Anleitung zum Entlieben

19.07.2005 um 21:22 Uhr

Ich fühle mich gestört

von: Lapared

Waren das noch Zeiten! Aufwachen und versuchen, nicht an 119 zu denken. Kaffee trinken und versuchen, nicht an 119 zu denken. Käsekuchen essen und versuchen, nicht an 119 zu denken. Mehr Käsekuchen essen und versuchen, nicht an 119 zu denken. Wieder einschlafen und versuchen, nicht an 119 zu denken... Frei und unbeschwert von profaner Erwerbstätigkeit den lieben langen Tag einzig und allein der einen, beglückenden Aufgabe widmen zu versuchen, nicht an 119 zu denken – ein Leben war das!

Doch nun... Seit Stunden quäle ich mich mit diesem verkackten Job ab. Man kommt zu nichts. Nicht zum Heulen. Nicht zum Jammern. Nicht zum in Selbstmitleid Baden. Claims, Headlines, TV-Spots... sonst habe ich nichts mehr im Kopf. Nicht ein einziges Mal konnte ich heute ungestört versuchen, nicht an 119 zu denken.

So geht das nicht weiter. Dieses Arbeiten bekommt mir nicht. Es lenkt mich einfach zu sehr ab.

19.07.2005 um 17:46 Uhr

Noch mal Pastete...

von: Lapared

Jetzt hätte er meine Sachen gelesen. Sensationellst! (Der Werber an sich strebt stets zum Superlativ.) Und das Beste, zufällig passte einiges davon sogar auf das neue Kundenbriefing! (Nee, ne?!) Das hätte ich echt alles an einem Tag geschafft?! (An ´nem halben, Pastetchen!) Und ob ich vielleicht zu der einen Kampagne noch mehr Filme schreiben könnte... bis morgen früh!?

19.07.2005 um 16:35 Uhr

pay one, get three

von: Lapared

Die Sau von Pastete hat mich gelinkt. Eben hat er sich gemeldet (vereinbart war eine telefonische Abstimmung zwischen zehn und zwölf, um vier habe ich ihm dann auf seine Mailbox gesprochen, was denn nun sei...). Hach, er hätte noch gar keine Zeit gehabt, meine Sachen zu lesen. Sorry. Aber ohnehin, das Kundenbriefing hätte sich heute Mittag ja plötzlich total geändert. Insofern, nicht wahr?! Und das Timing sei jetzt auch wieder viel entspannter. Wie gut, dass ich nur einen Tag daran gearbeitet hätte.

Einen Tag? EINEN Tag??? Freitagnachmittag hat er mich gebrieft. Jetzt will er angeblich dazu gesagt haben, dass ich erst am Montag damit anfangen soll. Ist es zu fassen? Dieser blöde Scheißarsch!

19.07.2005 um 11:23 Uhr

Ausnahmen

von: Lapared

Was ich da eben über CDs geschrieben habe...

Also, das gilt natürlich nicht für alle.

Es gibt auch welche, die sind wirklich fantastische Kreative mit überragenden eigenen Ideen, der CD zum Beispiel, für den ich die letzten Jahre gearbeitet habe, der war GOTT, zum Niederknien, never fuck the company hin oder her...

Im Ernst, mein letzter Chef war wirklich ein gottverdammtes Genie.

19.07.2005 um 10:55 Uhr

Wieso Pastete zu Recht Creative Director ist

von: Lapared

Ich weiß gar nicht, warum ich mich so verrückt mache. Jetzt sitze ich hier und warte auf den Rückruf der Pastete. Und ein gnädiges Urteil. Ich meine, von der Pastete...

Was ich noch nicht erwähnte habe: Pastete und ich waren mal Kollegen. Nicht lange, denn Pastete kam bei dem Tempo, das damals in der Agentur herrschte, bald aus der Puste und wurde in die Prospektabteilung versetzt. So ähnlich. Eigentlich ist Pastete von selber dahin ausgeschert, rechtzeitig, bevor irgend jemand was bemerkt. Cleveres Pastetchen! Und heute sitzt sie fett in Frankfurt als CD, als „Creative Director“, und ich sitze hier und warte auf ihre Beurteilung.

Im Prinzip ist das auch völlig okay. Es sind zwei ganz verschiedene Dinge, gute Ideen zu haben und gute Ideen zu erkennen. Und ein CD muss in erster Linie gute Ideen erkennen, schließlich lässt er als "Director" andere für sich denken.

Die meisten CDs sind in der Tat viel besser im Erkennen kreativer Ideen als die Kreativen selbst. Schließlich haben CDs das in der Regel viele, viele Jahre geübt. Als ihnen nämlich irgendwann am Anfang ihrer Laufbahn klar wurde, dass es für sie selbst sehr mühevoll wäre, gute Ideen hervorzubringen, haben sie sich darauf verlegt, gute Ideen Anderer möglichst schnell zu erkennen und – ganz wichtig! – den Eindruck zu vermitteln, sie selbst hätten irgend etwas damit zu tun. DAS ist mitunter gar nicht leicht, das ist sogar eine Kunst für sich, und es ist keinesfalls ungerecht, dass die Könner dieses Fachs irgendwann mit einem CD-Posten belohnt werden.

Eine der beliebtesten Strategien werdender CDs ist es, quasi die Patenschaft für eine gute Idee zu übernehmen. Ungefragt, versteht sich. Sie kämpfen dann für die Idee, sie setzten sich wahnsinnig leidenschaftlich dafür ein... sodass jeder denken muss, es wäre ihre eigene. Und die besten von ihnen, aber wirklich nur die allerbesten, bringen dabei ein wahres Kunststück fertig: Am Ende denken sogar sie selbst, die Idee wäre von ihnen. Wirklich, das gibt´s! Sie täuschen nicht nur die anderen, sondern auch sich selbst, und was ist gegen so eine kleine Selbsttäuschung zu sagen, bei der der Getäuschte sich am Ende zufrieden auf die Schulter klopfen kann und denkt: scheiße, bin ich gut! Deshalb, weil er ja so scheiße gut ist, wundert er sich dann auch gar nicht, wenn die nächste geniale Idee wieder von ihm ist, und die übernächste und übernächste... alle von ihm! Was soll´s, was kann man da machen, er ist eben ein gottverdammtes Genie.

Also, was ich nur sagen wollte: CDs wie Pastete haben ihren Posten absolut zu Recht. Sie erkennen gute Ideen sofort. Sie bringen darin eine Menge Erfahrung mit. Also, worüber mache ich mir Sorgen?

19.07.2005 um 00:01 Uhr

Happy Birthday, Zimtnase!

von: Lapared

Ein kleiner Geburtstagsgruß an die Beste aller Schwestern!

Solange Du da bist, kann nichts Schlimmes passieren und alle 119s und alle Pusteln und Pasteten dieser Welt können mir nix, gar nix. Ich liebe Dich. Mehr als Käsekuchen.