Anleitung zum Entlieben

31.07.2005 um 20:32 Uhr

Zurück auf Los

von: Lapared

Was habe ich mir nur dabei gedacht. „´N Kaffee trinken“... Wie habe ich geglaubt, ich könnte mit 119 „einfach mal ´n Kaffee trinken“. Warum habe ich nicht sofort „nein, danke“ gesagt und aufgelegt? Welcher Idiot geht mit dem Ex „einfach mal ´n Kaffee trinken“? NIE MIT DEM EX EINFACH MAL ´N KAFFEE TRINKEN – das ist kleinstes 1x1, das lernen Trennungs-I-Männchen am ersten Schultag. ´N Kaffee trinken! Wie konnte ich mir einbilden, ich könnte das händeln? Und wozu überhaupt, wozu? Ich bin wie ein Alk, der sagt, „dieses Saufen ist scheiße, aber ab und zu ´n Bierchen kann doch nicht schaden!“ Ich bilde mir ein, ich könnte es kontrollieren. Und gehe tatsächlich mit ihm Kaffee trinken! So werde ich niemals trocken.

Tja, aber nun ist es passiert. Rückfall auf ganzer Linie. Tränchen, Tavor, Erdbeer-Limes... Rückversetzung in Phase 1. Phase 1 von Phase 1. Also ab ins Bett, schlafen, aufstehen, von vorn anfangen. Ab morgen wieder „nur für heute“. Schämen nützt gar nichts.

31.07.2005 um 03:49 Uhr

Fünf Tage Arbeit

von: Lapared

So geht das nun schon die zweite Nacht. Wenn ich ins Bett gehe, fühle ich mich zu schwach, mir die Zähne zu putzen, und dann wache ich nach drei Stunden wieder auf, putze sie doch und kaufe im RTL-Shop eine der letzten Digitalkameras.
Es ist noch nicht vorbei.

30.07.2005 um 23:45 Uhr

Kleine Strafe

von: Lapared

Um den Übergang aus der heißen, pulsierenden, schlaf- und kalorienarmen Werbeszene zurück in meinen kuscheligen, käsetortenseligen Depressionssumpf ein wenig sanfter gestalten und meine Gehirnmaschine nicht von Volldampf abrupt auf Null zu schalten habe ich mich heute Nachmittag mit meinem alten Freund Herrn M. getroffen. Herr M. wird in drei Jahren die Goldene Palme und in fünf Jahren seinen ersten von 17 Oscars gewinnen (den für seine Lebenswerk nicht mitgerechnet), aber momentan ist er noch mit dem 8-minütigen Kurzfilm beschäftigt, den er im Rahmen seiner Regie-Ausbildung an der Filmakademie drehen muss. Nachdem unser im vergangenen Jahr gemeinsam ersonnener und von Herrn M. kongenial inszenierter 2-Minüter sich mittlerweile zu einem richtiger Festival-Renner entwickelt, haben wir uns heute zusammengefunden, um den nächsten Klassiker aus der Wiege zu heben. Dabei haben wir drüben im „Sprüngel“ gesessen und Käsetorte gegessen und ich hab festgestellt, dass eine Käsetorte dieser Klasse selbst in Gesellschaft immer noch ein Genuss ist, schade nur, dass mein Stück viel kleiner ausfiel als gewohnt, vielleicht weil der Junior-Bäcker sich aufgrund meiner über Wochen tagtäglichen Besuche gewisse Vorstellungen gemacht hatte, und auf diese Weise seiner Missbilligung Ausdruck verlieh, mich nun – nach siebentägiger Abstinenz, die ich in seiner Phantasie statt mit seinem backhandwerklichen Glanzstück mit einem anderen im Bett verbracht hatte - in Begleitung des vermeintlichen Rivalen zu sehen. Winzig war mein Stück. Kaum zu sehen. Oder es lag daran, dass, als er Herr M. und ich kamen, nur noch ein Reststück da war, das der Junior unter anderen Umständen sogar als ein großes verkauft hätte, es dann aber, als sich die Gelegenheit bot, aus kaufmännischen Gründen zu zwei Stückchen, einem kleinen und einem besonders kleinen (meinem!), gemacht hat. Das kann natürlich auch sein.
Dennoch war es ein überaus vergnüglicher Nachmittag.

