Kaffe und andere schwere Drogen
Da lässt man sich nach 34 Lebensjahren völlig ahnungslos davon überzeugen für ein Kind nun alt genug und auch bald zu alt zu sein (und das vom eigenen Mann) und stürzt sich damit in das größte Abenteuer seit Jurassic Park.
Ähnlich wie in bereits genantem Hollywood Drama beginnt das ganze noch recht beschaulich, berauscht vom eigenen Mut wirft Frau die restlichen Pillenpackungen und liebevoll gehegten Pillendöschen theatralisch in den Abfall um nun einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen.
Spätestens mit entsorgen der hormonellen Sicherheit wappnet Frau sich mit einer Einkaufstasche und den besten Vorsätzen sämtliche Biogemüseregale leer zu kaufen.
Nach einigen kurzen Tagen oder bei besonders hartnäckigen Fällen Wochen wird ein Großteil der teuer erstandenen Biogunst auf dem grünen Wege entsorgt, immerhin nimmt man ja die Folsäure regelmäßig!
Ähnlich geht es Frau mit den so genannten weichen Drogen und hier muss kurz klar gestellt werden das die Umwelt sich erdreistet bereits einer Vorschwangeren die Definition der weichen Drogen neu zu bestimmen.
Nicht etwas ausschließlich der Konsum der bekannten weichen Drogen, übermäßigem Alkoholkonsum oder die Feierabendzigarette wird Frau für diesen Zeitraum denaturiert, sondern ebenfalls solch lieb gewordenen Dinge wie: ein Weinchen zum essen oder gar die Kanne Kaffe....
Letzteres stellt sich zumindest für meine Person als echte Herausforderung dar. Zu beginn der neuen Lebensphase habe ich fröhlich über die überall zu findenden Hinweise nicht zuviel Koffein zu sich zu nehmen hinweg gelesen, ich bin eben ein echter Kaffejunkie.
Nach endlosen zwei Übungszyklen (*gulp*) und einem notorisch nervenden Mann (der schon immer der Überzeugung war mein Koffeinverbrauch grenze an Selbstverstümmelung) habe ich just für ÜZ drei meinen Kaffeentzug vorgesehen. Nach einer anfänglich hochmotivierten Phase mit in etwas 0,6 Liter Kaffe (3 ärmliche, kleine Tassen) statt schätzungsweise zuvor getrunkenen 2 Litern bin ich heute am ZT 11 mitten im schlimmsten, körperlichen Entzug... mein Hirn verlangt nach seinen Botenstoffen für: denken, handeln, sprechen, schreiben und arbeiten und mein Körper gehorcht mir nur noch in einfach zu bewältigenden Dingen, wie Zähneputzen und essen. Jede weitere komplexere Tätigkeit verlangt ein Höchstmass an Konzentration und Durchsetzungskraft. Hinzu kommt die ständige Angst einer meiner Kollegen findet mich mit nach hinten auf die Kopfstütze meines Stuhl oder auf die Tastatur gefallenem Kopf im Büro vor.... (welch Schmach)
Um dieses Peinlichkeit zu umgehen befinde ich mich heute an Tag 11 bei 3 Tassen Kaffe um 11:30 und frage mich: wie soll ich den Rest des Tages überstehen ohne meine eigene Grenzmarke zu überschreiten?
Peinlich berührt denke ich über meine anfänglich Allabendlichen Statements: „heute habe ich nur 3 Tassen Kaffe getrunken“ nach und fange an darüber nachzudenken ob es wohl auffällt wenn ich nichts mehr sage und damit zumindest den Fauxpas der Notlüge umgehe...
