Anleitung zum Entlieben

28.07.2005 um 23:40 Uhr

Alles Psychologie

von: Lapared

Manchmal merkt man eben doch, dass ich Psychologin bin. Eine gewisse Sensibilität, Einfühlungsvermögen... ich weiß Menschen einfach zu nehmen. Durch ein einfaches Gespräch wie dieses:

(Während der Abstimmung. Der CD schickte sich gerade an, eine meiner Ideen abzuschießen. Ich sollte vielleicht erwähnen: Ich habe ein sehr inniges Verhältnis zu meinen Ideen. Manche sind für mich wie Babys. Mütterliche Instinkte keimen in mir auf. Der CD, sich dessen voll bewusst, spielte wie gesagt schon am Revolverlauf. Grinsend nahm er mein Baby ins Visier...)

CD: „Tja, was soll ich sagen. Irgendwie fällt es mir bei Frauen besonders schwer, ihre Ideen zu kritisieren."
Ich: „Das verstehe ich. Ideen von Frauen sind meistens in der Tat sehr gut.“ (Er hatte angefangen! Normalerweise sage ich so Mann-Frau-Scheiße nicht!)
CD: „Nee, deshalb nicht.“
Ich:„Nicht? Warum dann?“
CD „Frauen reagieren gleich so sensibel. Das wird dann immer so verkrampft.“
Ich (und jetzt kommt sie, die psychologische Meisterleistung): „Okay. Dann sage ich Dir jetzt mal was. Das, was da an der Wand hängt, Deine Dessous-Kampagne, die finde ich Scheiße. Weil die Idee, ein hübsches Mädchen im Dessous Fallschirmspringen zu lassen, für mein Empfinden nicht besonders witzig ist. Sei denn, der BH wäre der Fallschirm, Mädchen mit riesig aufgeblähten BHs fallen vom Himmel, ein ganzes Geschwader, über der Normandy, das wäre was! Aber darauf seid Ihr ja leider nicht gekommen, schade, denn so, wie´s da hängt, ist es Mist. Und das sage ich Dir, obwohl Du mein Kunde bist. Na, wie findest Du das? Sind wir jetzt entspannt?“

Tja, so macht man das. Durch einen kleinen psychologischen Dreh hatte ich mein Gegenüber völlig entkrampft. Gelöst und locker hat er mich wenig später zu Tür geleitet.

(Okay, nicht ganz. Aber den Rest des Tages hatte ich die anspruchsvolle Aufgabe, die Einladung zum Sommerfest zu texten.)

28.07.2005 um 06:05 Uhr

Hausaufgaben

von: Lapared

Na, gut. Der Funkspot ist kein Funkspot. Der Funkspot ist der gespielte Witz, Bauernkomödie. Ein Schuss in den Ofen.

Aber... dafür sitze ich ja jetzt auch hier. Dafür bin ich, wie an jedem der letzten drei Tage, um vier Uhr aufgestanden und mache meine Hausaufgaben. Und die sind jedesmal gewaltig, weil ich mich in Agentur nicht konzentrieren kann, weil es dort kalt und laut ist und ich in einem Zimmer mit drei Leuten sitze, wo ein ständiges Kommen und Gehen herrscht, wo pausenlos Telefone klingeln und geredet wird. Ich weiß, das sollte ich ausblenden können, so ist das nun mal in diesen Agenturen, aber ich kann das nicht. Nicht mehr. Und so hocke ich nun in meiner winzigen, stillen, voll beheizten Küche, brüte und tröste mich, dass es ja nur noch zwei Tage sind, bis ich endlich wieder in Ruhe meine Depression haben kann.

Eine Frage läßt mich allerdings nicht los. Wie habe ich es geschafft, zehn Jahre in so einer Agentur zu arbeiten? Mit Erfolg. Und was, was hat sich verändert, dass ich es nun kaum fünf Tage lang überstehe?