29.07.2005 um 23:59 Uhr

Feierabend

von: Lapared

Ich hab´s geschafft. Fünf Tage Erwerbstätigkeit. Chapeau! Und Entwarnung auch für Curds grazilen Untersätzchen: Trotz meines halsbrecherischen Kritikmanövers gestern mit der Landung von Büstenhaltern in der Normandy wollte die Agentur mich heute weiter buchen. Wahrscheinlich gerade wegen. Zwei Wochen sogar. Es scheint, als hätte ich dem CD nur das gesagt, was ihm intern, hinter verschlossenen Türen, alle sagen. Aber 14 Tage Schädelquetsche? Da hab ich tief geschmeichelt „Ach, lasst mal!“ gesagt. Schließlich habe ich auch noch eine Depression, um die ich mich kümmern muss.

Nee, ganz ehrlich. Ich bin schlachfertig. Da geh ich nicht mehr hin. Nicht für alles Geld der Welt. Höchstens mal für das, was ich ganz dringend brauche.

29.07.2005 um 05:45 Uhr

Reue

von: Lapared

Wie konnte ich! Wie konnte ich nur?!



Ich meine... Wie schnell müssen diese zarten, kleinen Füßchen unter der Brücke wohl kalt werden!

28.07.2005 um 23:40 Uhr

Alles Psychologie

von: Lapared

Manchmal merkt man eben doch, dass ich Psychologin bin. Eine gewisse Sensibilität, Einfühlungsvermögen... ich weiß Menschen einfach zu nehmen. Durch ein einfaches Gespräch wie dieses:

(Während der Abstimmung. Der CD schickte sich gerade an, eine meiner Ideen abzuschießen. Ich sollte vielleicht erwähnen: Ich habe ein sehr inniges Verhältnis zu meinen Ideen. Manche sind für mich wie Babys. Mütterliche Instinkte keimen in mir auf. Der CD, sich dessen voll bewusst, spielte wie gesagt schon am Revolverlauf. Grinsend nahm er mein Baby ins Visier...)

CD: „Tja, was soll ich sagen. Irgendwie fällt es mir bei Frauen besonders schwer, ihre Ideen zu kritisieren."
Ich: „Das verstehe ich. Ideen von Frauen sind meistens in der Tat sehr gut.“ (Er hatte angefangen! Normalerweise sage ich so Mann-Frau-Scheiße nicht!)
CD: „Nee, deshalb nicht.“
Ich:„Nicht? Warum dann?“
CD „Frauen reagieren gleich so sensibel. Das wird dann immer so verkrampft.“
Ich (und jetzt kommt sie, die psychologische Meisterleistung): „Okay. Dann sage ich Dir jetzt mal was. Das, was da an der Wand hängt, Deine Dessous-Kampagne, die finde ich Scheiße. Weil die Idee, ein hübsches Mädchen im Dessous Fallschirmspringen zu lassen, für mein Empfinden nicht besonders witzig ist. Sei denn, der BH wäre der Fallschirm, Mädchen mit riesig aufgeblähten BHs fallen vom Himmel, ein ganzes Geschwader, über der Normandy, das wäre was! Aber darauf seid Ihr ja leider nicht gekommen, schade, denn so, wie´s da hängt, ist es Mist. Und das sage ich Dir, obwohl Du mein Kunde bist. Na, wie findest Du das? Sind wir jetzt entspannt?“

Tja, so macht man das. Durch einen kleinen psychologischen Dreh hatte ich mein Gegenüber völlig entkrampft. Gelöst und locker hat er mich wenig später zu Tür geleitet.

(Okay, nicht ganz. Aber den Rest des Tages hatte ich die anspruchsvolle Aufgabe, die Einladung zum Sommerfest zu texten.)

28.07.2005 um 06:05 Uhr

Hausaufgaben

von: Lapared

Na, gut. Der Funkspot ist kein Funkspot. Der Funkspot ist der gespielte Witz, Bauernkomödie. Ein Schuss in den Ofen.

