Kultumänägemänthila in Suomi

22.03.2005 um 10:33 Uhr

Lange Woche -- Teil II

von: DaLani

Nachdem es gestern nicht mehr geklappt hat mit der Fortsetzung, will ich heute meinem Versprechen nachkommen und Euch den Rest der letzten Woche hier reintippen:

Freitag:
Besuch eines Konzertes des Radio Symphonie Orchesters in der Finlandia-Halle

Samstag:
Forum Theater Aufführung
Live Rock Konzert im "Rock'n'Roll Station"


Freitag

Freitag Abend gingen wir die Finlandia Halle, um ein Konzert des finnischen Radio Symphonie Orchesters zu besuchen. Auf dem Programm standen Sibelius' 3. Symphonie und Shostakovics 8. Symphonie. Geleitet wurde das Orchester vom finnischen Altmeister Paavo Berglund persönlich, der mit seinen 76 Jahren immer noch dirigiert. Entsprechend seines Alters und seiner Qualität spendete das begeisterte Publikum minutenlangen Applaus mit standing ovations, schliesslich hat Berglund im Laufe seines Lebens nahezu alle Symphonie Orchester dirigiert, die Rang und Namen haben.
Die Halle selbst, entworfen vom finnischen Architekten Alvar Aalto, ist ein schönes, helles Kongresszentrum, welches sich, unter akustischen Gesichtspunkten betrachtet, eigentlich gar nicht für Konzerte dieser Art eignet. Aber es finden dort eben viele Leute Platz. Wir dachten uns, dass es schön gewesen wäre, dieses Konzert im akustisch perfekten Sello-Sali zu hören.


Samstag

Am Samstag luden unsere finnischen Mitstudierenden zum "Forum Theater Event" ein. Das Forum Theater ist auf den brasilianischen Pädagogen Augusto Boal zurückzuführen. Sein Ziel war es, beim Forum Theater die Grenzen zwischen Schauspieler (Actor) und Publikum (Spectator) zu brechen und "Spectactors" aus den Menschen zu machen. Wichtig sind hierbei auch die gespielten Szenen, denn diese werden vorher von den Schauspielern "aus dem Leben geriffen", d.h. es werden alltägliche Situationen (z.B. Mobbing im Büro, Ausländerfeindlichkeit)aufgeführt, in die das Publikum dann eingreifen kann und mögliche Lösungswege aufzeigen kann. Die Veranstaltung war sehr interessant und hat allen Beteiligten viel Spass gemacht. Leider war das Interesse bei den internationalen Studierenden weniger gross, da sich das ganze zu meist auf finnisch abgespielt hat. Nach kurzen Übersetzungen konnten dann aber auch die beiden verbliebenen "Spectactors" ihre Lösungsvorschläge und Überlegungen in das Projekt einbringen.
Jule und ich sind nach dem Theater Event nach Kallio (Stadtteil von Helsinki) gefahren, um dort einige Stunden auf der fussballfeldgrossen Eisfläche zu skaten. Eintritt: 1€ für Studierende. Da könnten sich unsere Eishallen mal eine Scheibe von abschneiden.
Am Abend stand die gemeinsame Party im Rock'n'Roll Station an. Der Rock-Club liegt in einem alten hölzernen Warenhaus zwischen Kiasma und Parlament und sieht von aussen eigentlich recht unscheinbar aus. Die Innenausstattung ist jedoch überraschend gut gelungen. Zwischen diversen Bars findet man hier einen alten 1959er Cadillac, der leider schon ein bisschen gelitten hat unter dem allabendlichen Publikum. Ausserdem kann man beim Rodeo seine Männlich- oder Weiblichkeit unter Beweis stellen. Zudem hängt ein Flugzeug von der Decke.
Der Grund für unseren Besuch war, dass Matti, einer unserer finnischen Mitstudenten aus Korpilahti, mit seiner Band einen Auftritt im Club hatte und wir uns das natürlich nicht entgehen lassen wollten. Hier in Finnland haben übrigens sehr viele Kulturmanagement-Studenten (mindestens) eine Band.
Die Nacht endete für einige von uns um 6 Uhr morgens in der eigenen Küche beim Abendessen --- oder doch schon beim Frühstücken, ich weiss es nicht mehr so genau.

