Anleitung zum Entlieben

25.06.2005 um 20:26 Uhr

Wegen zwei Pfund Erdbeern

von: Lapared

Ich hab´s gemacht. Unfassbar. Ich hab´s wirklich gesagt. Alles, was ich eben geschrieben habe, hab ich gesagt. Seinem Anrufbeantworter. Aber egal, er wird es hören. Ich kann es nicht glauben. Und schon kommt es mir so... falsch vor. Ein Fehler, ein ganz riesengroßer, falscher Fehler. Wegen zwei Pfund Erdbeeren habe ich die Liebe meines Lebens in die Pampa geschickt. Das gibt´s doch nicht. Und jetzt kann ich sie nicht mal essen, weil mir der Schnödder aus der Nase tropft, und Erbeeren mit Sahne und Schnödder sind doch doof...

25.06.2005 um 19:58 Uhr

Jetzt reicht´s... gleich.

von: Lapared

Er hat sich nicht gemeldet. Um Sieben habe ich ihm dann aufs Band gesprochen (er besitzt kein Handy, das gefällt ihm, er, der Unerreichbare), dass er mich mal kann. Beziehungsweise, dass ich annehme, dass ihm wohl was dazwischen gekommen ist, dass ich es schön gefunden hätte, wenn er kurz bescheid gesagt hätte, und dass ich jetzt davon ausgehe, dass er nicht mehr kommt. Ganz freundlich. Und nun sitze ich hier und warte darauf, dass er anruft, damit ich nicht drangehen kann und er denkt, ich hätte ohne ihn was unternommen.

Aber den Gefallen wird er mir nicht tun, natürlich nicht. Und deshalb rufe ich ihn jetzt gleich noch mal an. Und diesmal werde ich ihm wirklich sagen, dass er mich kann. Dass ich es leid bin, dass er mich wie Scheiße behandelt. Dass ich weiß, dass er jetzt zuhause sitzt, Fußball guckt und mich ganz bewusst ein bisschen leiden lässt, um mich für den Anruf von eben zu bestrafen, der in seinen Augen schon zu viel war. Denn durch mein „ich gehe jetzt davon aus, dass Du nicht mehr kommst“ habe ich ihn ja quasi für den Rest des Abends ausgeladen. Ich ihn! Und jetzt weist er mich in meine Schranken. Jetzt zeigt er mir, wer die Hosen an hat. Wenn mir vier Stunden Warten zu viel sind, dann meldet er sich jetzt einfach mal ein paar Tage nicht. Dann wird mir schon klar werden, dass man sich wegen vier Stunden nicht anstellt. Aber ich bin es leid. Ich hab genug davon. Ich halt das nicht mehr aus. Und genau das werde ich ihm sagen. Jetzt. Gleich.

Vorher vielleicht noch kurz ein Abriss zum Rest des Tages. Ich gehe ja nicht oft ins Kino. Trotzdem gibt es so ziemlich keinen Film, den ich nicht sehe. Mal abgesehen von so kleinen Nischenfilmen wie Star Wars (ich hasse Science Fiction) oder Dingens, wie hieß der noch, mit den Hobbits... oder Harry Potter (ich hasse Fantasy) oder Erkan und Stefan (ich kotze bei schlechter Comedy). Aber sonst... Und ich stelle immer wieder fest, dass es viel besser ist, sich die Filme auf DVD anzusehen, weil das Extra-Material nämlich meistens spannender ist als der Film. "Just a Kiss" zum Beispiel. Nett. Aber kein Grund den Arsch vom Sofa zu schwingen, ins Auto zu steigen, einen Parkplatz im Umkreis von fünf Kilometern vom Kino zu suchen, 7 Kilometer entfernt einen zu finden, den Anfang vom Film zu verpassen, und circa weitere 9 Filmminuten, in denen ich nichts verstehe, weil die Schnepfe hinter mir ihrer Nachbarschnepfe dringend erzählen muss, dass sie sich genau so ein paar Schuhe gekauft hat wie die Statistin, die hinten links durchs Bild läuft, und die Nachbarschnepfe sagt: Nein!? und die Schnepfe sagt: Doch! und die Nachbarschnepfe: Wo? und so weiter und so weiter, und ich denke, Du mit Deinen Wurstbeinen solltest besser Gummistiefel tragen, obwohl ich die Schnepfenbeine genau genommen gar nicht sehe, weil sie in der Reihe hinter mir im Dunkeln stehen, jedenfalls kann ich mich nicht richtig auf den Film konzentrieren, was eigentlich kein großer Verlust ist, weil er ja gar nicht so gut ist, aber trotzdem ärgere ich mich und... was wollte ich eigentlich erzählen? Ach so, ja... Also "Just a Kiss" ist ein schöner, kleiner Film, den man nicht unbedingt sehen muss, aber ohne wegzunicken kann, und da er von dem wunderbaren Ken Loach ist, sollte man ihn auf DVD sehen, damit man sich danach anhören kann, was Ken Loach über Imigranten, Filmausstatter, die UNO, Liebe, die amerikanische Regierung, Glasgow, Treue, Autoren, Gott und die Welt denkt. Und über die Familie. Ken Loach ist ein sehr kluger, bedächtiger Mann, finde ich. So, und jetzt reicht´s, jetzt rufe ich ihn an. Jetzt.

25.06.2005 um 17:57 Uhr

Titel!

von: Lapared

Ich sitze auf einem Kilo Erdbeeren und koche. Hatte 119 für heute zu Erdbeeren mit Schlagsahne eingeladen. Gegen zwei, vormittags musste 119 nämlich bei einem Umzug helfen. Er ist ja so hilfbereit. Nebenbei: Mir hat er noch nicht mal geholfen, mein altes Bett abzubauen, dass für uns beide zu eng war, weil 119 nicht gerne auf Tuchfühlung schläft. Da musste mir Olli helfen. Olli hat das alte Bett auch auf den Dachboden geschleppt und ich habe gelogen, dass das größere Bett eine Überraschung für 119 sein sollte, damit Olli nicht fragt, warum denn „mein Kerl“ mir nicht hilft. Und als das neue, große Bett, in dem seine Heiligkeit jetzt genug Platz hat, mit ungleichen Füßen geliefert wurde, und vier Wochen danach zwar neue Füße kamen, aber die Monteure weg waren, wer lag da mit dem Werkzeugkasten zwischen Wollmäusen unterm Lattenrost? Nee, gleich lange Füße konnte ich Olli ja schwer noch mal als Überraschung verkaufen, ich, ich war da am Schrauben! Und als wir dann - dank der neuen, von mir unter Erstickungsgefahr montieren gleich landen Füße – im Bett endlich eine ebene Liegefläche hatten, war 119s einziger Kommentar: „Super, Du bist durch das Gefälle nämlich nachts immer so nah an mich ran gerollt.“ Aber was ich eigentlich erzählen wollte, weshalb ich aktuell gerade so geladen bin: Um Zwei wollte er also kommen. Seit Viertel vor Zwei stehen zwei Pfund geschnippelte, gezuckerte Erdbeeren in meinem Kühlschrank - und ein halber Liter von eigener Hand knalle steif geschlagene, mit einem Hauch Vanille verfeinerte Sahne. Jetzt ist es gleich Sechs. Möchte irgendjemand vielleicht Erdbeeren mit Sahne?