Anleitung zum Entlieben

19.07.2005 um 10:55 Uhr

Wieso Pastete zu Recht Creative Director ist

von: Lapared

Ich weiß gar nicht, warum ich mich so verrückt mache. Jetzt sitze ich hier und warte auf den Rückruf der Pastete. Und ein gnädiges Urteil. Ich meine, von der Pastete...

Was ich noch nicht erwähnte habe: Pastete und ich waren mal Kollegen. Nicht lange, denn Pastete kam bei dem Tempo, das damals in der Agentur herrschte, bald aus der Puste und wurde in die Prospektabteilung versetzt. So ähnlich. Eigentlich ist Pastete von selber dahin ausgeschert, rechtzeitig, bevor irgend jemand was bemerkt. Cleveres Pastetchen! Und heute sitzt sie fett in Frankfurt als CD, als „Creative Director“, und ich sitze hier und warte auf ihre Beurteilung.

Im Prinzip ist das auch völlig okay. Es sind zwei ganz verschiedene Dinge, gute Ideen zu haben und gute Ideen zu erkennen. Und ein CD muss in erster Linie gute Ideen erkennen, schließlich lässt er als "Director" andere für sich denken.

Die meisten CDs sind in der Tat viel besser im Erkennen kreativer Ideen als die Kreativen selbst. Schließlich haben CDs das in der Regel viele, viele Jahre geübt. Als ihnen nämlich irgendwann am Anfang ihrer Laufbahn klar wurde, dass es für sie selbst sehr mühevoll wäre, gute Ideen hervorzubringen, haben sie sich darauf verlegt, gute Ideen Anderer möglichst schnell zu erkennen und – ganz wichtig! – den Eindruck zu vermitteln, sie selbst hätten irgend etwas damit zu tun. DAS ist mitunter gar nicht leicht, das ist sogar eine Kunst für sich, und es ist keinesfalls ungerecht, dass die Könner dieses Fachs irgendwann mit einem CD-Posten belohnt werden.

Eine der beliebtesten Strategien werdender CDs ist es, quasi die Patenschaft für eine gute Idee zu übernehmen. Ungefragt, versteht sich. Sie kämpfen dann für die Idee, sie setzten sich wahnsinnig leidenschaftlich dafür ein... sodass jeder denken muss, es wäre ihre eigene. Und die besten von ihnen, aber wirklich nur die allerbesten, bringen dabei ein wahres Kunststück fertig: Am Ende denken sogar sie selbst, die Idee wäre von ihnen. Wirklich, das gibt´s! Sie täuschen nicht nur die anderen, sondern auch sich selbst, und was ist gegen so eine kleine Selbsttäuschung zu sagen, bei der der Getäuschte sich am Ende zufrieden auf die Schulter klopfen kann und denkt: scheiße, bin ich gut! Deshalb, weil er ja so scheiße gut ist, wundert er sich dann auch gar nicht, wenn die nächste geniale Idee wieder von ihm ist, und die übernächste und übernächste... alle von ihm! Was soll´s, was kann man da machen, er ist eben ein gottverdammtes Genie.

Also, was ich nur sagen wollte: CDs wie Pastete haben ihren Posten absolut zu Recht. Sie erkennen gute Ideen sofort. Sie bringen darin eine Menge Erfahrung mit. Also, worüber mache ich mir Sorgen?

19.07.2005 um 00:01 Uhr

Happy Birthday, Zimtnase!

von: Lapared

Ein kleiner Geburtstagsgruß an die Beste aller Schwestern!

Solange Du da bist, kann nichts Schlimmes passieren und alle 119s und alle Pusteln und Pasteten dieser Welt können mir nix, gar nix. Ich liebe Dich. Mehr als Käsekuchen.

18.07.2005 um 23:26 Uhr

119 oder 103?

von: Lapared

Junge, Junge, bin ich durch. Eben habe ich der Pastete meine Ideen geschickt. Fünf Kampagnen mit je drei Print-Motiven und zwei Film-Treatments. Hoho. Zwei der Kampagnen finde ich richtig gut (und wenn man bedenkt, dass ich das über meine eigenen Ideen normalerweise nicht nur nicht sage, sondern vor allem so gut wie nie denke, kann man vielleicht davon ausgehen, dass sie unter Umständen vielleicht in der Tat gar nicht so übel sind. Oder dass mit das Penicillin zu Kopf gestiegen ist.). Na, mal sehen, wie die Pastete sie morgen findet.

Was ich neulich über die Anonymen Alkoholiker geschrieben habe. Und diesen geilen Trick mit dem „Nur für heute“...
Der Unterschied zwischen 119 und herkömmlichen Flaschen ist halt der, dass Alkohol normalerweise keine Nachrichten auf meinem Anrufbeantworter hinterlässt. Es hat auch noch nie eine Flasche Cognac nachts vor meiner Haustür gestanden und Sturm geklingelt. Obwohl, wer weiß... vielleicht war das gestern Nacht ja gar nicht mein bekiffter notgeiler Bumskumpel 119 sondern ein feiner, fassgereifter Bobadilla 103! Und ich Riesenrind hab nicht aufgemacht – zu schade.

18.07.2005 um 14:42 Uhr

Ach Brela...

von: Lapared

... ich habe die Psychosomatik erfunden!

Ich kriege Rückenschmerzen, wenn mir was an die Nieren geht. Schnüpfchen, wenn ich die Nase voll habe. Bauchweh, wenn ich das Kotzen, und Pickel, wenn ich Pickel kriege. Aber was nützt das schönste Wissen um die Ursachen gegen die scheiß Malessen mit den Symptomen, gell?

Meine Tabletten hingegen sind ´ne Wucht. Ich bin zwar noch verquollen aber nicht mehr verpustelt. Mein Antlitz einer pubertierenden Kaulquappe hat sich wie durch ein Wunder in das einer strahlend schönen erwachsenen Kaulquappe verwandelt.

