Anleitung zum Entlieben

04.07.2005 um 21:24 Uhr

Memories... light the corners of my mind...

von: Lapared

Heute Morgen habe ich meine Käsetortenbarrikade erst mal wieder abgebaut, am Crosstrainer (ich habe so ein Teil zu Hause, ich schwitze nicht gern in der Öffentlichkeit), damit daraus nicht wirklich ein Speckpanzer wird. Es muss doch noch andere Strategien geben, mich gegen meine dämliche Sehnsucht zu wappnen.

Erinnerungen... (Streicher bitte!)... Wie wär´s mit all diesen wunderbaren Erinnerungen. Sylt zum Beispiel. Um diese fünf unvergesslichen Tage Scheiße nicht zu verdrängen, habe ich dieses Weblog doch begonnen. Also. Wozu fett werden, wenn ein einziger kleiner Blick zurück reichen würde, um die Schnauze gestrichen voll zu haben?

Da war zum Beispiel diese unauslöschliche kleine Unterhaltung, die wir ausnahmsweise mal nicht beim Sex führten, weil wir auf Sylt ja keinen Sex hatten sondern Schnupfen. 119 jedenfalls.

Ich weiß gar nicht mehr genau, warum wir auf die Sache kamen. Wahrscheinlich, weil wir zum ersten Mal in unserer Beziehung komplette Tage mit einander verbrachten und 119 nach zwei Jahren endlich auffiel, dass seine Freundin keine Freundin früh morgendlicher Nahrungsaufnahme ist und mit zwei Pott Kaffee gut und gern bis 16 Uhr auskommt. Vielleicht war es ihm aber auch gar nicht aufgefallen, vielleicht war ich es, die, nachdem der Sex ausfiel, auf andere Art und Weise versuchte, Intimität herzustellen, wenn möglich, Intimität mit annähernd dem Unterhaltungswert von Geschlechtsverkehr, und deshalb finsterste Geheimnisse und schillernde Peinlichkeiten aus meiner Vergangenheit offenbarte. Ja, ich glaube, so war es. Ich erzählte ein paar spektakuläre Anekdoten aus meiner Vergangenheit als Hardcore-Anorektikerin oder –Bulemikerin oder von sonst irgendwelchen dieser destruktiven Verhaltensweisen, die man im Laufe eines durchschnittlichen Frauenlebens so entwickelt, und vertrieb uns damit herrlich die Langeweile.

Ich weiß nicht mehr an welcher Stelle die ganz Sache kippte. Ich hatte bestimmt ein paar tausend Mal versichert, dass das alles längst Vergangenheit sei – und das ist es auch! - aber dann schwappte doch etwas aus der Altlastendeponie rüber in unser kleines romantisches Möwennest am Wattenmeer. Von meinen destruktiven Tendenzen zu unserer blühenden Beziehung war es ja auch nicht gerade eine Weltumseglung. Jedenfalls... plötzlich hörte ich mich amüsiert glucksen:„Siehste, ich liebe mich nicht, Du liebst mich nicht, genau das ist das Geheimnis unserer glücklichen Beziehung: Wir lieben mich alle beide nicht!“ Und er ganz pfiffig: „Beziehungen funktionieren eben nur durch Gemeinsamkeiten!“ Ich, auch nicht blöd: „Aber Unterschiede ziehen an. Die Anziehungskraft wäre größer, wenn einer von uns beiden mich lieben würde - wie wär´s mit Dir!?“ Und er: „Immer ich, wir wär´s mit Dir?“ Und ich: „Aber wenn ich mich lieben würde, würde ich Dich vielleicht nicht mehr lieben!“ Zack, da hatten wir den Salat.

Mit einem Schlag war das Grinsen aus seinem Gesicht verschwunden. Ich entschuldigte mich. Einmal, zweimal. Was ich gesagt hatte, war gemein, das weiß ich, aber ich hatte es im Spaß gesagt, ich hatte nicht wirklich darüber nachgedacht, ich wollte ihn nicht verletzen. Er stand auf, zog sich wieder an (es war Abend, wir hatten schon im Bett gelegen) und ging. Er kam die ganze Nacht nicht wieder. Ich habe ihn überall gesucht, alle Kneipen hab ich abgegrast, zwei Stunden bin ich in der Dunkelheit am Strand rum gerannt. Erst am nächsten Morgen habe ich ihn gefunden. Er lag in einem der unbelegten Zimmer nebenan in einem unbezogenen Bett und schlief wie ein Murmeltier.

Wer braucht Käsekuchen, wenn man solche Erinnerungen hat?