[...]
Mittlerweile hat unsere letzte Unterrichtswoche begonnen und wir haben nur noch zwei weitere Tage zu überstehen bevor wir uns in alle Winde zerstreuen: Vesna, Anne, unsere Franzosen und Polen gehen nach St. Petersburg während Jule und ich am Donnerstag Morgen nach Tallinn aufbrechen werden, um dort die Osterfeiertage zu verbringen. Ulli bekommt Besuch von ihren Eltern und hat sich schon bestens auf ihre Rolle als Helsinki-Tour-Guide vorbereitet. An dieser Stelle viel Spass Familie Bast.
Am Dienstag nach Ostern machen sich Anne und Ulli dann auch schon auf den Heimweg während Vesna, Jule und ich knapp eine Woche später über Turku und Tampere hoffentlich sicher wieder nach Deutschland zurückkehren.

Ach und nochwas: Auch in Finnland wird es endlich Frühling. Seit gestern haben wir nicht nur Sonnenschein (schon 5 Wochen lang), nein, wir haben auch endlich Temperaturen über dem Gefrierpunkt, zumindest tagsüber.

So, das war's dann erst mal wieder für heute.
Grüsse in den warmen Süden... 

20.03.2005 um 19:53 Uhr

Lange Woche...

von: DaLani

Hallo,

eine lange und anstrengende Woche liegt hinter uns. Neben den eigentlichen Unterrichtseinheiten hatten wir auch ein ziemlich dichtes Besichtigungs- und Eventprogramm, deswegen hier erst einmal eine Übersicht:

Dienstag:
Besuch des finnischen Parlaments (Eduskunta)

Donnerstag:
Besuch und Führung in der Leppävaara Bibliothek von Espoo und Besuch des Sello-Sali, einem modernen Konzertsaal in Espoo


Dienstag:

Der Dienstag begann für uns alle mit einer auf 9.oo Uhr terminierten Videokonferenz. Zugeschaltet war uns die Kulturmamagement-Studierenden aus Joutseno. In der Videokonferenz stellten wir unsere jeweiligen Heimatuniversitäten vor.
Nach der Präsentation und einem kurzen Mittagssnack fuhren wir gemeinsam nach Helsinki um die Eduskunta, das finnische Parlament zu besuchen.
Korrekt durchleuchtet und gecheckt stand zuerst eine Führung durch das Gebäude auf dem Programm. Neben der herausragenden Architektur und Innenausstattung war für uns der immer noch in Betrieb befindliche "Pater-Noster" eines der Highlights dieses Nachmittags. Nach der Führung trafen wir uns dann mit einem der Parlamentsmitglieder zum gemeinsamen Gespräch. Naja, eigentlich erzählte nur der etwas kauzig wirkende aber unterhaltsame Parlamentarier über seine vergangene und zukünftige Arbeit und seine Aufgaben. Wir vergnügten uns währenddessen mit Keksen und heissem Kaffee. Nach unserem Gespräch haben wir uns die Möglichkeit natürlich nicht nehmen lassen, einige Minuten einer Parlamentssitzung beizuwohnen. Da das ganze aber auf finnisch stattfand, war die Dauer des Besuch auf dem Balkon eher kurz. Trotzdem eine empfehlenswerte Adresse in Helsinki.

