dass man Lena Meyer-Landrut noch eimal das prestigeträchtige Zepter des Dödelschlagers in die Hand drücken sollte. Erstens würde sich die Gute in Ihrer Sparte zusammen mit den anderen mittelmäßig inspirierenden Singer/Songwriterinnen doch viel wohler fühlen: Jeden Sonntag ein bisschen im ARD-Familienprogramm trällern und den Rest der Woche Blumen gießen. Zweitens ist es mehr als lächerlich von Raab und mehr als peinlich für Deutschland, zweimal nacheinander mit der gleichen Interpretin aufzwarten. Das ist, wie ein Referat doppelt halten, weil man nur Lust hat, eines vorzubereiten (Beispiel aus dem Leben der Kolumnistin gegriffen) und wird garantiert schief gehen. Überdies sind die heute abend bei "Unser Song für Deutschland" zum Besten gegebenen Titel auch eher was zum Einschlafen als zum Gewinnen.

Vorschlag zur Güte: Den Wendler schicken. Der hat Haare auf den - äh - Zähnen und kennt sich dolle im Business aus. Außerdem macht der schmissige Musik, nicht so Schulmädchen-Schwachfug. Nein? Ok. Vielleicht fahr ich ja auch selbst im Mai nach Düsseldorf und les ein bisschen aus meiner Kolumne vor. Das wär ein Spaß! Wer auf die glorreiche Idee kam, den Grand Prix dort zu veranstalten, ist auch noch ungeklärt. Sollte er oder sie mir in die Schreiberfinger geraten, möchte ich ihn/sie herzlich drücken, dass Berlin dieser Zirkus erspart geblieben ist.

30.01.2011 um 13:37 Uhr

Fünf Platten und ein missglückter Kinobesuch

Angeschlagen und nach Atem ringend ist die Kolumnistin heute morgen aus ihrem Traum erwacht, in dem sie von einem schwarzen Schwan die Federn gezupft bekam. (Ich hatte nicht erwähnt, dass ich auch Federn habe? Ich arbeite gelegentlich im Chinarestaurant unter mir als Peking-Ente.) Dieses Erlebnis hat mich noch einmal darin bestärkt, meine Leser dazu aufzurufen, sich"Black Swan" besser nicht im Kino mit einer Menge dreckig lachender Männer und hysterisch kreischender Frauen anzusehen, vor allem wenn diese aus Mitte kommen oder das Kino sich dort befinden sollte; ich rufe vielmehr zum kollektiven Raubdownload auf. Zum Film selbst lässt sich sagen: Verstörend,langatmig, skurril, ein bisschen knatschig. Für Liebhaber von hübschen Kleidchen, klassischer Musik, schlecht gemachten Hitchcockstreifen und Natalie Portman. Vor allem Natalie Portman! Da man sich 107 Minuten lang ihr schmerzverzerrtes Antlitz antun, ich meine, ansehen muss, empfehle ich es wirklich nur denjenigen, die stark genug sind und auch schon bei ihren Aufritten in Star Wars nicht verlegen die Popcornkrümel im Schoß gezählt haben.

Aber was mach ich denn da eigentlich? Wollte Ihnen doch ursprünglich gar nicht meinen gestrigen Kinobesuch aufs Auge drücken, sondern mal wieder Musikalisches angedeihen lassen. 2010 war für meine Leser da ja doch eher ein trockenes Jahr. Sagen wir, ich habe mich wohl ein bisschen auf Ihrer musikalischen Selbstständigkeit ausgeruht, zumindest dachte ich, so etwas sei bei Ihnen vorhanden. Und dann muss ich sehen, dass Katy Perry, der feuchte Teenager-Traum, ganz oben auf den Charts sitzt? Dass die Superatzen im Radiolaufen? Dass Telefonkonzerne unsere Lieblingslieder missbrauchen?

Welche Alben sollten Sie sich also schleunigst noch in den Schrank stellen, bevor ich das nächste Mal zu einem Kontrollbesuch vorstellig werde? Hier meine total verspäteten Top 5 für das vergangene Jahr:

Fünf: Marek Hemmann - In Between  - Kritiker behaupten ja, jeder Track klinge wie der andere, ich aber nenne das "gleichbleibende Qualität" seit Zweitausendundneun.

Vier: Massive Attack - Heligoland - Nur Platz 4, aus dem einfachen Grund, und das gebe ich ganz unumwunden zu, dass ich es noch nicht komplett gehört habe, "Paradise Circus" aber schon mal einen hübschen Vorgeschmack bietet. Und es handelt sich hier schließlich nicht um Blümchen.

Drei: The XX -XX - Ok, kam auch schon 2009 raus, wurde aber letztes Jahr erst so richtig schön gehypet. Poppig, gitarrig und schwermütig. Lieber keine Bilder von der Band angucken, das bewahrt die Illusion.

Zwei: Hot Chip- One Life Stand - Jeder Track ein Knaller, Herrschaften!

Eins: Caribou- Swim - Dazu möchte ich mich nicht eingehender äußern, höchstens noch: DIE Platte 2010. Wer die nicht hat, ist selber Schuld.

 Damit verabschiedet sich die Kolumnistin, vergammelt ihr restliches Wochenende und rät Ihnen, dasselbe zu tun.