03.07.2005 um 23:55 Uhr

Umsonst verbarrikadiert

von: Lapared

Er hat nicht angerufen.

03.07.2005 um 20:13 Uhr

Verstärkung durch großen Bär

von: Lapared

Ich ahnte ja gar nicht, wie gut meine Abwehrstrategie ist. Jetzt habe ich noch eine zweite Verteidigungslinie. Eine glühende Pickelformation prangt auf meiner Stirn wie der große Bär am Sternenzelt. Prompte Folge der Fettbombe, die ich intus habe. 119, Du kannst ruhig anrufen, ich werde Dir nicht unter die Augen kommen.
Super. Wenn ich so weitermache, habe ich bald noch eine dritte Verteidigungslinie. Ringförmig, wenn sich das ganze Fett auf die Taille setzt. Eine unüberwindbare Verteidigungslinie wird das. Mit Übergewicht pflege ich nämlich keine Sexualkontakte. Mit Übergewicht stelle ich so weit möglich jegliche Kontakte ein. Als Ex-Anorektiker – egal, wie viele Jahrtausende es her ist - ist und bleibt man da etwas pimpelig. Hmpf. Die ideale Lösung scheint mit das auch noch nicht.

03.07.2005 um 18:59 Uhr

Operation "Käsekuchen" - die Abwehr steht

von: Lapared

Mein bester Freund Robert lebt zur Zeit in Askese. Da ich annehme, dass er mehr oder weniger regelmäßig in mein Blog schaut, möchte ich die nur wenige Minuten zurückliegende Erfahrung rein faktisch beschreiben, ohne die aufwühlende Sinnlichkeit, die emotional damit einher ging. Ich habe ihn gefunden, endlich, den perfekten Käsekuchen. Gar nicht mal weit von hier, genauer gesagt (Robert weghören, Du fastest) direkt gegenüber, nur 10 Meter Luftlinie entfernt. Da gibt es so ein kleines Omacafé, Bäckerei-Konditorei „Sprüngel“ mit Pralinenpyramiden und Zuckerfiguren im Schaufenster. Wenn ich aus dem Fenster gucke, kann ich genau in den winzigen Gastraum sehen. Es gibt dort fünf Tische mit zerschlissenen Damasttüchern, dazu jeweils zwei weiß lackierte Polster-Stühle und in der Ecke einen geschwungenen Garderobenständer mit einem großen Umhängeschild „Keine Haftung“. Meistens sind nur die beiden Tische am Fenster besetzt, in der Regel von älteren Damen in pastellfarbenen Feinstrickpullovern mit Ansteckbroschen. Ich selbst war noch nie dort. Ich hatte ja keine Ahnung. Ein Käsekuchen! Ich sag nur soviel: hammermäßig. Robert weghören. Außen goldgelb mit gerösteten Mandelblättern und einem Hauch Puderzucker obendrauf. Innen saftig und gleichzeitig krümelig. Abwesende Rosinen. Der Boden ein Hauch. Knappe Einmeterfünfzig hoch. Was für ein Kuchen. Und ist es nicht eigenartig? Man sucht ihn sein Leben lang, frisst sich rund um den Globus, dabei hat man dieses Prachtexemplar die ganze Zeit direkt vor der Nase. Da gehe ich gleich morgen wieder hin. Dann werfe ich mal einen Blick in Backstube und schau mir den Bäcker an.

Drei Stück habe ich von dem scheiß Käsekuchen gegessen. Ich platze gleich, das ist gut. Heute Abend kommt nämlich 119 vielleicht zurück. Für normalen Sex stehe ich nach dieser Orgie nicht zur Verfügung.

02.07.2005 um 23:43 Uhr

Erleuchtung des Tages

von: Lapared

Heute habe ich mich mit Frau D. getroffen. Sehr nett. So ein Sozialkontakt ab und an ist gar keine üble Sache.

