Anleitung zum Entlieben

01.07.2005 um 20:25 Uhr

Alles über seine Mutter

von: Lapared

Jetzt ist er also erstmal ein paar Tage zu Hause. Wie gesagt, der Todestag seines Vaters jährt sich. Traumhafter Anlass für seine Mutter („Von 365 Tagen im Jahr bin ich 300 Tage allein!“), ihre vier Kinder gekämmt und vollzählig um sich zu scharen. Ich liebe 119s Mutter. Obwohl ich sie noch nie gesehen habe und vermutlich auch nie sehen werde, da das Kennenlernen der Mutter eine Beziehung bekanntlich als „etwas Ernstes“ adelt, eine Art Ritterschlag für Schatzis, Mäuschen und Hasis, der mir wohl nie zuteil wird, denn genau genommen habe ich es bis heute noch nicht mal ins Schatzi-Mäuschen-Hasi-Land gebracht, 119 nennt mich immer noch ganz korrekt bei meinem Vornamen. Also, die Mutter.

Ich tue jetzt mal was, was ich normalerweise verabscheue, einfach weil ich es für intellektuelles Gewichse halte, was niemandem hilft und überhaupt nichts bringt. Ich versuche, die psychologischen Ursachen zu verstehen, warum 119 so ein blöder Arsch ist. Manchmal. Bisweilen. Ab und zu. (Sechs Tage Trennung fordern ihren Tribut, ich bin schon wieder weich wie Rührei.) Meine Theorie, die ich ihm - wie alles, was ein bisschen heikel ist - knackig und aufs Wesentlichste reduziert schon einmal während des Geschlechtsverkehrs unterbreitet habe (es ergab sich einfach so, ganz organisch quasi), also meine Theorie ist Folgende. Am besten, ich gebe den Original-Dialog hier mal wieder, ich glaube, der ging ungefähr so:

(Nach längerem, engagierten Vorspiel)

Er: Vorsicht!
Ich: Schon?
Er: Nicht, dass Du Mutter wirst!
Ich: Was hast Du gegen Mütter?
Er: Meine reicht mir!
Ich: Selber Schuld.
Er: Warum das denn?
Ich: Ich kenne niemanden, der älter als 12 ist, der mit seiner Mutter nach Bad Pyrmont fährt.… Abgesehen von Dir.
Er: Mit wem soll sie denn sonst fahr´n?
Ich: Gott!!!
Er: Meine Geschwister haben alle Familie!
Ich: Und?
Er: Wie soll ich mich da rausreden?
Ich: Rausreden? Du könntest nein sagen!
Er: Das ist nicht so einfach.
Ich: Nicht für Dich!
Er (sich abrupt abrollend): Was soll das denn heißen?
Ich: Nichts. Nur eine neue Verhütungsmethode.
Er (insistierend:) Komm schon, was soll das heißen?
Ich (erektionserhaltende Maßnahmen ergreifend:) Du bist eben ein Guter.
Er: Hältst Du mich für ein Muttersöhnchen?
Ich: Wenn sie pfeift, springst Du.
Er (erektionerhaltende Maßnahmen abwehrend:) Du spinnst doch!
Ich (erektionserhaltende Maßnahmen final abblasend:) Na gut.
Er: Ich bin kein Muttersöhnchen.
Ich: Okay.
Er: Du hälst mich also für ein Muttersöhnchen. Schön, dass ich das auch mal erfahre.
Ich (wütend): Nein, ich halte Dich NICHT für ein Muttersöhnchen. Aber ich halte Dich für einen Sohn, der mit 43 immer noch Angst davor hat, seine Mutter zu verärgern! Ich halte Dich für einen Sohn, der immer noch glaubt, dass seine Mutter ihn weniger liebt, wenn er nicht tut, was sie sagt! Ich halte Dich für einen Sohn, der sich von seiner Mutter erpressen lässt! Ich halte Dich für einen Sohn, der gelernt hat, dass Liebe ihren Preis hat! Dass man dafür brav sein muss! Dass man seine eigenen Bedürfnisse dafür aufgeben muss! Dass man nicht mehr frei ist, zu tun, was man möchte! Ich halte Dich für einen Sohn, der so teuer für die Liebe seiner Mutter bezahlt hat, dass SIE die erste und letzte Frau in seinem Leben ist, die er liebt. Ich halte Dich für einen Mann, der nicht lieben kann, weil er glaubt, dass er dadurch seine Selbstbestimmung verliert... (heulend:) Für einen Idioten, der nicht sieht, was für ein Schwachsinn das ist. Der nicht merkt, dass ich ihn liebe, OBWOHL er sich oft wie ein Arschloch verhält. TROTZDEM. Der nicht kapiert, dass ich nicht seine Mutter bin! Und dass er nie, nie mit mir nach Bad Pyrmont fahren muss!!! (Schluchzen)
Er: Wow!
Ich: ... (Schluchzen)
Er (erregungsfördernde Maßnahmen ergreifend): Hey... na komm schon... Warum willst Du denn nicht mit mir nach Bad Pyrmont?
...
...
...

Soweit also meine kleine Theorie zu seiner, ja, ich sag´s jetzt einfach mal, Liebesunfähigkeit. Blöd ist die nicht. Denn nebenbei: Ich bin nicht die einzige, die er nicht liebt. Und nicht die erste. Er sagt, auch seine früheren Freundinnen hätte er nicht geliebt. Selbst die Frau, mit der er ein Kind hat, mit der er fünf Jahre zusammen gelebt hat... angeblich nie geliebt. Und verliebt - sagt er – war er wenn überhaupt höchstens mal als Pennäler. Nein, ganz blöde ist meine Theorie gewiss nicht. Aber nützt sie was, hilft sie wem? Keiner Sau.