jung und desillusioniert - reloaded

23.10.2015 um 14:51 Uhr

Be Laub, my friend

Vielleicht ist es Ihnen auch schon aufgefallen – Der Herbst ist da und nicht nur deutsche Bäume werden immer brauner. Allerorten fürchtet und sorgt und bürgert es nur so vor der kalten Jahreszeit, die für Viele leider längst nicht mehr nur mit dem ungemütlicher werdenden Wetter begonnen hat. Ich rufe zum gemeinschaftlichen Zurückdenken an die eigene Schulzeit auf – Im Geschichtsunterricht wurden uns die immer gleichen Bilder gezeigt und auf Klassenfahrten haben wir die immer gleichen Ziele besucht. Zurück blieb die Frage, warum wir, aufgeklärte junge Menschen, uns noch immer mit der Vergangenheit der anderen martern sollten. Der Herbst ist ein schleichender Prozess und er hält Einzug in die Köpfe vieler dummer Menschen, die damals in der Schule lieber Taschenbillard spielten als bei ZDF-Dokus, die uns von zugegebenermaßen faulen Lehrkräften gezeigt wurden, aufmerksam zu sein. Wir müssen davon ausgehen, dass es von diesen wirklich dummen Menschen noch viel mehr gäbe, wenn aus dem Lehrplan das Kollektivmartern gestrichen würde. Anders ist der heimischen Braunfäule wohl nicht vorzubeugen. Offenheit, Bescheidenheit, Großzügigkeit, Teilen und Verständnis, Vielfalt und Freigeist sind Dinge, die leider nicht jede/r während des Erwachsenwerdens kennenlernen durfte. Auch nicht (und das aus lauter Glück), was es heißt, wegzulaufen, nichts mehr zu besitzen und die liebsten Menschen zu verlieren. Es gab einmal eine Zeit, da war der Herbst bunt. Wir müssen alle wieder zu bunten Blättern werden, durch die Welt flattern und dumme Menschen unter unserer bunten Last vergraben (Härtefälle werden zum Akkord-Kastanienmännleinbasteln in kleinen Gruppen weggesperrt), kalte Gedanken im Keim ersticken und fremdem Laub mit Oktobersonne begegnen.

04.09.2015 um 00:04 Uhr

Die Kolumnistin in Portugal

Hach, Portugal. Da denkt man doch gleich an _____. Wäre dies ein podcast, würden Sie anstelle von ______  vielleicht ein Geräusch hören, das klänge wie der Zonk. Sie wissen schon. diese Neunzigerjahre-Spielshow mit dem unsäglichen Teufelstier (und schon beginnt das Kopfkino, wie Jörg Dräger, Werner Schulze-Erdel und Peter Bond zusammen einen Softeisstand betreiben - wieso sahen die eigentlich alle gleich aus und warum tragen sie in meiner Fantasie rosé-weiß gestreifte Schürzen und lächeln wie eine Werbung für besonders günstige Zahnreinigung?) Das war jedenfalls das Geräusch, das mein Innenohr machte, als es erfuhr, dass es mit mir in das südwestliche, unbekannte Land reisen würde. Da schnappte sich die Kolumnistin als erstes ihr elektronisches Buchlesegerät und lud sich flixflux ein aufklärerisches Werk darnieder. Dort kann man lesen, dass die Portugiesen gerne Fisch essen, sich gern bemitleiden, niemandem gehören wollen, gerne schwatzen, sich quasi als Exileuropäer auf dem eigenen Kontinent definieren. Irgendwie sympathisch. Sie geben gerne Geld aus, schimpfen auf das eigene Volk und verteidigen es vehement, wenn desselben ein Nichtportugiese sich erdreistet. Südeuropäerklischees sind mühelos anwendbar. Im Laufe der Geschichte stand man sich immer irgendwie selbst im Weg, machte sich abhängig, hasste die Spanier. Immerhin hatte man Portwein und Fado, um sich ein bisschen von der Realität und sich selbst zu entfremden.

Ich weiß ja nicht, wie Sie das sehen, aber ich finde, das klingt nach dem perfekten Ort zum Urlaub machen; die Küste komplett abzuschnorcheln und sich davon überzeugen zu lassen, dass die Portugiesen mehr zu bieten haben als Saudade. In diesem Land! Mit seinem türkisblauen Wasser, zerklüfteten Küsten, Delfinen, Prunkbauten, gemütlichen Hutzelomis und Tintenfischgerichten!

Viel mehr als diese Platitüden bekomme ich über Portugal noch immer nicht zusammen - aber dafür bereise ich es ja schließlich. Portugal ist ein weißer Fleck in meiner geistigen Landkarte - es ist das Land, das einfach schon immer irgendwie da war, aber in dem auf jeden Fall noch nie ein Film oder die Handlung eines Buches spielte. Dessen Sprache klingt wie eine seltsame Mischung aus Spanisch und Polnisch und dem wir Brasilien und sehenswerten Fußball zu verdanken haben. 

Am Montag geht es los, ich werde mich bewusstlos schlagen und in eines dieser fliegenden Ungetüme verfrachten lassen, die sie Flugzeuge nennen, und um die Mittagszeit, wenn Sie sich freuen, dass Deutschland Ihnen eine Regenpause für die Kippe nach dem Businesslunch einräumt, den Boden von Faro bei kuscheligen 27 Grad auf der Celsiusskala betreten. Von dort aus bringt uns ein Mietauto, das hoffentlich nur gelegentlich aufgebrochen werden wird, um den Steiß des europäischen Kontinents herum nach Porto und schließlich Lissabon, in die, so habe ich mir sagen lassen, schönste Stadt Europas (was natürlich Schwachsinn ist. Wie wir alle wissen, ist das Berlin.) Um den Hutzelomis ihre Tram nicht wegzunehmen, werden wir aber natürlich auf eine Fahrt mit der berühmten Straßenbahn verzichten.