18.07.2005 um 05:00 Uhr

Nächtliches Gewimmel

von: Lapared

Seit einigen Tagen schlafe ich nachts wieder schlecht. Um nicht zu sagen, ich schlafe genau drei Stunden, danach liege ich wach und Gedankenfetzchen wimmeln wie nervöse Einzeller durch mein Hirn, winzig und nicht zu fassen. Sie betreffen 119, sie betreffen den Job. Finanzen. 119. Meine Familie. 119... Sie sind Pläne, Ängste, Erinnerungen, Hoffnungen. Tausende davon. Es gelingt mir nicht, sie zu fokussieren. Es macht mich bekloppt.

Und nun kommt auch noch diese komische Allergie hinzu. Ich bin Allergiker, ich habe aufgegeben, herausfinden zu wollen, wogegen. Von Zeit zu Zeit quellen meine Augen zu, und meine Schleimhäute schwellen an, mein Gesicht verwandelt sich in ein Schlauchboot, alles juckt, eingenommen die Fußsohlen, ein bunter Ausschlag überzieht meinen Körper, Pusteln mit kleinen aktiven Kratern, großflächige nichtaktive Flatschen ohne Zentrum, Ausstülpungen verschiedenster Form, Füllung und Farbe... das alles kenne ich schon, dagegen gibt´s Tabletten, ich schlucke sie und warte darauf, dass sie wirken.

Neu sind die Atembeschwerden, aber ich bin mal optimistisch und denke, das kommt einfach vom Rauchen.

17.07.2005 um 19:15 Uhr

<I>Nur</I> ist gut...

von: Lapared

... 24 Stunden sind immerhin auch ´ne Strecke.

Mir dreht sich der Kopf. Ich weiß nicht mehr, ob das, was ich mir gerade für die Pastete ausdenke, genial oder scheiße ist. Mir ist schon ganz schlecht davon.

17.07.2005 um 00:04 Uhr

Nächster Tag. Und gleich wieder von vorn...

von: Lapared

... nur für heute.

16.07.2005 um 23:30 Uhr

Nur für heute

von: Lapared

Zu müde, um noch irgendwas zu schreiben. Und das ist auch gut so. Denn wäre ich das nicht... ich müsste zugeben, dass ich ihn beinah angerufen hätte. Man muss wissen, er macht dasselbe wie ich. Jobmäßig. Er könnte mir sicher helfen. Ein wunderbarer, ein wirklich ganz fantastischer Vorwand. Zumal ich Hilfe dringend brauche. Was soll ich der Pastete bloß erzählen?

Die Anonymen Alkoholiker sagen immer: Nur für heute. Nur für heute nicht zur Flasche greifen. Weil das viel schaffbarer erscheint als niemals nie wieder zur Flasche greifen. So versuche ich das auch. Nur für heute nicht zum Telefonhörer greifen.

16.07.2005 um 13:14 Uhr

Zweimal Cheops-Pyramide

von: Lapared

Man sagt immer, dass es an der Parallelität liegt, wenn wir Gesichter als sehr schön empfinden. Linke und rechte Gesichtshälfte sind bei schönen Menschen angeblich nahezu identisch.
Ich hatte, als ich heute Morgen aufwachte, zwei absolut parallele Pickel links und rechts der Nasenflügel, Typ Cheops-Pyramide, und ich muss sagen: Es stimmt, ich sehe super aus. Super scheiße. Werde mich wohl doch heute nicht zu Curd vor den Spiegel stellen, und versuchen, mir selbst genug zu sein.

Aber kein Weltwunder. Zu viel Nervennahrung. Denn natürlich habe ich schon wieder die Hosen voll, dass ich den Job verhaue.

15.07.2005 um 22:01 Uhr

Gute Nachrichten für Frau Köberlein, Herrn Spotzeck, Herrn Westermann, Frau Riemenhorst und Herrn Petermann

von: Lapared

Oh, Gott. Arbeit!

Ruft mich doch vorhin so ein Werbepastete aus Frankfurt an. Frankfurt. Nie gehört. (Hihi, als Werber pflegt man einen gewissen Lokalpatriotismus!). „Bei uns brennt die Hütte, habt Ihr am Wochenende Zeit?“ Wusste gar nicht, dass „brennt die Hütte“ nicht mehr auf dem Index steht. Ich - mich in Sicherheit wiegend, schließlich meinte er mit „Ihr“ eindeutig mich UND Olli, unser kleines, emsiges, jüngst gesprengtes Kreativteam, Betonung auf –team! – also ich: „Ach je, so ein Pech! Der Olli ist gebucht, der kann nicht, schade, wirklich schade.“ Flöt. Darauf die Pastete: „Um so besser. Den Job schaffst Du auch allein. Und kostet uns nur die Hälfte, hähähä!“ Hä. Da ham wir den Salat.

Weshalb die Nabelschau für heute auch ins Wasser fällt. Schließlich ackere ich für zwei. Nur eins, es betrifft Curd. Curd Rock, you remember?



Wie es scheint, hat Curd seine große Liebe gefunden. Seit Stunden steht er wie angewurzelt vorm Garderobenpiegel. Keine Ahnung, was in ihm vorgeht. Ob er das, was er sieht, für sich selbst oder eine geile Ische hält... ich weiß es wirklich nicht. Aber er lächelt, der Glückliche. Er liebt es.

So liebenswürdig wie Curd bin ich längst. Und entschieden taillierter. Das probiere ich jetzt auch.

14.07.2005 um 22:41 Uhr

Auch kein Engel

von: Lapared

Der vierte Schritt führte schnurstracks in ein Stimmungstal. Ich weiß, warum ich keine Briefe öffne. Frau Köberlein hat mir geschrieben (sie ist meine Sachberaterin beim Finanzamt). Drei Mal. Herr Spotzeck und Herr Westermann (mein Zahnarzt und sein Zahntechniker). Frau Riemenhorst (die Sekretärin von Herrn Petermann, der verkalkten Gurke, die ich im Suff mit meinen Steuerangelegenheiten betraut habe). Ich muss nicht sagen, was sie wollen. Jedenfalls sehe ich Veranlassung, mal wieder zu arbeiten. Und als wäre das nicht unerfreulich genug, war auch noch eine Karte von Chris dabei.

Chris. In Gänze Christophorus (seine Mutter hatte eine Fahrschule). Aber kein Heiliger so weit es mich betrifft.