Aber... dafür sitze ich ja jetzt auch hier. Dafür bin ich, wie an jedem der letzten drei Tage, um vier Uhr aufgestanden und mache meine Hausaufgaben. Und die sind jedesmal gewaltig, weil ich mich in Agentur nicht konzentrieren kann, weil es dort kalt und laut ist und ich in einem Zimmer mit drei Leuten sitze, wo ein ständiges Kommen und Gehen herrscht, wo pausenlos Telefone klingeln und geredet wird. Ich weiß, das sollte ich ausblenden können, so ist das nun mal in diesen Agenturen, aber ich kann das nicht. Nicht mehr. Und so hocke ich nun in meiner winzigen, stillen, voll beheizten Küche, brüte und tröste mich, dass es ja nur noch zwei Tage sind, bis ich endlich wieder in Ruhe meine Depression haben kann.

Eine Frage läßt mich allerdings nicht los. Wie habe ich es geschafft, zehn Jahre in so einer Agentur zu arbeiten? Mit Erfolg. Und was, was hat sich verändert, dass ich es nun kaum fünf Tage lang überstehe?

27.07.2005 um 23:02 Uhr

Wer´s mit sich machen lässt...

von: Lapared

Zeit für ein kleines Zwischenresümee meines Schaffens in der Kreativschmiede. Ich möchte es mal so sagen... Ich enttäusche. Man hält mich für eine Flasche. Für eine ganz dumme Wurst. Aber es hätte schlimmer kommen können. Ich selbst finde mich nämlich gar nicht so doof. Ehrlich gesagt finde ich meine Ideen zum Teil wirklich erfreulich. In der Tat, ich überrasche mich. Dieser Funkspot zum Beispiel:

SFX: Ein Schlüssel dreht sich in der Tür. Pfeifen. Schritte...

Mann 1: "Tach Chef! Warum liegen Sie auf meiner Frau?"
Mann 2: "Tach Müller! Und warum kommen Sie so früh schon nach Hause?"
Mann 1: "Chef, Sie ha´m mir doch vorhin gekündigt!"
Mann 2: "Na gut, Müller! Dann will ich noch mal ein Auge zudrücken."

Off-Sprecher:
"Wer´s mit sich machen lässt, macht mit. Produkt XY"

Das Produkt darf ich jetzt leider nicht verraten. Es handelt sich jedenfalls um eine große deutsche Tageszeitung, die sich gern als Anwalt des kleinen Mannes verstehen möchte. Ist doch super, was? Der Creative Director fand es „irgendwie nicht intelligent genug“, ein einfacher Dialogspot wäre „irgendwie zu normal“, er wünscht sich ein „irgendwie kreativeres Format“, das „irgendwie mit dem Medium spielt“. Das verstehe ich. Dafür bin ich nur irgendwie zu doof.

Jedenfalls ist davon auszugehen, dass meine Buchung nicht verlängert wird. Und dass sie wohl auch die letzte in dieser Agentur sein wird. Und dann wird sich rum sprechen, dass „die X“ (also ich) es nicht mehr bringt. Und X wird unter der Brücke landen. Curd Rock und ich, wir werden Penner. Ausgerechnet zum Winter.

Ich sollte vielleicht doch noch mal versuchen, mit dem Medium zu spielen, irgendwie. Wo wir doch so schnell kalte Füße kriegen.

26.07.2005 um 22:00 Uhr

Aber mal was ganz anderes...

von: Lapared

Das Mittelalter.

Eine extrem finstere Zeit. Da möchte man wirklich nicht gelebt haben. Sachen gab´s da...



Bei dem oben abgebildeten Gerät handelt es sich um einen sogenannten KOPFZWINGER. Dieses Foltergerät wurde dem Delinquenten um den Kopf gelegt und zusammengeschraubt, wobei sich die Stachel in den Schädel bohrten.



Und dies: die sogenannte SCHÄDELQUETSCHE. Ähnlich wie bei einer Kelter wurde hier der Kopf zerquetscht. Schrecklich.

Ich weiß auch nicht, wie ich da gerade jetzt drauf komme. Na egal...

Muss bis morgen leider noch ein paar neue Funkspots schreiben, ein andern Mal mehr über dieses schlimme, düstere Kapitel. Das Mittelalter.