Coming soon: Verfolgen Sie hier im Liveticker, wie meine Haut im Minutentakt brauner wird und freuen Sie sich auf abenteuerliche Äktschncamvideos von Ankerfriedhöfen. Jetzt nur kein Neid!

26.01.2014 um 21:14 Uhr

Buchtipp: Was Arbeit ist, entscheidest du!

Morgen ist Montag, wie Sie vielleicht schon wussten.
Verehrte Blogkundschaft! Das Leben stinkt. Jeden Morgen quälen wir uns auf eine Arbeitsstelle, die es uns ermöglicht, uns essen zu kaufen und schöne Sachen, damit wir zufrieden und mit genug Zucker im Blut wieder auf der selbigen erscheinen. Ich möchte gar nicht meckern. Arbeitslos sein fühlt sich fast noch sinnentleerter an. Aber man kann sich – auf Staatskosten - gemütlich vor der Realität verstecken und so tun als ob Bücher lesen, Yogi spielen und Fotos machen die eigentliche Berufung der Menschheit darstellen. Für ein paar Monate macht das Spaß. Doch weder die unermüdliche Tretmühle noch das Planfaulenzen machen glücklich. Wie also das vielleicht ungeliebte aber dummerweise notwendige Schaffen und Schuften in das Ding, das wir Leben nennen, einflechten? Zu diesem Thema ward der Welt ein Buch geschrieben und es schlägt jedem vor, das Beste aus seiner Arbeitssituation zu machen. Und zwar aktiv! Niemand wird zu seiner Arbeitsstelle gezwungen, das ist der Grundtenor. Wir können selbst bestimmen, was wir zwischen 9 und 5 noch tun wollen, außer in einen Sessel zu pupsen. Oder eben nach Feierabend. Mehr Kreativität, mehr Selbsverwirklichung, selber anpacken. Ausreden von wegen Zeitmangel werden nicht gelten gelassen. Putzfrau, Busfahrerin, Bibliothekarin und Wissenschaftlerin: Nehmt euch bei der Hand und malt in eurer Freizeit ein Bild. Schlafen könnt ihr später. Ich halte diese Sichtweise für ein wenig blauäugig: Zwar mag den Betroffenen nicht die Zeit fehlen, vielleicht aber die Kraft, Schaffens-Kraft. Die Autorinnen gehen von einem rein kreativen Standpunkt aus, da sie selber aus dieser Ecke kommen, na klar. Ihr Gehirn ist nicht zerfressen von analytischem Denken, oder von Zweifeln. Sie sind gesund und munter und haben sonst eventuell nur kleinere Probleme. Sie kommen aus bildungsnahen Verhältnissen und hatten daher wohl tatsächlich die Wahl. Der Ansatz ist durchaus gut. Mir ist da nur scheinbar die Umsetzbarkeit entgangen. Kann aber auch sein, dass mein Kopf im Moment alles wintergrau anmalen will und daher nicht zu weiteren Denksalti fähig scheint. 

 

„Wir alle stehen vor der Wahl, welchen beruflichen Weg wir einschlagen möchten. Es gibt Arbeit, für die es sich lohnt, morgens aufzustehen. Arbeit als Kunst, das Leben zu gestalten. Allen, denen nicht bewusst war, dass sie tatsächlich eine Wahl haben, wird die Entscheidung hoffentlich nach dem Lesen dieses Buches leichter fallen. Ich möchte Menschen, die ihren Lebensentwurf in den Konventionen der Arbeitswelt nicht wiederfinden können, ermutigen, eine neue, positive Arbeitswelt zu prägen, indem Sie engagiert Ihre eigenen Ideen umsetzen. Es ist nicht naiv, zu glauben, man könnte tun was man liebt“ – Catharina Bruns

Wie dem auch sei, bilden Sie sich eine eigene Meinung, auch wenn Bücher im Allgemeinen etwas mehr zeitliche Zuwendung brauchen, als das von mir als Freizeitgestaltung favorisierte „Musikhören“. Lesen Sie:
Work Is Not A Job von Catharina Bruns, erschienen im Campus Verlag, für'n Zwanni.
Quelle

 

25.01.2014 um 00:02 Uhr

Arm aber Kittel

Willkommen zu Project #OneWordaDay! So viel Fanciness und Anglizismen sind Sie von meinem Blog gar nicht gewohnt? Mag sein, dass der Neujahrsblues mir nun komplett die Neuronen geschreddert hat - aber, klammheimlich (Nerd-Funfact:clam=[lat.] heimlich) habe ich mich nun dazu entschlossen, meiner geneigten Leserschaft wenigstens ein Viertelstündchen am Tag zu widmen. Was man liebt muss man schließlich mit Qualitätsjournalismus füttern! Stoppen Sie, wie lange ich durchhalte. Und mitnichten müssen sie befürchten, die Quatlität habe unter höherfrequenter Puplikation zu leiden. Haha! Kann ich das nicht schon gut? Das hat die Wissenschaft aus mir gemacht. Eine Satzmonstren produzierende Verwirrte. Man nannte sie Königin Plemm.


Apropos Wissenschaftler. Großartige Spezies. Brillentragendes, besserwissendes Heer ungeliebter Einzelkinder! Nach dem Abitur flüchteten sie sich, ausgelaugt von neun Jahren des psychischen Missbrauchs durch ihre Mitschüler, in die sie mütterlich auffangenden und (wie sie dachten) gleichgesinnten Arme intrigierender, sozialgestörter Narzissten wie Pinocchio in den Wanderzirkus. Dort angekommen haben sie die Wahl sich freiwillig der Assimilation hinzugeben, sich für die Karrieren anderer die gestige Gesundheit ruinieren zu lassen oder zum gleichen Ellbogen-schwingenden Alphatier zu werden wie die Vorgesetzten. Gott sei Dank sind da noch die anderen, die Kollegen,  die Mitmatrosen auf dem sinkenden Schiff Richtung Nobelpreis, mit denen man zur Not untergehen kann. Mikroskopieren, Analysieren, Publizieren – in diesem Marathon heißt es, mehrere Jahre lang zusammen an einem Menschenversuch teilzunehmen. Die einen üben sich im Weghören und Inkompetenzen verstecken; andere wiederum wollen die Zeit nutzen und lernen. Ich für meinen Teil habe einen ganz guten Mittelweg gefunden, und meine zwei Leben klatschen sich nach Feierabend sogar ab und trinken auch mal das eine oder andere Bierchen zusammen. Ob sie es glauben oder nicht: An guten Tagen liest das Freizeit-Ich zuhause Paper und das Arbeits-Ich hört Techno im Labor. Und wenn wir immer nett zueinander sein werden, kommen wir zwei vielleicht noch ganz entspannt zum Nobelpreis. Oder nach dem Doktor auf eine ruhige Behördenstelle. 
In diesem Sinne, liebe Löwenzahn-Gucker!