Ich war eigentlich nie gemein zu 119. Aber neulich, an einem unserer letzten Abende, war ich es, richtig widerlich, und das fiel mir bei der Karte wieder ein.

Ich hatte mal was mit Chris. Einmal nach 119s erstem „Ich liebe Dich nicht“. Und beinah auch nach dem zweiten. Von dem Beinah habe ich 119 erzählt, aber nicht von dem Einmal, denn das fiel im Gegensatz zum Beinah in die Zeit, in der offiziell Schluss war zwischen 119 und mir. Ich bin Jungfrau, ich vögel schön geordnet und der Reihe nach. Die Gemeinheit war, dass ich sehr wohl wusste, dass das gebeichtete Beinah viel bedrohlicher und schwelender sein würde als das Einmal, wenn ich es erzählt hätte. Und in der Tat war Chris für 119 ein rotes Tuch, knallrot, insbesondere weil Chris schwarz ist, und man weiß, was weiße Männer denken, was weiße Frauen glauben, was schwarze Männer ihnen bieten könnten. Entsprechend... groß war 119s Verunsicherung. Eine Verunsicherung, die ich auch keineswegs gewillt war, ihm zu nehmen. Fies wa? Ich konnte nicht anders, es war einfach eine psychohygienische Notwendigkeit, dem Mann, der so gemein war, meine Liebe nicht zu erwidern, wenigstens ein kleines bisschen Leid anzutun. Sofern man die Frage, wer wohl den Längeren hat, als Leid bezeichnen kann.

Jedenfalls... dank Chris und seinem Christopher hatte ich plötzlich etwas zur Hand, um 119 gelegentlich zu piesacken. Das letzte Mal machte ich davon gewissermaßen "Gebrauch", als es um die Feierlichkeiten zum 150sten meiner Eltern ging. Am Tag zuvor hatte mich meine Mutter am Telefon gebeten, jemanden (sprich: einen Mann, möglichst promovierter Millionär) mitzubringen, um den durch meinen Status als ledige Mittdreißigerin in der Gegend aus der ich komme mehr als hinreichend genährten Gerüchten zu begegnen, dass ich lesbisch sei.

Mir war schon klar, dass der Vorstoß mehr als verwegen war. Aber nachdem wir gerade so schön gebumst hatten, war ich etwas tollkühn. Jedenfalls fragte ich 119, ob er sich vorstellen könnte, mich vielleicht zu der Feier zu begleiten. Nur ganz kurz, nach der Vorspeise könne ihm ja schlecht werden. Das Schlimme war nicht, dass er nicht wollte. Das Schlimme war, dass er mich ausgelacht und den Kopf über mich geschüttelt hat, als hätte ich ihn gerade gebeten, auf dem Mond eine Eisdiele mit mir zu eröffnen. Hmpf. Jedenfalls war ich wütend. Wütend, dass es so gänzlich und absolut außerhalb seines Vorstellungsvermögens lag, etwas – zugegeben, etwas nicht sehr Angenehmes – einfach mal nur für mich zu tun. Und um ihm weh zu tun, aber auch weil ich die Vorstellung komisch fand, zur Widerlegung meiner Homosexualität so ziemlich das Einzige vorzuführen, was meiner Mutter noch peinlicher wäre als eine blutsverwandte Lesbe, nämlich eine Tochter in „wilder Ehe“ mit einem „Neger“, also, vor allem weil ich das so irre hintersinnig fand, hab ich zu 119 gesagt: „Vielleicht will Chris ja mit!“

Das war alles andere als fein. Das war ziemlich scheiße. Ich war auch kein Engel, das wollte ich nur mal festhalten.

14.07.2005 um 00:09 Uhr

Danke SZ-Magazin

von: Lapared

Eine Schande eigentlich bei dem Wetter, aber nachdem ich nun nicht nur das Gift sondern auch das Gegengift fürchte und den Nackenhaaraufsteller ebenso wenig sehen möchte wie den Spitzenmann meiner Matching-List, habe ich die Pflege meines Teints heute einfach mal zurück gestellt, das Bad, das auch ohne mich aus allen Nähten platzt, gemieden und stattdessen daheim meinen lange überfälligen „Verwaltungstag“ absolviert. Eine Scheiße.

Eine meiner ungezählten liebenwerten kleinen Macken ist, dass ich keine Briefe öffne. Oder nur ganz selten, wenn der Stapel neben der Haustür über den Winterschuhen durch die zunehmende Höhe langsam instabil wird und sich einige der Absender penetrant zu wiederholen beginnen, was immer ein schlechtes Zeichen ist, weil sich dadurch abzeichnet, dass tatsächlich etwas in der Post ist, was sich durch Ignoranz nicht von selbst erledigt. Bei der Bearbeitung des Stapels gehe ich in der Regel in vier Schritten vor, und nicht ohne Stolz möchte ich bemerken, dass ich die ersten drei davon, also fast alle, heute bewältigt habe. Im ersten Schritt sortiere ich die Sendungen nach Farbe, Form und Größe. Im zweiten Schritt öffne ich mit meinem Käsemesser die Umschläge. Im dritten Schritt entnehme ich das darin befindliche Papier (in der Regel ist es Papier). Im vierten schließlich entfalte ich selbiges und lese, was darauf geschrieben steht – aber das, wie gesagt, war heute nicht mehr zu schaffen.

Eine Ausnahme habe ich allerdings gemacht. Das SZ-Magazin von vergangenem Freitag habe ich mir sofort angesehen. Schlagzeile auf dem Titel: "SCHLUSS! Wenn Frauen verlassen werden, heulen, schreien, verzweifeln sie. Und manche sterben daran." Na bitte. So gesehen halte ich mich doch blendend.

Und: Ich bin keineswegs verrückt. Mitnichten. Wenn ich den Artikel mal zitieren darf: "Das Gehirn verarbeitet Trennungsschmerz in den denselben Arealen wie den Liebesrausch. Und setzt dabei dieselben Hormone frei, nämlich Dopamin und Noradrenalin. Während die Liebe zerbricht, läuft im Gehirn des verlassenen Menschen also dieselbe Maschine wie beim Verliebten, und zwar auf Hochtouren. Mit dem unseligen Effekt," jetzt kommt´s, "dass der Verlassene genau den Menschen noch mehr vergöttert, der ihm die kalte Schulter zeigt. (...) Dieselben Hormone animieren den verlassenen Liebhaber, mit aller Kraft um den Partner zu kämpfen. Sie rauben ihm allerdings auch den Schlaf, den Appetit und verwandeln sonst stabile Menschen in orientierungslose Wracks." YES!!!