18.01.2011 um 21:46 Uhr

Klassenfahrt des Grauens: 11 Promis auf der Schwelle zum Kannibalismus

Angeekelt und verwirrt meldet sich die Kolumnistin zurück an der schreiberischen Front. Herrschaften, was für bezaubernde Tage des Schwachsinns liegen hinter uns, seit das Dschungelcamp auf die heimischen Mattscheiben zurückgekehrt ist! Herrlich, wie sich das Ungeziefer im australischen Urwald im eigenen Exkrement wälzt; wild und natürlich und atemberaubend frei; ganz abgesehen von der einheimischen Fauna [ … ] Diese kann einem denn auch schon mittelschwer leid tun: Mit unseren "Promis" muss sie auf Tuchfühlung gehen und wahlweise in Zahnlöcher kriechen oder Ausscheidungsöffnungen besuchen.  Apropos Ausscheidung: An dieser Stelle werden keine, wiederhole: KEINE Wetten angenommen, wann Sarah es mal wieder auf den Pott schafft. Ins Hemd hat sich die Gute jedenfalls bei diversen Ekelprüfungen schon geschissen (und das bevor der erste Mehlwurm aufgetaucht ist); und damit den Unmut des Camps auf sich gezogen. Vor allem Jay, das letzte Aufbäumen einer untergegangenen Boygroupkultur, sieht den Glanz seiner pomadengegerbten Haare in Gefahr, sollte sich die Vitaminarmut der Mahlzeiten fortsetzen. Rainer Langhans, ich nenne ihn kurzerhand "Die menschliche Extrawurst", kann der prekären Situation wahrscheinlich sogar noch irgendeinen ganzheitlichen Ökounsinn abgewinnen. Und Pudel - ähem - Jakobschwester Eva: Nun ja, sagen wir, sie wartet immer noch getreulich auf den Bus…

Interessanterweise hat das Format von RTL den Absprung in die Mittelschicht geschafft: Die zugegeben unspaßigste Moderatorin und die noch zugegebener dickste Knutschkugel der Fernsehgeschichte schaffen es, den Schabernack mit ihren drolligen Zwischenmeldungen, in denen sie ihre Schützlinge aufs bitterböseste durch die Hechtsuppe ziehen, auf eine Art bourgeoise Realsatire-Ebene zu verfrachten, was, wir erinnern uns, noch nicht immer der Fall war, startete die Dokumentation über die Klassenfahrt des Grauens doch wie ihre Kommilitonen Big Brother, We Are Family oder Richterin Domina Saalcrash unter dem Anspruch "ehrlicher" Unterhaltung (Zumindest vordergründig. Dass die Macher sich seit rund 10 Jahren auf ihren Geldkissen in den Schlaf lachen, ist natürlich auch kein Geheimnis).

Eines hat Radio Luxemburg allerdings auch nicht verlernt: Wie man seine Zuschauer auch mal geschwind zum Umschalten bringt. Der pfiffige Spritzer Geschmacklosigkeit darf nicht fehlen im Cocktail (Long Kreischland Scheißtea?) der seichten Unterhaltung: Und so werden auch schon mal Witze auf Kosten der Opfer des australischen Hochwassers gemacht. Danke. Fast hätten wir vergessen, warum wir sonst eigentlich lieber Bücher lesen.


Ich bin kein Star.
Lasst mich besser hier drin, sonst gehe ich euch zuhause weiter auf die Nerven!

13.01.2011 um 12:18 Uhr

Ein Kessel Buntes

von: Kuhmilchrockt   Kategorie: In eigener Sache

Sie dachten schon, dieses Jahr von meinem besserwisserischen Geschreibsel verschont bleiben zu können? Ganz falsch: Auch 2011 werde ich Ihnen den Spiegel der Unkultur vorhalten und Sie darin unangenehm genau auf die gesellschaftliche Eitergeschwulst hinweisen, die sich mal Neue Medien, mal TV, Populärmusik oder sonst wie schimpft. Damit hätte ich Ihnen nun auch ein fröhliches neues Blah Blah gewünscht.

Was uns neben kreativen Wortneuschöpfungen erwarten wird? Ich verrate nicht zu viel, schließlich sollen Sie ja von Zeit zu Zeit noch selbst auf die Idee kommen, einen Blick auf J+D zu werfen. Ein paar Appetitaufreger hätte ich da schon:

Oh Gott, „Das Dschungelcamp“  geht in die nächste Runde. Erfahren Sie hier exklusiv, warum Frank eigentlich gar nicht Weddingplaner mit Nachnamen heißt und warum niemand Katy Karrenbauer hübsch findet.

Ich kläre Sie darüber auf, welche Platten Sie 2010 besser nicht gekauft hätten und wer im aktuellen Jahr die besten Chancen haben wird, von mir mit dem musikalischen Seepferdchen bedacht zu werden. Eine Auszeichnung, die ich zu diesem Zwecke noch etablieren muss.

Selbstverständlich müssen Sie auch auf eine gehörige Portion Mumpitz In eigener Sache nicht verzichten (hier wird es infolge meines steigenden Ruhmes in nächster Zeit zu erheblichem Aufholbedarf in Sachen Selbstbeweihräucherung kommen). Und auch die Handreichung der Woche wird Ihnen sicher noch viele wohlige Schauer des Standesdünkels über den behaarten Rücken jagen, wenn Politiker, Randgruppen, Medienbosse und Society-Horste ihr Fett weg kriegen.

Bei mir, verehrte Interessenten, bleibt Selbiges  jedenfalls, wo es ist. Wenn ich nicht sogar aufspecken werde. Geistig zumindest.