25.04.2013 um 13:47 Uhr

Über meinen Balkon und irgendwie auch nicht

Verehrte Kenner des Kautabaks!

Vor kurzem habe ich das Außenglände meiner Kolumnistinnen-Hauptzentrale mit schattenliebenden Pflanzengattungen bestückt. Man könnte sagen, ich habe meinen Balkon beglückt. Geschmückt. Wenn er schon sonst nichts zu lachen hat auf dieser Welt und Nachbar einer der wohl meistbefahrenen Nebenstraßen Friedrichshains ist. Da braust und bremst es allerlei. Nachts und tagsüber sowieso. Ein Tagsüber ohne Sonne übrigens. Denn er guckt dem Nordpol direkt ins feiste feixende Gesicht. Sie sehen also, mein Balkon braucht Zuneigung. Darum widme ich ihm hin und wieder ein Stündchen, in dem ich, bis zum Kinn in fettgetränkte Eisbärenhaut gehüllt, die Nachbarn vis-a-vis beim FKK-lern beobachte.
 
So ist das mit der Gerechtigkeit auf Erden. Wo kein Platz mehr für den einen ist, baut der andere sich ein Häuschen. Mitunter kommt es vor, das Ein und Anders einander (!) gut finden und sich entscheiden müssen: Zu mir, zu dir? Keine leichte Sache. Auf der Sonnenseite ist vielleicht im Frühjahr gut Erbsenzählen. Doch im Sommer freut sich der Besitzer einer dunklen Zuflucht. Oder man lässt die Straße zwischen sich. Mit der Tram und den Autos, mit Fußgängern, Fahrradfahrern, Mopeds, Bollerwagen und Reinigungstrupps drin. Und nun nehmen wir an, die Sonnenseite ist Berlin und die Straße sind 300km Luftlinie.

Unter allen Einsendern eines Fotos mit ihrer ersten Grillwurst verlosen wir diesen praktischen Balkon-Aufsteller.
(Quelle)

21.02.2013 um 14:49 Uhr

Hilfe, ich bin ausstudiert!

Und plötzlich ist es da. Das große, grüne Wurmloch der Ungewissheit. Es stülpt sich über deine Schädeldecke und verschluckt dich ganz, wenn du nicht aufpasst. Es sagt: Nun musst du aber wirklich, wirklich mal erwachsen sein! Gestern noch hauptberuflich Freizeitgestalter und Klausurenaufschieber, dem jeder gesellschaftlich unverträgliche Schabernack putzig als "Jugendsünde" ausgelegt wurde; heute schon der zerknitterte Hausgnom, den sich deine Eltern nach sechs Jahren endlich genervt aus der Geldbörse schütteln wollen. Du hörst im Kopf ein Lied mit dem Titel "Was nun, kleine Frau?". Immer und immer und immer wieder. Gerade eben warst du dir noch sicher, dass deine Qualifikationen unschlagbar und einen ordentlichen Batzen Geld Wert sind. Im nächsten Moment wirst du vor der Tür des Jobcenters abgesetzt. Einfach so.

Es ist so eine Art zweite Pubertät, die mit Mitte zwanzig noch einmal auf dich zukommt. Nur ohne die aufgeweckten Körperzellen, die schreien: Führt uns aus! Beschallt uns! Lasst uns besoffen auf der Straße liegen! Die sagen dann eher: Cremt uns ein! Deckt uns zu! Gebt uns Grüntee zu trinken! Und genau in diesen Identitätsverlust schlägt dann das Ende des Studiums ein wie eine Splitterbombe und verteilt Stücke mit schönem, vormals buntem Leben auf den Hauswänden der Straße, die unweigerlich aus deiner Jugend führt. Was bin ich jetzt? Was mach ich jetzt? Werde ich Bademeister?

 



 

 

 

Hätten Sie zu Abiturzeiten damit gerechnet, dass Sie irgendwann mal in die Verlegenheit kommen, "etwas aus sich machen" zu müssen? Muss man?

Nicht alle lassen sich von diesem Blues runterziehen. Manche studieren einfach noch zwei-, dreimal. Bauen sich ne Wagenburg. Machen Yoga. Oder einfach ganz fest die Augen zu. Kriegen Kinder. Und die über Dreißigjährigen unter Ihnen werden sowieso sagen, dass wir unwissendes Gemüse doch gar keinen Grund haben, uns zu beschweren. Wir haben doch noch alle Zähne, immer mehr Milchprodukte auf Sojabasis und ein hübsches Profilbild auf Facebook. Sind wir alle Weicheier oder verlangt die Leistungsgesellschaft zu früh zu viel von uns? Wir haben keine Mauer mehr, wir haben Flugangst. Genug zu essen, aber Pferdefleisch. Wir dürfen sagen, was wir denken, aber es kommt nur Grütze raus.

Am Ende kommt es wahrscheinlich nur darauf an, wer den längsten Atem hat und das Wurmloch als (wenigstens) schein-adultes Alphatier verlässt. Und die schönste Powerpoint hat. Aber daran kann man arbeiten.

Alles wird gut!