Und weiter zu meiner Entlastung: "Das Gehirn besteht aus drei Teilen, Reptilienhirn, limbisches System, Neokortex. Das Reptilienhirn steuert Basisfunktionen wie Herzschlag, Atem oder Schlucken. Gefühle entstehen im limbischen System. Im Neokortex ist in erster Linie der Intellekt zu Hause: Sprache, logisches Denken. (...) Und hier beginnt für den US-Psychologen Thomas Lewis das Missverständnis: `Die meisten Menschen sind sich nur ihres verbalen, rationalen Teils im Gehirn bewusst. Sie denken, unser Gehirn müsse Argumenten und der Willenskraft folgen. Tatsächlich aber bedeuten Logik und gute Ideen nichts für zwei unserer drei Gehirnteile. Kein Mensch kann seine Gefühle so einfach kontrollieren wie seine Hand, wenn er nach einer Tasse greift.´“ Oder – wenn ich ergänzen darf - nach einem Glas Wodka-Martini. Danke Thomas, Danke SZ-Magazin. Stößchen!

12.07.2005 um 23:52 Uhr

Der nette Mann aus dem Bad

von: Lapared

Was war eigentlich das Letzte, das ich über „netten Mann aus dem Freibad“ habe verlauten lassen. Ich glaube, dass ich ihn doch nicht so nett finde, nett im Sinne von verliebensrelevant. Das hat sich inzwischen ein wenig geändert. Und seit dem ich weiß, dass er nicht zu haben ist, hat sich das sogar ganz erheblich geändert. Merkste was? Es ist zum Verrücktwerden! Ziehen mich etwa nur Männer an, die – aus welchem Grund aus immer – unerreichbar sind? Will ich immer genau die, die nicht zu haben sind? Und wenn, was soll der Scheiß? Will ich um alles in der Welt das Eine vermeiden, was mir auf gar keinen Fall passieren darf: glücklich sein? Kurz gesagt: Bin ich bekloppt?

Ich sage mal... nö. Aber meine Psychologin, die ich nicht habe, hätte für dieselben Fragen – und natürlich ein paar von diesen fantastisch durchdringenden Psychologinnen-Blicken obendrauf - verteilt auf fünf Sitzungen den Gegenwert eines 42 Zoll-Flachbildfernsehers kassiert. Und in Gedanken schon die Mäuse für die fünfhundert weiteren Sitzungen verpulvert, die es mindestens brauchen dürfte, meine „Muster“ (Psychologen lieben Muster!) meinem Erkennen zuzuführen und zu „durchbrechen“. Durchbrechen, auch was ganz Feines.

Die Wahrheit, meine Wahrheit, ist die: Ich habe diesen Mann in den letzten Wochen ein paar mal zufällig gesehen, wir haben uns jedes Mal sehr nett unterhalten, er ist klug, attraktiv, selbstbewusst und hat eine Stimme, die stehenden Fußes an die Nackenhaarwurzeln geht, ruhig und dunkel und sanft und... Sehr angenehm eben. Außerdem ist er Arzt und Ärzte finde ich, Zahnärzte ausgenommen, sowieso sexy. Helden, Retter eben, wie Feuerwehrmänner nur – akademikerinnenfreundlich - studiert. So. Und weil ich gemerkt habe, dass er mir zunehmend gut gefällt, hab ich ihn heute ganz beiläufig gefragt, wo seine Freundin denn arbeitet, und er antwortete ganz beiläufig „im Kindergarten“, wodurch festgestellt sein dürfte, dass er eine Freundin hat, und dass es höchste Eisenbahn ist, mich gegen seinen scheiß säuselnden Retter-Charme bis an die Goldkronen zu wappnen, weil ich genug hab von Helden, die nicht zu haben sind, das ist klar, das ist keine Frage, aber man wird es ja wohl ein klein wenig bedauern dürfen, ohne deshalb gleich als bekloppt dazustehen. Hmpf.

Zumindest kommen in diesem Eintrag nicht ein einziges Mal die drei Zahlen vor. Obwohl er angerufen hat. Er hatte den Text gefunden. In dem Buch. Ich hatte gedacht, er würde ausrasten, schließlich ist es auch seine Geschichte. Aber er fand ihn toll. Den und auch die anderen Texte, die ich dort veröffentlicht habe. Er fand sie ganz toll.

11.07.2005 um 23:19 Uhr

Übers Schrumpfen - und: Warum 119 119 heißt

von: Lapared

Mein Bett ist gewachsen. Das sich seitlich von mir noch endlose Standartmatratzenweiten erstrecken, in die kaum ein Mensch es wagte, für mehr als eine Fickvisite vorzudringen, daran habe ich mich ja allmählich gewöhnt. Aber dass ich jetzt auch oben und unten gefühlte 5 Meter Platz hab, das ist neu. Und das führt mich unmittelbar zu der Frage: Ist es normal, dass man sich nach einem Aufenthalt im Elternhaus mit einem Mal so viel kleiner fühlt? Kann es sein, dass eine Frau mit Antifaltencremes im Wert einer Kreuzfahrt vorm Spiegel und Werbemails für den Ratgeber „How to restore postmenopausal sex-drive“ im Postfach durch den Besuch bei ihren Eltern plötzlich wieder auf Vorschulmaße schrumpft?

Was war passiert? In Gedanken ließ ich das Wochenende noch einmal Revue passieren.