25.07.2005 um 22:46 Uhr

Was mir heute so alles widerfahren ist - die Kurzfassung

von: Lapared

24.07.2005 um 20:45 Uhr

Kein Astronaut

von: Lapared

Wenn Du den Mann Deiner Träume finden würdest, und alles wäre wunderbar, die Sache hätte nur einen Haken: Ihr beide könntet Euch nur einmal im Monat sehen – würdest Du trotzdem mit ihm zusammenbleiben?
Wenn meine Freundin - oder sagen wir besser ich selbst, denn ich habe keine Freundinnen, ich bin keine Freundinnen-Frau - also wenn ich selbst mir die Frage VOR 119 gestellt hätte: Ich hätte ganz entschieden „ja“ gesagt. Gebrüllt. Die große Liebe... sogar jeden Monat... und ansonsten: allein und ungestört sein… nicht reden… nicht klug, nicht schön, nicht gut gelaunt sein müssen… gemütlich in meiner auf 40 Grad geheizten Wohnung wimperntuschelos die Tage im Pyjama verpuschern – was will man mehr?
Und dann treffe ich genau diesen Mann, meine große Liebe, und der liebe Gott - durch irgendwas, vermutlich ein Stück Käsetorte, in Gönnerlaune - hat sogar noch ein bisschen was drauf gelegt, ich darf ihn nicht nur monatlich sondern nahezu einmal die Woche sehen... und dann ist es mir auch nicht Recht. Dann mache ich mit ihm Schluss und sage: Hase, fick Dich, es ist mir alles zu wenig.

Der Sache ist wohl die, dass ich bei dem hypothetischen Mann meiner Träume, den ich nur einmal im Monat sehen könnte, automatisch davon ausgegangen bin, dass es ganz natürliche Gründe geben würde, durch die er gehindert wäre, mich öfter zu sehen, zum Beispiel, dass er Astronaut sein und in einer Raumstation im Weltall leben würde oder so, aber dass er im Prinzip fürchterlich gerne viel öfter mit mir zusammen wäre, was bemerkenswert schizophren ist, weil ICH, wie gesagt, mir ja durchaus vorstellen könnte, zufrieden zu sein mit einmal im Monat. Aber eben nur dann, wenn ER gebührend darunter leiden, schwermütig schwerelos am Guckloch schweben und mit tränenfeuchtem Blick zu mir hinabwinken würde da draußen im Weltall.

119 winkte nicht. 119 litt nicht. 119 ist kein Astronaut. Er wohnt nicht im Weltall sondern in Wellerbeck* mit der S 3 keine 10 Minuten von hier. Nichts hinderte ihn. 119 wollte mich einfach nicht öfter sehen. Tja, und das macht die ganze Sache eben erheblich komplizierter...

Aber warum noch darüber nachdenken. Ich habe resigniert und bin deprimiert. Schließlich bin ich in Phase II. Und nur der Umstand, dass ich mich wegen der drohenden monetären der akuten motivationalen Verelendung entgegenzustemmen ohnehin ab morgen gezwungen sein werde (ist das ein Sätzchen!? Irgendwas stimmt damit nicht...) – was mich nebenbei bemerkt so verängstigt, dass sich, pardon, mein Stuhl verflüssigt – also nur weil ich sonst bald pleite wäre, überwinde ich meine depressive Lethargie und schreibe wieder. Aber ich bin und bleibe in Phase II. Depression, jawohl.

*Name geändert

24.07.2005 um 17:34 Uhr

Ist mir wirklich unangenehm

von: Lapared







Ich bin eben in Phase II.

24.07.2005 um 17:23 Uhr

Sorry

von: Lapared

23.07.2005 um 22:45 Uhr

Wegen Antriebsverarmung...

von: Lapared

... muss der heutige Eintrag leider entfallen.