Donnerstag:

Der Donnerstag begann für (fast) alle mit 3 Stunden Finnisch-Sprachkurs. Danach machten wir uns im Rahmen unseres "Cultural Policy" Kurses am Nachmittag auf den Weg nach Leppävaara. In Leppävaara entstand in den letzten 5 Jahren ein einzigartiger neuer Ortskern. Leppävaara ist ein Stadtteil von Espoo (zweitgrösste Stadt Finnlands, im Grossraum Helsinki). Hier wurde 2000 ein neues Ortskernkonzept entworfen. Eingebettet in ein riesiges "Shopping Center" findet man hier auch 2 wunderbare Kultureinrichtungen: zum einen steht hier Helsinkis zweitgrösste Bibliothek, zum anderen entstand ein moderner Konzertsaal namens "Sello-Sali".
Interessant bei beiden Kultureinrichtungen ist, dass der Bau durch die Supermarktkette getragen wurde, der viel daran lag, diese beiden Kultureinrichtungen dort anzusiedeln, um mehr Kunden zu gewinnen.
Das Konzept scheint aufzugehen, zumindest für die Bibliothek. Täglich zählt die Einrichtung ca. 3.000 Benutzer, 4.500 Ausleihen pro Tag, 60 Mitarbeiter, Bücher in 38 Sprachen (wegen der vielen Immigranten, die bei Nokia arbeiten), Musik-CDs, Videos, DVDs, eine riesige Notensammlung,... Hinzu kommen die üblichen Serviceleistungen wie Internet, Fernleihe, etc. Eine ganz und gar unübliche Serviceleistung hingegen sind die beiden Probenräume für Musiker und das einfache, aber effektive Tonstudio, das die Bibliothek kostenlos zur Verfügung stellt. Im Tonstudio haben die Nutzer die Möglichkeit, eigene CDs oder Demos zu produzieren, welche dann auch in den Bib-bestand aufgenommen werden können. Der technische und finanzielle Aufwand hält sich dabei in Grenzen. Der Zuspruch ist laut Aussage des Verantwortlichen beachtlich, so dass täglich 3-4 Bands oder Musiker das Tonstudio nutzen.
Der "Sello-Sali" gilt als Finnlands modernster und akustisch bester Konzertsaal. Der 2003 eröffnete Saal wurde ganz im Zeichen bester Akustik entworfen und gebaut und sieht dabei auch wirklich sehr gut aus. Jedoch wird der Sello-Sali nicht nur für Konzerte genutzt, sondern  kann auch von Privatpersonen, Firmen und anderen Institutionen für Schulungen und Veranstaltungen genutzt werden. Der Sello-Sali fasst ca. 350 Personen und bietet darüber hinaus Catering und sämtliche technischen Serviceleistungen an. Dabei arbeiten im Sello-Sali gerade einmal 5 Personen: 3 Kulturmanager (in Finnland Cultural Producers genannt), sowie je ein Licht- und Toningenieur.
In den kommenden Jahren soll auf dem gleichen Areal neben zusätzlichen Einlaufsmöglichkeiten noch ein Multiplexkino entstehen.


Den zweiten Teil gibt's Morgen, da ich jetzt hier gleich aus dem Internet-Café geworfen werde. Bis denne...

20.03.2005 um 12:07 Uhr

Bald gibt's ein Update !!

von: DaLani

Schöne Grüsse an alle in Deutschland,

heute Abend gibt es den aktuellen Blogeintrag der letzten Woche. Bis dahin bitte noch etwas Geduld.

Und vielen Dank an die über 1000 Besucher, die unsere Seite bis heute besucht haben.

Wir machen bis dahin mal ein bisschen Werbung...

 



14.03.2005 um 15:26 Uhr

Suomelinna und "Wo ist Behle???"