18.11.2010 um 19:21 Uhr

I AM TUCHOLSKY

So so. Ich schreibe also wie Kurt Tucholsky. Sagt die FAZ, und die muss es ja schließlich wissen. Wer auch wissen will, ob in ihm/ihr ein zu Staub gewordener Poet wiedergeboren wurde, guckt hier. Schön fänd ich auch, wenn mal weibliche Literaten am Start wären.

22.09.2010 um 17:34 Uhr

Es muss immer Kaviar sein!

Ja, wir Kolumnisten haben kein Geld. Flattr hilft auch nicht weiter, da der Mumpitz hier selten von mehr als drei Leuten gelesen wird. Zwei von diesen Dreien schlagen sich schon beim Lesen der Überschriften mit der flachen Hand vor den Kopp und nehmen schnellstens Reisaus von dieser Seite und Abstand von meinen Thesen. Nichtsdestotrotz bin ich der Meinung, es lohnte sich, wesentlich mehr Moneten in den guten Geschmack zu investieren. Vorzugsweise in den guten Geschmack von Backwaren aus dem Mittelmeerraum, und ich meine damit nicht die nach Hack duftenden Auslagen von Dönerbuden. Als meine Schneidezähne gestern sanft der matschig-weichen, honigdurchtränkten Blätterteigknochenform einer Spanischen Süßware entglitschten, hätte nicht nur mein Zahnarzt, wenn er unsinnigerweise neben mir gestanden hätte, vor Verzückung fast Lambada getanzt.Wenn man nur bedenkt, welche Welten einem da von den großen Supermarktketten vorenthalten werden: Frischer Fisch, schlüpfrige Ölsorten, ungewöhnliche Pasta! Die einzige Möglichkeit, öfter in diesen schlaraffigen Genuss zu kommen, ist wohl, in einen Feinkostladen zu ziehen. Oder aber gen Süden. Das wiederum wurde mir gestern Abend dann doch eine Spur zu aufwändig, daher heb ich mir das für die Schreiberrente auf. Inzwischen sage ich Lidl und Netto adieu und richte mir schon mal einen gemütlichen Platz auf dem Pflaster einer Seitenstraße meines Kiezes ein. Denn wie lautet ein berühmter Spruch: Lieber Chanel statt Schinken. In diesem Sinne: Besser Kuchen als Kajüte!

 

 

Mjam!

 

Nachtrag: Sich im Zweifelsfall einfach ein paar Schmankerl kaufen erhält den Geldbeutel prall und die Geschmacksnerven sensibel. Es ist dringend davon abzuraten, einen ganzen Monatseinkauf im KaDeWe zu veranstalten. Mit Blattgold beschichtetes Wurzelgemüse braucht nun wirklich kein Mensch!

31.01.2009 um 13:53 Uhr

Das Jahr von vorn

Tatütata, der erste Monat wäre dann also geschafft. Außerdem dürfen wir, die sehnsüchtig den ersten Tau unter den muffig gewordenen Zehen erwarten, uns glücklich schätzen, dass der, der jetzt kommt, nur schlappe 28 Tage hat. Das heißt aber für all jene, die sich sowieso die Einführung des 38-Stunden-Tages wünschen, weil sie dann endlich einmal all die wichtigen Dinge wie Ausschlafen, Sport treiben, Lernen und Feiern gehen unter einen Hut bekämen, leider auch, ab morgen noch doofer in der Gegend rumzugucken. Die Kolumnistin zählt sich zu beiden Risikogruppen, Zwiespalt erwache!

Man kennt das ja: Der 1.Februar wird gerne mal als zweiter erster Januar missbraucht, weil all die guten Vorsätze, die man doch eigentlich schon einen Monat früher verbraten wollte, leider unter das gnädige Aufschubkriterium "Ist ja erst Januar" gefallen sind. Jetzt geht der gesamte Schmus also wieder von vorne los, Abnehmen, Autoreparieren und Umziehen geht in Runde zwei.

Apropos Umziehen. Auch ich bleibe von dieser Umwälzungskrankheit nicht ganz unberührt. Zwei Umzüge stehen ins Haus: Einer davon betrifft sogar ein neues Mitglied in unserer Bude. Das ist toll; jetzt kommt das Leben endlich aus den Winterferien (noch etwas verdattert vom Après Ski) zurück. Schließlich war es noch lange nicht genug, im eigenen Kabuff über den seltsamen Auswüchsen der Wissenschaft darben zu müssen, während sich der gesamte Rest der Stadt das kompette Arsenal an unbürgerlicher Freiheit einverleibte; nein, jetzt wird der Fluss des kreativen Daheimbleibens wohl bald auch noch von Hämmern und Bohren und Gipsen gestört, wobei letzteres ja eigentlich gar kein Geräusch macht. Wo bleibt der März?

07.12.2007 um 13:36 Uhr

Eine Maus hat meinen Faden abgebissen!

Schnell nochmal einen netten kleinen Eintrag verfassen, bevor die Sonne wieder untergeht und die Depression sowie das dringende Bedürfnis, sich die Unterarme mit der Rasierklinge zu bemustern, zurückkehren.

So, jetzt bin ich wieder da. Musste nur eben die dröge Schwarzhaarige aus meinem Zimmer werfen, die eben in frecher Manier meinen Pc gekapert hatte und mit ihren Emoschmierereien meinen täglichen Buchstabensalat vergiften wollte. Hat dann noch versucht, mich in ein Gespräch über unwichtige Achtzigerjahre-Dark-Wave-Gecken zu verwickeln, worauf ich mich selbstverständlich nicht einlassen konnte. (Ich bestach sie mit mehreren Flaschen Hustensaft, worauf sie meinte, sie müsse jetzt mal einen "langen Herbstspaziergang" machen).