Als keine Entschädigung:

22.07.2005 um 23:38 Uhr

Phase II

von: Lapared

Wie ich aus einem unlängst bereits ausführlich zitierten Artikel im SZ-Magazin* gelernt habe, unterscheiden Experten beim Liebeskummer zwei Phasen. Phase I - Wut, Verzweiflung, Auflehnung – habe ich jetzt endlich hinter mir. Heute früh erwachte ich frisch und ausgeruht in Phase II, der postbeziehungsmäßigen Depression. Hurra. Der Heilungsprozess schreitet also voran. Mit einem fröhlichen Moin Moin, wie man in Norddeutschland so sagt, begrüßte ich die zentralen Symptome: Niedergeschlagenheit, Leeregefühl, Resignation und eine Antriebsverarmung, die sich wirklich gewaschen hat, und vor der später, zur Kaffee-Zeit, selbst der normalerweise alles überwältigende Impuls kapitulierte, meinen Arsch hinüber zur Bäckerei-Konditorei „Sprüngel“ zu schwingen und mir ein Stück der besten Käsetorte der Welt zu organisieren. Es ist also ernst.

Andererseits... dem könnte man mitten in der Bikini-Saison ja sogar noch etwas Positives abgewinnen. Viel erschreckender ist dies. Als gegen Abend eine telefonische Anfrage kam, ob ich nächste Woche schon gebucht sei, fiel auch meine gewöhnlich durch einen spontanen Angstreflex motivierte, mit überzeugend gespieltem ganz außerordentlichen Bedauern vorgetragene Lüge, ich sei bereits gebucht und stünde nicht zur Verfügung, meiner akuten Antriebshemmung zum Opfer, und ich anwortete lethargisch und tragisch wahrheitsgetreu: „Nö.“ Und somit bin ich – mit oder ohne Antrieb - verbindlich eingeladen, mich nächste Woche wieder in das Heer der Werktätigen einzureihen.

* SZ-Magazin No. 27, S. 4 ff: „Vorbei! Warum es so entsetzlich weh tut, wenn die Liebe zu Ende geht“, Anmerkung: Das Problem ist ja eigentlich dies: Die Beziehung geht zu Ende - aber die Liebe latscht dickköpfig weiter.

21.07.2005 um 21:40 Uhr

Autorenlesung

von: Lapared

Was bin ich nur für ein gesegneter Mensch. In meinem ganzen Leben war ich noch nicht ein Mal gezwungen, Geld mit etwas zu verdienen, das ich nicht auch ohne Geld tun würde. (Nicht in dem unangenehm vereinnahmende Ausmaß, in dem ich es dann gegen Monatsgehalt getan habe, aber im Prinzip.) Andererseits... Dafür war ich in meinem Leben schon oft gezwungen Dinge zu tun, die ich normalerweise nicht mal für Geld getan hätte. Angefangen mit dem Trinken handwarmer Vollmilch als Säugling (ich nehme an, Muttermilch gilt als Vollmilch), bis hin zum neulich erwähnten „conferencierartigen Begleiten“ einer 500-köpfigen Familienfeier ausgerechnet meiner eigenen Verwandtschaft in einem Restaurant mit dem Namen „Jägerhof“. Es sind eben doch die Herzensbande, die das Allerschlimmste von uns erzwingen. Und nicht materielle Notwendigkeiten.

Daran musste ich gestern zurückdenken, als ich beim Entsorgen der absichtlich oder unabsichtlich in meiner Wohnung versammelten Erinnerungstretminen auf die alte Eintrittskarte für eine Autorenlesung stieß, zu der ich 119 mal begleitet hatte. Eine Autorenlesung. War das Liebe, oder was? Ich meine, was sonst bringt einen erwachsenen, sehtüchtigen Alphabeten dazu, sich herdenmäßig zusammengepfercht mit anderen erwachsenen, sehtüchtigen Alphabeten auf harter Bestuhlung geduldig vor einer Person aufzureihen, die nicht fürs Lesen bezahlt wird sondern fürs Schreiben? Die nicht für die Bühne geboren und mit der entsprechenden optischen Ausstattung beschenkt wurde, sondern fürs stille Autoren-Kämmerlein, wo dieser ästhetische Mangel niemanden belästigt?
Ganz abgesehen davon, dass es meiner tiefen Überzeugung nach grundsätzlich keinem älter als sechs-Jährigen würdig ist, sich vorlesen zu lassen, war diese Autorenlesung auch noch dadurch besonders demütigend, dass der Autor vor seinem deutschsprachigen Publikum auf Englisch las und man sich also in einer Versammlung von Blendern wieder fand, die Sätze von sich gaben wie „die Subtilität des Humors kommt wirklich nur im Original rüber“ oder „dieser Autor verdient es wie kein anderer, dass man ihn in seiner Muttersprache liest“. Kotz. Da saß ich also mit 119. Und ich weiß noch, wie ich damals heimlich dachte, dass ich noch nie zuvor so glücklich gewesen war.