von: DaLani

Samstag
Ausflug nach Suomelinna

Sonntag
Langlaufen in Oittaa

Samstag

Am Samstag Mittag machten wir uns auf nach Suomelinna. Soumelinna bedeutet übersetzt soviel wie "Finnenburg". Obwohl eigentlich von Schweden und Russland gebaut, fiel die kleine Inselgruppe mit ihrer riesigen meist unterirdisch gelegenen Festung zurück in die Hände Finnlands. Die riesige Festungsanlange wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vom schwedischen Militär (schwedischer Name: Sveaborg [Schwedenburg]) erbaut. Schweden nutzte Sveaborg als Basis für seine damals in Finnland stationierten Soldaten. Dies führte dazu, dass zur Zeit der schwedischen Besatzung Finnlands mehr Menschen auf Suomelinna lebten, als in Helsinki selbst (welches seinen Aufschwung erst unter der Herrschaft des russischen Zaren Alexander II erlebte). Zudem kontrollierte die schwedische Armee von Soumelinna aus die "Meerenge" zwischen Finnland und Estland. Man wollte der russischen Marine von hier aus den Zugang zur Ostsee verwähren.
Noch heute kann man auf der Insel viele wunderbare Gebäude militärischer Architektur und natürlich die riesige Festung besichtigen.
Heute wird "Suomelinna" von fast 1.000 Menschen bewohnt. Es gibt einen Supermarkt, einige Museen und natürlich einige Cafés. Zudem soll auf Suomelinna Kunst und Kultur neuer Raum gegeben werden, weswegen es auf der Insel Galerien und viele Künstler gibt.
Suomelinna wurde 1991 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Die Inselgruppe ist aber vor allem im Sommer eine Reise wert, wenn die Strände und Hügel zum "picknicken" und baden einladen.


Sonntag

Am Sonntag machten Jule und ich uns auf nach Oittaa. Oittaa ist ein Naherholungsgebiet circa 25 nördlich von Helsinki. Von Kauniainen aus allerdings nur eine kleine 20-minütige Busreise.
Oittaa ist also nicht viel mehr als ein schönes altes "Cottage" am Ufer eines der zahlreichen finnischen Seen. Das Cottage beherbergt neben einem Restaurant auch der "Oittaa Recreation Centre (ORC)". Das ORC ist sowas wie das Outdoorparadies für jeden Touri, denn hier kann man sich vom Schlafsack über Zelte, Kanus, Schlittschuhe bis hin zu Schneeschuhen oder eben auch Langlaufausrüstungen so ziemlich alles ausleihen, was das Outdoor- und Sportlerherz begehrt.
So haben wir uns jeder ein paar Langlaufskier ausgeliehen und uns todesmudig auf eine der zahlreichen Loipen begeben. Nun, ich denke für "Touris" haben wir uns ganz gut geschlagen. Die Finnen hingegen laufen in der Loipe zu Höchstform auf: Im winterlichen Kampfanzug (ein enger, aber anscheinend warmer Hightech-Anzug aus atmungsaktiver Syntetikfaser, dazu eine coole sportliche Sonnenbrille, eine aerodynamische Mütze und am allerwichtigsten --- der "Special Forces Gürtel" mit Trinkflasche oder Thermoskanne, Handyhalter, Tempospender, usw.) schiessen die Finnen durch die winterliche Landschaft. Egal ob traditioneller- oder skating-Stil, die Finnen sind so schnell wieder verschwunden, wie sie aufgetaucht sind. Ich glaube, was das Thema Langlauf anbelangt kann man ohne stereotyp zu werden sagen, dass Langlaufen ein finnischer Nationalsport ist (auch wenn die Finnen das natürlich ganz anders sehen).
Aber natürlich gilt auch hier: Früh übt sich, wer ein zukunftiger Goldmedaillengewinner werden will. So "schleifen" die Eltern schon die ganz Kleinen am Wochenende in die Loipe und wäre Goethe damals in Finnland gewesen, er hätte "Die Leiden der jungen Finnen" geschrieben:
An jedem kleinen aber natürlich auch an den grossen Anstiegen schieben, liegen, nörgeln, weinen, schreien, kämpfen, zornen, schlagen, haxeln, diskutieren die kleinen Finnen, teils mit den geduldigen, immer wieder anspornenden Eltern, teils mit den Skiern und teilweise mit der ganzen blöden Wintersportnation und dem Erfinder der Langlaufskier. Aber wie soll man den armen kleinen denn begreiflich machen, dass man später einmal mit gutem Stil die ausländischen Touristen beeindrucken kann.
Wir jedenfalls waren nach knapp 8 Kilometern in 2 Stunden (mit wohlgemerkt schlechten Skiern) mehr als bedient und froh, die Dinger wieder abgeben zu können. Naja, aus uns wird wohl kein Goldmedaillengewinner mehr, aber dank Schumi können wir wenigstens besser Autofahren, den kennt hier nämlich jeder.

