Anleitung zum Entlieben

07.07.2005 um 22:43 Uhr

Die Ausstellung

von: Lapared

Curd hatte gestern Abend schon was anderes vor. Nach einer falsch verstandenen Bemerkung von Gabi wollte er - statt zur Vernissage - lieber zum Workout. Gabi hatte gesagt, dass sie die konsequente Abwesenheit einer Taille bei ihm sehr sexy findet. Manche können mit Komplimenten einfach nicht umgehen.

Wie auch immer. Jedenfalls habe dann doch ich 119 zu der Ausstellung begleitet. Warum? Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil mich die Ausstellung tatsächlich interessierte? Nehmen wir das einfach mal an. Natürlich könnte ich mich auch einmal mehr Rindvieh nennen, aber was gibt es Langweiligeres als Wiederholungen, nicht wahr. Der Abend war Strafe genug. Wir sind zusammen gekommen und zusammen wieder gefahren. Wir waren auch zusammen da. Aber ich hätte nicht alleiner sein können, wenn ich alleine dort gewesen wäre. Umgeben von Paarläufern und Händchenhaltern gab 119 seine Vorstellung als einsamer Wolf, der mit finsterer Verachtung durch die diversen Ausstellungsräume stromert. Und ich meine als treuer Dackel, der quietschfidel hinterher hechelt. Rührend.

Aber am Ende des Abends war es dann doch der Dackel, der zur großen Überraschung - nicht zuletzt seiner selbst - plötzlich zugebissen hat. „Fahren wir zu Dir?“, fragte der einsame Wolf, als er neben dem Dackel im Auto im saß. „Nein, wir fahren zu Dir!“, sagte der Dackel, „wir bringen Dich nach Haus.“ - „Aber wir können doch noch was machen!“, lächelte der Wolf. Nein, wir können nichts mehr machen. Wir sind am Ende. Wir haben es versaut.

Morgen fahre ich für ein paar Tage "nach Hause". Meine Eltern werden 150. Mama wird 70, Papa 80 Jahre alt. Mehr als 50 davon haben die beiden gemeinsam verbracht. Toll, was? Es gibt eine Party, ganz klein, höchstens ein paar Hundert Gäste, meine Schwester und ich sind natürlich auch dabei. Jedenfalls werde ich die nächsten Tage wohl nichts schreiben können.

Und dann ist am Wochenende auch noch diese Buch-Party. Aber davon erzähle ich vielleicht besser, wenn ich wieder da bin. Nur soviel: Das Buch, um das es da geht, ist der Grund, warum 119 119 heißt. 119 ist eine Seite in diesem Buch, und sie handelt von ihm. Aber wie gesagt, davon mehr, sobald ich zurück bin.