jung und desillusioniert - reloaded

30.08.2011 um 15:15 Uhr

Lektion für den Herbst: Fusiondisco

Vielleicht haben auch Sie im Schüttelschuppen ihres Vertrauens in letzter Zeit schon einmal die Feststellung gemacht, dass dort vollmundige Rythmen, erotisches Herumgeseufze von tiefen Frauen- oder hellen Männerstimmchen sowie der Einsatz von Klaviaturen, Glöckchen und Handclaps Hochkonjunktur haben. Ganz falsch, wer das nun für schnöde Housemusik gehalten hat. Der Kenner weiß: Hierbei handelt es sich selbstverständlich um die Funksouldiscohouse-Welle, im Genre-Katalog unter Bestellnummer #2.034 587 692 209 987 654 zu finden (noch nicht gewusst? Wenn Sie stolzer Schöpfer eines neuen Musikstückes sind und partout keine Ihnen angenehme Schublade zum reindrücken finden, schauen Sie einfach in den Genre-Katalog und suchen sich unter so ausgefallenen Stücken wie Witch House, Großmuttercore oder eben den anderen zwei Trillionen Labels (ja, die Nullen habe ich PERSÖNLICH gezählt!) eins raus. Schöne neue Welt.). Da die Kolumnistin wenig Lust auf eine Kiefersperre hat, tauft sie das ganze noch flux in eine schicke Eigenkreation um, in, mal überlegen: Fusodiho. Oder, weil das blöd klingt, in Fusiondisco. Fertig ist das 2.034 587 692 209 987 655. Genre!
Bevor ich sie jetzt jedoch noch länger auf die Folter spanne, möchte ich an dieser Stelle nun zwei schöne Alben vorstellen, die in meinem virtuellen Plattenschrank unter Fusiondisco laufen.
Zum einen sind da die wundervollen Azari & III, die uns  Jamie Jones mit diesem wohlbekannten  Remix nähergebracht und uns damit zuindest das musikalische Jahr 2011 in Sonne getaucht hat:

  Azari & III - Hungry For The Power (Jamie Jones Ridge Street Mix) byari.ilovehousemusic

Interessantes Fusiondisco-Album (wenn ich's ganz oft sage, vielleicht verwenden es dann bald alle...ha! Wieder ein Schlag ins Gesicht der Unkultur gelandet!) haben Azari & III mit "Azari & III" (weniger kreativ als ich, muss man schon sagen) rausgebracht:



Probieren Sie mal wieder ihre Gesäßmuskeln aus! Die sind nämlich, auch aus medizinischer Sicht, nicht nur zum Warmhalten Ihrer Couchkuhle da.

Zweiter Fusiondiscerich soll nun Ghostpoet sein. Nicht ganz so happy-clappig wie die Herrschaften hierüber, da eher eine tottraurige Mischung aus Faithless und James Blake, aber ganz passend zum Herbst, wie ich finde.


Ghostpoet Liiines from Nicholas Bentley on Vimeo.


Sein Album "Peanut Butter Blues & Melancholy Jam" (schön, nicht?) besorgen Sie sich nun umgehend. (Es kommt kein Bitte mehr.)

Anmerkung: Wenn Sie sich fragen, warum ich unter einem willkürlich gewählten Etikett wie dem total beknackten "Fusiondisco" zwei Musikstile poste, die zueinander passen wie das Präservativ zum Papst, beweist das nur, dass Sie den Quark doch tatsächlich glauben, den ich da schelmenhaft versuchte, Ihnen unters Toupet zu schmieren. Hihi. (Die Musiktipps, jedoch, waren mein voller Ernst.)

Anmerkung II: Wenn Sie sich außerdem gefragt haben, was denn zum Humbug Witch House ist, dann sehen Sie sich noch das hier an:



Großmuttercore habe ich übrigens erfunden.


25.08.2011 um 22:01 Uhr

Das Lifestyledings

von: Kuhmilchrockt   Kategorie: In eigener Sache

Alle, denen technische Neuerungen, Gadgets, Widgets, Gimmicks und andere ungezogene Kinder des WWW und Informationszeitalters so wichtig sind wie die Umweltbelastung durch den Abrieb von Großmutters Wanderschuhen im Elbsandsteingebirge, können nun wieder abschalten und World of Warcraft spielen (spielt man das heute noch? Oder haben die Browser-Games am Ende doch gewonnen?) Die Kolumnistin stellt ihnen nun, nach einigen Tagen Testzeit, ihr neues Spielzeug vor:


Was soll der Käse nun wieder?, fragen Sie zu Recht. Manövriert die Alte ihren Facebook-Frust jetzt in eine Nischen-Anwendung? (Ja.) Schieben wir es einfach auf eine Schaffenskrise, die ich vielleicht gerade streife und mit der Macht der unnötigen Neuerungen niederzuknüppeln versuche. So wie, äh, eigentlich immer. Was also sollte Ihnen das Lifestyledings bieten, was nicht auch mein Blog kann? Ihnen zunächst jede Menge unnötige Informationen, die Sie so vielleicht nie haben wollten. Mir vor allem die Möglichkeit, Dinge aus dem Zusammenhang zu reißen und ins Netz zu stellen, ohne mich weiter darüber auslassen zu müssen. Genauer gesagt, bekommen Sie mit dem Lifestyledings alles annen Kopp geknallt, woran ich mir tagtäglich den kolumnistischen Fuß im Internet stoße. Mit dabei: Denkwürdige Zitate aus Blogs, kuriose Statements in Tagesblättern, von mir selbst verunstaltete Bilder, Videos, die einen Blick lohnen und hauptsächlich: Noch mehr Musik! Und alles frei von Unkultur! Außerdem Filmtipps, Buchtipps, Verdauungstipps. Nein. 

