Anleitung zum Entlieben

02.08.2005 um 22:22 Uhr

Finstere Berechnungen

von: Lapared

Thema Digitalcamera. Recherchen haben ergeben, dass mich das Modell meiner Begierde incl. Zubehör genau 0,541 Tage Schädelpresse in einem der sogenannten Werbehotshops kosten würde. Da stellt sich die Frage, wozu brauche ich eine Digitalcamera? Um meine Füße zu fotografieren (sicher, sie sind außergewöhnlich, außergewöhnlich platt) oder Curd (ein Stück beige-graues, gefülltes Flies, mit einer gesichtsähnlichen Stickerei) oder meine Yuccapalme, mit der ich in 12 Jahren nicht ein Wort gewechselt habe, wer bitte bin ich denn?

Irgendwo habe ich mal einen Satz gehört: Für Geld tun wir Dinge, die wir nicht wollen, um Sachen zu kaufen, die wir nicht brauchen, um Menschen zu imponieren, die wir nicht mögen. So oder so ähnlich. Ich nicht. Nicht mehr. Schluss damit. Ich brauch das alles nicht. Außerdem kann ein Besuch im Mediamarkt auch den ehernsten Konsumvorsatz ins Wanken bringen. Die Scheinchen quollen mir schon aus der Nase, aber kein Verkäufer weit und breit, der auch nur gewillt gewesen wäre, meine investitionslüsterne Existenz zu registrieren. Und dann diese informierte Verbraucherin vor mir, mit zwei handgeschriebenen Ringbuchseiten letzter Testergebnisse zur Hand und dem ehrfürchtig lauschenden Idiotenschwarm um sich herum. Und die Verbrüderungstendenzen der Überforderten, die einen davon sogar veranlassten, mir aufmunternd das Gesäß zu tätscheln... Nein, sollte ich je wieder etwas kaufen wollen, dann nur online. Von zuhause.

Nach dieser kleinen Expedition in die Konsumentenwelt habe ich den Rest des Tages gemütlich schluchzend auf meiner Couch verbracht. Ist auch mal schön. Und wesentlich günstiger. Mag sein, von außen gesehen ist mein Leben nur eine Aneinanderreihung von Tagen, deren Highlight in einem Stück Käsetorte besteht. Aber was soll´s. Es ist mein Leben. Und es ist eine verdammt gute Käsetorte. Es gibt viele Menschen, denen es wesentlich schlechter geht. Die müssen sich den Käsekuchen sogar selber backen...

02.08.2005 um 11:18 Uhr

To Do

von: Lapared

Jeden Morgen nach dem Aufstehen setze ich mich als Erstes in die Küche, trinke einen Kaffee und schreibe eine Liste mit der Überschrift TO DO. Das tut gut. Meistens ist es die selbe Liste wie am Vortag, "Päckchen abholen", sowas fällt schon mal weg, "Video wegbringen", sowas kommt schon mal hinzu, aber ich schreibe die TO DO-Liste immer wieder neu, auch die Klassiker wie "München-Flug buchen" (um meine beste Freundin und ihr Neugeborenes zu besuchen, das in Winter drei wird) und die Neoklassiker wie "im Sportclub anmelden" (wir erinneren uns: um einzutreten, brauchte ich erst mal einen angemessen "Dress", schließlich geht es nicht um den Sport - "Gegen 119 hilft nur eins: ein anderer!", Zitat meine Schwester - und die Sportbekleidung, die ich im Internet geordert habe, war zwar eine Wucht, leider haben die Hosen mittlerweile, nach dem ersten Waschen, aber Hochwasser, ich brauche also, um mich im Sportclub anzumelden - "Doch, doch! Ein Sportclub ist genau richtig! Wer noch gegen seinen Fettarsch kämpft, ist zumindest mental noch nicht vom Markt", Zitat meine Schwester - also ich arbeite in diesen Punkt immer noch an einem "Dress"). Aber damit kein falscher Eindruck entsteht, es gibt auch Punkte auf meiner Liste, da ist kaum die Tinte trocken, da hab ich sie schon abgearbeitet, und damit meine ich nicht nur Punkte wie "Torte holen". Heute zum Beispiel werde ich "Digitalkamera kaufen" darauf setzten, und ich würde mich nicht wundern, na, ich will nicht zu viel versprechen, aber ich könnte mir vorstellen, dass ich den Punkt heute Abend schon streichen kann. Apropos. Streichen auf der TO DO Liste, das Lustvollste überhaupt. Manchmal setze ich Dinge, die längst passiert sind - z.B. neues "Monopol" kaufen, Telefonieren mit der Krankenkasse (ich wurde angerufen), Lüften - postum auf die Liste, nur weil das Streichen so schön ist.
"Blog-Eintrag über TO DO-Liste"... kommt auch gleich auf die Liste.