02.07.2005 um 23:32 Uhr

Hermann & Tietjen II - Erinnerungen an Strunz

von: Lapared

Strunz war ja auch da. Strunz. Ich finde, wenn man Strunz heißt, braucht man keinen Vornamen. Strunz. So ein Name kann ein Kapital sein. BamS-Chef Strunz, das passt, das hat Klang. Strunz. Hat er also endlich seine TV-Auftritte. Ich erinnere mich noch, vor ein paar Jahren... Damals war er gerade Chef der BamS geworden und ganz wild darauf, Deutschlands größter Sonntagszeitung ein neues Gesicht zu geben. Seins (obwohl er optisch, finde ich, viel schlechter zu dem Blatt passt als klanglich, und darüber sollte er eher froh sein). Er war begeistert, als wir ihm mit einem Konzept für die heftaktuelle TV-Werbung kamen, dass ihn - ähnlich wie Helmut Markwort beim Focus - zum Presenter der aktuellen Themen der nächsten Ausgabe machte. Und ihn selbst prominent. Ich hatte den Job, Probeaufnahmen mit ihm zu machen, um zu gucken, wie er „rüber kam“. Er war sehr aufgeregt, das spürte man, wer wäre das nicht. Aber er hat seine Sache wirklich gut gemacht. Immerhin, die halbe Redaktion saß da rum und schaute ihm zu, wie er versuchte, gut auszusehen. Und dann kam auch noch Kai Dieckmann rein, BILD-Chef, breit grinsend. Aber Strunz, Strunz ließ sich nicht beirren. Ein Strunz weiß, was er will. Und siehe da, er hat es geschafft. Heute hat Strunz seine eigene Sendung. Da guckste, Kai. Diese Unbeirrbarkeit, gibt´s die irgendwo zu kaufen?
Und die andere Gäste... Die klügsten Sachen, finde ich, hat dieser voll lustige Vogel gesagt, gut getarnt als Spässchen, sodass man die Intelligenz nicht merkt. Todenhöfer hat mich fast zum Weinen gebracht, die Sau, irgendwie ist der mir nicht ganz geheuer. Jasmin Tabatabei... ja, interessanter Name.

02.07.2005 um 15:49 Uhr

Sorge um Amelie

von: Lapared

Ich mache mir Sorgen um Amelie Fried. Gestern Abend war sie - zusammen mit ihrem Mann Dingens Sowieso - bei Hermann & Tietjen, und damit zu Gast in ihrem eigenen TV-Format, auf ihrem eigenen Sendeplatz, denn sie selbst moderiert dieselbe Show ja zusammen mit Braunauge Giovanni di Lorenzo (reizend, einer der wenigen kleinen Männer, der sich über seine fehlende körperliche Größe lustig machen kann, man denke zurück an sein Interview mit den Klitschkos, das er, obwohl privilegierter Sitzmoderator einer klassischen Sitzrunde, im Stehen geführt hat, um den Größenunterschied zwischen den Milchschnitte-Stars und ihm selbst besonders eindrucksvoll zu dokumentieren), also Amelie Fried moderiert Hermann & Tietjen sonst, nur dass Hermann & Tietjen dann 3nach9 heißt und von Radio Bremen produziert wird. Jedenfalls, ich sah sie also da zu Gast in dieser Sendung, Amelie Fried, und schon beim Einspieler, der ein kurzes Porträt von ihr zeichnet, wird mir ganz schlecht vor Sorge. Sie ist eine angesehene Journalistin und erfolgreiche Schriftstellerin, hat eigene Kolumnen, eigene Kinder und jenen beweiskräftig mitgebrachten eigenen Mann Dingens Sowieso, ein Drehbuchautor, der aus ihren erfolgreichen Büchern auch noch erfolgreiche Filme macht, und der glücklich mit ihr ist, obwohl, wie er sagt, manche Menschen sich, wenn die beiden gemeinsam auftreten, hinterher angeblich nicht mehr an seinen Namen erinnern.
Mann, Kinder, Romane, Filme... plötzlich wird mir klar: Das ist mein Leben! Das hatte ich bestellt! Da liegt eine Verwechslung vor! Und bestimmt hatte Amelie eigentlich meins bestellt. Scheiße, Amelie, geht´s Dir gut? Ich mache mir wirklich Sorgen...

01.07.2005 um 20:25 Uhr

Alles über seine Mutter

von: Lapared

Jetzt ist er also erstmal ein paar Tage zu Hause. Wie gesagt, der Todestag seines Vaters jährt sich. Traumhafter Anlass für seine Mutter („Von 365 Tagen im Jahr bin ich 300 Tage allein!“), ihre vier Kinder gekämmt und vollzählig um sich zu scharen. Ich liebe 119s Mutter. Obwohl ich sie noch nie gesehen habe und vermutlich auch nie sehen werde, da das Kennenlernen der Mutter eine Beziehung bekanntlich als „etwas Ernstes“ adelt, eine Art Ritterschlag für Schatzis, Mäuschen und Hasis, der mir wohl nie zuteil wird, denn genau genommen habe ich es bis heute noch nicht mal ins Schatzi-Mäuschen-Hasi-Land gebracht, 119 nennt mich immer noch ganz korrekt bei meinem Vornamen. Also, die Mutter.