Ich bin nicht ganz sicher aber... Liegt es vielleicht daran, dass die Hälfte der Partygesellschaft - die, mit der mein Vater seine Einschätzung meiner beruflichen Situation erörtert hatte – mir irgendwann im Laufe der Feier aufmunternd in die Seite knuffte und zuraunte: „Ruhig Blut, auf jedes Tief folgt ein Hoch, was?!“ Oder daran, dass die andere Hälfte – die, der meine Mutter ihren Kummer über meinen Privat-Status anvertraut hatte - mir allerspätestens bei der Verabschiedung die Hand tätschelte und mir aufmunternd zuflüsterte: „Kindchen, da kommt schon noch einer, Du siehst doch noch ganz gut aus!“ Kann es sein, dass ich mir durch dieses Übermaß an wohlmeinender Anteilnahme irgendwie ein bisschen wie der totale Voll-Looser vorkam? Die ultimative Superflasche? Ein disziplinenübergreifender Universalversager? Vielleicht, jedenfalls bin ich durch dieses großfamiliäre Warmbaden spürbar eingelaufen - und viel zu klein für mein großes Bett.

Zu dem Buch. Ich will es kurz machen. Also.

Das Buch trägt den Titel „SMILER“ und ist das weltweit erste und einzige Buch, dessen leere Seiten eine nach der anderen versteigert wurden. Von Januar bis Mai dieses Jahres bei einer eBay-Auktion. Der Verlag „hellblau“ aus Essen bot die leeren Seiten an und jeder konnte eine Seite kaufen um darauf zu veröffentlichen, was er wollte. Nun ist das Buch erschienen und umfasst nach Verlautbarung des Verlages „16 Romanauszüge, 19 Kurzgeschichten, 4 Liebeserklärungen, 1 Drehbuch, 48 Gedichte, 13 foto-/grafische Arbeiten, 1 politischen Beitrag, 8 Comics bzw. Cartoons, 21 Beiträge, die als Botschaft an eine bestimmte Person oder an die Allgemeinheit gedacht sind und sogar... 3 Heiratsanträge!“ Tja. Ich habe, aus Gründen, die es sicher irgendwann noch therapeutisch aufzuarbeiten gilt, die Seite 119 ersteigert. Und da findet sich nun der folgende Text:

WIE ICH DIE LIEBE MEINES LEBENS FAND
aus "Mir passiert echt nur Scheiße" (unveröffentlichte Sammlung)

Ich war nicht mehr die Jüngste, als ich endlich meine große Liebe fand. Mal von „parsearch“ gehört? „parsearch.de – die große Online-Partnerbörse für langfristige Beziehungen“. ER war die Nummer Eins auf meiner „Matching-List“, einer Art Partner-Top-Ten, ermittelt nach einem streng wissenschaftlichen Passgenauigkeitsverfahren, das mein Persönlichkeitsprofil mit tausenden Profilen anderer Beziehungssuchender abgeglichen hatte, kurzum, er war mein Deckelchen, keiner passte besser auf mich. Sexuell lief es in der Tat super. Und auch sonst, er blond, ich blond, er Nichtraucher, ich Nichtraucher, er Juist-Fan, ich Juist-Hasser, es waren wundervolle Wochen, in denen sich unsere Gleichs gesellten und unsere Gegensätze ergänzten. Bis nach sieben Monaten seine Mutter starb.
In der Nacht darauf wollte ich ihn nicht allein lassen. Ich zog gerade meinen Schlüpfer aus, als er mich ansah und sagte: „Warum kannst Du nicht einfach gehen?“ In der Tat hatte ich mich – überzeugt, für dieses Leben vom Markt zu sein - ein klein wenig gehen lassen. Doch an der Cellulite lag es nicht. Später am Telefon sagte er, dass er einfach nicht in mich verliebt sei. Als seine Mutter unter der Erde, seine Stimmung gestiegen und mein Gesäß wieder fester war, setzten wir unsere Beziehung auf meinen Wunsch hin auf reiner Fickbasis fort. Die Wege des Herzens sind unergründlich, dachte ich, vielleicht schlängeln sie sich ja durch meinen Unterleib. Ich bin eben der optimistische Typ. Schließlich war er der Spitzenreiter meiner „Matching-List“ für langfristige Beziehung, und - ganz im Ernst - der klügste, witzigste, warmherzigste, schönste, zärtlichste, erotischste Mann, den ich kenne. Ehrlich, das bist Du. Ich liebe Dich, Hase.
Sieben weitere wunderbare Monate vergingen. Ich fühlte, jetzt hatte er sich auch in mich verliebt. Wir fuhren im Sommer ans Meer und im Herbst in die Sauna. Über Winter zogen wir auf meine Couch, guckten 700 Folgen Twin Peaks und vögelten wie die Karnickel ins neue Jahr. Als ich fragte, ob er Kinder will, strahlten seine Augen: „Einen ganzen Stall voll.“ „Nicht mir Dir!“, fügte er auf genauere Nachfrage ein paar Wochen später hinzu. Und erinnerte mich bei der Gelegenheit daran, dass er mich nicht liebt. Mist, ich wusste, irgendwas hatte ich vergessen!
Damit das in Zukunft nicht wieder passiert, haben wir eine sehr nützliche Vereinbarung getroffen: Immer, wenn er mich so herzergreifend ansieht. Immer, wenn er mir Geschenke macht (Geschenke, bei denen niemand außer ihm auf die Idee käme, dass so ein Scheiß mich irre freut). Immer, wenn er scheinbar ganz nebenbei von Büchern spricht oder mich auf Websites schickt, die meine heimlichsten Gedanken und Träume berühren. Immer, wenn ich k.o. vom besten Sex der Welt tiefem Schlaf entgegen taumel, und er, das weiß ich, noch Stunden wach daneben liegen wird. Immer dann sage ich zu ihm: „Ich liebe Dich!“, und er antwortet leise: „Ich Dich nicht!“ Und das nun schon 17 wundervolle Jahre lang.
Okay, die 17 Jahre sind gelogen. Die Wahrheit ist, dass ich mich wohl in Kürze von ihm trennen muss. Dem Top-Mann meiner Matching-List für langfristige Beziehungen. Obwohl ich bei genauerer Betrachtung der Auffassung bin, dass sein „Ich Dich nicht!“ durch die Art, wie er es betont, mit dieser feinen aber kaum zu überhörenden Ironie und durch das für Menschen wie meinen Hasen eben Unaussprechliche, was zwischen den Zeilen klingt… also, dass sein „Ich Dich nicht!“ im Grunde voller Liebe ist. Tja. Echt scheiße, wenn man bekloppt ist, was?

