jung und desillusioniert - reloaded

26.02.2015 um 21:03 Uhr

Eine kleine Musikspielliste

In Berlin ist schönes Wetter. Der Frühling spitzt verschmitzt um die Ecken und winkt mit der Fahne des auferstandenen Rock’n’Rolls. Dieses Jahr beehren uns mehrere Bands mit Tracks und Alben, die wunderschön rumpeln und ohne Konservenbässe und Synthiegeklimper auskommen. Sie dürfen mich nicht falsch verstehen, sie wissen ja, ich mag bummbumm  und so weiter. Aber Indie-lektro oder wie das heißt, möchte ich nicht mehr hören. Entweder wir machen Techno, oder wir machen Gitarrenmusik. Aber wir besetzen die Leerstelle in der Band NICHT mit einem Keyboard oder Chaospad. Bitteschön. Es gibt natürlich Ausnahmen (Karin Park zum Beispiel, aber die spielt in einem völlig anderen Team. Im Team der esoterischen Rohfleischesser.). Und ja, meine wunderbare Kolumne hat auch schon mal in jugendlichem Leichtsinn Bands gefietschtdingst, die wir heute im Klischee-Secondhand suchen müssen (oder im Notfallkatalog vom Melt!). Aber die Jungs von damals sind längst mit/ohne uns „erwachsen geworden“, haben die Neonklamotten an den Nagel gehängt und sich –oh Gott- weiterentwickelt (können die das mal lassen?!). Schluss mit Sternchen und elaborierten 3D-Grafiken! Schluss mit Kasettenketten und gelben Schnürsenkeln! Ich habe ihnen eine itzibitzi kleine Playlist zusammengestellt, die sie zum Frühjahrsputz motivieren soll oder was sie sonst so gerne hobbymäßig mit ihrem Leben anstellen. Mit dabei: ganz neue Leute, die neue Sachen machen;  alte Leute, die neue Sachen machen und mittelalte Leute, die das machen, was sie schon immer gemacht haben, allerdings jetzt mit anderen Leuten als mit ihren alten Leuten:





Carl Barât wird Ihnen noch bestens bekannt sein als der trübsinnige Teil der Schleudertruppe „The Libertines“, als er noch zusammen mit Kumpel Pete Steine rauchte. Braucht wieder Geld und ist jetzt mit den Jackals unterwegs. In die Playlist geschafft hat es Carl auch, weil ich mich gerade in sein Oevre einarbeite, das er morgen im Bang Bang Club - der jetzt gar nicht mehr da ist, wo ich ihn vermutet habe und wo ich früher viele schöne Stunden verbringen durfte - zum (hoffentlich) Besten geben wird. Die Veranstalter hoffen auf zahlreiches Erscheinen (also jetzt nicht das der Gäste, es ist nämlich ausverkauft, sondern das der Bandmitglieder)


The Kooks haben es in die Playlist geschafft, weil ich sie erstens heute morgen im Radio gehört habe (ich schäme mich nur ein kleines bisschen), sie zweitens seit 2014 eine neue Platte draußen haben, die an mir vorbeigegangen ist, weil sie gruselige Gospelchöre und funkige Rhythmen (und Fade-outs!) beherbergt. Wie dem auch sei, das hier ist ganz schön. 




Meine Neuentdeckung 2015 sind The Districts, mal wieder ein paar schlechtangezogene junge Menschen, die für ihre wahrscheinlich höchstens zwanzig Jahre (so genau lässt sich das nicht sagen, denn es gibt nicht mal einen Wikipediaeintrag über die vier Amis (nicht, dass ich das als Quelle irgendwie in Erwägung ziehen würde)) ganz schön gute Rockmusik machen. Mich erinnern Sie ein bisschen an eine aggressive Version der frühen Strokes, werden aber auch gerne mit den Black Keys verglichen (ja es gibt Pianosounds). Neben dem ganz toll offbeatigen Sound von „4th and Roebling“ (irgendwann ist mir aufgegangen, dass es sich dabei um eine Straßenkreuzung in NYC handeln muss) habe ich mich noch in „Hounds“ verliebt – dicke Geräuschmauer das. Nur warum heutzutage alle Produzenten denken, dass es cool ist, wenn ein Album ("A Flourish And A Spoil") klingt, als seien die eigenen Boxen kaputt, ist mir schleierhaft.



San Cisco gibt's auch schon seit 2009. Sie kommen aus Australien und sehen immer aus, als würden Sie gerade in den Urlaub fahren (paradox, wo sie doch quasi im Urlaub wohnen). Und ja, sie benutzen Keyboards. Egal!


Konzerttermine für alle Erwähnten in Berlin
Carl Barât and the Jackals – 27.02.15 Bang Bang Club (hier können Sie die Kolumnistin treffen)
The Kooks – hoppala, verpasst – 07.02.15 C-Halle (hauptsache die BZ war da)
The Districts – 16.04.15 Lido
San Cisco – 29.03.15 Privatclub

Uuuund, auch wenn Sie hier nicht singen konnte (denn die Dame möchte sich ihren Platz in meiner Kolumne nicht gern teilen! Da wird sie böse.):

Karin Park -15.04.2015 Berghain (ich werde berichten)

Bis bald oder bis dass der Spargel sticht!