Obwohl, das möchte ich betonen, „es“ auch damals schon offensichtlich war. Das fiel mir dann gestern zum Glück auch wieder ein. Dass 119 an jenem Abend nämlich vorgezogen hatte, allein in Reihe drei zu sitzen, statt Seite an Seite mit mir in Reihe acht. Ich frage mich wirklich, warum in Himmels Namen ich damals so glücklich war. Vielleicht war der hässliche Autor ja doch ein göttlicher Leser.

19.07.2005 um 21:22 Uhr

Ich fühle mich gestört

von: Lapared

Waren das noch Zeiten! Aufwachen und versuchen, nicht an 119 zu denken. Kaffee trinken und versuchen, nicht an 119 zu denken. Käsekuchen essen und versuchen, nicht an 119 zu denken. Mehr Käsekuchen essen und versuchen, nicht an 119 zu denken. Wieder einschlafen und versuchen, nicht an 119 zu denken... Frei und unbeschwert von profaner Erwerbstätigkeit den lieben langen Tag einzig und allein der einen, beglückenden Aufgabe widmen zu versuchen, nicht an 119 zu denken – ein Leben war das!

Doch nun... Seit Stunden quäle ich mich mit diesem verkackten Job ab. Man kommt zu nichts. Nicht zum Heulen. Nicht zum Jammern. Nicht zum in Selbstmitleid Baden. Claims, Headlines, TV-Spots... sonst habe ich nichts mehr im Kopf. Nicht ein einziges Mal konnte ich heute ungestört versuchen, nicht an 119 zu denken.

So geht das nicht weiter. Dieses Arbeiten bekommt mir nicht. Es lenkt mich einfach zu sehr ab.

19.07.2005 um 17:46 Uhr

Noch mal Pastete...

von: Lapared

Jetzt hätte er meine Sachen gelesen. Sensationellst! (Der Werber an sich strebt stets zum Superlativ.) Und das Beste, zufällig passte einiges davon sogar auf das neue Kundenbriefing! (Nee, ne?!) Das hätte ich echt alles an einem Tag geschafft?! (An ´nem halben, Pastetchen!) Und ob ich vielleicht zu der einen Kampagne noch mehr Filme schreiben könnte... bis morgen früh!?

19.07.2005 um 16:35 Uhr

pay one, get three

von: Lapared

Die Sau von Pastete hat mich gelinkt. Eben hat er sich gemeldet (vereinbart war eine telefonische Abstimmung zwischen zehn und zwölf, um vier habe ich ihm dann auf seine Mailbox gesprochen, was denn nun sei...). Hach, er hätte noch gar keine Zeit gehabt, meine Sachen zu lesen. Sorry. Aber ohnehin, das Kundenbriefing hätte sich heute Mittag ja plötzlich total geändert. Insofern, nicht wahr?! Und das Timing sei jetzt auch wieder viel entspannter. Wie gut, dass ich nur einen Tag daran gearbeitet hätte.

Einen Tag? EINEN Tag??? Freitagnachmittag hat er mich gebrieft. Jetzt will er angeblich dazu gesagt haben, dass ich erst am Montag damit anfangen soll. Ist es zu fassen? Dieser blöde Scheißarsch!

19.07.2005 um 11:23 Uhr

Ausnahmen

von: Lapared

Was ich da eben über CDs geschrieben habe...

Also, das gilt natürlich nicht für alle.

Es gibt auch welche, die sind wirklich fantastische Kreative mit überragenden eigenen Ideen, der CD zum Beispiel, für den ich die letzten Jahre gearbeitet habe, der war GOTT, zum Niederknien, never fuck the company hin oder her...

Im Ernst, mein letzter Chef war wirklich ein gottverdammtes Genie.