P.S. Für den Rechtschreibfehler im Titel entschuldige ich mich. Es muss natürlich heißen: „Wie ich die Liebe meines Lebens ERfand“.

Das ist also der Grund, warum 119 119 heißt. Schön, hätten wir das auch geklärt.

10.07.2005 um 23:01 Uhr

Die Sonne scheint, als wäre nichts dabei

von: Lapared

Ich bin also heim zu Papa und Mama gejuckelt. Erst wollte ich mit dem Zug fahren, weil man während der Zugfahrt immer so besinnliche Dinge tun kann. Was lesen. Nachdenken. Weiße Autos zählen. Rote Autos zählen. Leere Bananenschalen riechen. Das große Abenteuer genießen, einmal im Leben zusammen mit anderen Menschen ein gemeinsames Ziel anzustreben. Ausgezogene Schuhe riechen. Mittellehnen erobern. Mittelgang-Poser ignorieren. Verunglückte Autos zählen. Versuchen, ohne Anzufassen den Bistrowagen zu erreichen. Schließmuskel trainieren, um nicht aufs verpinkelte WC zu müssen. Ausgezogene Schuhe wegkicken und dabei den Oberkörper nicht bewegen. Oberschenkel trainieren, um auf dem verpinkelten WC nicht aufsetzen zu müssen. Oberarme trainieren, um sich vom verpinkelten WC-Boden wieder hoch zu wuchten. Angeschickerte Zu-Proster ignorieren. Nichts lesen. Nicht nachdenken. Eierbrotesser töten. Auf das große Abenteuer scheißen, einmal im Leben mit anderen Menschen ein gemeinsames Ziel anzustreben. Eierbrotesser vorher foltern...

Ich bin also mit dem Auto gefahren. Eine feine Sache. Für die Fahrt hatte ich mir noch schnell „Am Ende der Sonne“ von Farin Urlaub gekauft, weil ich beim Frühstück im Radio seine aktuellen Single „Porzellan“ gehört hatte (mit so erleuchteten Zeilen wie “Glück ist immer da, wo Du nicht bist. Du willst immer das, was du nicht kriegst...“). Einer der wenigen Glücksfälle, bei denen mir nahezu eine komplette CD gefällt und nicht nur ein Titel davon, was aber auch daran liegen kann, dass ich als musikalischer Ausnahme-Idiot bei den raffiniert gebauten Kompositionen von Farin Urlaub kaum fähig bin zu unterscheiden, wann ein Titel endet und der nächste anfängt. Ich orientiere mich vor allem am Text („Schön ist nur das, was Du verpasst. Du brauchst irgendwas, was Du nicht hast...“, schätze das gehört noch zu „Porzellan“). Ein Lied ist auch drauf, das mich an 119 erinnert. Natürlich, auf jeder CD ist ein Lied, das uns an unsere 119s erinnert. Mindestens eins. Auf „Am Ende der Sonne“ ist es das zweite, „Sonne“, ich zitiere mal:

der morgen graut, ich bin schon wach
ich lieg im bett und denke nach
mein herz ist voll, doch jemand fehlt
ich hätt dir gern noch so viel erzählt

traurig sein hat keinen sinn
die sonne scheint auch weiterhin
das ist ja grad die schweinerei
die sonne scheint, als wäre nichts dabei


es wird schon hell, ich fühl mich leer
(alles ist anders als bisher)
ich wünsche mir, dass es nicht so wär
(alles ist anders als bisher)
du stehst nie mehr vor meiner tür
(alles ist anders als bisher)
die sonne scheint – ich hasse sie dafür

traurig sein hat keinen sinn
(...)


und ob man schwitzt, und ob man friert
und ob man den verstand verliert
ob man allein im dreck krepiert
die sonne scheint, als wäre nichts passiert

es ist nicht wie im film
das stirbt der held zum schluss
damit man nicht zu lange ohne ihn auskommen muss

es ist nicht wie im film
man kann nicht einfach gehen
man kann auch nicht zurückspulen
um das ende nicht zu sehen

traurig sein hat keinen sinn
(...)


ich weiß nicht, was die zukunft bringt
und auch, wenn das jetzt kitschig klingt:
ich hab heut nacht um dich geweint
ich wünsche dir, dass die sonne für dich scheint

Herrlich, wa? Der Farin, alter Poet. Ich hätt´s nicht schöner sagen können.

Aber was wollte ich eigentlich erzählen... Ach ja, nach einer tollkühnen Autofahrt ohne Eierbrotesser und mit flotter musikalischer Untermalung rollte ich also am Freitagabend zu Hause ein. Der Rest des Wochenendes ist schnell erzählt (schnell deshalb, weil es spät ist, und mir die Augen zufallen). Am Samstag stieg also die große Party zum 150sten. 170 Gäste. Geschätztes Durchschnittsalter 190. Gefühlter Höhepunkt: meine Schwester und ich in einer spektakulären Showeinlage, genial konzipiert und durch das gemeinsame Leeren einer Flasche Sherry auf nüchternen Magen optimal vorbereitet. Wir waren so gut! Allein die Optik. Meine Schwester in einem neuen, totchicen Secondhand-Kostüm aus dem Original-Fundus von Alexis Carrington, ich in einem Traum in Schwarz-Weiß, Modell Mehrzweckhalle. Geschwister Fürchterlich auf Freigang. Die Menge tobte vor Begeisterung. Danach haben wir uns vor Scham ins Tortenbuffet gestürzt und bis zum Ende der Veranstaltung mit akutem Fettschock und zwei weiteren Flaschen Sherry im 90 Grad warmen Wintergarten komatös vor uns hingedämmert. Wir waren so gut...

Ansonsten erinnere ich leider nicht viel. Nur das: Irgendwann bin ich aufgewacht und wieder nach Hause gefahren. Auf der Buch-Party waren wir nicht - der Buch-Party für das Buch mit der Seite 119, deretwegen 119 119 heißt. Aber davon morgen. Nicht, weil ich es künstlich spannend halten will, sondern einfach, weil ich so saumüde bin. Ja, und ein bisschen peinlich ist es mir wohl auch...