Tatsache ist, dass ich keinen Schimmer habe, womit ich Sie heute langweilen könnte. Haben wir eigentlich schon über das Popstars-Finale gesprochen? Sie wissen schon, diese Show, die uns das letzte halbe Jahr die Donnerstage mit auf dem Boden herumliegenden, weinerlichen jungen Menschen, die im richtigen Leben zweifelsohne in der Kosmetikabteilung von Karstadt oder in einer Einraumwohnung in Berlin-Wedding gelandet wären, versüßt hat? Diese TV-Sause, in der Karaokelokalhelden wahlweise zusammen-brechen, ihre Kfz-Mechatroniker-Lehre ab-brechen oder ins Publikum rein-brechen? Nein? Dann sollte ich versuchen, hier nochmal schnell die Kurve zu kriegen, denn ich denke wirklich, dass hierzu bereits sehr viel ungesunder Unfug verzapft worden ist, der keinesfalls Nachahmungspotential besitzt. Machen wir uns doch stattdessen lieber Gedanken über, sagen wir, Brathering. Mmh, lecker, so ein Brathering zur richtigen Zeit. Ist gut gegen praktisch alles: Katerstimmung, unliebsamme Bekannte, misslungene Blogs. Und nun muss ich schnell den Faden suchen, den ich soeben verlor.

15.08.2007 um 13:59 Uhr

Wer bin ich (und was mache ich eigentlich hier)?

Ich werde an dieser Stelle kein Wort über den gestrigen Meckerzirkus verlieren, sondern schnurstraks und gänzlich streiklos, Sie merken es am zurücktransformierten Titel, zur Tagesordnung übergehen, die, eine weitere Neuerung, ungewöhnlicherweise heute recht seriös daherschleicht.

TOP 1. Ich wurde doch tatsächlich gefragt, was um alles in der Welt ich unter "Unkultur" verstünde. Unkultur, verehrte Interessenten, ist das Schlagwort unserer Generation. Weil uns meistens langweilig ist, haben wir die meiste Zeit nur unkulturellen Mist im Kopf, der uns nicht hilft und vor allem nicht langfristig für Lösungen des Problems einstehen kann, welches sich da schon seit Urzeiten aus der Beziehung Mensch/Welt ergibt.

Schauen Sie sich um: Die meisten Leute sind dumm. Sie machen sich lächerliche Gedanken, welche Wurzeln ihrer Gemüsebrühe zu Wohlgeschmack verhülfen, wie sie ihren Colesterinspiegel senken könnten und warum das Wetter ausgerechnet frech stürmt, wenn man doch gerade die neuen kaukasisch-handgefertigten Lederstiefel einlaufen wollte.

Ich gebe zu, das ist das, was wir ungerechtfertigterweise Alltag nennen, ich bekenne mich hiermit auch selbst, dieser Usitte anzuhängen. Das ist nur allzu verständlich. Wie sollte man seinen Arsch, der so bequem im Schaumstoff unseres Lieblingssofas versinkt, auch dazu bewegen können, dieses eingelullte Lümmeln gegen ein Leben im Kampf einzutauschen? Ich kann es nicht, meine Damen und Herren. Vielleicht versuche ich schreibenderweise meinen Beitrag gegen die Verblödung zu leisten, gelingen wird mir das mit einer durchschnittlichen Anzahl von fünf Besuchern pro Tag natürlich kaum. Trotzdem fühlen sich ich und mein Arsch auf meinem Ikea-Schreibtischstuhl gleich ein bisschen besser.

Die meisten Menschen wollen einfach nicht begreifen, dass das Leben an sich eine völlig belanglose und sinnlose Angelegenheit ist. Sie versuchen doch tatsächlich, etwas aus sich zu machen, Inhalt in etwas zu trichtern, das eigentlich leer ist (vielen Dank, Herr Lehmann, für diesen Denkanstoß). Und noch dazu ein Loch hat, sodass nichts bleibt, was ist.

TOP 2. Es handelt sich um einen Prozess. Die Menschen werden sogar noch dümmer. Die wahren Probleme sind die Hauptschulen, eine selbstzufriedene Brut heranzüchtend, die traurigerweise keine zwei Buchstaben, dafür aber Handfeuerwaffenbautypen auseinanderhalten kann. Die ihrerseits einen Kampf gegen die Unkultur führen, dabei aber nicht bemerken, dass sie immer mehr in eine Integrität abrutschen, die der Unkultur zu einer glanzvollen Blüte verhelfen wird.

Ich fasse zusammen:

Wir sind paralysiert durch einen künstlich vorkonstruierten und verkommerzialisierten Alltag.

Wir sind zu dumm, dieses System zu durchschauen und zu bequem, es fallenzulassen.

Und: Jeder dieser Zustände verschlimmert sich kontinuierlich.

Doch glücklicherweise kann ich nun wieder in die Arme meiner Fünfminutenterrine schlüpfen, den Fernseher auf voller Lautstärke Sitcoms plärren lassen und träumen, was alle träumen.

13.08.2007 um 11:35 Uhr

and a moo-moo here and a moo-moo there

Meine unüblich lange Abwesenheit hatte, wie der ein oder andere Schlaumeier unter Ihnen vielleicht schon vermutet hat, mit meiner Weiterbildung auf dem weiten Feld der Film-must-have-seens zu tun. Dieses Feld habe ich, eine auf diesem Gebiet völlig Jungfräuliche, das muss man um des besseren Verstehens willens anmerken, mit Fight Club, Trainspotting (herrlich: Obi-Wan Kenobi drückt H.) und Fear and Loathing in Las Vegas natürlich erst zart angepflügt. Folgen sollen nun, die Gummistiefel sind bereit, unter anderem Pulp Fiction und, wenn mich die Lust auf rohe Gewalt und folgende Läuterungen befällt, Clockwork Orange.