Vesna, Anne und Ulli waren das Wochenende über in Tallinn. Ob sich eines der Mädels zu einem Reisebericht durchringen kann, weiss ich nicht.

An dieser Stelle möchte ich mal wieder allen danken, die fleissig unser Webleg lesen. Wahrscheinlich werden wir Morgen den 1.000sten Weblogbesucher feiern können. Schön, dass es Menschen gibt, die sich zumindest zeitweise für unser Schicksal interessieren .

Übrigens: Auch hier in Finnland gewinnt die Sonne langsam aber sicher an Kraft. Vielleicht erleben wir ja doch noch ein paar frühlingshafte Tage hier. Sind ja noch gut zwei Wochen...

Bis bald und grüsse nach Deutschland...

PREVIEW:
Dienstag: Besuch des finnischen Parlaments
Donnersta: Besuch und Führung in der Biblothek von Espoo und Besuch der Sello-Saali, einem modernen Konzertsaal in Espoo
Freitag: Besuch eines Konzert der Radio Philharmoniker in der Finnlandia-Halle

11.03.2005 um 19:41 Uhr

Ein Cocktail über Helsinki und noch mehr Sonne

von: DaLani

Mittwoch
Elektrokonzert in der Felsenkirche
Cocktail über den Dächern der Stadt

Donnerstag
Annantalo
Finn. Nationalmuseum
Finn. Staatsoper

Nach einigen Tagen der Abstinenz hier mal wieder ein paar Neuigkeiten. Die letzte Tage waren trotz des anhaltenden Sonnenscheins den Seminaren vorbehalten. Es soll ja nicht der Eindruck entstehen wir machen hier Ferien, nein, wir müssen auch was arbeiten.

Mittwoch
Nach einem ziemlich langen Seminartag haben sich Jule und ich spontan dazu entschlossen, zusammen mit einigen finnischen und französichen Studierenden eine Aufführung eines Musikfestival in der Felsenkirche zu besuchen. Auf dem Programm stand "Elektromusik". Was wir erlebten übertraf alle unsere Erwartungen: Ohrenbetäubender Lärm, die Lautstärke an der Schmerzgrenze und von "Musik" keine Spur. Stattdessen durch Computer produzierte Töne, die klangen wie ein technischer Defekt in der Musikanlage. Aufenthaltsdauer: 10 Minuten. Mit uns verliessen mindestens 20 weitere Besucher die Kirche. Nachdem wir gegangen waren, kamen immer mehr Besucher aus der Kirche. Ich bin mir nicht sicher, ob am Ende des Konzertes überhaupt noch jemand in der Kirche sass.

Um uns vom gerade Erlebten zu erholen sind wir nach einem kurzen Nervenberuhigungskaba weiter durch Helsinki marschiert. Irgendetwas musste uns diese Stadt an diesem Abend doch noch bieten können. Nach einigem hin- und her haben wir uns dann entschieden, mal noch in der höchsten Bar Helsinkis reinzuschauen: das Ateljee.
Das Ateljee befindet sich im 14. Stock des Hotel Torni. Die wirklich kleine, aber sehr schön und elegant eingerichtete Bar erreicht man nur über eine kleine, enge Wendeltreppe. Das Ateljee verfügt über ausserdem über eine Dachterrasse von der aus man selbst nachts einen unglaublichen Blick über ganz Helsinki hat. Im Internet findet man über das Ateljee übrigens folgenden Eintrag:
"Bei weiblichen Touristen ist insbesondere die Damentoilette beliebt, da zwei große Fenster einen grandiosen Ausblick bieten. So manche Besucherin soll hier schon einmal länger verweilt haben."
Bei Cider und einem neu kreierten Cocktail liessen wir den Abend in gemütlich romantischem Ambiente ausklingen.

