Anleitung zum Entlieben

10.08.2005 um 12:50 Uhr

Als Mitglied eines Fitnesscenters steht man gleich ganz anders auf

von: Lapared

Bevor der final curtain fällt, präsentiert uns das Unterbewusstsein noch mal mit letzter Kraft ein Best of. Heißt es jedenfalls. Als hätte es ein Leben lang auf diesen Moment gewartet. Als hätte es - während wir, abgelenkt vom Existieren, das Beste vergessen – schon die ganze Zeit emsig im Schneideraum gewirkt und Tapes mit den schönsten Erinnerungen geschnitten. Zwischen im besten Falle Hunderten von Schnipseln bei so genannten glücklichen Menschen und gerade mal einer Handvoll bei den Unglücklichen verbringt es im Dunkel seines Schneideraum die Tage und aktualisiert bei Bedarf unverzüglich die Montage. Weil es immer vorbereitet sein muss, weil Vorhänge jederzeit fallen und nicht erst am Ende (wie das Ende sieht es immer erst danach aus), und da muss so ein Unterbewusstsein ganz schön auf Zack sein und dann rechtzeitig das Knöpfchen drücken. PLAY.

Ja, so verhält sich das. Und ich glaube, wenn eine Beziehung stirbt, verhält es sich ähnlich. Da führt unser Beziehungsunterbewusstsein uns dann auch noch mal den Film der großen Augenblicke vor, die in Wirklichkeit vielleicht ganz klein waren und aus unseren bewussten Erinnerungen längst gelöscht.
Mir hat es heute morgen eine Szene vorgespielt, die etwa vor einem halben Jahr stattgefunden haben muss. Heute morgen, als ich wieder mal nicht aus dem Bett kam.

Ich hatte mir den Wecker auf sieben Uhr gestellt und mir für hier auch schon den ersten Satz zurecht gelegt. „Als Mitglied eines Fitnesscenters steht man gleich ganz anders auf...“ Das sollte der Satz sein. Um zehn erwachte ich mit meinem völlig verausgabten Wecker im Arm, fügte im Geiste hinzu „...eine Stunde später um die Muskeln für das bevorstehende Training auszuruhen“ und drehte mich noch mal auf die Seite. In dieser Zeit passierte es, der Film zog vorbei, und sie war dabei, diese Erinnerung:

Ich (zu spät zum Kino und, wie zu sehen, stets mit denselben Problemen befasst): „Entschuldige. Ich... Entschuldige.“
Er: „Was passiert?“
Ich: „Nein, ich... (plötzlich in Tränen ausbrechend)... ich bin... der ganze Tag nur Hetze... ich… immer bin ich zu allem zu spät... (schluchz) nur weil ich morgens nicht aus dem Bett komme!“
Er: „Na komm...“
Ich: „Ich bin... (schluchz) eine riesengroße… Scheißlusche!“
Er (lächelnd): „Echt, eine riesengroße?“
Ich: „Eine galaktische (schluchz).“
Er: „Huh! Eine galaktische! Jetzt gib mal nicht so an. Wann bist Du aufgestanden?“
Ich: „Halbzehn.“
Er: „Galaktische Scheißluschen stehen erst um zehn auf. Und was hast Du dann gemacht?“
Ich: „Ins Auto gesetzt und (schnief)… zur Steuerberaterin gefahren (schnief).“
Er: „Siehste. Galaktische Scheißluschen setzen sich aufs Sofa und gucken Barabara Salesch.“
Ich: „(schnief)... Und trinken ein Bierchen dazu!“
Er: „Genau, und trinken ein Bierchen dazu.“
Ich (ins Tempo trompetend): „Diese Hänger!“
Er: „Diese galaktischen Scheißhänger.“
Er (nimmt mich in den Arm): „Ach, Mäuschen... (ich glaube, so hat er mich nie wieder genannt)... Und? Ich konnt´s nicht zuende sehn... hat sie den Scheißpäderastenarsch verknackt?“
...