Sie sehen also, ich verfolge wackere Ziele. Aber da höre ich es auch schon fürchten in den hinteren Stallreihen. Was wird nun aus dem so krude umgesetzten Musikkolumnisten-Getue? Herrschaften. Ich bitte Sie, werfen Sie doch nicht gleich die Lesebrille in den Hafer. Ich sprach von Horizonterweiterung. Und, mit Verlaub, wenn mal einer in dieser Herde intellektueller Aushilfsbauern das Hörgerät lauter stellte, hätte dieser einer bemerkt, dass der derzeitige Musikmarkt völlig ausgedörrt und brach in der Sonne der Einfallslosigkeit rumliegt.

Ich hoffe, dass Sie sich nicht von den sanften Ausflügen in Richtung Landwirtschaft verpferdeäppeln lassen. Sie wissen ja: Das Schreibertum ist ein Pflänzchen, das gedüngt werden will. Nix von wegen Cash Crops. Im Übrigen hätte ihnen ja auch schon längst an meinem Pseudonym auffallen sollen, dass hier alles schön biobio rockt. E-I-E-I-O!

 

10.08.2007 um 11:57 Uhr

Wenn ich einmal zum Cineast mutiere...

Wenn Sie mich jetzt so sehen könnten: Die Rührung steht mir ins Gesicht geschrieben, nein, eigentlicht tropft sie mir förmlich aus der Nase, tanzt in meiner Tränenflüssigkeit und trinkt auf meinen Augenbrauen Kaffee, bevor sie von meiner Unterlippe aus zum Sprung ansetzt... Mein Umfrägelein wurde erhört! Schön zu erleben, wie einem die Gemeinde zu Füßen liegt. Im nächsten Leben werde ich auf jeden Fall Rockstar, das steht fest.

Themawechsel. Die Franzosen scheinen Fight Club zu lieben. Alle herunterladbaren Versionen sind française (pas canadienne!!!!!!!!). Kein Problem natürlich für eine Weltmännin wie mich. So bin ich denn nun nach sehr langer Zeit endlich in den Genuss der ersten Hälfte des Films gekommen, nachdem ich für diese beim erstmaligen Guck zu spät eingetroffen war (trop tard), habe aber glücklicherweise mindestens ein drittel verstanden (sprachlich, nicht inhaltlich, ähem!). Jetzt stellen Sie sich das bitte vor: Angestrengt nahm ich alle meine Schulfranzösischkenntnisse Endstand elfte Klasse zusammen und starrte mit wichtiger Miene, weil, haha, ich bin ja so global eingestellt, auf alle eventualités vorbereitet, Löcher in Edward Nortons zugegeben recht hübsches Gesicht (d.h. bevor es zermatscht wird): Was möchtest du mir da gerade sagen? Im Grunde ist das ja verwerflich. Die erzählen uns da, dass die Welt schlecht ist, dass sie im Konsum-Terror untergehen wird und dass alle noch mal bei zero anfangen sollen und lauter Sachen, die auf Deutsch und Englisch sehr wichtig und bedeutungsvoll klingen würden. Dem geneigten Franzosen ist das schnuppe. Er spitzt das Schnäutzchen und phrasiert in einem Affentempo vulgäre Dinge daher, die für unsere Ohren alle klingen wie Crème brulée und Tour Eiffel. Was macht das schon, wenn die Welt ohnehin untergeht? Dann wenigstens stilvoll, das haben uns schon die alten Preußen vorgemacht.

 

06.08.2007 um 13:27 Uhr

Heute wird getanzt, gesungen und gekauft

Es steht ein Geburtstag ins Häuschen, weswegen ich ganz aus selbigem bin. Drum klammere ich mich an meine Fünfminutenterrine und hoffe, dass ich mein Mit-Kaninchen aus dem Berliner Stall mit meiner eigenen und der mitgebrachten Aufmerksamkeit überzeugen kann. Davon, dass auch Provinzkinder Schleifen binden und Geschenkpapier zusammendröseln können, dass es aussieht, als hätte die Dm-Packteuse persönlich Hand angelegt. Ein bisschen Gold und Silber, ein bisschen Glitzer-Glitzer! Den Duft aufgesetzter Unehrlichkeit, das bekommt sie. Aber, meine vereehrten Interessenten, wie heißt es so schön: Wir leben in einer Gesellschaft der Mittel. Und da alle Angst haben, daneben das Suffix -mäßigkeit angehangen zu bekommen, muss sich die geneigte Freundin etwas ausdenken. Dabei wär es so hübsch, ihr einfach einen Sternenguck zu schenken und einen Kuss auf die Breitseite. Liebe ist das, was man nicht sieht, also Obacht! Sie verbirgt sich keinesfalls hinter den Präsentkörben, die Ihnen die befreundeten BWL-Studis mit einem lang geübten Schwung auf den Gabentisch platzieren. So viel Selbstkritik muss für heute reichen, Mann, erstma'n'Schampus aufmachen auf die Anstrengungen der kommerzialisierten Welt.

18.01.2007 um 16:10 Uhr

Draußen Weltuntergang, drinnen Demotivation

Aus dem Auge des Sturms meldet sich: Die Kolumnistin und ist froh, wieder bei Ihnen zu sein. Der Orkan hat die Welt in einen Unterdruck getaucht, sodass jegliche Kreativität aus meinem überdurchschnittlich schlauen Gehirn gesaugt wurde. Bei wem klagt man in solch einem Falle Schmerzensgeld ein? Außerdem müsste heute der neue Musikexpress rausgekommen sein, vielleicht auch schon letzte Woche, und ich hab ihn mir noch nicht mal gekauft, bla bla.

Sie merken, ich unternehme alles, um um einen Eintrag drumherum zu kummen. Zu dumm! (Witz für Rhetoriker Nr. 432 aus dem Buch "Witze für alle - vom Arbeitslosen bis zum Zahnarzt".) Ich höre sogar die Decemberists, damit ich sagen kann: Die haben mich mit ihrem nuscheligen Gejammer derartig in die Depression - ja - genuschelt, dass ich doch glatt alle meine Finger dazu gebrauche, aus dem Lindenblütentee die Lindenblüten herauszufischen, weil die mich ja an bessere Zeiten erinnern (an die, in denen es noch Lindenbäume gab, die keine Sturmschäden hatten).