07.07.2005 um 22:43 Uhr

Die Ausstellung

von: Lapared

Curd hatte gestern Abend schon was anderes vor. Nach einer falsch verstandenen Bemerkung von Gabi wollte er - statt zur Vernissage - lieber zum Workout. Gabi hatte gesagt, dass sie die konsequente Abwesenheit einer Taille bei ihm sehr sexy findet. Manche können mit Komplimenten einfach nicht umgehen.

Wie auch immer. Jedenfalls habe dann doch ich 119 zu der Ausstellung begleitet. Warum? Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil mich die Ausstellung tatsächlich interessierte? Nehmen wir das einfach mal an. Natürlich könnte ich mich auch einmal mehr Rindvieh nennen, aber was gibt es Langweiligeres als Wiederholungen, nicht wahr. Der Abend war Strafe genug. Wir sind zusammen gekommen und zusammen wieder gefahren. Wir waren auch zusammen da. Aber ich hätte nicht alleiner sein können, wenn ich alleine dort gewesen wäre. Umgeben von Paarläufern und Händchenhaltern gab 119 seine Vorstellung als einsamer Wolf, der mit finsterer Verachtung durch die diversen Ausstellungsräume stromert. Und ich meine als treuer Dackel, der quietschfidel hinterher hechelt. Rührend.

Aber am Ende des Abends war es dann doch der Dackel, der zur großen Überraschung - nicht zuletzt seiner selbst - plötzlich zugebissen hat. „Fahren wir zu Dir?“, fragte der einsame Wolf, als er neben dem Dackel im Auto im saß. „Nein, wir fahren zu Dir!“, sagte der Dackel, „wir bringen Dich nach Haus.“ - „Aber wir können doch noch was machen!“, lächelte der Wolf. Nein, wir können nichts mehr machen. Wir sind am Ende. Wir haben es versaut.

Morgen fahre ich für ein paar Tage "nach Hause". Meine Eltern werden 150. Mama wird 70, Papa 80 Jahre alt. Mehr als 50 davon haben die beiden gemeinsam verbracht. Toll, was? Es gibt eine Party, ganz klein, höchstens ein paar Hundert Gäste, meine Schwester und ich sind natürlich auch dabei. Jedenfalls werde ich die nächsten Tage wohl nichts schreiben können.

Und dann ist am Wochenende auch noch diese Buch-Party. Aber davon erzähle ich vielleicht besser, wenn ich wieder da bin. Nur soviel: Das Buch, um das es da geht, ist der Grund, warum 119 119 heißt. 119 ist eine Seite in diesem Buch, und sie handelt von ihm. Aber wie gesagt, davon mehr, sobald ich zurück bin.

06.07.2005 um 12:26 Uhr

<I><U>WERE</I></U> Punkt

von: Lapared

Ja, ich war besoffen (oder so ähnlich).

Die Mail gestern, jedenfalls den zweiten Teil, hat Curd mir diktiert, total. Curd darf man dafür nicht verurteilen, er kann nicht anders, das ist so eine Art Lorenz´sche Prägung. Genau wie Enten unerschütterlich demjenigen hinterhertuckern, der ihnen zuerst unter die Entenäuglein tritt, so ist Curd auf ewig dem treu ergeben, der ihn aus dem Regal genommen und die 30 Mücken für ihn hingelatzt hat. Und das war nun mal, das lässt sich nicht leugnen, 119.

Na, egal. Jetzt bin ich ja wieder annäherungsweise klar und hab abgesagt. Wenn Curd will, darf er natürlich mit 119 zu der Ausstellungseröffnung gehen.

Pleeeeaaase! Ich kenne noch nicht genügend Synonyme für Heldin.

05.07.2005 um 21:22 Uhr

Bitte keine Kommentare

von: Lapared

Im Ernst, bitte nicht... Ich kenne genug Synonyme für Rindvieh.

05.07.2005 um 21:15 Uhr

The Way we Were - <I>Were?</I>

von: Lapared

Er hat angerufen. Wahrscheinlich, weil Carrie eben in der Wiederholung Big abserviert hat (119 weiß, dass Carrie mein heimliches Modell für Abservierverhalten ist). Wie immer hat er so getan, als wäre alles in schönster Ordnung und gefragt, ob wir morgen zusammen zu dieser Ausstellungseröffnung gehen. Ich hab ja gesagt.

Immerhin hab ich noch eine Mail hinterher geschickt.

Was ich eben vergessen habe zu sagen. Weißt Du, Hase... Das ist mir alles viel zu wenig.

Ein Freund, der nicht anruft, wenn er wieder da ist
(er ist schon seit Sonntag Mittag zurück), ein Freund, der nicht bei mir schlafen will, ein Freund, der nicht da ist, wenn ich Kummer habe, ein Freund, der mich nicht in seine Wohnung lässt (ganz zu schweigen von seinem Leben), ein Freund, der in seiner Wohnung und seinem Leben nur Platz hat für seine Tochter, immer immer immer einzig und allein seine Tochter (die ich in eineinhalb Jahren ein einziges Mal gesehen hab, zufällig)... Ich könnte diese Liste noch endlos fortführen, aber wozu, ein Freund, der eben einfach kein Freund ist, jedenfalls nicht "so" ein Freund, mein Freund, der eine einzige. Das ist mir zu wenig.
Es geht halt doch nicht ohne Liebe, Hase, die Frau, die Du mal lieben wirst, wirst Du nicht so behandeln, glaub mir, und falls doch, hoffe ich für Dich, dass sie auch von hinten ein hübscher Anblick ist.


Hier hätte ich aufhören sollen, stattdessen...

Aber weißt Du, ich weine nicht mal, während ich das schreibe, jedenfalls fast nicht, und deshalb ist es eigentlich alles gar nicht so schlimm, und jetzt kommt nicht das, was Du erwartest und schon kennst, kein theatralisches "Jetzt ist Schluss, ich will Dich nicht mehr sehen!", das ich ja dann doch wieder nicht durchhalte.

