Anleitung zum Entlieben

08.08.2005 um 13:59 Uhr

Thomapyrin - Die Story

von: Lapared

Viele wundern sich vielleicht, mit welcher behänder Leichtigkeit ich mich aus dieser Beziehung löse. Ich sagte es ja bereits, ich bin ein alter Entzugshase. Abhängigkeiten streife ich ab wie nix , haha! Und wechsel sie mit routinierter Nonchalance wie ein Manager die Ralph Lauren-Hemden. Heute die, morgen ´ne andere. Ein Don Juan, ein Casanova der Abhängigkeiten bin ich. Doch halt... erst mal das passende Foto, das klassisch-getragene „Geständnisse einer anonymen Dingsbumssüchtigen“-Foto...


(Süß, gell? Dieser Blick ins Leere und gleichzeitig doch ins Licht... Hammer.)

Ja. Also von all meinen verschiedenen Abhängigkeiten ist mir eine auch nach Jahren unvergesslich geblieben. Ihr Name war Thomapyrin. Nee, Novalgin. Äh, Duclofenac? Aktren Spezial? Ibuprofen Al 600? Ach egal, Namen, sie hatte viele Namen. Und überhaupt sollte ich anders anfangen.
Es fing alles an mit... Kopfschmerzen. „Die haste von Oppa!“, sagte meine Mutter immer. Nur hatte Opa im Krieg einen Kopfschuss gehabt. Na, jedenfalls hatte ich das schon als Kind. In der Schule schleppte ich es so mit, beim Studieren muss man nicht denken, da ging´s ganz gut, aber dann in der Werbung, Stichwort Schädelpresse, kam der Gau. Nein eigentlich kein normaler Gau, es kam eigentlich eher schleichend, ein Gauchen erst, robbte sich lautlos ran wie Winnetou, um sich dann eines Nachts plötzlich aufzurichten, die Axt zu schwingen und zack, alle tot.
Der gemeine Mensch zieht sich bei Kopfschmerzen leidend zurück. Legt sich aufs Ohr. Und das ist MITSCHREIBEN! auch richtig. Doch nicht so der Werber. Was soll man machen... wer eine wichtige Aufgabe hat, eine Deadline, eine Mission. Streichkäse-Funkspots, Kleinwagen-Headlines, Jetzt für 2 Cent weniger im Moonshine-Tarif telefonieren-Copies. Mit so einer Mission legt man sich nicht mal eben aufs Ohr. Da bewegt der Werber seinen Hintern dynamisch in die nächstgelegene Apotheke (oder besser, schickt dynamisch einen Kurier) und besorgt sich was dagegen. Kopfschmerzen? Wer eine Deadline hat, kennt keinen Schmerz. Schon gut, ich komm wieder runter (diese Eselei von mir regt mich im Nachhinein immer höllisch auf). Na, und um es kurz zu machen, die Kopfschmerzen werden natürlich nicht weniger, du frisst immer mehr von den Pillen, brauchst immer stärkere Mittel, die gibt´s dann nicht mehr in der Apotheke, die sind verschreibungspflichtig, also gehst du zum Arzt, und wenn der dir nicht genug davon verschreibt, gehste eben zu noch einem, der verschreibt dir was Ähnliches noch mal, weiß ja keiner, und dann zu noch einem, und noch einem, und dann, eines Tages, ruft die Krankenkasse an, macht nix, dann reichst du das Rezept eben nicht mehr ein, Mission, schließlich hat man eine Mission, und die muss immer bis 17 Uhr fertig werden, denn danach will der Kunde nach Hause, natürlich nicht ohne Rebriefing, damit die Agentur sich über Nacht nicht langweilt, und die Agentur bin ich, jawoll ich, also hau rein das Zeug, und wieder und wieder... und dann eines Tages BUMS. Schmerzmittelentzug 1 (vier Wochen hämmernde Migräne und keine Schmerzmittel). Und wieder BUMS. Schmerzmittelentzug 2 (fünf Wochen hämmernde Migräne und keine Schmerzmittel). Und… RAUS. Also Kinder, Hände weg vom Thomapyrin. Immer schön aufs Öhrchen hauen. Und wenn überhaupt Aspirin. Nur ein Wirkstoff. Aber immer nur eine. Und nicht mehr als zehn Stück im Monat. Sind wir uns einig?

So, nach diesem leidenschaftlichen Plädoyer gegen die Schmerzmittelindustrie, das Mitmachen und die horrende eigene Dämlichkeit drängt Curd zu einer Ausfahrt ans Meer (ich nehme es jedenfalls an, so entschlossen wie er vor „Rocher“ von Guido Mieth (2003) posiert.)

08.08.2005 um 10:39 Uhr

Hopp sa sa ist morgen

von: Lapared

Schlecht gemacht (wie gesagt... einsam dümpelnde Verhaltensweise ohne Hafen, ohne Familie): Probetraining verpennt. Gutes Zeichen (wie gesagt... bedeutungsschwangerer Vorbote besserer Zeiten): Umgehend neuen Termin gemacht. Gleich für morgen. Wow.

08.08.2005 um 00:20 Uhr

Brain´s World

von: Lapared

Jeder kennt diese Erlebnisse, da steht man da und denkt, das glaubt mir doch keine Sau. Zufälle, so unglaublich, dass jeder drittklassige Drehbuchautor dafür seinen Job verlieren würde. Da tappt die Heldin verkatert zur 24-Stunden-Tanke zum Zigaretten holen, läuft just ihrem Ex mit seiner Neuen in die Arme, einer von einem Hauch Sonnenbräune überzogenen A-Klasse-Fahrerin in Riemchensandalen, die gerade mit ihm von einer Spritztour an die Küste kommt, und... die restalkoholisierte, restenthemmte Heldin tillt, tritt der Alten ans Rad und bricht sich den mittleren Zeh. Mir passiert so was nie. Jedenfalls nicht der zweite Teil ab "Zigaretten holen". Insofern war es eigentlich im Großen und Ganzen und bis auf das "Zigaretten holen" eben ein gar nicht so unerfolgreicher Sonntag. Das, Freunde, Mitleidende, nenn´ ich mal positives Denken.

Ach ja. Und die Fleischwurst ist weg und Curd geht´s auch wieder besser...