Auch die Musikindustrie versteckt sich vor mir. Druckt wahrscheinlich gerade Geldscheine oder foltert in ihren Kabuffs illegale Downloader mit Ausschnitten aus Florian-Silbereisen-Volksmusik-Sendungen. Oder der Knilch foltert selber. Oder wird gefoltert. Man sieht es ihm nicht an, aber ich traue ihm durchaus zu, der schlimmste unter dem ganzen Downloaderviehzeuch zu sein. Diese Downloader.

Pah! Ohne es zu wollen habe ich mich wieder mal 2 Minuten lang schreiberisch selbst bewundert und nun ist doch noch ein Blog zustande gekommen. Doofe Prinzipien.

 

28.11.2006 um 21:32 Uhr

The Modern Way

Musik: Murky Moon - all so'n Zeugs

Es ist soweit: Mein Computer hat eine SEELE! Seien Sie sich, meine verehrten Interessenten, darüber im Glasklaren, dass Sie jetzt und genau jetzt die allerersten sind, die meinen geschätzten Blog über DSL veröffentlicht zu Augen bekommen.

Sie kratzen sich den Damenbart. Das hat nichts mit Musik zu tun, denken Sie sich, wollen eben nach der Fernbedienung tasten und endlich wieder Ihren Inga-Lindström-Film einschalten, den Ihr Ehegatte weggedrückt hatte, als er sich im Drehen auf diese drauflegte, schnarchend.

Doch Obacht! Ich sage Ihnen: Es geht sehr wohl um Musik. Auch ich kenne den alten Grundsatz: Musikkolumnistinnen erzählen niemals aus ihrem Privatleben! Aber nun zwingt mich meine nach Läuterung strebende Natur schlicht und einfach dazu. Sehen Sie es positiv: Sie erfahren ja keine schlüpfrigen Details über meine Zahnpflege oder Verdauung.

Es ist nur so, dass ich einer kleinen, noch in den Kinderallwetterstiefeln steckenden Band einfach mal schuldig bin, ihnen medienwerbatorisch unter die Arme zu greifen und sie in die Fußstapfen ihrer großen Vorbilder zu heben, wer immer das sein mag. Was das nun mit meinem DSL- Anschluss zu tun hat? Meine erste Amtshandlung im neuen Leben (Ja wirklich wie in einem dieser Hollywoodschinken wo Engel wieder zu Menschen werden fühle ich mich) bestand darin, sofort auf die Seite obengenannter Band zu hüpfen (setzen Sie dazu einfach den Bandnamen mit Bindestrich in der bewährten Verfahrensweise zwischen ein www. und ein .de) und mir die dort veröffentlichen Medien in die Ohren zu schnupfen. Nie wieder durch Dritte gebrannte CDs (für die ich natürlich trotzdem dankbar war, das an dieser Stelle)! This is the modern way.

Auch kann ich nun endlich mein Repertoire an Klassiker-Songs gekonnt vervollständigen. All die schönen kleinen Dinger, die es nie wert waren, dass man sich ein ganzes Album kauft, die mir aber auch kein guter Freund brannte, weil sie einfach ZU standard sind, die aber trotzdem in jeder Indiedisse die wände rauf und runter kraxeln.

Natürlich habe ich auch schon früher fleißig Musik gedowngeloadet. Jedoch konnte ich in der Zeit des Downloads mal eben zwei Wochen die Malediven besuchen.

28.10.2006 um 13:37 Uhr

Arm an Geld, reich an Erfahrung

Was tut man, wenn man sich als kleiner Mensch in einer großen Stadt befindet? Sich zwei Minuten nach der Ankunft erschöpft auf eine Parkbank niederlassen und den Rest des Tages damit verbringen, so doof wie möglich aus der Wäsche zu gucken.

Die geistige Bewegungsfreiheit in fremden Städten wird ja meistens schon durch elementare Verhaltensregeln außer Kraft gesetzt: Da gibt es schon gewisse Codizes, an die man sich als weltoffener Globalisierungsbefürworter zu halten hat.

Erste Regel: Auf keinen Fall den Anschein erwecken, dass man hier nicht zuhause ist. Touristenimage ist absolut out und passt absolut schlecht zu Streifenshirt und Lederjacke. Fotos werden, wenn möglich, nur nachts und dann ohne Blitz gemacht. Verstecken Sie sich auf öffentlichen Toiletten, falls Sie der Versuchung erlegen sollten, jetzt ganz dringend Ihre nächsten Verwandten nach der Erbfolge ausfragen zu müssen (dies nur am Rande).

Zweite Regel: Haben Sie auf keinen Fall Spaß!! In Clubs geht nur, wer keinen halbbekifften Freundeskreis gitarrespielend bei sich in der Studenten-WG rumsitzen hat. Um Peinlichkeiten zu vermeiden, gehen Sie einfach früh ins Bett und träumen Sie vom nächsten Kreuzberger Charity-Event zugunsten dreibeiniger Hunde, deren Untergrundmusiker-Herrchen auf dem Weg zum Kippenautomat vor die U-Bahn gelaufen ist.

Versuchen Sie bitte darüber hinaus auf keinen Fall, anders zu sein oder mit spontanen Gedichtlesungen aus der Lyrik des 19.Jahrhunderts auf dem Gehweg zu überzeugen. Hier anders zu sein, ist etwas sehr gewolltes, kann also letztlich nur in Einsamkeit und Verzweiflung enden. Sie werden sich bei Trinkspielchen in Ihrer Studenten-WG ertappen und feststellen, dass diese ganzen hippen Regeln Sie davon abgehalten haben, sich den Berlinurlaub als etwas vorzustellen, was sich finanziell evtl. irgendwann einmal rentiert hätte.

Für Korrekturen habe ich nun leider keine Zeit mehr, da ich mich ganz schnell ins Großstadtgetümmel stürzen muss und so unauffällig wie möglich Preisschilder in schicken Indieläden umdrehe.