Donnerstag:

[
Jule] In unseren Seminaren bekommen wir einen Einblick in Kulturpolitik, Kultur“produktion“, Tanz, Theater und Musik in Finnland. Ausserdem haben wir ein Seminar über das finnische Bildungssystem, auf das die Finnen natürlich v.a. seit PISA sehr stolz sind. Dort gehen wir gerade auch der Frage nach, warum Finnland im PISA-Test so gut abgeschnitten hat. Die wahrscheinlichsten Gründe nach unseren bisherigen Recherchen: die Lehrer können sich voll und ganz auf ihren Unterricht konzentrieren, alle ausserunterrichtlichen und organisatorischen Dinge erledigen andere Schulmitarbeiter;  Lehrer haben bei mehr als 20 Schülern meistens einen Assistenten, der sich um die über- und unterdurchschnittlichen Schüler kümmert; wer im Unterricht nicht mitkommt, erhält kostenlose Einzelnachhilfe; niedrige Ausländerquote.

Für Kulturmanager besonders interessant: Hier gibt es ein landesweites System der „Basic Art Education“ für Kinder und Jugendliche, das sogar durch ein Gesetz geregelt ist. Darunter versteht man Unterricht in allen möglichen Kunstsparten (Malerei, Musik, Tanz, Theater, Zirkus,…), den die Kinder zusätzlich zum Schulunterricht, teilweise von der Schule aus, teilweise in ihrer Freizeit, besuchen.  Hierzu haben wir 3 verschiedene Kunstschulen besucht, um herauszufinden, wie die basic art education funktioniert. Die grösste ist das „ANNANTOLA ARTS CENTER“, das zu 90% von der Stadt Helsinki finanziert wird. Dort wird – wie in den meisten Kunstschulen -  mit dem 5x2-System gearbeitet: d.h. Schulklassen (und Kinder in ihrer Freizeit) kommen 5mal 2 Stunden pro Woche in die Kunstschule, wo sie sich mit professionellen Künstlern und Lehrern eine bestimmte Kunstsparte erarbeiten. Ziel der Kunstschulen ist es, ALLEN Kindern einen Zugang zur Kunst zu ermöglichen, sie zu einem Teil ihres Alltagslebens zu machen und nicht als etwas Elitäres anzusehen. Die Direktorin von Annantola, Johanna Lindstedt, hat dieses Konzept erst vor 2 Wochen in einer Hörung des deutschen Bundestages(rates?) vorgestellt. Wir fanden es alle toll, aber mit unserem derzeitigen Schulsystem lässt es sich nicht einfach auf Deutschland übertragen. Ich bin gespannt, was sich bei uns in dieser Richtung in Zukunft tut!

Danach waren wir im Finnischen Nationalmuseum, das größtenteils  ziemlich altmodisch und langweilig ist: 1000 Speerspitzen aus der Steinzeit, erste Siedlungen, Kirche, Mittelalter, etc. Erst die Abteilung ab dem 2. Weltkrieg war interessant und museumspädagogisch besser gestaltet. Bei unserem "Institutsfossil" hätte die Steinzeitabteilung dennoch sicher Verzückung ausgelöst, denn dort gibt es das älteste gefundene Fischernetz der Welt und Felsmalereien, die skifahrende Menschen und Elche (nicht-skifahrend) zeigen.

Um 19 Uhr begann eines der kulturellen Highlights unseres Finnlandaufenthalts: „Katya Kabanová“, eine Oper von Leos Janácek in russischer Sprache aus dem Jahr 1921 (engl. Übertitel). Sie erzählt die tragische Geschichte der verheirateten Katya (mit fieser Schwiegermutter), die aber einen anderen Mann liebt und deshalb innerlich zerrissen ist und sich schließlich in den Fluten der Wolga ertränkt. Die Sänger waren sehr gut, die Inszenierung modern-traditionell gemischt. Es war schön, nach unserer Führung durch den Proben- und Backstagebereich der Nationaloper (siehe Mittwoch letzter Woche) nun endlich eine Opernaufführung dort zu sehen.