Anleitung zum Entlieben

29.06.2005 um 22:34 Uhr

Ein Jahr zuvor...

von: Lapared

Vor einem Jahr ist übrigens sein Vater gestorben. Das Datum weiß ich noch so genau, weil er kurz darauf mit mir Schluss gemacht hat. Er war zur Beerdigung nach Hause gefahren. Als er nach ein paar Tagen wieder kam, sind wir abends zusammen essen gegangen. Ich hab so ziemlich alles falsch gemacht. 119 spricht nicht viel, und obwohl ich normalerweise auch nicht so gern rede, fühle ich mich immer irgendwie verantwortlich, für Unterhaltung zu sorgen. An dem Abend sagte er gar nichts. Und ich umso mehr. Ich dachte, ich müsste ihn aufmuntern oder auf andere Gedanken bringen und habe irgendwelche Geschichtchen erzählt und versucht, witzig zu sein. Ich war so beschäftigt damit, Heiterkeit zu verbreiten, dass ich gar nicht gemerkt hab, dass sein Blick immer kühler wurde. Während ich immer mehr aufdrehte und allmählich zu Höchstform auflief, wurde er immer stiller - und agressiv. Dass ich das nicht geblickt habe! Ich weiß nicht, was in mich gefahren war, aber ich machte immer weiter. Als er nach Hause wollte, bin ich mit ihm gegangen, als gute Freundin, dachte ich, darf ich ihn in so einer Nacht nicht alleine lassen. Ich stand im Schlafzimmer, ich hatte mich gerade ausgezogen, um ins Bett zu gehen. Plötzlich stand er im Türrahmen. Er sah mich an, sein Blick war angewidert, und dann sagte er leise: „Warum kannst Du nicht einfach gehen?“ Ich stand da, nackt, so nackt wie in meinem ganzen Leben noch nicht.

So flott wieder angezogen war ich dann allerdings auch zum ersten Mal. Ich bin gerannt. Mit offenen Schnürsenkeln heulend die fünf Etagen runter und raus. Nur raus. So schnell ich konnte. Er ist dann erst mal zwei Wochen in Urlaub gefahren. Als er wieder kam, hat er mit mir Schluss gemacht. Und dabei gesagt, dass er nie verliebt in mich war.

Ich weiß auch nicht, warum ich diese Geschichte jetzt wieder rauskrame. Wahrscheinlich, weil es so leicht wäre, ihn wieder anzurufen.

29.06.2005 um 12:00 Uhr

Geständnis eines Kneifers

von: Lapared

Ich glaube, ich sollte was beichten. Die Job-Anfragen gestern, die haben sich nicht "zerschlagen". Ich habe abgesagt. Ich hatte einfach zu viel Schiss. Super, was?! Wo soll das nur hinführen...

Meine Schwester sagt, wenn ich so dermaßen die Hosen davor voll hatte, war es gut die Jobs abzusagen, weil ich sie sonst wahrscheinlich selffullfilling-prophecy-gemäß tatsächlich verkackt hätte. Vielleicht hat sie Recht. Andererseits fürchte ich, wird die Verkack-Angst durch Kneifen nicht kleiner. Und mit der Zeit kommt dann auch noch der finanzielle Druck hinzu. Hm. Nein, ich fürchte, das war nicht gut, gar nicht gut.
Meine Schwester sagt außerdem (und das nicht zum ersten Mal), ich soll in einen dieser besseren Sportclubs eintreten, mir einen netten Mann suchen, der mich liebt und keine Bindungsängste hat - und idealerweise etwas Patte, damit er mir auch finanziell ein bisschen Sicherheit geben kann. Sie muss es wissen, sie ist die Ältere. Und sie meint es wirklich ernst, jetzt will sie mir sogar den Monatsbeitrag bezahlen. Man muss wissen, meine Schwester hatte auch mal eine 119. Eineinhalb Jahre ging die Quälerei, ein schlimmes Elend war das, aber hallo. Bis sie im Fitnesscenter einen Anderen kennenlernte, in den sie sich verliebt hat. Der war zwar ein Idiot sondergleichen, aber zum Glück dauerte es ein paar Monate, bis sie das bemerkt hat. Und bis dahin war sie über ihre 119 hinweg. Es lebe der Sport.

Aber irgendwie geht mir ja diese rein theoretische Frage noch nicht aus dem Kopf... mit der ich mich natürlich ohne weiteres auch dann beschäftigen könnte, während ich in einem gepflegten Fitnesscentern gleichzeitig meine erschlaffenden Gesäßmuskeln trainiere. Hm.