19.10.2006 um 21:17 Uhr

Mehr überschlaue Kolumnisten braucht das Land (Ich gefalle mir in dieser Rolle)

Mein Computer komplottiert gegen mich. Bis eben wollte er mir nicht erlauben einen Eintrag zu verfassen.

Mittlerweile bin ich der festen Überzeugung, das wäre wohl auch besser so gewesen. Die Kolumnistin ist ziemlich betrunken und weiß vor lauter Buchstaben nicht, wo denn die Bäume in diesem Wald stehen... äh... ist auch egal.

Der Alkohol ist der Vater des Schwermuts, sagt man. Nein, eigentlich sagt man das nicht. Diesen wunderschönen Aphorismus hat sich die Kolumnistin soeben selber ausgedacht. Oder der Alkohol im Gewand der Väter von Dichtern und Denkern. Würde auch ne gute Figur abgeben, der Sack.

Ich kann nur empfehlen, insbesondere allen Musikern und Musikliebhabern, an welche sich diese Kolumne wendet: Baileys selber machen (oder jedenfalls sowas ähnliches). Knallt Ihnen echt die Birne weg und verschafft Ihnen unverhofft vielleicht sogar einmal den Kuss von Muse Martina Lampowskaya aus Unterhüttelsbach-Kleinhofen-ob der linksdrehenden Kulturjoghurt. Und hier das Rezept:

Ein bisschen Puderzucker (so zwei bis 45 Teelöffel)

Kakao (dito)

Ein ordentlicher Mantscher Saure Sahne

Pfirsichsaft (der aus den Konservendosen)

und das wichtigste: soviel Williams Christ Birnenschnaps, wie Sie das für das Wohl Ihrer Künstlerseele für notwendig halten.

Nun noch ordentlich shaken und fertig ist das Kolumnisten- und Literateusen-Getränk erster Güte. Ich nenne diese Kreation ganz schlicht und musikalisch "Blueseys". Jetzt sagen Sie alle doch noch mal, für wie originell Sie das halten!! (Oh nein, ich provoziere geradezu skandalöse Kommentare!)

03.10.2006 um 16:39 Uhr

Es war einmal: Ein Traum

Ich versuche gar nicht erst, gegen den Strom zu schwimmen. Ich weiß schon, von mir wird erwartet, dass ich so richtig derbe meinen Senf zum heutigen Freudentag hinzugebe. Das Brandenburger Tor glitzert mir praktisch aus den Pupillen.

Für alle, denen immer noch nicht aufgegangen ist, warum sie sich heut morgen noch mal zwei bis fünf Stunden rumdrehen konnten und die, als sie ehrenvoll ihrem Tagwerk nachgehen wollten, feststellten, dass der Banktresor zeitschlossgesichert war und auch niemand hinterm Tresen saß, den man hätte schnittig bedrohen können: Ganz Deutschland ist feiern gegangen! Will heißen, ganz Deutschland hat sich zum Kaffeetrinken in der Schweiz getroffen und hinterher eine Runde extra vom Nummernkonto springen lassen.

Die Einheit ist's, die uns das Wasser in die Schweißdrüsen treibt: Was haben wir ihr nicht alles zu verdanken.

Ja, ok, allen, die ich jetzt lautstark "Sachdochmal!" aus der letzten Zuschauerecke blöken höre, sei gesagt: Silbermond, Tokio Hotel UND: Detlef D! Soest. Da springt Ihnen die Kuchengabel übers Parkett, was? Und irgenwie lässt das ja schon wieder Sympathie für die ehemalige DDR aufkeimen. Was bei Erich Auftrittsverbot und lebenslang Bautzen gekriegt hätte, lassen wir in der freien Wildbahn herumspringen. Ach so ja, Silbermond hätten dafür ja noch nicht mal umziehen müssen.

Doch zum Glück fiel der eiserne Vorhang. Ein kalter Krieg ist vorbei, der nächste hat schon begonnen. Wir erkennen uns gegenseitig als Brüder und Schwestern und vergessen getrost, dass uns bis eben noch "Schrei!!!!" oder "Rette mich!!!!" auf der schwarzrotgoldenen Zunge lag. Und auch, dass kontextspezifisch bald eine Platte namens "Give Me A Wall" in meinem Briefkasten liegen wird.

22.08.2006 um 14:44 Uhr

Blutspenden

Ja, ich habe mich dazu durchgerungen, ich gehe Blut spenden. Kommen Sie jetzt bitte nicht auf falsche Gedanken: Ich bin nicht einer dieser Weltverbesserer, die Leben retten wollen. Ach quatsch. Ich mache das selbstverständlich nur des Geldes wegen. Oder des Essens danach. Vielleicht reizt mich auch einfach nur der Kick. So eine Nadel im Arm hat schon was. Kurt Cobain wusste das auch.

Spaß bei Seite: Blutspenden ist wichtig. Gerade bei rhesusnegativen Menschen wie mir. Allerdings bin ich mir nicht ganz sicher, ob die Herren Doktoren mein Blut auch wollen: Ich rauche gelegentlich, trinke auch schon mal was, kann eigentlich nicht behaupten, das ich besonders gesund lebe.

Hoffentlich zapfen die mir mit dem roten Saft nicht einen Teil meiner musikalischen Seele ab: Denn gewissermaßen ist ja die Musik das, wo mein gesamtes Herzblut (!) drinsteckt. Schmacht.

Wäre doch schön: Liebeskummer, einmal Blutspenden und weg isses. Vielleicht entscheide ich mich auch gleich für eine dieser neuartigen Ganzblut-Transplantationen. Ich lasse mein Blut einfach gegen fremdes austauschen... Oder die Ganzkörpertransplantation: Ich lasse mich einfach gleich durch jemand ganz anderen austauschen. Dann geh ich den Musikliebhabern hier nicht mehr mit meiner doofen Meinung und meinem doofen Weblog auf die Nerven.