Doch was red' ich eigentlich? Machen Sie sich doch einfach selbst ein Bild! 


22.08.2011 um 11:15 Uhr

Lasst uns eine utopische Nation voller Liebe bauen

Trief, trief, schnüff, schnüff macht der Titel und ja: Es war unvergesslich. Hier ist er endlich: Der lang erwartete Review zum Secret Island Nation Festival 2011.


In einer Gruppe farblich zu uns passender, gescheiterter Existenzen, Musiker und anderer bildender Künstler ging's im

und im
und im

nach


Schweutschland, in eine utopische Nation in der für ein Wochenende Toleranz, Liebe & dicke Bässe regieren sollen. Und das taten sie.

Wie jedes Festival verlangte auch dieses einem das volle Repertoire eines menschlichen Kleiderschrankes ab. Neben Gummistiefeln, Regenmülltüten und dicken Pullis waren selbstredend vor allem aufgespießte Stofftpapageien und Pailletenbeklebung des Kopfes und der oberen Körperpartien die wohl wichtigsten Begleiter dieser Zeit.

500 Leute, deren Familien- Lebens- und vor allem Verdauungsgeschichte man schon nach wenigen Stunden auswendig kennt, tanzten auf einer einsamen schwedischen Insel vier Tage lang den Boden platt, legten auf, kochten Suppe, legten wieder auf, verkauften Getränke, polierten die Deko oder guckten, so wie die Kolumnistin nebst Begleitung einfach überwältigt aus der Wäsche.

Geradezu liebevoll muss man auch die Einstellung zur lokalen Natur nennen, welche die Festivalisten an den Tag legten: Jedes Papierchen, Kippchen, Becherchen etc. wurde umgehend in mitgebrachte Behältnisse verstaut und der Erde hinterher noch ein Küsschen aufgedrückt. So ungefähr.

Und wehe, die Sonne machte sowas hier:


dann alle so:


und dann so:


Doch selbstverständlich möchte Ihnen die Kolumnistin auch ein paar persönliche Eindrücke nicht vorenthalten.


Die Kolumnistin - vom Sturm gebeutelt

Die Tanzfläche - auch vom Sturm gebeutelt

Mit diesen Eindrücken verabschiedet sich die Kolumnistin und sagt:


und nächstes Jahr gerne wieder.

02.08.2011 um 13:07 Uhr

Der August in trockenen Tüchern

von: Kuhmilchrockt   Kategorie: In eigener Sache

Hallo August!

Dieser Monat bringt viele neue, schöne Feiertage ins kolumnistische Haus. Zunächst einmal schüttle ich mir einsam selbst die Hand: Der neue Internetauftritt von J+D jungunddesillusioniert.blogspot.com wird schon ein ganzes Jahr alt. Kinder, was die Zeit vergeht, könnten Sie mich jetzt sagen hören, wenn Sie nicht mit ihrem  Computer ganz woanders auf der Welt sitzen würden und Ihnen nicht sowieso Schnuppe wäre, wie es derzeit um die Vernichtung der Unkultur steht. Ich sage trotzdem: Sekt ahoi! (Denn Sekt geht immer).

Zweitens: Die Festivalsaison hat begonnen. Nicht erst seit gestern, ich weiß es ja. Bevor der Zug gen Wochenendspaß (oder das Auto, Flugzeug oder - wie in meinem Fall - der Fischkutter) jedoch ganz abgefahren ist, nutze ich das kommende Wochenende für einen Aufenthalt im Zelt auf einer in Insel in Skandinavien. Und ja, mir ist bewusst, das gewisse aktuelle Geschehnisse Freizeitaktivitäten in Zelten auf Inseln in Skandinavien unter keinem gesunden Licht erscheinen lassen... Auch hier mache ich nen Sekt auf, spüle damit die Baldriantabletten gen Magen und lasse das Schicksal entscheiden. Und sehen Sie selbst: Dafür lohnen sich jegliche, auch seelische Mühen:

Das Secret-Island Festival. Sekt oder Selters (oder Nieselregen)?

An dieser Stelle werden Sie natürlich dann auch umgehend einen Review des schönen SIN-Festivals lesen können!

Desweiteren wollte ich noch sagen: Falls der ein oder andere meiner Leser (...nicht dass es mehr als zwei wären!) meiner Kolumne übers Wochenende abgesoffen ist: Bitte melden, es sind noch trockene Tücher da! Der August jedenfalls steckt schon einmal in solchen. Und das allein ist ja schon ein Grund zum feiern.