Doch, ich will Dich sehen, Du bist doch der Hase, natürlich will ich Dich noch sehen. Wir lassen einfach den Sex weg und bleiben Freunde, aber eben Freunde dieser freundschaftlichen Art. Wir telefonieren, fahren bei Sonne mal wo hin und gehen zu Ausstellungen. Zum Beispiel morgen, okay?

Also bis morgen.

Bin ich besoffen?

05.07.2005 um 20:15 Uhr

Misty-water colored memories... of the way we were

von: Lapared

Pünktlich zur besten Kuchenzeit (immer so zwischen 6.00 und 24.00 Uhr) statt Käsetorte: wieder eine kleine Erinnerung.

Heute habe ich mir einfach die Mails durchgelesen, die ich ihm geschrieben aber nie abgeschickt habe, nachdem er damals im Sommer mit mir Schluss gemacht hatte. Eine davon zitiere ich hier mal. Nur um mich daran zu erinnern, wie elend es mir damals ging. Ein paar Kommentare habe ich mir erlaubt einzubauen, aus heutiger Sicht.

Entschuldige, dass ich Dir schon wieder schreibe. Es hilft mir, ich fühle mich so allein. Und wenn ich Dir schreibe, ist es bisschen wie sonst, wenn ich Dir abends erzählt habe, was mir am Tag so passiert ist, auch wenn es nie etwas Wichtiges war. Wenn ich jetzt irgendwas sehe oder erlebe, merke ich, dass es nur sinnlos und unwichtig ist, wenn ich es Dir nicht erzählen kann.

Scheiße, ja, so geht´s mir immer noch...

Ich hab das geliebt, wenn Du immer so nachsichtig vor Dich hingelächelt hast, mit diesem Lächeln, hinter dem sich immer ganz andere Geschichten verbargen, die Du nie erzählt hast, wahrscheinlich, weil sie, anders als meine, wirklich wichtig waren.

Käse! Riesenkäse! Das einzige, was sich hinter diesem Lächeln verbarg und verbirgt, ist ein empirischer Hohlraum mit einer breiten Durchgangstür zu einem kreativen Hohlraum, sprich, Erlebnislosigkeit verbunden mit Erfindungslosigkeit.

Wenn Du noch mein Freund wärest, würde ich Dir heute davon erzählen, wie ich morgens aufgewacht bin mit Augen wie eine Kaulquappe nach einer durchsoffenen Nacht und dazu mit einem riesigen brodelnden Herpes auf der Unterlippe. Das war um Sechs in der Früh. Die nächsten Stunden hab ich mit blauen, Eiswürfel-gefüllten Gefrierbeuteln auf den Augen in meinem riesigen neuen Bett gelegen, das ich extra für uns beide gekauft hatte, und unter den Eisbeuteln kullerten unaufhörlich immer neue Tränen und aus meinen Lidern wurden langsam Schlauchboote.

Oh Gott ja, und draußen schien die Sonne, ein herrlicher Tag.

Wenn Du noch mein Freund wärest, würdest Du grinsen und wir würden Witze machen über dieses in Selbstmitleid zerfließende Monster mit den blauen Eisbeuteln auf den Augen, Zahnpasta auf der Brodellippe und einer Zigarette im nicht befallenen Mundwinkel.

Stimmt, damals wurde ich von einem zum anderen Tag Kettenraucher.

Vielleicht würde ich Dir auch erzähen, wie das Monster sich dann irgendwann aufgerafft und die Sachen Ihres Exfreundes gepackt hat, um sie ihm vor die Tür zu stellen. Ich habe bei Dir geschellt und zum Glück warst Du nicht da. Ich hätte nicht gewollt, dass Du mich so siehst, mit Sonnenbrille und Riesenherpes, ich hätte, wärest Du da gewesen, die Tasche nur schnell unten in den Hausflur gestellt.

Lüge! Ich wusste sehr wohl, dass mein Ausschnitt so tief war, dass es ihm nicht mal aufgefallen wäre, wenn eine Madenfamilie auf meiner Lippe gepicknickt hätte.

Keine Angst, ich komme nicht noch mal, irgendein Herpes wird da immer bleiben, für den ich mich schäme.

Anscheinend nicht genug.

Ich habe dann unten im Haus geschellt, der Mann rechts in der Wohnung war so nett aufzumachen. Mein Gott, und dann diese Treppe. Aber zum Glück konnte ich mir ja diesmal soviel Zeit lassen, wie ich wollte. Hab ich erzählt, dass ich abgenommen habe, 6 kg, nicht ganz freiwillig, wie ich zugeben muss.

Stimmt, in den zwei Wochen, die er sich nach dem „Warum kannst Du nicht einfach gehen“ nach Juist geflüchtet und ich jeden Tag auf einen Anruf gewartet hatte, war mein Appetit eher mäßig.

Jetzt bin ich fast so schlank wie Du. So schlank wie ich immer sein wollte, als wir zusammen waren, weil ich mich immer zu schwer für Dich fand. Ich habe mich z.B. nie getraut, mich auf Deinen Po zu setzen und Dir eine meiner legendären Rückmassagen zu verpassen, für die Du mich garantiert geheiratet hättest, so gut kann ich das. Aber ich dachte mir, was nützt ihm ein entspannter Rücken, wenn sein Becken unter mir gebrochen ist.

Meine Rückenmassagen sind in der Tat der Hammer.

Was könnte ich Dir noch erzählen, wenn Du noch mein Freund wärest. Ach ja, ich habe heute mit meiner Schwester gesprochen. Sie hat versucht mich aufzuheitern und irgendwelche unwichtigen, halbwitzigen Geschichtchen erzählt, diese unsensible Zahnbürste. Jetzt weiß ich, wie Du Dich gefühlt hast, als ich Dich an dem Abend nach der Beerdigung voll getextet habe, unerträglich ist das. Aber sie ist meine Schwester, Zahnbürste hin, Zahnbürste her, und scheißegal, wie viel sie quatscht, ich liebe sie.
Du mich nicht. Das ist der Unterschied.


Der große Unterschied.

Ich wollte Dir doch noch so viel erzählen.

Das will ich leider immer noch.

Aber wahrscheinlich erzähle ich es besser Dir, meinem geduldigen kleinen Weblog. Ist ja auch schön.