Ich tue jetzt mal was, was ich normalerweise verabscheue, einfach weil ich es für intellektuelles Gewichse halte, was niemandem hilft und überhaupt nichts bringt. Ich versuche, die psychologischen Ursachen zu verstehen, warum 119 so ein blöder Arsch ist. Manchmal. Bisweilen. Ab und zu. (Sechs Tage Trennung fordern ihren Tribut, ich bin schon wieder weich wie Rührei.) Meine Theorie, die ich ihm - wie alles, was ein bisschen heikel ist - knackig und aufs Wesentlichste reduziert schon einmal während des Geschlechtsverkehrs unterbreitet habe (es ergab sich einfach so, ganz organisch quasi), also meine Theorie ist Folgende. Am besten, ich gebe den Original-Dialog hier mal wieder, ich glaube, der ging ungefähr so:

(Nach längerem, engagierten Vorspiel)

Er: Vorsicht!
Ich: Schon?
Er: Nicht, dass Du Mutter wirst!
Ich: Was hast Du gegen Mütter?
Er: Meine reicht mir!
Ich: Selber Schuld.
Er: Warum das denn?
Ich: Ich kenne niemanden, der älter als 12 ist, der mit seiner Mutter nach Bad Pyrmont fährt.… Abgesehen von Dir.
Er: Mit wem soll sie denn sonst fahr´n?
Ich: Gott!!!
Er: Meine Geschwister haben alle Familie!
Ich: Und?
Er: Wie soll ich mich da rausreden?
Ich: Rausreden? Du könntest nein sagen!
Er: Das ist nicht so einfach.
Ich: Nicht für Dich!
Er (sich abrupt abrollend): Was soll das denn heißen?
Ich: Nichts. Nur eine neue Verhütungsmethode.
Er (insistierend:) Komm schon, was soll das heißen?
Ich (erektionserhaltende Maßnahmen ergreifend:) Du bist eben ein Guter.
Er: Hältst Du mich für ein Muttersöhnchen?
Ich: Wenn sie pfeift, springst Du.
Er (erektionerhaltende Maßnahmen abwehrend:) Du spinnst doch!
Ich (erektionserhaltende Maßnahmen final abblasend:) Na gut.
Er: Ich bin kein Muttersöhnchen.
Ich: Okay.
Er: Du hälst mich also für ein Muttersöhnchen. Schön, dass ich das auch mal erfahre.
Ich (wütend): Nein, ich halte Dich NICHT für ein Muttersöhnchen. Aber ich halte Dich für einen Sohn, der mit 43 immer noch Angst davor hat, seine Mutter zu verärgern! Ich halte Dich für einen Sohn, der immer noch glaubt, dass seine Mutter ihn weniger liebt, wenn er nicht tut, was sie sagt! Ich halte Dich für einen Sohn, der sich von seiner Mutter erpressen lässt! Ich halte Dich für einen Sohn, der gelernt hat, dass Liebe ihren Preis hat! Dass man dafür brav sein muss! Dass man seine eigenen Bedürfnisse dafür aufgeben muss! Dass man nicht mehr frei ist, zu tun, was man möchte! Ich halte Dich für einen Sohn, der so teuer für die Liebe seiner Mutter bezahlt hat, dass SIE die erste und letzte Frau in seinem Leben ist, die er liebt. Ich halte Dich für einen Mann, der nicht lieben kann, weil er glaubt, dass er dadurch seine Selbstbestimmung verliert... (heulend:) Für einen Idioten, der nicht sieht, was für ein Schwachsinn das ist. Der nicht merkt, dass ich ihn liebe, OBWOHL er sich oft wie ein Arschloch verhält. TROTZDEM. Der nicht kapiert, dass ich nicht seine Mutter bin! Und dass er nie, nie mit mir nach Bad Pyrmont fahren muss!!! (Schluchzen)
Er: Wow!
Ich: ... (Schluchzen)
Er (erregungsfördernde Maßnahmen ergreifend): Hey... na komm schon... Warum willst Du denn nicht mit mir nach Bad Pyrmont?
...
...
...

Soweit also meine kleine Theorie zu seiner, ja, ich sag´s jetzt einfach mal, Liebesunfähigkeit. Blöd ist die nicht. Denn nebenbei: Ich bin nicht die einzige, die er nicht liebt. Und nicht die erste. Er sagt, auch seine früheren Freundinnen hätte er nicht geliebt. Selbst die Frau, mit der er ein Kind hat, mit der er fünf Jahre zusammen gelebt hat... angeblich nie geliebt. Und verliebt - sagt er – war er wenn überhaupt höchstens mal als Pennäler. Nein, ganz blöde ist meine Theorie gewiss nicht. Aber nützt sie was, hilft sie wem? Keiner Sau.