Anleitung zum Entlieben

30.06.2005 um 18:57 Uhr

Sex mit John Bon Jovi

von: Lapared

Ich habe meinen Nachbarn gefragt. Bei ihm roch es heute Morgen nicht nach Käsebrötchen. Bei 119 übrigens auch nicht. Ihn habe ich nämlich auch gefragt. Und jetzt darf ich mir wohl berechtigte Hoffungen machen, bei der diesjährigen Prämierung der „Miss Bekloppt“ den ersten Preis in der Kategorie „Dämlichster Grund, den Ex wieder anzurufen“ zu gewinnen. Vielleicht sollte ich mir schon mal ein Kleid für den Anlass kaufen - und Schuhe.

Apropos. Carrie (für die Jungs: aus „Sex and the City“) hat sie nach ihrer zweiten Trennung von Big ja auch nicht mehr alle beisammen, und die anderen Mädels raten ihr dringend, zu einer Psychologin zu gehen. Ich würde ja auch zu einer Psychologin gehen, wenn jemand mir garantieren könnte, dass ich dann auch John Bon Jovi im Wartezimmer träfe und mit ihm Sex hätte, denn es gibt weiß Gott schlechtere Bestätigungen für die nicht nur kein bisschen originelle sondern auch wenig hilfreiche Erkenntnis, dass man sich immer wieder die falschen Männer aussucht, als John Bon Jovi. Hauptsache er würde nicht anfangen, im Bett zu singen. Nicht, dass ich etwas gegen Psychologinnen hätte, genau genommen bin ich selber eine, war es zumindest in einem früheren Leben, ich glaube nur eben nicht daran, sonst wäre ich es ja immer noch. Jedenfalls bin ich genau wie Carrie jemand, der seine Probleme lieber mit sich selbst ausmacht und halte ansonsten auch die These von Charlotte für nicht ganz verkehrt, dass sich die meisten seelischen Probleme mit Sport lösen lassen, wo sie sich im Übrigen ja mit meiner Schwester trifft. Ich überlege ernstlich, ihrem Rat zu folgen, und so einem Fitnessclub beizutreten. Erstes Annäherungsverhalten habe ich bereits gezeigt, indem ich nämlich soeben im Internet ein paar neue Sporthosen bestellt habe. Immerhin ein erster Schritt, nicht wahr.

Zu dem Anruf bei 119 sollte ich vielleicht noch Folgendes sagen. Ich konnte nicht anders, ich hab es nicht mehr ausgehalten. Aber dann das Gespräch hat es eher noch schlimmer gemacht. Davor habe ich mich elend gefühlt, aber nachdem ich aufgelegt hatte, noch viel mehr. So... verlassen. Im Film fährt dann immer die Kamera zurück, und wir sehen das Mädchen klein in ihrer großen Wohnung stehen, meistens in der Küche, die Kamera ist im Wohnzimmer nebenan, oder im Schlafzimmer, im Anschnitt haben wir vielleicht sogar das große, leere Bett, und das Mädchen sehen wir weit weg durch den Rahmen der offenen Küchentür. Manche Regisseure legen dann auch noch melancholische Musik darüber, obwohl das in den meisten Fällen gar nicht nötig wäre. Aber schaden tut´s natürlich auch nicht.

Wann hört das endlich auf. Ich meine, es ist ja nicht so, als wenn ich nicht schon ein ganz erhebliches Stück weiter wäre. Ich trinke nicht mehr, rauche weniger, nehme kein Tavor, esse... und Zwiebeln gehören mittlerweile fast täglich zu meinem Speiseplan. Aber trotzdem ist er immer noch abends mein letzter und morgens mein erster Gedanke. Nur heute nicht, da waren es Käsebrötchen.

30.06.2005 um 09:42 Uhr

Hilfe, Halluzinationen!

von: Lapared

Bin heute Morgen von einer Geruchshalluzination aufgewacht. Ja, so was gibt´s! In meinem Schlafzimmer roch es ganz intensiv nach Käsebrötchen (diese goldgelb überbackenen Dingerchen vom Bäcker, nicht belegte Käsebrötchen). Also nicht wirklich, sondern eingebildet eben. Ich weiß, dass manche große Bäckereien in der City, um Kunden anzulocken, die Bürgersteige mit ausgetüftelten Düften beduften, die geschickt unser Käsebrötchenzentrum im Gehirn stimulieren, oder das Croissantzentrum oder Windbeutelzentrum oder so, aber selbst wenn in der City irgendwo so ein Karton voll mit diesen ausgetüftelte Beduftungspatrone explodiert wäre und der Wind die riesige freigesetzt Beduftungswolke durch die von Abgasen verhangenen Straßenschluchten der morgentlichen Großstadt hinaus in mein kleines idyllisches Viertel ohne geldgeile Bäcker und mit noch unverfälschten, aufrichtigen Gerüchen getragen hätte... dann hätte spätestens der wahrhaft infame Gestank über den Müllcontainern im Hof die appetitliche Wolke spielend absorbiert. Und wenn nicht der, dann die Abluft aus dem Entlüftungsschacht des Fischgrills, der direkt neben meinem Schlafzimmerfenster endet. Warum also roch es in meinem Schlafzimmer nach Käsebrötchen? Das wird mich jetzt wohl den ganzen Tag beschäftigen.
Dabei gäbe es wahrhaft wichtigere Dinge. Die Erderwärmung, das Müllproblem, die Torwartfrage, Bin Laden ist auch noch nicht gefunden... Ich könnte mich um so viele Dinge kümmern.